Das Internationale Congress Centrum (ICC) in Berlin (Quelle: dpa/Paul Zinken)
Audio: Inforadio | 22.11.2017 | Jan Menzel | Bild: dpa/Paul Zinken

Hohe Sanierungskosten - Berliner Senat sucht jetzt private Investoren für das ICC

Seit 2014 gammelt das ICC vor sich hin. Wirtschaftssenatorin Pop hat nun erstmals die Sanierungskosten benannt: Mehr als eine halbe Milliarde Euro. Zu teuer für die Stadt - sie will daher private Investoren an Bord holen.

Ein Abriss des maroden Internationalen Congress Centrums (ICC) kommt für den Berliner Senat nicht infrage. Die Sanierung des riesigen Gebäudes am Messedamm im Berliner Westen würde die Stadt allerdings teuer zu stehen kommen. Zu teuer, wie neue Zahlen belegen.

Wirtschaftssenatorin Ramona Pop von den Grünen hat zum ersten Mal überhaupt die Summe genannt, die die Instandsetzung insgesamt kosten würde: 500 Millionen Euro. Im Landeshaushalt stehen allerdings nur 200 Millionen Euro zur Verfügung.

Ramona Pop (Grüne) spricht im Abgeordnetenhaus Berlin (Quelle: dpa)
Ramona Pop | Bild: dpa

Privater Investor soll Teile der Sanierungskosten tragen

Wie die Grünenpolitikerin dem rbb sagte, sind die eingeplanten 200 Millionen Euro für die Entfernung von Schadstoffen wie Asbest und die Erneuerung der Technik gedacht. Für die fehlenden 300 Millionen Euro will Pop private Investoren an Bord holen. Nach den Vorstellungen der Senatorin soll das ICC künftig wieder ein Standort für Großkongresse in Berlin werden. Unterstützung erhielt sie vom stellvertretenden SPD-Fraktionsvorsitzenden Jörg Stroedter.  

Verkauf des ICC geplant?

Der "Tagesspiegel" zitiert allerdings aus einem Bericht der Wirtschaftsbehörde ans Parlament, in dem auch von einem "Verkauf des ICC" die Rede sei. Der Investor soll demnach bis 2019 gefunden und verpflichtet werden, der landeseigenen Messegesellschaft langfristige Nutzungsrechte für einen Teil des Gebäudekomplexes einzuräumen.

Aufsichtsrat der Messegesellschaft will den Abriss

Ende Oktober hatte sich der Aufsichtsratsvorsitzende der Messegesellschaft, Wolf-Dieter Wolf, die Diskussion über die Zukunft des ICC mit einem radikalen Vorschlag befeuert. Er sprach sich für den Abriss des Mammutgebäudes aus. Ein Abriss mit anschließender Neubebauung könnte "in einigen Jahren sicherlich zu Beifallsstürmen führen", meinte Wolf.

Kostenplan war schon 2016 nicht zu halten

Schon vor anderthalb Jahren hatte sich abgezeichnet, dass der Kostenplan für die Sanierung des ICC nicht zu halten ist. Stadtentwicklungssenators Andreas Geisel (SPD) hatte im April 2016 mitgeteilt, statt der veranschlagten 200 Millionen Euro würden die Kosten auf 290 Millionen Euro steigen.

Über das ICC wird seit mehr als zehn Jahren gestritten. 1979 als modernes Kongresszentrum eröffnet, gilt dessen Technik inzwischen als veraltet und die Raumaufteilung als ineffizient. Nach 35 Jahren in Betrieb wurde das ICC im April 2014 geschlossen.

Kommentar

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9 Kommentare

  1. 7.

    Kein Investor beteiligt sich.
    Entweder komplett privat aufziehen, dann würde das zügig voran gehen oder der Senat hat den Fuß (mit) drin, dann wird sich nichts tun. Wie immer.

  2. 6.

