Schauspielerin Elzemarieke de Vos (Quelle: Miriam Raneburger)
Bild: Miriam Raneburger

Porträt einer Solo-Selbstständigen (Foto: Miriam Raneburger) - Immer wieder Stress mit dem Jobcenter

Elzemarieke de Vos ist Schauspielerin und wollte statt Festanstellung lieber berufliche Freiheit. Womit sie dabei nicht gerechnet hat, sind die behördlichen Hürden, die Selbstständige ständig nehmen müssen. Von Jana Göbel

Sie war die Kameliendame am Hans-Otto-Theater, stand für den Kölner Tatort vor der Kamera und spielte in Serien wie "In aller Freundschaft", "Der Kriminalist" und "Küstenwache". Elzemarieke de Vos wollte frei sein, um sich beruflich weiterzuentwickeln. Vor zwei Jahren hat sie die Festanstellung in Potsdam aufgegeben. Ich habe es nicht bereut, sagt sie heute. Neu ist, dass sie sich jetzt laufend aktiv um Engagements und Auftritte kümmern muss. Neu ist aber auch der Ärger mit den Behörden. Viele Ämter seien auf die neue Arbeitswelt nicht eingestellt, sagt de Vos.

Kein Arbeitslosengeld zwischen den Engagements

Denn der Beruf einer Schauspielerin ist ein stetiger Wechsel zwischen verschiedenen Jobs. Dazwischen gibt es immer wieder Leerzeiten. Für viele Ämter sei dies offenbar eine Überforderung, erzählt Elzemarieke de Vos. Vor allem mit dem Jobcenter habe sie schlimme Erfahrungen gemacht. Obwohl sie jahrelang in die Arbeitslosenversicherung eingezahlt hat, bekam sie 2016 in den Zeiten zwischen den Engagements kein Arbeitslosengeld. "Ich bin in meiner Freizeit ständig mit Papierkram fürs Arbeitsamt und für die Versicherungen beschäftigt." Sie musste zeitweise Hartz IV beantragen, um über die Runden zu kommen. So wie ihr geht es vielen Schauspielern. Das Geld steht ihnen zu, doch manchmal ist es ein Kampf, es auch zu bekommen.

Ähnlich schwierig läuft es mit der Krankenkasse. Hier liegt es vor allen daran, dass Elzemarieke de Vos immer wieder Engagements im Ausland hat. Erst vor wenigen Tagen hat sie eine erfolgreiche Premiere in Wien gefeiert. "Sobald ich im Ausland tätig bin, wird es problematisch", erzählt sie. "Es ist nicht klar, muss ich in Österreich bezahlen oder in Deutschland, alles wahnsinnig kompliziert". Die beiden Krankenkassen in Österreich und Deutschland hätten das bisher nicht klären können. Viele Schauspieler seien von Zeit zu Zeit im Ausland tätig. Doch die Versicherungen seien auf diese Wirklichkeit offenbar noch nicht eingestellt.

Ein anderes Problem gebe es zum Beispiel bei den Banken. Weil sie beruflich viel unterwegs ist, braucht sie einen Laptop und wollte ihn finanzieren. Doch die Bank sagte nein. Nicht etwa, weil sie nicht genug verdient, sondern weil sie nicht drei Monate fest an einem Ort war. Der Vorteil, gut beschäftigt zu sein, galt bei der Bank als Nachteil. "Dabei habe ich ein geregeltes Einkommen, es fließt nur nicht so regelmäßig auf mein Konto".

Die Gesellschaft muss sich ausrichten

Elzemarieke de Vos schwärmt von ihrem Beruf und von den Chancen, die ihr das freie Leben bietet. Ob Film oder Theater, Berlin oder Wien - sie will sich ausprobieren und stetig verbessern. Noch schöner wär es allerdings, wenn die Gesellschaft besser dafür eingerichtet wäre. Es gibt so viele Kreative in Berlin, "aber manchmal werden wir von den Behörden behandelt, als würden wir unser Leben nicht auf die Reihe bekommen".

Solo-Selbstständige im Porträt

  • Die Bioladen-Besitzerin

  • Die Plattform-Workerin

Sendung: Abendschau, 12.10.2017, 19:30 Uhr

Beitrag von Jana Göbel, Redaktion Hintergrund und Investigatives

Kommentar

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13 Kommentare

  1. 13.

    Ich möchte kurz etwas richtigstellen, als schauspieler/in ist man, sobald mam einen Job als Gast im Theater oder auch im Film/Fernsehen bekommt automatisch fest angestellt für den jeweiligen Zeitraum. Als schauspieler/in beschreibt man sich als "selbständig/freischaffend", erstes, weil es nicht wirklich ein passender Begriff dafür gibt und zweitens, wenn man nicht Fest sondern als Gast in ein Theaterensemble tätig ist.
    Das heisst aber nicht, das man seine Rollen selber aussuchen kann und Angebote absagt weil kein Interesse besteht. Im gegenteil, man freut sich über jedes angebot und IST dankbar. Und was noch dazu kommt ist, das es heut zu Tage gar nicht mehr so einfach ist ein festeinstellung zu bekommen! Deswegen ist man, wie jede andere auch, teilweise angewiesen auf das Arbeitsamt, wo das Jobangebot für schauspieler mehr oder weniger gar nicht vorhanden ist. Es ist nicht fair und vorallem nicht richtig zu behaupten, das " selbständige" schauspieler/innen sich einen Lenz machen!

  2. 12.

