Neue Leihräder (Quelle: rbb/Matthias Bartsch)
Video: Abendschau | 17.11.2017 | 19.30 Uhr | Bild: rbb/Matthias Bartsch

Harte Leihrad-Konkurrenz in Berlin - Obike stellt sich jetzt auch noch dazu

Berlin wird zur Leihrad-Hochburg: Am Samstag startet Obike, und macht damit vielen  anderen Playern Konkurrenz. Denn Lidlbike ist bereits da, Nextbike ebenfalls und nicht zu vergessen: BikeSurf. Außerdem muss sich Obike beeilen. Denn bald kommt Mobike.

Wer ein eigenes Fahrrad hat, ist mobil. Gut so! Aber wenn man bei einem Leihradanbieter Mitglied ist, hat man quasi immer ein Rad dabei - und wo sich dieses Rad gerade befindet, sagt einem die App. Man muss dann also sein Rad weder schieben noch bewachen noch anschließen. Und aufgepumpt ist es auch. Kurz: Das eigene Rad war gestern, heute hat man eine Leihrad-App. Anbieter solcher Leihräder gibt es mittlerweile in Berlin reichlich. Am Samstag startet ein weiterer großer Wettbewerber seinen Service in Berlin: Obike. 

Die Prozedur ist dabei denkbar einfach: Man installiert die App des Anbieters, die einem sagt, wo das Ding steht. Dann liest man vor Ort die Nummer des Rades ab und gibt sie ein und bekommt dafür dann einen Code zum Öffnen des Schlosses. Am Zielort angekommen wird das Rad ganz einfach abgeschlossen und damit abgemeldet, die Bezahlung läuft über die App. Weil das System offenbar für viele sehr attraktiv und recht kostengünstig ist, streiten in Berlin bereits sehr viele Wettbewerber um den Markt.

Erst DB Connect, dann Lidl-Bike und dann Nextbike

Der frühere Marktführer und über lange Zeit fast einzige Anbieter, die DB Connect, war bei der Senatsausschreibung im letzten Jahr unterlegen und wurde verpflichtet, seine Stationen abzubauen, abgelöst wurde die DB vom Wettbewerber Nextbike, der den Senatszuschlag bekam.

Doch den Berliner Markt wollte die Bahn nicht aufgeben. Man löste sich vom stationsbasierten System und holte mit Lidl einen Sponsor an Bord. 3.500 Räder hat das Unternehmen auf den Straßen der Hauptstadt und steht damit im Wettbewerb zu Nextbike, der in Berlin in den nächsten zwei Jahren seinen Leihrad-Bestand ausbauen will: 5.000 Nextbikes sollen es dann werden, doch setzt Nextbike wie früher die Bahn mit ihren Rädern auf feste Stationen.

Experten gehen davon aus, dass in wenigen Jahren die Zahl der Leihräder in Berlin auf mehr als 10.000 Stück wächst. Und einer der Wachstumsmotoren will nun auch Obike sein.

Start mit knapp 700 Rädern

688 Obike-Räder stehen ab Samstag in Mitte und Charlottenburg und werden mit der ersten Nutzung im gesamten Stadtraum verteilt werden, teilte das Unternehmen am Freitag mit. Verbunden mit dem Leihradsystem ist eine Art Bewertung der Nutzer: "Wenn der User etwa die Fahrräder nicht richtig abstellt und auch nicht reagiert, wenn er per App informiert wurde, dass er das Rad falsch abgestellt hat, dann bekommt er einen Abzug bei seinen Credits", erklärt Marco Piu, Deutschlandchef des Unternehmens aus Singapur, das über weltweit gleich mehrere Niederlassungen in großen Städten verfügt. 100 Punkte habe jeder Nutzer und bekomme bei Verstößen Abzüge. Über die Sanktionen für User mit vielen solcher Strafpunkte sagte das Unternehmen zunächst nichts.

Obike will dabei ganz ohne Verleihstationen auskommen und nennt sein System "Free Floating": "Wir bieten maximale Flexibilität in der Nutzung."

