Symbolbild: Müde Postbotin ruht sich in Berlin auf einer Treppe aus. (Quelle: imago/Steinach)
Video: zibb | 10.10.2017 | Carsten Krippahl | Bild: imago/Steinach

Leere Briefkästen im Berliner Westend - Frust kommt auf, denn die Post kommt nicht

Zwei Wochen keine Post: Bei unliebsamen Rechnungen ist das vielleicht kein Problem. Aber in vielen Berliner Bezirken bleiben immer häufiger die Briefkästen leer. In Westend warten die Bewohner eines Hauses schon einen halben Monat auf ihre Post. Von Carsten Krippahl

Nichts drin. Schon wieder nichts im Briefkasten. Und immer noch nichts da! Seit Tagen keine Post in Teilen von Berlin-Charlottenburg und Wilmersdorf. "Seit 16 Tagen schon", sagt die Hausbewohnerin Margit Grieshammer. Zusammen mit der Nachbarin Ingeborg Schulz macht sie sich kundig: bei der Hotline, persönlich beim Postamt. Zwei Beschwerden - ohne Resonanz. Hilflos fühlen sich die beiden. "Dass man hingeht und dann auch noch beschimpft wird, das ist der absolute Höhepunkt", kritisiert Ingeborg Schulz.

Das Ehepaar Grießhammer bekommt seit 16 Tagen keine Post. (Quelle: rbb/zibb)
"Postloses" Ehepaar mit Twitterplan: die Grießhammers. | Bild: rbb/zibb

Problem für Firmen und Kanzleien

Der Briefträger sei halt krank, so erfahren die Frauen. Ersatz gebe es nicht. Pech halt. Für Architekt Johannes Reuter, der im selben Haus wohnt und arbeitet, hat dieser Zustand auch berufliche Folgen. Er habe ein Bürgerrecht auf Postversorgung und sei "etwas empört" darüber, dass keine Post mehr kommt. Besonders für Bauvorhaben, die unter Zeitdruck stehen, sei die ausbleibende Post ein Problem. Ihn erreiche ja nichts mehr.

Es ist in Berlin kein Einzelfall. Immer wieder bleiben Briefkästen über Tage leer, Dokumente kommen nicht an. In Weißensee haben die Juristen Susen und Michael Wahl Stress mit der Post: "Wir haben als Anwaltskanzlei das Problem, dass wir montags einfach mal keine Post kriegen." Im schlimmsten Fall komme einmal die Woche ein Berg Post, und dann müssten er und seine Frau zusehen, dass sie diesen Berg möglichst schnell abarbeiten.

Eine Demo via Twitter

Was ist los bei der Post? Auf rbb-Anfrage teilt das Unternehmen am Dienstag mit: "Neben vereinzelten krankheitsbedingten Ausfällen gab es in den vergangenen Tagen insbesondere sturmbedingte Schwierigkeiten." Auch für die Grießhammers ist diese Antwort unbefriedigend. Der Sturm ist doch fünf Tage her. Margit Grieshammer plant schon eine Revolte - digital, nicht analog: "Ich werde eine Demo per Twitter veranlassen. Es werden sich genug Leute finden, die auch keine Post bekommen." Der nächste Schritt dann analog: Plakate entwerfen und vor dem Postamt demonstrieren.

Die Post entschuldigt sich und gibt Sturm Xavier und Krankheit als Gründe an (Quelle: rbb)
| Bild: rbb

Die Post juristisch zu belangen, sei schwierig, sagt Anwalt Wahl. Eine Beschwerde könne bei der Bundesnetzagentur eingereicht werden. "Im vergangenen Jahr war die Anzahl der Beschwerden sehr hoch."

Mehr Briefträger einzustellen sei ebenfalls eine Möglichkeit, das Problem zu lösen, finden die Grießhammers. Bis dahin ist möglicherweise immer noch nichts drin im Briefkasten.

Beitrag von Carsten Krippahl

Kommentar

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14 Kommentare

  1. 14.

    Auch im Bezirk Tiergarten scheint die Post nicht mehr richtig zu funktionieren, ich warte auch schon seit einigen Tagen auf meine Post...Politiker und Manager sollten schnellstens damit aufhören, Kapitalmarktinteressen vor die Interessen der Bevölkerung zu stellen...Statt jedes Jahr den versprochenen Gewinn an die Anleger abzuführen, sollte lieber viel mehr neues Personal eingestellt und angelernt werden...

  2. 13.

