Protest gegen dem Umgang mit Arbeitnehmern bei Amazon in Berlin (Quelle: dpa / Maurizio Gambarini)
Bild: dpa/Maurizio Gambarini

Protest für Arbeitnehmerschutz - Amazon-Beschäftigte nutzen "Black Friday" für Protest

"Black Friday" - in den USA wird an diesem freien Tag nach Thanksgiving groß eingekauft. Und auch Amazon ruft hierzulande zum Shoppen auf. Aktivisten aber nutzten den Tag für einen Protest gegen die Arbeitnehmerpolitik von Amazon mitten in Charlottenburg.

Freitags einkaufen? Ja, aber nicht bei Amazon, weil Amazon schlecht zahlt! - So lässt sich die Demo von Aktivisten auf dem Kurfürstendamm am Freitag überschreiben. Mit ihrem Protest wollten die Demonstranten nach Angaben der Initiatoren auf die Zusatzbelastungen aufmerksam machen, die Amazon seinen Mitarbeitern im Weihnachtsgeschäft aufbürde.

Start des Protests am Freitagmorgen war das Kudamm-Karree. Die Aktivisten wollten nach eigenen Angaben das hier befindliche Amazon-Verteilerzentrum blockieren, denn von dort beliefert der Versandhändler viele seiner Berliner Kunden. Zudem gab es einen Demonstrationszug über die Kantstraße von West nach Ost - also vom Savignyplatz bis zur Ecke Uhlandstraße.

Zeitweise 600 Beamte im Einsatz

Die Polizei war nach eigenen Angaben mit rund 600 Beamten vor Ort. Sprecher Carsten Müller sagte rbb|24, dieses Aufgebot sei hier zunächst eingesetzt worden, weil der Protest an einem "zentralen Standort der City-West" stattfand, die Demo gesichert und gleichzeitig der Verkehr umgeleitet und geregelt werden musste. "Zeitnah" seien dann im Verlauf der Demo auch die Einsatzkräfte reduziert worden, so Müller. Rund 100 Aktivisten und Unterstützer zählte die Polizei bei der Kundgebung und dem anschließenden Protestzug. Die Polizei sprach am Vormittag von einem "Verlauf ohne Störungen".

Nach Angaben der Berliner Polizei hatte die Kundgebung den Titel "Solidarität mit den Beschäftigen von Amazon". Sie wurde nach Polizeiangeben von einer Privatperson angemeldet.

Verdi hatte nach eigenen Angaben mit der Aktion nichts zu tun und unterstützte sie auch nicht. Allerdings rief die Dienstleistungsgewerkschaft parallel dazu an anderen Amazon-Standorten zu Demonstrationen und Streiks auf - in Hessen, Sachsen, NRW, Bayern und Rheinland-Pfalz. Die Arbeitnehmervertreter kritisieren, dass Amazon mit Rabatten und schneller Lieferung werbe, den eigenen Mitarbeitern aber überwiegend nicht einmal ein tarifliches Weihnachtsgeld zahle. Die Zusatzbelastung vor den Feiertagen gehe zu Lasten der Belegschaft, Amazon aber verweigere sich einem Tarifvertrag für den Versandhandel.

Zu der Situation in Berlin-Brandenburg sagte der Pressesprecher des Landesbezirks, Andreas Splanemann, rbb|24: "An bundesweit mehreren Standorten von Amazon laufen auch Streiks, in Berlin aber gibt es eben nur dieses eine Verteilzentrum und am Amazon-Standort in Brieselang ist die Verdi-Mitgliederstruktur noch am Wachsen, doch gibt es hier noch keine Streikfähigkeit."

Für Amazon arbeiten bundesweit mehr als 12.000 festangestellte Mitarbeiter.

Unterstützt wurde der Protest unter anderem von Abgeordneten der Linksfraktion. Die Abgeordnete Sabine Leidig, Mitglied im Bundesvorstands der Partei, gehörte zu den Aktivisten des Aktionen in Charlottenburg und sie twitterte, die Demo sei ein Protest "gegen Ausbeutung und für gerechte Arbeitsverhältnisse bei Amazon in Berlin".