Jeder neue Nutzer könne die Räder zunächst eineinhalb Stunden umsonst fahren.  "Damit man die Vorteile auch testen kann", begründet Piu dieses Angebot. Ähnlich wie bei anderen Anbietern kosten die Räder dann einen Euro pro halber Stunde. Außerdem bietet Obike die Möglichkeit einer sogenannten Mitgliedschaft, für die dann ein Monatsbeitrag von 20 Euro, oder ein Jahresbeitrag von 79 Euro fällig wird.

Wenn Obike dann am Samstag gestartet ist, kommt dann auch noch ein weiterer Anbieter aus Fernost nach Berlin mit seinen Leihrädern: Mobike, ein Unternehmen, das von sich behauptet der "erste und weltgrößte Anbieter von Smart Bikes" zu sein.  

Viel Kritik an Obike nach Start in München

Viele Anbieter bedeuten natürlich auch viele Leihräder, die rumstehen. Matthias Tang von der Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz findet es prinzipiell erst einmal gut, dass es ein größeres Angebot für Berliner und Touristen gibt, um sich Räder auszuleihen. Kritisch könne es aber werden, wenn zu viele Leihfahrräder vor allem innerhalb des S-Bahn-Rings an derselben Stelle stehen: "Wenn Massen an Rädern an Plätzen und Bahnhöfen stehen, dann braucht man eine Sondergenehmigung, ähnlich wie bei Kneipen, die müsste dann beantragt werden."  Die Senatsverwaltung will in den kommenden Wochen genau darauf achten, ob solche Situationen entstehen, denn Obike hatte in München nach seinem Start sehr viel Gegenwind bekommen. Das Unternehmen stellte dort im Sommer gleich 7.000 Leihräder auf. Das sei zu viel fürs Stadtbild, klagten Kritiker. Und skeptisch sind auch Datenschützer. Sie befürchten, dass vor allem die Daten der Nutzer abgegriffen werden sollen.

Kommentar

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27 Kommentare

  1. 27.

    Ich habe mal die Abbildung in http://www.gib-acht-im-verkehr.de/0002_verkehrssicherheit/0002f_fahrrad/0002f_fahrrad_spezial/beleuchtung.htm mit den vor dem Haus stehenden OBike-Rädern verglichen. Das einzige, was fehlt, ist eine Klingel. Was fehlt Ihrer Meinung nach noch?

    Woher wissen Sie, dass die verwendeten Bremsen nicht gut bremsen (wie sie weiter unten suggerieren)?

  2. 26.

    Natürlich gibt es eine Regelung.

    Trotzdem benutzen viele Radfahrer den Gehweg, zum einen aus Bequemlichkeit und Rücksichtslosigkeit, zum anderen aus reiner Angst vor dem Straßenverkehr und idiotischer Straßenplanung.

    Radfahrer sind immer noch Verkehrsteilnehmer dritter Klasse und aus dem Underdog Gefühl heraus meinen viele sich nicht an Verkehrsregeln halten zu müssen. Würde man Radfahrer als Verkehrsteilnehmer für "voll" nehmen würde das m.E. abnehmen, dazu gehören auch bauliche Veränderungen in der Verkehrsplanung. Faire Ampelschaltungen, Aufhebung der Benutzungspflicht auf ALLEN Hochbordradwegen, Radspuren auf der Fahrbahn (wo möglich) und vor allen ein konsequentes und schnelles und Abschleppen von Falsch- und Zweite Reihe Parkern.

    Meine Aufzählung ist bestimmt nicht vollständig.

  3. 25.

    Ich muß Sie leider enttäuschen, ich argumentiere nicht und erst recht nicht "aus dem Bauchgefühl auf Stammtischniveau."

    Ich zitiere den §67 der StVZO. Warum das in München keinem aufgefallen ist entzieht sich meiner Kenntnis.

    Und zu ihrer angeblichen Recherche sage ich jetzt mal nix...

  4. 24.

    Sie argumentieren bisher nur aus dem Bauchgefühl auf Stammtischniveau.

    Da hier in Berlin augenscheinlich von Obike der gleiche Typ wie in München eingesetzt wird, hätte dort ja schon jemandem auffallen können, dass die Räder nicht verkehrssicher sein sollen. Eine kurze Internetrecherche führte aber zu keinem Ergebnis, welches Ihre Meinung mit Fakten untermauert.

