Eine Maschine der Fluggesellschaft Lufthansa rollt auf dem Flughafen in Berlin-Tegel an Maschinen von Air Berlin vorbei. (Quelle: dpa/Wolfgang Kumm)
Audio: Inforadio | 13.10.2017 | Interview mit Klaus-Peter Willisch | Bild: dpa/Wolfgang Kumm

Kauf von Anteilen an Air Berlin - Chef der Monopolkommission rechnet mit Auflagen für Lufthansa

Die Teilübernahme von Air Berlin durch die Lufthansa wirft noch einige Fragen auf. Die Monopolkommission will die Strecken genau prüfen. Das könnte die Lufthansa wirtschaftlich schmerzen. Verdi rechnet derweil mit Klagen von Air-Berlin-Mitarbeitern.

Wenn Air Berlin durch die Lufthansa zu großten Teilen übernommen wird, rechnet der Vorsitzende der Monopolkommission, Achim Wambach, mit Auflagen der Kartellbehörden. Die Moopolkommission würde sich die einzelnen von dem Verkauf betroffenen Strecken nun genau anschauen, sagte Wambach der "Rhein-Neckar-Zeitung" (Freitag). "Und wenn Wettbewerbsprobleme erkannt werden, wird es sicherlich Auflagen geben." Dies halte er "sogar für wahrscheinlich".

Möglich wäre etwa, dass Deutschlands größte Fluggesellschaft verpflichtet werde, "bestimmte Start- und Landerechte an Wettbewerber abzugeben", führte Wambach aus. Er gehe allerdings davon aus, dass sich die Lufthansa dazu vorab habe beraten lassen und "mögliche kartellrechtliche Schranken sehr genau kennt".

Wambach kritisierte, dass die Bundesregierung der insolventen Air Berlin einen Überbrückungskredit in Höhe von 150 Millionen Euro gewährt hatte, um den Flugbetrieb vorerst zu sichern. "Dass bei einer Unternehmensinsolvenz der Staat einspringt, ist nicht gut", sagte der Experte. In solch einem Fall müsse es "andere Lösungen geben - zum Beispiel Insolvenzversicherungen wie bei Pauschalreisen".

Der Bundestagsabgeordnete Klaus-Peter Willsch ist Luftfahrtexperte (Quelle: dpa/Thomas Frey)
Der Bundestagsabgeordnete Klaus-Peter Willsch ist Luftfahrtexperte | Bild: dpa/Thomas Frey

Slots für Wettbewerb abgeben

Der CDU-Luftfahrtexperte Klaus-Peter Willsch begrüßt die Ankündigung der Monopolkommission, bestimmte Strecken nach der Teilübernahme von Air-Berlin durch die Lufthansa kartellrechtlich zu prüfen.

Er sagte dem rbb, dass er die Sorgen von Verbraucherschützern verstehe, dass Ticketpreise auf bestimmten innerdeutschen Strecken teurer werden könnten, weil diese dann nur noch von der Lufthansa bedient würden. Daran ändere auch die Ankündigung der Lufthansa nichts, mit Konzerntöchtern wie Eurowings auch auf diesen Strecken für Wettbewerb zu sorgen, so Willsch am Freitag im rbb-Inforadio. Auf bestimmten Strecken müssten seiner Ansicht nach Slots an andere abgegeben werden, um ein wirklichen Wettbewerb zu haben und nicht nur einen unter Konzertöchtern.

Luftverkehrsstandort stärken

Den staatlichen Überbrückungskredit in Höhe von 150 Millionen Euro verteidigte Willsch gegen Kritik. Das Geld helfe beim Übergang müsse auch ganz normal zurückgezahlt werden.

Willsch plädierte dafür, den Luftverkehrsstandort Deutschland zu stärken, in dem etwa die Luftverkehrssteuer abgeschafft wird. Die hohen Luftsicherheitsgebühren sollten aus seiner Sicht gesenkt werden. Er bemängelte zudem, dass viele deutsche Flughäfen nachts geschlossen seien. Diese Betriebsbeschränkungen gehörten überarbeitet. Die deutsche Luftverkehrwirtschaft dürfe nicht schlechter gestellt werden als die Konkurrenz, so Willsch weiter.

