Symbolbild: Ledvance-Mitarbeiter installieren eine neue Leuchtschrift mit Firmenlogo an der Fabrikfassade. (Quelle: dpa/Stefan Puchner)
Video: Abendschau | 13.11.2017 | Jade-Yasmin Tänzler | Bild: dpa/Stefan Puchner

Ledvance will Berliner Werk schließen - 220 Berliner Ledvance-Beschäftigte verlieren ihre Jobs

Der Leuchtmittelhersteller Ledvance setzt den Rotstift an - und will unter anderem 220 Arbeitsplätze in Berlin streichen. Bis Ende 2018 sollen die früheren Osram-Werke geschlossen werden. Am Montag wurden die Beschäftigten informiert.

Der Leuchtmittelhersteller Ledvance will seine Werke in Berlin und Augsburg offenbar bis Ende 2018 schließen. Nach Gewerkschaftsangaben sollen deutschlandweit mehr als die Hälfte der Arbeitsplätze abgebaut werden. Wie die IG Metall am Montag berichtete, sollen bis 2012 rund 1.300 von 2.400 Jobs gestrichen werden.

Neben der kompletten Schließung der früheren Osram-Werke in Berlin und Augsburg ist an den beiden weiteren Standorten Wipperfürth bei Köln und im oberbayerischen Eichstätt demnach ebenfalls mit Personalabbau zu rechnen. Dort arbeiten jeweils 700 Menschen. Von Ledvance gab es zunächst keine Stellungnahme zu den Plänen. Am Montag wurden die Mitarbeiter an den Standorten informiert.

Wegen großer Absatzschwierigkeiten liegt die Auslastung der vier deutschen Werke nur bei 20 bis 40 Prozent.

Gewerkschaft: "Beschäftigte zahlen für Managementfehler"

Klaus Abel von der IG-Metall Berlin kritisierte, dass nicht wie versprochen in zukunftsträchtige Technologien investiert worden sei – die Beschäftigten müssten so für Managementfehler zahlen. Die Gewerkschaft forderte "dass der Investor diese Investitionen tätigt, statt Werke zu schließen und Arbeitsplätze abzubauen".

Osram hatte seine im Jahr 2016 Ledvance getaufte Lampensparte zum 1. März 2017 für mehr als 400 Millionen Euro an ein Konsortium um den chinesischen Investor MLS verkauft.

220 Arbeitsplätze in Berlin sollen wegfallen

"Werkschließungen und betriebsbedingte Kündigungen müssen definitiv ausgeschlossen werden", forderte Willi Sattler, der Vorsitzende des Gesamtbetriebsrates, in Augsburg, wo 650 Jobs wegfallen sollen. Der Konzernbetriebsratsvorsitzende Andreas Jakob kritisierte, es würden keinerlei Alternativvorschläge zu einem Kahlschlag-Szenario gemacht.

In Berlin sollen 220 Beschäftigte ihren Arbeitsplatz verlieren. Der dortige Erste Bevollmächtigte der IG Metall, Klaus Abel, meinte, es sei "offensichtlich, dass es MLS durch den Kauf von Ledvance nur darum ging, sich einen Marktzugang nach Deutschland und Europa zu sichern".

Mit Informationen von André Tonn

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12 Kommentare

  1. 12.

    Zum März 2017 von OSRAM für 400 Mio. verkauft und nun macht der chinesische "Investor" die Traditionsstandorte zu. Wow - wie weitsichtig. Mal wieder ein Lehrstück rücksichtslosen Kapitalismus`. Es kann diesen chinesischen Nieten in Nadelstreifen nur um den bequemen Marktzugang gegangen sein. Lasst diese Abwickler nicht billig davonkommen. Kämpft um Eure Arbeitsplätze.

  2. 11.

    Irgendwann treffe ich ihre Sperre offen an::
    Kein Mindestlohn und keine Qualitätsfrage, Globalisierung wollen (fast)alle. Billig einkaufen ist gut, dann muss alles eben aus Asien kommen. Wie sagte einmal der frühere Unternehmerverbandschef und AfD Gründer: Vom uns gegenseitig die Haare schneiden können wir nicht leben.

  3. 10.

    Das war von Anfang an vorhersehbar. Im Grunde genommen hat sich OSRAM mit dem Verkauf nur seiner sozialen Verantwortung entzogen und muss somit nicht mehr für die Abwicklung gerade stehen. So ähnlich machen es die großen Konzerne schon seit mehreren Jahrzehnten

  4. 9.

    Am einfachsten wäre eine Beschlagnahme der Betriebststätten und eine Weiterführung des Betriebes durch ein evtl. noch zu gründendes Staatsunternehmen. Des Weiteren die komplette Marktabschottung gegenüber Chinesen. Fertig. Das kann Berlin selbst machen, aber auch jedes andere Bundesland oder eben die Bundesregierung. Und wenn die es nicht machen, dann würd ich mich mal fragen warum.

  5. 8.

    Der Mindestlohn ist schuld,dass immer mehr Arbeitsplätze mit Tariflohn abgebaut werden? Diese bemerkenswerte Logik würde ich gerne mal erklärt bekommen..

    @Max Mustermann
    Der Mindestlohn ist garantiert nicht schuld. Aber auch da bin ich an einer Erklärung interessiert..

    Nur so als Hinweis,Tariflohn liegt über dem Mindestlohn.

  6. 7.

    Klassische Heuschrecken eben.

    Wieder einmal haben nicht nur die Nieten in Nadelstreifenanzügen komplett versagt sondern auch die Politik.

    Wieder verliert Spandau ein einst bedeutendes Wirtschaftsunternehmen aus den gleichen Gründen.

  7. 6.

    Ich würde sagen 2012 ist bereits fünf Jahre vorbei.

  8. 5.

    Das sind die Auswirkungen des gnadenlosen Kapitalismus. Der Investor brauchte anscheinend wirklich nur den Marktzugang. Nun werden die Menschen humorlos vor die Tür gesetzt - sind ja nur Betriebskosten!

  9. 4.

    Ich wünsche den Betroffenen, dass sie genauso viel Aufmerksamkeit wie die airberliner bekommen, dass sie aufgefangen werden, dass das öffentliche Interesse auch mit Petitionen in den Bundestag kommt...

  10. 3.

    Nee. Der Grund für den Abbau von Arbeitsplätzen mit Tariflohn ist die Deregulierung und Marktliberalisierung, die wir der Freihandelspolitik der EU und der Bundesregierung zu verdanken haben. Daneben die allgemein um sich greifende Lethargie der Arbeitnehmer, die sich nicht gewerkschaftlich/politisch organisieren wollen, wie das die Leute im 19. und 20. Jahrhundert hinbekommen haben. Heute schafft es der Arbeitnehmer nicht mal mehr Arbeitsplätze und Märkte gegen Chinesen und Inder zu verteidigen.

  11. 2.

    Das sind die Auswirkungen des Mindestlohn.

  12. 1.

    In Berlin werden immer mehr Arbeitsplätze mit Tariflohn gestrichen und immer mehr mit Mindestlohn geschaffen.
    Vermutlich auch das Ergebnis vom eingeführten Mindestlohn und von unklaren und zu langen Koalitionsverhandlungen die nicht nur Arbeitnehmer sondern auch Firmen in eine solche Stimmung versetzen.

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