    Schauspieler sind, nur weil sie sich in keiner Festanstellung befinden, nicht automatisch selbständig (das ist hier im Artikel irreführend beschrieben). Man ist weisungsgebunden und meistens arbeitet man trotzdem angestellt, nur eben für teilweise sehr kurze Zeiträume. In den artverwandten Berufen wie zB Sprechen, muss man dann aber manchmal Rechnungen stellen. Dh es geht immer darum, zu sehen, welcher Bereich überwiegt gerade. Und das dann jedes Jahr abwiegen und mit den Ämtern und Krankenkassen regeln. Wünschenswert wäre hier wirklich ein anderes Modell, dass sich am realen Verdienst und den geleisteten Beiträgen orientiert.

  3. 11.

    Leistungen nachSGB2 bekommen die, die dem Arbeitsmarkt! zur Verfügung stehen.
    Selbständige tuen das nicht.
    Und trotzdem werden sie unterstützt - in der Annahme, ihr Vorhaben trägt sich -irgendwann- einmal....

  4. 10.

    Selbstständige haben keinen Anspruch auf HartzIV.Nur wer seine Beiträge leistet kann diese auch bei bedarf einfordern.Sonst bräuchten sie sich ja nicht selbstständig machen.Oder meinen Sie hier d."Scheinselbstständigkeit"?Da liegt der Hase nämlich i.Pfeffer.Diese Leute stehen i.d.Jobcentern,weil diese Steuerabgaben aber keine Sozialleistungen erbracht haben benötigen sie andere Leistungen.

  5. 9.

    Aber nur solange freiwillige Beiträge zur Arbeitslosigkeit gezahlt werden, ansonsten bleibt da nur der Gang zum jobcenter um die Unterstützung zum Lebensunterhalt zu bekommen.
    Eine Freiheit, die der Steuerzahler finanziert.
    Da sollte man nicht hadern sondern eher mal etwas dankbar sein.

  6. 8.

    Das ganze Sozialversicherungssystem müsste zumindest für die Euro-Länder endlich vereinheitlicht werden. Die Beitragssätze und Auszahlungen können durchaus regional unterschiedlich bleiben je nach Wirtschaftskraft, aber das System selbst wäre vereinheitlicht und entbürokratisiert auch ein globaler Standortvorteil.

  7. 7.

    Als Schauspielerin ist man Flexibilität gewohnt.Sich selbst mit diesem Beruf verwirklichen können nicht viele.Selbständigkeit bedeutet ja nicht das Sie nicht auch ihre ges.Beiträge entrichtet.Hat somit Anspruch auf Arbeitslosengeld bei Berufsausfall.

  8. 6.

    Ich meinte durchaus Selbstverwirklichung. Nur noch die Rollen annehmen, die man möchte, zu Zeiten wann man möchte ist für mich eine Form davon. Jeder hat in seinem Job Arbeiten zu erledigen, die man mag oder eben nicht. Auch Selbstständige. Sich nur noch die Rosinen rauszupicken, ohne Rücksicht auf seine eigenen Lebensumstände und dies dann von der Gesellschaft ab und an übernehmen zu lassen, gehört m.E. dazu.
    Ich finde sie sollte froh sein, dass es diese Möglichkeit überhaupt gibt. Geringverdiener haben sicher noch weniger Zeit zum Anträge ausfüllen. Aber die höre ich nicht meckern.

  9. 5.

    Tja - die Konsequenzen sind halt so, wenn man als selbständiger sein Leben bewältigen möchte (vom Muss ganz zu schweigen).
    wie die staatl. Unterstützung von Selbständigen in anderen Ländern aussieht, entzieht sich meiner Kenntnis, aber die Unterstützung hier ist mit Bürokratie verbunden - so ist das nun mal.
    Den Beziehern der SGBII-Leistungen geht es nicht anders - und jeder, der diese Leistungen beziehen muss und sich über dieses oder jenes vom JC aufregt, muss mal ganz ehrlich mit sich sein und sich fragen, ob nicht ein Dankbarkeit über eine Angebot angebracht wäre, was einem das Dach über dem Kopf sichert. Abgesehen von den Folgen der Agenda2010 eines heuer als Vorstands für dubiose Russenfirmen tätigen Ex-Politiker, dem man dafür alle Politpfründe streichen sollte....

  10. 4.

    Selbständig sein meinen Sie sicherlich.Selbstverwirklichung ist etwas anderes.Hierzu brauche i.keinen Meisterbrief.Gebe Ihnen aber insofern recht,da auch i.der Meinung bin wer sich selbstständig macht, sollte einiges an Rücklagen haben um eben nicht zeitweilig HartzIV i.Anspruch zu nehmen.

  11. 3.

    Selbstverwirklichung und wählerisch sein muss man sich in der Regel leisten können...
    Und was denn nu? Bekommt sie nun genug Geld um eigentlich Kreditwürdig zu sein, oder muss doch ab und an auf Hartz4 zurückgegriffen werden?

  12. 2.

    Die Behörden müssen sich der Gegenwart anpassen, nicht die Gesellschaft - was soll denn bitte diese These?
    Im einigen Europa kocht dann doch jeder Staat sein Süppchen, ebenso wie im einigen E und D bei den Jobcentern auch jedes, ja nach Kommune, auch sein kleines Süppchen kocht - es ist leider immer noch wie zu Zeiten der Grafschaften und Fürstentümer geblieben - diese EuroHarmonisierung ist nur Opium fürs Volk. Letzten Endes macht jeder nur seines.......
    Und ja - Ämter und staatliche Versicherungen sind einfach noch nicht im Heute angekommen......das exisitert nur auf dem Papier - und das ist ja geduldig.

  13. 1.

    So wie geschildert i.Bericht erhält die Frau später auch gesetzliche Rente aus dem Ausland.Vorrausgesetzt Sie zahlt dort auch d.ges.Versicherungsbeiträge.Ich kenne jemanden der bezieht nun auch Rente aus z.b.Kanada,Norwegen.

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