Metaller von Siemens, Ledvance und Osram im Rahmen eines IG-Metall-Warnstreiks auf dem Weg zu einer Kundgebung in Berlin-Siemensstadt am 09.01.2018 (Foto: imago/Jürgen Heinrich)
Video: rbb Aktuell | 09.01.2018 | Bild: imago/Jürgen Heinrich

Warnstreiks der IG Metall - Mehr als 2.000 Metaller treten in der Region in Ausstand

Sechs Prozent mehr Lohn und in bestimmten Fällen auch eine Reduzierung der Arbeitszeit - dafür haben sich am Dienstag in Berlin Beschäftigte der Metall- und Elektroindustrie an Warnstreiks beteiligt. Auch in Brandenburg gab es Ausstände.

Hunderte Beschäftigte der Metall- und Elektroindustrie haben in Berlin und Brandenburg am Dienstag erneut die Arbeit niedergelegt. Das teilte die Gewerkschaft IG Metall am Dienstag mit. In Berlin legten rund 2.000 Beschäftigte die Arbeit nieder, wie der Pressesprecher der IG Metall, Klaus Abel, rbb|24 am Vormittag sagte. Rund 1.800 davon hätten sich am Sternmarsch beteiligt. Aufgerufen zum Ausstand waren unter anderen Mitarbeiter der Industriebetriebe Osram, Siemens, Ledvance und BMW.

Am Mittwoch sind Mercedes und General Electric dran

Insgesamt dauerten die Arbeitsniederlegungen laut Abel zweieinhalb Stunden. Bis 12 Uhr wollten die Beschäftigten an ihre Arbeitsplätze zurückkehren. Am Juliusturm, in der Nonnendammallee und auf dem Siemensdamm kam es zu erheblichen Verkehrsbehinderungen.

In Brandenburg ließen laut Gewerkschaft rund 430 Metaller die Arbeit ruhen. In Ludwigsfelde legten demnach rund 350 Beschäftigte der Gestamp und der MTU Maintenance am frühen Nachmittag für eine Stunde die Arbeit nieder. In Wustermark folgten dem Aufruf zum Warnstreik rund 80 Beschäftigte des Unternehmens Mahle für zwei Stunden.

Am Mittwoch sollen weitere Warnstreiks folgen. Wie Abel sagte, werden dann Mercedes und General Electric im Berliner Ortsteil Marienfelde betroffen sein (Tempelhof-Schöneberg). Erwartet wird, dass dort rund 800 Beschäftigte die Arbeit niederlegen.

Bereits am Montag Ausstand in der Region

Bereits am Montag hatten Mitarbeiter unter anderem bei Otis in Berlin und bei Bombardier in Hennigsdorf gestreikt. In Berlin zogen nach Angaben der IG Metall rund 700 Beschäftigte gemeinsam zum U-Bahnhof Alt-Tegel, ein großer Teil von ihnen arbeitet beim Aufzughersteller Otis in Tegel. Dem Aufruf folgten auch Beschäftigte von MAN Diesel Turbo, Borsig, KB Powertech, Robert Bosch Steering sowie aus dem Mercedes-Benz-Werk Marienfelde.

In Brandenburg bestreikten hunderte Beschäftigte den Lokomotiven-Hersteller Bombardier in Hennigsdorf (Oberhavel). Am Vormittag hatten sich nach Gewerkschaftsangaben rund 300 Mitarbeiter vor dem Bombardier-Werkstor versammelt. Der Zugproduzent sprach aufgrund eigener Schätzungen von rund 200 Mitarbeitern. Der Warnstreik habe kurzfristig die Produktionsabläufe beeinträchtigt, nachhaltige negative Auswirkungen auf die Produktion gebe es nicht.

IG Metall fordert Recht auf 28-Stunden-Woche

Bundesweit arbeiten rund 3,9 Millionen Beschäftigte in der Metall- und Elektrobranche, dem wichtigsten deutschen Industriezweig. Im aktuellen Tarifkonflikt macht vor allem eine Gewerkschaftsforderung von sich reden. Denn die IG Metall verlangt nicht nur sechs Prozent mehr Geld und gleiche Löhne in Ost und West. Zudem sollen Arbeitnehmer das Recht bekommen sollen, ihre Arbeitszeit befristet auf 28 Wochenstunden absenken zu können. Wer kleine Kinder hat oder seine Eltern pflegen möchte, solle dafür nicht nur mehr Zeit, sondern teilweise auch einen Lohnausgleich erhalten, wenn er seine Arbeitszeit reduzieren möchte.