    Auf dem Mond wäre das ICC in der Tat eine ästhetische Bereicherung. Doch schon das Foto hier zeigt die ganze brachiale Gewalt, die das ICC mitsamt der Straßenverkehrsbauten für diesen Teil Berlins bedeutet. Gegen diese flächenmäßige Stadtverwüstung ist die Art und Weise des S-Bahn-Rings vglw. harmlos.

    Wer zur Fortbewegung selbst auf wenige hundert Meter das Auto benutzt, wird das Brachiale nicht recht mitbekommen. Wer aber wenige hundert Meter mit offenen Augen zu Fuß geht, dem sträuben sich die Nackenhaare hoch. 'Allenfalls als Mahnmal einer völlig verkorksten Stadtentwicklung taugte das ICC mitsamt seines Umfeldes. Für einen Mahnmal-Status ist es allerdings zu teuer in der Unterhaltung.

    Nun kommt es sehr auf die Pläne an, die eine Nachfolgebebauung beinhalten. In der Verkehrspolitik haben ja alle Seiten seit Ende der 1970er dazugelernt. Fragt sich nur, ob das auch Bestand hat gegenüber Investorenplänen.

  3. 5.

    2014 hätte man nicht schließen sondern nachbessern müssen damit nicht jedes Jahr Millionen Euro Umsatz nun in andere Kongressstädte fließen und das wird sich sicherlich nicht ändern wenn die negative berechtigte Berichterstattung über Berlin bundesweit europaweit und weltweit nicht endlich auf Grund von Handlungen der zuständigen Senatoren, der Bürgermeister ist ohnehin nur noch abgehoben und bekommt nichts auf die Reihe und er war auch 2014 verantwortlich für die Schließung des ICC, gestoppt wird. Die dadurch nicht stattgefundenen Steuereinnahmen sind weg und neue kommen auch nicht mehr dazu. Das mit dem Tränenpalast zu vergleichen gelingt eigentlich nur Hirntoten.

  4. 4.

    Richtig,der ehem.Lampenpalast v.Erich war derart mit Aspest belastet,was auch die meisten Abrisskosten beanspruchte.Außerdem mußte er weichen für das jetzt schöne Stadtschloß.Der Aspest,der i.ICC verwendet wurde u.längst nicht im ganzem Gebäude verarbeitet wurde, ist bei weitem unschädlicher als der aus dem damaligen Osten.Im übrigen stimme ich einen Abriss nicht zu.Da es super Pläne gibt für eine Umgestaltung zu Wohnungen.Aber es wird wohl darauf hinauslaufen.

  5. 3.

    Beim (B)alast der Republik gab es diese Regelung verständlicherweise nicht, das war ja auch eher eine politische Entscheidung und Ostasbest ist natürlich auch viel gefährlicher!!
    Übrigens wurde im PdR 1990 die einzige demokratische Verfassung Deutschlands verabschiedet, ohne äußere Einmischung!!! Die Grundprinzipien des GG diktierten 1948/49 die Westalliierten, auch die Weimarer Reichsverfassung stand zumindest teilweise unter dem Diktat der Alliierten (Waffenstillstandsbedingungen, Regelungen des Versailler Vertrages). Geschichtsvergessen, dass der Palast nur als Ort der SED-Parteitage gesehen wurde... Hat schon was von Siegermentalität und Luftschlösser bauen...

  6. 2.

    Und wenn sich kein Investor findet? Weiterhin leer stehen lassen, steigende Kosten und Verfall? Wie schon einmal erwähnt:
    ich bin für abreißen! Dafür ein Hotel mit Einkaufscenter, Restaurants und Tiefgaragen! Oben Penthousewhg zum Verkauf um das ganze besser zu finanzieren. Die Stadt Berlin hätte Steuereinnahmen durch das Gewerbe. Der Asbeststreit hätte endlich ein Ende und viele Menschen hätten Arbeit durch Abriss und Neubau!

  7. 1.

    war ja 'ne schnelle Überlegung

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