Ein Arbeiter baut im Unternehmen GE-Energy einen Schaltschrank zur Frequenzwandlung. (Quelle: dpa/Soeren Stache)
Video: Abendschau | 07.12.2017 | Anja Herr | Bild: dpa/Soeren Stache

Werk in Marienfelde vor Aus - IG Metall sieht 500 Berliner General-Electric-Jobs in Gefahr

Weiterer Schlag für die Industrie in Berlin: Nur Wochen nach Siemens will auch der Konzern General Electric einen seiner Standorte in Berlin schließen. Laut IG Metall könnten in dem betroffenen Werk in Marienfelde 500 Stellen gestrichen werden.

Der US-Konzern General Electric wird in Deutschland insgesamt 1.600 Arbeitsplätze abbauen. Davon sind insbesondere die Produktionsstandorte der Elektrotechnik-Tochter GE Power Conversion in Berlin-Marienfelde und Mönchengladbach (Nordrhein-Westfalen) betroffen. Beide Werke sollen geschlossen werden, teilte das Unternehmen auf Nachfrage mit. Auch in Mannheim, Stuttgart und Kassel werden Stellen gestrichen.  

In Berlin beschäftigt General Electric derzeit mehr als 1.000 Mitarbeiter. Neben dem Werk in Marienfelde mit laut IG Metall rund 650 Mitarbeitern gibt es zwei weitere Standorte im Stadtgebiet. In Pankow produzieren etwa 250 Mitarbeiter Ersatzteile und reparieren Turbinen, in Neukölln sind weitere 150 Mitarbeiter beschäftigt.

Konzern nennt keine Zahlen für Berlin

Ein Sprecher von General Electric sagte rbb|24, er könne derzeit keine exakten Zahlen für einzelne Standorte nennen. Es sei offen, ob Mitarbeiter des Marienfelder Werks in anderen Standorten unterkommen könnten und ob es zu Stellenstreichungen in den beiden anderen Werken komme.

IG Metall sieht fast alle Jobs in Marienfelde bedroht

Die IG Metall Berlin hingegen rechnet damit, dass ein Großteil der Mitarbeiter am Standort Marienfelde nicht andernorts weiterbeschäftigt wird. "Damit könnten bis zu 500 der 650 Beschäftigten in Marienfelde ihren Arbeitsplatz verlieren", teilt die Gewerkschaft auf ihrer Internetseite mit. "Nach Einschätzung der Betriebsräte ginge General Electric damit mittelfristig das gesamte Industriegeschäft mit 800 Arbeitsplätzen in Berlin, Essen, Frankfurt und Hamburg verloren", heißt es weiter.  

Gewerkschaft will Stellenabbau nicht akzeptieren

Klaus Abel, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Berlin, kündigte im rbb-Inforadio Widerstand an: "Wir werden jetzt alle betriebsverfassungsrechtlichen und tarifpolitischen Möglichkeiten nutzen, um Alternativen gegenüber dieser Planung zu formulieren und auch durchzusetzen." General Electric handele genauso wie Siemens es vor Kurzem getan hätte, so Abel. "Es gibt Marktherausforderungen, es gibt Produktanpassungen und dem Unternehmen fällt nichts besseres ein, als Arbeitsplätze abzubauen oder Produktionen zu schließen."

In der Abendschau kündigte Abel an, unbedingt kämpfen zu wollen: "GE hat heute auch gegenüber den Beschäftigten erklärt, dass sie gesprächsbereit mit den Betriebsräten und der IG Metall sind. Ich hoffe, dass das nicht nur eine Beruhigungspille war, sondern ernsthafte Verhandlungsbereitschaft. Und darüber freuen wir uns sehr."

Auch Berliner Senat will kämpfen

Unterstützung bekommt die Gewerkschaft von Seiten der Politik. Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) forderte, auf betriebsbedingte Kündigungen zu verzichten. "Der gesamte Senat, vorne weg die Wirtschaftsverwaltung, wird um die Berliner Arbeitsplätze bei GE kämpfen", sagte er der "Berliner Morgenpost".

Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne) erklärte in der Abendschau: "Wir sind gesprächsbereit, um mit dem Unternehmen darüber zu reden, ob man Arbeitsplätze noch erhalten kann und was wir tun können, um Arbeitsplätze in Berlin zu erhalten."

Konzern hat 1,3 Millionen Euro vom Land Berlin erhalten

General Electric hatte erst 2013 rund 1,3 Millionen Euro Unterstützung vom Land
Berlin erhalten, um den Standort in Marienfelde um ein Trainingszentrum zu erweitern. In dem früheren AEG-Werk werden unter anderem Wechselrichter für Stromnetze gefertigt, etwa um Strom von Offshore-Windparks in Leitungsnetze zu speisen. GE hatte das Werk 2011 als Teil des französischen Konzerns Alstom übernommen.

Bombardier, Siemens und jetzt General Electric

Berichtigung: In einer früheren Version dieses Artikel stand, dass General Electric in Berlin 800 Stellen abbauen will. Dies wollte das Unternehmen auf Nachfrage nicht bestätigen, sondern lediglich, dass der Produktionsstandort Marienfelde geschlossen werde. Zu dem Fehler kam es, nachdem in einer ersten Agenturmeldung gestanden hatte, dass in dem Werk derzeit 800 Menschen beschäftigt sind. Wir bitten den Fehler zu entschuldigen.

Sendung: Inforadio, 7.12.2017, 12 Uhr  

Kommentar

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6 Kommentare

  1. 6.

    Es ist traurig zu sehen wie ein Management ohne technologisches Verständis Richtungen einschlägt, Geschäftsbereiche aufgibt, nicht funktionierende Prozesse aufsetz, Entwicklung auf Null setzt, die erfahrenen Ingenieure mit hohen Abfindungen vor die Tür setzt. Das Schlimme: diese Entwicklung läuft seit Jahren ab und man kann der Abwärtsspirale zuschauen, während alle 1 bis 2 Jahre Managerposten neu gewürfelt werden und der nächste BA in BWL sich mal in einem Technologiemarkt probieren darf bevor er in ein anderes Fachgebiet befördert wird. Wie soll denn da vorausschauend für die Märkte der Zukunft entwickelt werden können?

    Berlin und Bundesregierung: Ihr hättet aufpassen müssen an wen Ihr unsere alten Industrieperlen verkauft. Industrie die geht kommt nicht mehr wieder - aber vielleicht machen wir ja jetzt alle was mit Internet und so.

  2. 5.

    Das, was Sie soziale Sicherungssysteme nennen, das nennen andere Sklavenhandel.

    Vermittlung in Hartz-IV-Aufstocker-Jobs mit Antrags-Marathon, damit die Leute bloß keine Langeweile haben, am besten noch mit Zwang vor's Gericht zu ziehen, ansonsten Sanktionen.

    So sieht die Realität in dem Land aus, in dem das Grundgesetz Zwangsarbeit verbietet.

  3. 4.

    Wie genau ist denn der Staat dafür verantwortlich, dass in diesem Fall offensichtlich das Management seit Jahren absehbare Entwicklungen verpennt hat? Immer dieses Gemeckere, aber immerhin gibt es soziale Sicherungssysteme in diesem Land.
    Aufgabe der Politik sollte es nun sein, zu prüfen, ob die gewährten Förderungen zurückgeholt werden können.

  4. 3.

    nee nee, Deutsche werden nicht aufgefangen... die werden natürlich vom Arbeitsamt und Jobcenter schikaniert und werden gezwungen prekäre Arbeitsverhältnisse aufzunehmen

  5. 2.

    Ja ne,niemand braucht doch Angst zu haben.
    Fachkräftemangel Allerorten.Ja die Stellenanzeigen gelesen und schon ein neuer Job.
    Ja gut,sollte das nicht klappen,Leuts die soziale Hängematte Hartz fängt euch alle sanft auf.
    Oder habe ich da wat Falsch verstanden.

  6. 1.

    wird es hier Demos geben gegen GE ? reisst Herr Schulz an ? setzt sich hier der Senat auch so ein wie bei den Siemens MA ? Fragen über Fragen

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