    Ich weiß zwar nicht weshalb Sie kein Postfach erhalten haben,es ist mietbar.Auch als Privatperson.Wer will Ihnen denn unterstellen das Sie kein Unternehmen führen v.zuhause aus.Aus welchem Grund soll Ihnen ein Postfach verweigert werden?
    Sendungen d.ü.Postfach gehen erspart d.Zustellung.Sie müssen sich d.Post selber Abholen.

  3. 12.

    Ich frage mich ernsthaft, wer für Schäden, wegen Nichtzustellung, bei z. B. der Einhaltung von Fristen aufkommt?

    Beispiel 1: Ich würde einen Brief, mit einer Zahlungsfrist, von 14 Tagen, erst nach 16 Tagen erhalten. Nun bekomme ich eine Mahnung, was Mahnkosten bedeutet. Gehe ich dann damit zur Post und kann die Mahnkosten von denen verlangen?

    Beispiel 2: Ich bekomme ein Vorladung von der Polizei erst nach dem bereits verstrichenen Termin. Was dann?

    Beispiel 3: Ich bekomme eine Zusage zu einer Arbeitsstelle und mein erster Arbeitstag ist bereits verstrichen. Wie setzt sich die Post dann für mich ein? Sie ist ja daran Schuld, daß man diese Arbeitsstelle nicht antreten kann, was hohe Kosten verursachen kann.

  4. 11.

    Man kann eben nicht so einfach ein Postfach anmieten! Ich habe es im Staaken-Center und in den Spandau Arcaden versucht - vergeblich - weil ich eine Privatperson bin, wurde mir gesagt. Nach Meinung der Post soll man sich die Briefe aus dem Briefkasten stehlen lassen aber ein Recht auf ein Postfach hat man nicht.

  5. 10.

    Mit Ihrer Zustandsbeschreibung haben Sie Recht, aber bei der Ursache liegen Sie ganz falsch. Die Post ist keine staatliche Behörde mehr, sondern eine Aktiengesellschaft in privater Hand, deren oberstes Ziel nicht mehr Erbringung einer Dienstleistung, sondern Profitmaximierung ist. Das Gleiche gilt für die Bahn und viele andere ehemals staatliche Aufgaben. Die Staatskasse hat gar nichts von den "Einsparungen", das fließt alles in private Taschen. Schuld ist die Politik nur insofern, dass sie diese Privatisierungen einst beschlossen hat. Aber das ist 20 Jahre her, und dahinter steckten damals Lobbyinteressen. Dass das deutsche Volk das damals alles schulterzuckend zur Kenntnis genommen hat, statt dagegen lautstark zu protestieren, erschüttert mich bis heute.

  6. 9.

    Die mangelhafte Postzustellung ist nur ein Aspekt eines grundlegenden Problems. Viele für den Ablauf des öffentlichen Lebens erforderlichen Dienstleistungen werden aus Personalmangel nicht mehr reibungslos erbracht. Polizei, Straßenreinigung, ÖPNV, Bürgerämter etc. - Alles bis zum Exzess kaputt gespart. Die Arbeitsverdichtung wird mit lächerlichen Gehältern entlohnt, die der Lebensrealität z. T. nicht mehr gerecht werden. Aber wir dürfen für die mangelhaft bis gar nicht mehr erbrachten Leistungen immer höhere Steuern zahlen. Aus den Geldern werden dann wohl z. B. Studienreisen für Abgeordnete finanziert, die die Möglichkeit der Verlegung von Straßenbahnschienen im Regenwald erforschen... Oder so ähnlich.

  7. 8.

    Da haben Sie Recht Herr Steinbach, die Post spart an allen Ecken und Kanten. Ich kenne selbst Postboten die immer mehr Post und größere Touren zu bewältigen haben. Wenn das nicht zu schaffen ist, dann fällt eben mal eine Teiltour aus und schließlich möchten die Postler auch mal einen Feierabend haben. Was früher noch 3 Mitarbeiter gemacht haben, muss heute 1 Postzusteller machen. Klar ist weniger Post als früher, aber die Belastung ist unter dem Strich da immer noch doppelt zu hoch und die Wege dreimal länger.

  8. 7.

    Die Briefzusteller bekommen immer größere Zustellgebiete, die nicht zu schaffen sind. Die Post spart am Personal und die Obrigkeit verdient sich ne goldene Nase. PIN AG ist da zuverlässiger. Ärgerlich nur, wenn man ein Brief bekommt, der 3 Wochen alt ist, in dem um eine Kontoverbindung gefragt wird, zwecks Überweisung von Guthaben ! Mir ging das gestern so.