  5. 23.

    Leider ist die Straße für Kinder lebensgefährlich - auch in Begleitung der Eltern. Wäre schön, wenn sich da schneller mehr ändert. Baulich geschützte Radwege an den Hauptverkehrsstraßen ermöglichen eine sichere Nutzung auch für Kinder. Leider sind an vielen Straßen in der Innenstadt sämtliche Zufahrten zu den Häusern (auch für die Feuerwehr) von Autos zugeparkt, so dass viele Radfahrer auf den ersten und letzten 100m auf die Bürgersteige ausweichen. Und die vorgeschriebene Gehwegbreite von 1,50m ist schon allein für Fußgänger ein Witz, selbst da wo sie eingehalten wird. Gänsemarsch bei Gegenverkehr - daneben zig Meter breite Fahrbahnen.

  6. 22.

    ist doch alles ok Hauptsache sie halten sich an die Verkehrsordnung und benutzen nicht den Bürgersteig als Radweg, denn das ist bereits jetzt eine einzige Pestillenz, kann man doch als Fußgänger nicht mehr ungeniert und unbeschwert flanieren, ständig schwirren links und rechts in beiden Richtungen eilige Fahrradfahrer drängelnd um einen herum. Gibt es keine Regelung dazu?

  7. 21.

    Die China Vergleiche sind billig. In Peking gibt es 2.350.000 via app buchbare Leihräder ;) In Worten zweimillionendreihundertfünfzigtausend plus ca. zehn Millionen registrierte private Räder !! In Hangzhou plant die örtliche "BVG" bis 2020 175.000 Leihräder als Teil des ÖPNV in der Stadt an vielen tausend Stationen bereit zu stellen - nutzbar mit der "BVG-Karte" :) Ja, diese Möglichkeit verschlafen der Senat und die BVG in Berlin seit Jahren und subventionieren private Anbieter. Ach nein, die fahren alle noch Auto - und wollen die Straße nicht mit anderen Verkehrsteilnehmern teilen ;) Darum gehts - oder wie war das mit den Parkplätzen vor Müllers Haustür? Vgl. für eine globale Übersicht: https://en.wikipedia.org/wiki/Bicycle-sharing_system UND: https://en.wikipedia.org/wiki/Hangzhou_Public_Bicycle

  8. 20.

    Ach-i-wo.

    Er hat nur das "E" in Alfred E. Neumann vergessen. ;-)

    Spaß beiseite, jeder 4-Klässler sollte anhand der Bilder und der verlinkten Ausführungen den Unterschied erkennen.

    Also wenn ER sich über MICH lustig gemacht haben sollte ist das gründlich schief gegangen. :-D

  9. 19.

    Meines Erachtens will diese Person sich nur lustig ü.Sie machen.Wir,Sie und ich kennen unsere Fahrräder genau u.können somit gut Einschätzen was Stimmt oder eben nicht.Würde dieser Mensch ein begnadeter Fahradfahrer sein,was i.bezweifle,käme von ihm nicht solch Reaktion.

  10. 18.

    Können Sie mir den Grund nennen warum Sie sich so ereifern?

    ICH muß keinen Fahrradmechaniker fragen und ich weiß u.a. welche Reflektoren fehlen, bzw. unzulässig sind.

    Nochmal, schauen Sie genau hin und vergleichen oder fragen einen Fahrradmonteur/-mechaniker.

    http://www.gib-acht-im-verkehr.de/0002_verkehrssicherheit/0002f_fahrrad/0002f_fahrrad_spezial/beleuchtung.htm

  11. 17.

    In China behinderten bereits Berge von aufgetürmten Leihrädern die Fußgänger (siehe 'the guardian') und wurden zum Ärgernis für Stadtverwaltungen. Das wird dank er vorausschauenden Planung unseres Senats hier sicher auch noch kommen. Berge von nervenden Touristen gibt es schließlich schon.

  12. 16.

    Haben Sie einen Fahrradmechaniker gefragt? Der konnte Ihnen das offensichtlich nicht so verständlich erklären, dass Sie das in Worte fassen können.

  13. 15.

