Die Selbstständige Emma E. bei der Arbeit (Quelle: rbb)
Bild: rbb

Porträt einer Solo-Selbständigen - "Ich bin ein Workoholic"

Emma Englishby verdient in Berlin ihr Geld mit Webseiten, ihre Kunden kommen aus der ganzen Welt. Ihr Berufsalltag klingt weniger glamourös - ganz schlecht sieht aus, wenn sie krank wird. Von Ute Barthel

Ihre Finger fliegen über die Tastatur ihres Laptops. Emma Englishby ist ganz versunken in die Gestaltung einer neuen Website für einen Kunden in Großbritannien. "Ich bin ein Worholic und arbeite manchmal 14 Stunden am Tag", erzählt die die 29-jährige Irin. Sie sitzt an einem langen Schreibtisch in einem Coworking Space in der Brunnenstraße in Berlin-Gesundbrunnen. Ihr gegenüber schaut eine junge Frau kaum von ihrem Notebook auf, neben und hinter ihr sind zwei Männer in ihre Arbeit am Computer vertieft. Kollegen sind sie nicht, jeder arbeitet hier für sich allein. Sie unterhalten sich wenig und wenn, dann auf Englisch. Auch Emma Englishby kam vor sechs Jahren aus Irland nach Berlin. Die Webdesignerin hatte gerade ihren Job gekündigt und wollte ihr eigenes Business starten.

Die Internet-Plattform Up-work (Quelle: rbb)
Plattform für Online-Arbeitsvermittlung | Bild: rbb

Selber bestimmen, wann man wo arbeitet

"Ich wollte einfach selbst bestimmen, wie viel, wann und wo ich arbeiten möchte. Deshalb habe ich mich selbständig gemacht. Und weil die Lebenshaltungskosten hier viel niedriger als in Irland sind, habe ich mich in Berlin niedergelassen. In Irland hätte ich mit meinen Einnahmen die Kosten nicht decken können", sagt die schlanke Frau mit den langen rotblonden Haaren. Ihre Kunden kommen  aus Großbritannien oder den USA. Die Aufträge erhält sie über die amerikanische Plattform upwork, einer Online-Arbeitsvermittlung. Auftraggeber können hier Freiberufler aus aller Welt auswählen, um kleine oder größere Jobs erledigen zu lassen.

"Natürlich gibt es da auch Webdesigner aus Indien, die für ein viel geringeres Stundenhonorar als ich arbeiten", berichtet Emma Englishby über die Konkurrenz. "Aber ich könnte es mir nicht leisten für zehn Dollar pro Stunde zu arbeiten. Aber ich habe einen ganz anderen Kundenstamm, der für Qualität auch gerne mehr zahlt". Als sie vor zwei Jahren angefangen hat, lag ihr Honorar noch bei 25 Dollar pro Stunde. Inzwischen liegt es bei 90 Dollar - also rund 75 Euro. "Davon kann ich auch meine Krankenversicherung hier in Deutschland bezahlen, obwohl die Beiträge recht hoch sind", erzählt sie mit ein wenig Stolz in der Stimme. Krank zu sein kann sie allerdings kaum leisten, denn Krankengeld bekommt sie erst nach sechs Wochen. "Vergangene Woche habe ich nichts verdient. Ich musste ich eine Zwangspause einlegen, ich lag wirklich ziemlich flach. Bestimmt weil ich davor zu viel gearbeitet habe."

Für die Altersvorsorge konnte Emma Englishby bisher noch nichts zurücklegen. "Ganz ehrlich, dafür reicht mein Einkommen noch nicht. Vielleicht schaffe ich es dieses Jahr, damit anzufangen. Oder im nächsten Jahr, wenn ich dann 30 Jahre alt werde."

Solo-Selbstständige im Porträt

Sendung: Abendschau, 12.10.2017, 19:30 Uhr

Ein Elektriker bei der Arbeit (Quelle: Britta Pedersen/dpa)
dpa-Zentralbild

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Beitrag von Ute Barthel

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