Der Protest fällt zusammen mit dem "Black Friday", einer aus dem Handel der USA herübergeschwappten Aktion der Einzelhändler. Dieser "Black Friday" ist in den USA ein sogenannter Brückentag, also der Übergangstag zwischen dem Wochenende und einem Feiertag, in diesem Fall ist es der dort den Arbeitnehmern gewährte freie Tag aus Anlass des Thanksgiving-Festes.

Auch in Deutschland locken bereits seit Jahren viele Händler an diesem Tag mit Rabatten, auch wenn hier Thanksgiving kein Feiertag ist und nur wenige Menschen in Deutschland den Tag als Feiertag begehen.

"Kauf nix"-Tag als Gegenbewegung zum "Black Friday"

Der von vielen, vor allem großen, Einzelhändlern für Werbeaktionen genutzte "Black Friday" hat allerdings auch kämpferische Gegner. Eine der prominentesten Aktionen ist der so genannte "Kauf-Nix-Tag" (englisch: Buy Nothing Day). Damit richten sich die Aktivisten gegen die mit massiven Rabataktionen angefeuerten Verkaufsaktionen. Sie nennen diesen Tag einen "konsumkritischen Aktionstag". Sie rufen zu einem 24-stündigen Konsumverzicht auf und fordern ein auf Nachhaltigkeit abzielendes Kaufverhalten jedes Einzelnen.

Sendung: Inforadio, 24.11.2017 11.45 Uhr

Kommentar

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5 Kommentare

  1. 5.

    Gegen Amazon, gegen Amazon, gegen Amazon...
    Mensch Leute, Amazon hat einen Haufen Arbeitsplätze geschaffen, durch Ausweitung des Portfolios werden es noch mehr, und keiner hat die Mitarbeiter gezwungen und dort hin geschliffen zu arbeiten. Die Bashing nervt langsam...

  2. 4.

    ich werde nie verstehen, wie man bei Amazon arbeiten wie bestellen kann. Es gibt ein Leben ohne Amazon.

  3. 3.

    werde nie verstehen, wie man in diesem Knast arbeiten kann!

  4. 2.

    Hallo:

    Von ein Amerikaner: mein Verständnis auf die Herkunft der Bezeichnung "Black Friday" ist das ist die Tag wann Unternehmen letztendlich Geld machen. In Buchhalttung, die Farbbezeichnung "rot" bedeutet die Unternehmen nicht Profit machen. Die Farbbezeichnung "schwarz" bedeutet die Unternehmen Profit machen. Also die Unternehmen Geld machen am diese Tag for die Jahre.

    Ich hoffe das hilfe.

    Danke,
    -Thijs

  5. 1.

    Nun ja, mir scheint's mal wieder eher eine Werbeveranstaltung von Verdi zu sein. Amazon wird's -wie bereits die letzten Jahre- kaum jucken, weil insgesamt kaum jemand an den Aktionen/Streiks teilnimmt. Die meisten dort Angestellten scheinen ganz zufrieden, einen einigermaßen gut bezahlten Job zu haben. Sicher ist die Belastung hoch, aber im Vergleich zu anderen Logistikunternehmen eben doch normal bis gut.
    Übrigens sollte Verdi mal aufpassen, dass sie sich nicht verspekulieren. Kurz vor Stettin, keinen Kilometer von der Grenze entfernt ist gerade ein riesiges Logistikzentrum von Amazon entstanden. Das ist gerade mal eine gute Autobahn-Stunde von Berlin entfernt. Dort verdienen die Menschen nochmal deutlich weniger und sind zufrieden damit. Bisher scheint Amazon diese Karte nicht ausspielen zu wollen. Wenn aber Verdi übertreibt, wird man sicher mal drüber nachdenken. Dann gehen in Brieselang und Umgebung viele Lichter aus. Will man das in Kauf nehmen?

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