Verdi erwartet Klagen von Air-Berlin-Mitarbeitern gegen Lufthansa

Die Übernahme großer Teile der Air Berlin durch Lufthansa dürfte aus Gewerkschaftssicht auch ein Fall für die Arbeitsgerichte werden. "Es wird mit Sicherheit Klagen geben, und wir werden die Beschäftigten dann unterstützen", sagte ein Verdi-Sprecher am Freitag. Er forderte die Lufthansa auf, zügig Tarifverhandlungen mit der Gewerkschaft aufzunehmen.

Der Dax-Konzern will bis zu 3.000 Beschäftigte von Air Berlin und ihren Tochterunternehmen übernehmen, gut die Hälfte muss sich aber neu bewerben. Verdi erwartet für diese Beschäftigten Gehaltseinbußen. Sie könnten bei einer Klage jedoch argumentieren, dass eigentlich ein Betriebsübergang stattfinde, bei dem der Käufer bestehende Tarife übernehmen müsse.

Verdi will mit Lufthansa in einem Tarifvertrag festlegen, wie bei Neueinstellungen ausgewählt wird. So könnte etwa bestimmt werden, Air-Berlin-Mitarbeiter bevorzugt einzustellen.

Die Lufthansa und Air Berlin hatten am Donnerstag einen Kaufvertrag für große Teile des Unternehmens unterzeichnet. Der Gesamtkaufpreis von rund 210 Millionen Euro werde bei Vollzug des Kaufvertrags noch angepasst, teilte Air Berlin mit.

In den vergangenen Wochen hatte die Geschäftsführung der insolventen Fluggesellschaft mit der Lufthansa und dem britischen Billigflieger Easyjet über die Aufteilung des Unternehmens verhandelt. Die Bieterfrist für die Techniksparte von Air Berlin, die ebenfalls zum Verkauf steht, ist bis zum 20. Oktober verlängert worden.

Verdi lobt Easyjet als verlässlichen Tarifpartner

Die Lufthansa will 81 Flugzeuge und damit gut die Hälfte der insolventen Air Berlin übernehmen. Für weitere 20 bis 30 Flugzeuge verhandelt Air Berlin mit Easyjet. Weit mehr als 1.000 Mitarbeiter könnten dann von Air Berlin zu Easyjet wechseln. "Wir machen uns natürlich Sorgen um die Mitarbeiter von Air Berlin. Aber wir kennen Easyjet seit langen Jahren als wirklich verlässlichen Arbeitgeber, aber auch als verlässlichen Tarifpartner", sagte Verdi-Vorstandsmitglied Christine Behle. "Wir haben in Deutschland mit Easyjet seit langer Zeit Tarifverträge für das Cockpit- und für das Kabinenpersonal abgeschlossen. Das sind auch anständige Verträge, die ungefähr auf dem gleichen Niveau sind wie bei anderen deutschen Fluggesellschaften."

Bei der Kurz- und Mittelstrecke sei Easyjet seien sie sogar auf dem Niveau von Lufthansa, so Behle weiter. Zum Teil gebe es sogar für Piloten bessere Bedingungen als bei anderen Fluggesellschaften, weil die Piloten dort schneller ins Kapitäns-Würden wachsen würden. "Was Easyjet natürlich nicht hat, ist die Langstrecke. Deswegen kann man sie an der Stelle natürlich auch nicht mit der Lufthansa vergleichen", so Behle.

Dennoch sieht Behle Handlungsbedarf, wenn Mitarbeiter von Air Berlin zu Easyjet wechseln sollten. "Was wir als Problem sehen, ist, dass es so etwas wie Senioritäten gibt - dass also länger Beschäftigte mehr verdienen." Verdi beabsichtige, mit Easyjet zu verhandeln, dass Beschäftigungszeiten, die Air Berlin-Mitarbeiter bei Air Berlin absolviert haben, anerkannt werden. "Das sollte sowohl für die Flugbegleiter als auch für die Piloten gelten", so Behle.

Auch Condor könnte wieder ins Spiel kommen

Air Berlin hatte in den vergangenen drei Wochen exklusiv mit Lufthansa und Easyjet verhandelt. Ob die Berliner nun auch den Kaufinteressenten Condor an den Tisch holen, blieb am Donnerstag noch offen. Der Ferienflieger war schon aus dem Rennen, mischt aber vielleicht nochmal mit, falls die Verhandlungen mit Easyjet scheitern.

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1 Kommentar

  1. 1.

    Sicherlich findet ein Beteiebsübergang statt. Die Lufthansa will LGW und Niki samt Mitarbeitern übernehmen. Nur dürfte es deshalb für die Angestellten direkt bei der AB schlecht aussehen.

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