Flugzeuge von Air Berlin und der Lufthansa auf einem Flugfeld (Quelle: Imago/ FrankHoermann/SVEN SIMON)
Video: Abendschau | 12.10.2017 | D.Knieling/F. Eckardt | Bild: imago stock&people

Kaufvertrag steht fest - Lufthansa zahlt 210 Millionen Euro für große Teile von Air Berlin

Lufthansa und Air Berlin haben am Donnerstag einen Kaufvertrag für große Teile des Unternehmens unterzeichnet - sie vereinbarten eine Summe von 210 Millionen Euro. Der Lufthansa-Chef sieht in dem Kauf von rund 80 Flugzeugen einen "großen Tag". Gilt das auch für gestrandete Fluggäste und zukünftige Ticketpreise?

Die Lufthansa und Air Berlin haben am Donnerstag einen Kaufvertrag für große Teile des Unternehmens unterzeichnet. "In der Tat ist das heute ein großer Tag, den wir in ein paar Stunden mit der Unterschrift besiegeln", sagte Lufthansa-Chef Spohr in Berlin.  Der Gesamtkaufpreis von rund 210 Millionen Euro werde bei Vollzug des Kaufvertrags noch angepasst, teilte Air Berlin mit.

In den vergangenen Wochen hatte die Geschäftsführung der insolventen Fluggesellschaft mit der Lufthansa und dem britischen Billigflieger Easyjet über die Aufteilung des Unternehmens verhandelt. Die Bieterfrist für die Techniksparte von Air Berlin, die ebenfalls zum Verkauf steht, ist bis zum 20. Oktober verlängert worden.

Condor könnte wieder ins Spiel kommen

Die Lufthansa will 81 Flugzeuge und damit gut die Hälfte der insolventen Air Berlin übernehmen. Für weitere 20 bis 30 Flugzeuge verhandelt Air Berlin mit Easyjet. Diese sollen in Berlin und Düsseldorf stationiert werden. Die Gespräche sind laut Spohr aber noch nicht abgeschlossen. "Wir werden heute nicht notwendigerweise noch andere Entscheidungen bekommen", so Spohr.

Der Lufthansa-Chef hatte der "Rheinischen Post" (Donnerstag) gesagt, dafür in Summe 1,5 Milliarden Euro zu investieren. Air Berlin hatte zuvor mitgeteilt, man sehe gute Chancen, dass etwa 80 Prozent der 8.000 Mitarbeiter bei anderen Unternehmen einen neuen Arbeitsplatz erhalten könnten. Was aus ihnen wird, ist aber noch völlig unklar.

Air Berlin hatte in den vergangenen drei Wochen exklusiv mit Lufthansa und Easyjet verhandelt. Ob die Berliner nun auch den Kaufinteressenten Condor an den Tisch holen, blieb am Donnerstag zunächst offen. Der Ferienflieger war schon aus dem Rennen, mischt aber vielleicht nochmal mit, falls die Verhandlungen mit Easyjet scheitern. Sollten Flugzeuge übrig bleiben, könne Condor ins Spiel kommen, hatte Air-Berlin-Chef Winkelmann im September angekündigt. Condor selbst hält sich aber zu seinen Ambitionen öffentlich zurück.

Der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) appellierte an die Käufer, "in Tarifverhandlungen mit den Gewerkschaften über neue Beschäftigungsbedingungen einzutreten". Diejenigen Arbeitnehmer, die unter Umständen keine Perspektive erhalten, könnten sicher sein, dass das Land Berlin ihnen zur Seite stehen werde, so Müller.

ver.di: Beschäftigte vor der Kündigung

Arbeitnehmervertreter befürchten, dass fast allen 8.000 Mitarbeitern gekündigt werde, da die künftigen Eigner wohl keine Beschäftigten direkt übernehmen wollen. "Jetzt schält sich mehr und mehr heraus dass sich große Zahl der Beschäftigten beruflich neu orientieren muss, offensichtlich keine Anschlussbeschäftigung bekommt. Leider ist es so, dass die Interessenten, die die ganze Zeit über Angebote abgegeben haben, kein Interesse an den Beschäftigten und einer Betriebsübernahme gezeigt haben", sagte der ver.di-Sprecher Andreas Splanemann am Donnerstag dem rbb.

Die Lufthansa mache ein Riesenschnäppchen, kaufe für wenig Geld sehr lukrative Teile von Air Berlin, stehle sich aber aus der Verantwortung. "Die Beschäftigten haben gute Arbeit geleistet und kriegen jetzt einen Tritt in den Hintern, werden auf die Straße gesetzt. Das ist nicht in Ordnung", sagte Splanemann.  ver.di forderte erneut von der Politik und den beteiligten Unternehmen, alles zu tun, um die Bildung einer Transfergesellschaft zu ermöglichen - das würde den von Arbeitslosigkeit bedrohten Angestellten Zeit bringen. Sobald die Entscheidung über den Verkauf gefallen ist, will ver.di Tarifverhandlungen mit den Käufern beginnen.