    Ich meine keine Prüfzeichen, das kann ich in der Tat nicht auf den Fotos erkennen.

    Fragen sie mal einen Fahrradmonteur/-mechaniker im ersten Ausbildungsjahr, der kann ihnen sagen was fehlt, bzw. was unzulässig ist.

    Den zweiten Satz hätten sie sich sparen können.

  14. 14.

    @rbb Als ob Gehwege und Bushaltestellen jetzt frei wären ;) Stark frequentierte Flächen brauchen vielleicht auch eine farbliche Markierung, damit sie freigehalten werden. An Bushaltestellen: Warte-, Ein- und Austiegsbereiche, die sowohl von Autofahrern, Gastronomen als auch Radfahrern zugestellt werden; z.B. in der Oranienstraße von Hasir und einem China Imbiß. An der Kreuzung Adalbertstraße wird zusätzlich der Wartebereich an den Ampeln neben Fahrrädern von Geschäften und Gastronomen zugestellt, obwohl wegen der Enge die Gehwege an der Kreuzung schon mit Zäunen von der Straße getrennt werden. Fußgänger dürfen sich da irgendwie durchdrängeln, am besten mit brennenden Kippen in Kopfhöhe der Kinder.

  15. 13.

    Bandbremsen entsprechen nicht der erforderlichen DIN für den Vertrieb von Fahrzeugen im deutschen Raum. Keiner der Reflektoren trägt eine erforderliche K~ xxx Nummer, noch ist die Beleuchtung hell genug, um der StVZO zu entsprechen.
    Solche Art von Fahrrädern dürfte nicht einmal für den Verkauf in den deutschen Markt importiert werden.

    Ich möchte nicht wissen, welcher Müller da seine Bankdaten für geben musste, um die Genehmigung zu erteilen.

  16. 12.

    Whow! Auf den Fotos könnten Sie das Prüfzeichen.

    Viele Radfahrer wissen nichtmals, untwr welchen Vorrausetzungen und wie deren Fahrzeug aus gestattet sein muss, um über deutsche Bürgersteige fahren zu dürfen.

  17. 10.

    Nichts gegen die Förderung von umweltfreundlicher Fortbewegung, aber ich frage mich schon, mit welcher Berechtigung nun eine Vielzahl von Anbietern den öffentlichen Raum in der Stadt mit ihren mehr oder weniger ansehnlichen Bikes vollstellen dürfen. An jedem Eck und jeder Straßenlampe stehen inzwischen Leihbikes und versperren den Weg, verschandlen das Bild. Gleichzeitig kämpfen kleine Läden oder Gastronomen oft erfolglos mit der Stadt um jeden qm Außenfläche.

    Außerdem: Noch gibt es, "von echten" Menschen geführte kleine Fahrradläden, denen durch diese internetgestützten und sicherlich überwiegend in Panama oder sonstwo registrierten Anbietern das Wasser abgegraben wird.
    Ich leihe jedenfalls grundsätzlich in solchen kleinen Läden mit einem netten Ansprechpartner und nicht anonym via Handy. Vielleicht sollten wir uns da alle mal ein wenig selbst umerziehen und nicht jeden hippen und nur vermeintlich bequemen Scheiß gedankenlos mit unterstützen.

  18. 9.

    Dass das Billigräder sind, ist unstrittig.

    Doch können Sie ausführen, warum die Räder nicht der StVO entsprechen sollen. Sonst bewegen Sie sich schnell in der Nähe der üblen Nachreden

  19. 8.

    Wer schon mal in einem Entwicklungsland unterwegs war kennt das. Die Strassen sind verstopft mit Fahrradfahrern oder MOFAs. Die Autofahrer kriegen die Krise weil die fahren wie die Irren. Was dann zu hohen Unfall- und Opferzahlen führt. Na das ist doch das Paradies, das sich die Fahrradextremisten gewünscht haben. Wild fahren alle jungen Leute cool mit Fahrrad durch die Stadt. Es ist kein vorrankommen mehr auf Berlins Strassen. Und alle werden sie früher oder später von einem Autofahrer erfasst, der auch nicht hellsehen kann, dass gleich 5 Fahhradfahrer in verschiedene Richtungen ausscheren. Mal als Beispiel.

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