  9. 6.

    Die Ausrede der Post Krankenstand ist ein Witz. Es ist garkeiner da, der krank werden kann. Ausgeschiedene Postler können nicht ersetzt werden, weil zu den jetzigen Bedingungen keiner auf Dauer Zusteller sein kann oder will. Die die noch da sind bemühen sich die Post pünktlich zuzustellen, was nicht täglich gelingt.

  10. 5.

    Sie können jederzeit ein Postfach anmieten.Dann geht es sogar zügiger.Die Zeiten wo ein Briefträger noch stehenblieb auf ein Schwätzchen sind längst vorbei.Wo damals noch der Beamte seinen Dienst tat ist es heute eine ungelernte befristete Arbeitskraft.Hinzu kommt das d.Post AG an d.Sparte Brief nicht mehr so interessiert ist.Werbung verteilen bringt d.Post mehr Geld ein als gewöhnliche Standartpost.

  11. 4.

    Zustellern, die vor wenigen Jahren ihre Tour nicht gänzlich schafften, wurde mit einem Verfahren wegen Briefunterdrückung gedroht, weil die Zustellungsfrist nicht eingehalten worden sei. Heute scheint diese Zustellungsfrist nur noch eine unverbindliche Empfehlung zu sein. - Zeit, dass die Deutsche Post AG das auf ihren Briefkästen bei den Leerungszeiten mit angibt. Ebenso in ihren Verträgen mit Großkunden.

    Das klingt bitter und - hier wurde es zu recht gesagt - es ist 1. sowohl Folge einer Kommerzialisierung, die noch auf die 1980er Jahre zurückgeht, unter Min. Christian Schwarz-Schilling, und 2., dass Kunden sich entschieden haben, statt etwas Handfestem sich der elektron. Form zu widmen, die die handfeste Form damit an die Wand drückt. Und ökolog. denkende Menschen, die Ökologie auf eine bloße Form der Materialersparnis eindampfen wollen, freut´s obendrein.

    Was fehlt, ist eine Debatte über die Folgen solcher Entwicklungen. Solange die nicht geführt wird, bleibt´s sinnlos.

  12. 3.

    Leider......Überall die gleich Erfahrung!
    Bei uns in Berlin-Hermsdorf bleibt "gelegentlich" der Briefkasten auch über eine Woche leer, anschließend finden wir dann z.B. fünf Tagesausgaben einer nachgesendeten Zeitung aus Hessen "en bloc" im Briefkasten.
    Beschwerden werden eher lapidar beantwortet. Die Bundesnetzagentur bleibt untätig und verlässt sich offenbar auf die geschönten Aussagen der Post.
    Die Zustellbezirke sind wohl in den letzen Jahren immer wieder verändert (vergrößert?) worden, so dass immer häufiger die Zusteller krankheitsbedingt ausfallen.
    Aber gleichzeitig meldet die Post ihren Aktionären Gewinnzuwächse...Hier stinkt der Fisch vom Kopf!
    Wenn man doch wenigsten die Möglichkeit hätte, in solchen Situationen seine Post beim Postamt abzuholen!
    Aber die Interessen der Kunden sind der Post wohl eher egal.

  13. 2.

    Ha so ist das halt wenn die Grundversorgung privatisiert wird. Dann läzft garnichts mehr, dann geht es nur noch um Geld.

  14. 1.

    Über die kürzliche Erklärung der Deutschen Post AG, im Zuge von Verschlechterun-, pardon: "Optimierungen" ihres "Services" wolle sie jetzt mal prüfen, ob es nicht auch reiche, wenn nur zwei- bis dreimal die Woche Briefe zugestellt würden, habe ich herzlich gelacht. Denn das ist bei mir schon seit Jahren der Normalzustand. Deutlich abzulesen an ein, zwei Tagen mit leeren Briefkasten - denen dann ein Schwung an Sendungen folgt.

    Ausnahme natürlich: Die Konkurrenz von PIN und Co.

    Die Deutsche Post AG hat zwar bestimmte staatliche Vorschriften, was sie anzubieten und auszuführen hat, aber unsere lieben Politiker interessieren sich dafür offenkundig ebenso sehr wie für die Frage, wie die Bahn AG mit solchen Vorgaben umgeht. Oder die Betreiber von Kommerzfernsehsendern.

    Womöglich tut die Post AG genug für die politische Landschaftspflege?

    Das könnte auch erklären, daß man sich auf eines mit Sicherheit verlassen kann: die nächste Portoerhöhung.

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