Kartellrecht könnte Lufthansa zu schaffen machen

Aus Sicht des Lufthansa-Chefs Spohrs wird das Aus für Air Berlin und andere Anbieter die Ticketpreise nicht nach oben treiben. "Denn der Wettbewerb wird sich in Europa und auch weltweit verschärfen", sagte er der Zeitung weiter. "Wir gehen von weiter sinkenden Preisen aus." Im Konzern werde man sich mit der Tochter Eurowings selbst Konkurrenz machen. "Da wo es bisher nur Lufthansa und Air Berlin gab, wie beispielsweise zwischen München und Köln, kommen nun Eurowings-Flüge als Ersatz für Air Berlin hinzu."

Die Übernahme großer Teile der Fluglinie könnte die Lufthansa vor kartellrechtlichen Probleme stellen. Insbesondere die Ankündigung von Spohr, auf bestimmten Strecken eine konzerninterne Konkurrenz zwischen Lufthansa und Eurowings zu organisieren, trifft auf Skepsis. "Konzerne werden aus kartellrechtlicher Sicht als ein Unternehmen angesehen", sagte der Düsseldorfer Kartellrechtler Martin Gramsch.

Der Luftverkehrsberater Gerald Wissel erwartet eine vertiefte kartellrechtliche Überprüfung der EU-Kommission. Dabei würden die Marktverhältnisse auf einzelnen Strecken überprüft. Es könne dann gut sein, dass Lufthansa Start- und Landerechte (Slots) auf einzelnen Verbindungen freigeben müsse und diese dann an Konkurrenten verteilt würden.

Durchaus nachteilig für die Lufthansa könnte sich ein Abwinken des zweiten Bieters Easyjet auswirken. "Falls Easyjet aussteigt, wird die kartellrechtliche Genehmigung für Lufthansa noch schwieriger zu bekommen sein", sagte Wissel.

Hilfe für gestrandete Passagiere angekündigt

Spohr kündigte zugleich ein Angebot an, "um im Ausland gestrandeten Passagieren der Air Berlin die Heimreise zu einem fairen Preis anzubieten, sofern wir die Kapazitäten dafür haben". Aus Lufthansa-Kreisen hieß es dazu, es sei schwer zu schätzen, um wie viele Passagiere es dabei gehe. Seit 25. September ist bekannt, dass Air Berlin alle Langstreckenflüge am 15. Oktober einstellt.

Spohr sagte am Donnerstag in Berlin, man habe Piloten aus dem Urlaub geholt und fliege auch innerhalb Deutschlands mit Jumbo-Jets, um alle Passagiere aufnehmen zu können. Spohr kündigte an, zum Teil auch bei der Langstrecke Lücken zu schließen, die Air Berlin hinterlassen hat. Demnach wird man die Strecke Berlin-New York anbieten und möglicherweise auch eine zweite Langstrecke einrichten. 

Tickets bei Nachfolgern wohl nicht gültig

Air Berlin hatte am Montag mitgeteilt, den Flugbetrieb im Oktober einstellen zu müssen. Im laufenden Insolvenzverfahren sei ein eigenwirtschaftlicher Flugverkehr unter dem Airline-Code AB "nach gegenwärtigem Erkenntnisstand spätestens ab dem 28. Oktober nicht mehr möglich." 

Der Flugverkehr der nicht insolventen Töchter Niki und LG Walter werde weitergeführt. Das gilt nach Air-Berlin-Angaben auch für die 38 Maschinen, die inzwischen für die Lufthansa-Töchter Eurowings und Austrian fliegen. Unklar ist, ob und welche AB-Flüge ab 28. Oktober von den neuen Eigentümern übernommen werden. Eine Entscheidung darüber kann es erst nach Abschluss der Verkaufsverhandlungen geben.

Klar ist allerdings, dass Tickets von Air Berlin für Flüge nach dem 28. Oktober bei den Nachfolgern nicht gültig sind. "Diese Tickets verfallen", erklärte ein Unternehmenssprecher. Sollten sie nach dem 15. August gekauft worden sein, können die Kunden auf eine Rückzahlung vom eigens für diese Fälle angelegten Treuhand-Konto rechnen. Tickets der Niki bleiben hingegen gültig. Die LG Walter soll ihr Mietgeschäft weiter betreiben, hat aber keine eigenen Tickets verkauft.

Kommentar

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2 Kommentare

  1. 2.

    Mit staatlicher Hilfe ohne Wartezeit Flugzeuge abgegriffen. Jetzt kann Billigfliegerei auf den Langstrecken endlich losgehen.

  2. 1.

    https://m.youtube.com/watch?v=OgG6kuo0wks
    Das sagt alles....

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