Eine junge Frau reguliert am 24.10.2016 in einer Wohnung die Heizung (Quelle: dpa/Christin Klose)
Bild: dpa/Christin Klose

Auch Mieter in Reinickendorf betroffen - Weitere Heizungsausfälle in Häusern der Deutsche Wohnen

Nicht nur in Kreuzberg, auch in Reinickendorf klagen Mieter des Konzerns Deutsche Wohnen über kaputte Heizungen. Auch dort streikt ein Heizkessel - und zwar schon seit anderthalb Wochen. Der Konzern gerät in Erklärungsnot. Von Robin Avram

In Berliner Wohnhäusern des Konzerns Deutsche Wohnen gibt es nach rbb|24-Recherchen mehr Heizungsausfälle als bislang bekannt. Am Montag hatte der börsennotierte Konzern eingeräumt, dass in mehreren Kreuzberger Miethäusern vier Tage lang die Heizung und die Warmwasserversorgung komplett ausgefallen waren. Einer der beiden defekten Heizkessel ist am Dienstag nun repariert worden, die meisten Mieter hätten wieder warme Wohnungen, hieß es.

Am Dienstag musste der Konzern jedoch auf rbb|24-Anfrage bestätigen, dass auch bei einem Reinickendorfer Wohnhaus in der Oranienburger Straße ein Heizkessel defekt ist - und zwar bereits seit dem 28. Dezember. "Es gibt dort noch einen zweiten Kessel, so dass alle Mieter eine verminderte Heizleistung in Anspruch nehmen können", erläuterte Deutsche Wohnen-Sprecher Marco Rosteck auf Anfrage von rbb|24. Das Unternehmen habe die Mieter informiert und Radiatoren zum Beheizen der Wohnung angeboten.

Mieterverein: Deutsche Wohnen reagiert nur zögerlich

Bis Ende der Woche will der Konzern zudem eine mobile Heizstation vor dem Haus einrichten, um die normale Heizleistung gewährleisten zu können. Innerhalb von drei Wochen solle der defekte Heizkessel ausgetauscht werden. Auf die Frage, warum die Instandhaltung so lange dauert, sagte der Sprecher: "Wir haben nicht sehr viele Beschwerden aus diesem Haus gehabt. Es sind auch nur wenige Radiatoren angefordert worden."

Schon im vergangenen Winter war die Deutsche Wohnen in die Kritik geraten, weil in vielen ihrer über 100.000 Berliner Wohnungen Heizungen ausgefallen waren. Andere Mieter mussten monatelang auf Reparaturen waren. Vor rund einem Jahr mussten deshalb Vertreter des Konzerns bei einer Anhörung im Abgeordnetenhaus Rede und Antwort stehen. Der ehemalige Sprecher des Mietenvolksentscheids, Rouzbeh Taheri, erneuerte anlässlich der neuerlichen Probleme nun seine Kritik an der Deutschen Wohnen. "Bei diesem Konzern diktiert der Blick auf die Aktienkurse das Handeln. Es gehört zur Geschäftsstrategie, nicht genug zu investieren in die Instandhaltung."

Der Berliner Mieterverein hat Dutzende betroffene Mieter beraten - und teilt im Kern die Vorwürfe. Die stellvertretende Vorsitzende Wibke Werner sagte rbb|24: "Das Unternehmen reagiert in vielen Fällen nur zögerlich, wenn es um Instandhaltung und die Kommunikation mit den Mietern geht." Die wiederholten Problemen mit den Heizanlagen ließen "zumindest den Verdacht aufkommen, dass die Instandhaltung hier vernachlässigt wird".

Deutsche Wohnen will dazugelernt haben

Schärfere Töne schlug der Bundestagsabgeordnete Pascal Meiser (Linke) an. "Die Mietobjekte der börsennotierten Deutschen Wohnen verkommen immer mehr zu Kühlhäusern", kritisierte er in einer Mitteilung. "Der Deutschen Wohnen ist das aus Gründen der Profitmaximierung offensichtlich egal."

Deutsche Wohnen-Sprecher Marko Rosteck widersprach dieser geballten Kritik. "Es stimmt, dass wir im vergangenen Winter viele Heizungsausfälle hatten, aber wir haben daraus gelernt." Im Sommer seien 3.000 Heizanlagen im Bestand inspiziert worden, 300 dieser Heizanlagen seien als "besonders kritisch" identifizert worden. Einige wurden kurzfristig repariert, andere sollen mittel- bis langfristig modernisiert werden.

Auch die Heizung in den nun vom Heizungsausfall betroffenen Kreuzberger Häusern fiel laut dem Sprecher übrigens als "besonders kritisch" auf. Genutzt hat das aber offenbar wenig. Bevor sie repariert wurde, gab sie schon den Geist auf.

Beitrag von Robin Avram

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6 Kommentare

  1. 6.

    Wenn ich das alles von der DW so lese,bekomme ich Panik um meine Wohnung.hier funktioniert noch alles-NOCH-

  2. 5.

    Das ist relativ. Ich wohne in einer Wohnung eines 100% städtischen Wohnungsunternehmen, dass auch Überschüsse an den Stadthaushalt abführt. Unsere Häuser und Wohnungen sind tipptopp in Schuss. 100% kommunales Eigentum heißt nicht gleich, dass es sozialistisch vergammelt. Eine Aktiengesellschaft wie die Deutsche Wohnen MUSS den Maximalprofit erwirtschaften, logisch mit möglichst wenig Aufwendungen. Das muss ein städtisches Wohnungsunternehmen nicht. Marktwirtschaftlich agieren müssen kommunale Unternehmen schon, aber eben nicht zum Maximalprofit.

  3. 3.

    Weil der Senat froh ist die langeseigenen Immo-Gesellschaften privatisiert zu haben und damit selber nichts zu tun haben will. Hätten die ihre notdürftig gepflückten Bestände behalten, würden heute ungleich mehr Probleme aufpoppen.

  4. 2.

    Warum wird hier nicht mal richtig seitens des Senats durchgegegriffen???

  5. 1.

    Da diese Konzerne eigene Firmen zur "Instandhaltung " haben, verstehe ich nur zu gut warum angeblich alte Heizungen aussteigen. Die Umrüstung der vernachlässigten Arbeiten wird dann als energiesparende Modernisierung für Mieterhöhungen genutzt.

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