"Wir wollen die Branche attraktiv machen für die Fachkräfte von morgen", begründete IG-Metall-Chef Jörg Hofmann im rbb-Inforadio diese Forderung. Bei einer Umfrage unter 680.000 Beschäftigten der Branche hätte sich gezeigt, dass mehr selbstbestimmte Arbeitszeit für viele Arbeitnehmer ein wichtiges Anliegen sei.

Arbeitgeber: rechtswidrige Forderung

Besonders die Forderung nach dem Lohnausgleich für Beschäftigte, die ihre Arbeitszeit reduzieren wollen, wird von den Arbeitgebern scharf abgelehnt. Daraus erwüchsen Ungleichbehandlungen gegenüber Mitarbeitern, die jetzt schon ohne Ausgleich in Teilzeit arbeiten. Zudem müsse es auch möglich sein, die Arbeitszeiten zu erhöhen – schließlich sind die Auftragsbücher voll.

Der Arbeitgeberverband VME kritisierte, die Warnstreiks beruhten auf einer rechtswidrigen Forderung, sagte ein Sprecher des Verbands der Metall- und Elektroindustrie Berlin-Brandenburg am Dienstag. Zudem verschärfe der Ausstand den Konflikt unnötig.  

Bombardier-Beschäftigte hoffen auf Standortsicherung

Bei Bombardier in Hennigsdorf verknüpfen die vom Jobabbau bedrohten Beschäftigten noch andere Hoffnungen mit der geforderten Arbeitszeitabsenkung. "Wichtig ist es für uns auch, die Arbeitsplätze am Standort zu sichern. Jede Arbeitszeitverkürzung schafft Arbeitsplätze," sagte Stefanie Jahn, die Gewerkschaftssekretärin der IG Metall in Oranienburg, dem rbb.

Die dritte Verhandlungsrunde soll am Donnerstag in Baden-Württemberg beginnen, für Berlin und Brandenburg wird am 19. Januar in Berlin verhandelt. Die Arbeitgeber waren bislang zu einem Lohnplus von zwei Prozent im April bereit, zudem zu einer Einmalzahlung von 200 Euro für die Monate Januar bis März.

Kommentar

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8 Kommentare

  1. 8.

    Niveau ist ein gutes Stichwort, seit Jahrzehnten rührt sich dort nämlich.... nichts. Auslagerung? Warum sollte der Arbeitgeber das tun. Billiglohnland Deutschland im Ranking gehören wir nicht unter den Top 10. Wettbewerbsverzerrung
    in den neuen Bundesländer wird ein Monat mehr gearbeitet als in den alten, was für diese Standorte nicht zum Vorteil ist da ja immer wieder unterboten werden kann.Flexibilität und Qualität gehören zusammen , wer ständig an der Schippe ist weil es jetzt gerade wieder ganz wichtig ist und der Kunde wartet der ist am Ende überfordert keine Qualität und Krankheiten runden das Bild ab. Wer von den Arbeitnehmern erwartet bis( zur Zeit)67 Jahren zu arbeiten sollte sich auch um dessen Gesundheit kümmern. Die Betreuung der Kinder( 28 h )Woche könnte auch behilflich sein für die Entscheidung auf Nachwuchs.. Durch das deutlich längere arbeiten der Arbeitnehmer ist es nun, dass man sich um die Eltern kümmern muss vor kurzem waren die Kümmerer selbst schon Rentner .

  2. 7.

    Das ist jammern auf sehr hohem Niveau liebe IG Metall und ein Grund mehr, wenn Unternehmen ihre Produktion woanders hin verlagern.

  3. 6.

    Es geht um die Möglichkeit in Härtefällen für einen begrenzten Zeitraum mit den Stunden runterzugehen. So wie es im Gesundheitssystem und anderen Gang und Gebe ist um sich um Pflegebedürftige Kinder und Angehörige zu kümmern. Diese Möglichkeit gibt es in der Metall und Elektroindustrie nicht. Hier heisst es , einmal Teilzeit immer Teilzeit. Nur darum geht es...

  4. 5.

    Hier sieht man schön,wie die propagierte Angstmache funktioniert. Meint ihr etwa die 40-Stunden-Woche ist vom Himmel gefallen? 6 Tage die Woche mit einem 12-Stunden-Tag würde sicher heute keiner mehr gut finden. Aber die gleichen Leute denken wahrscheinlich auch,es wäre von Vorteil Jahr für Jahr einen Exportüberschuss mit mehreren Hundert Milliarden Euro zu erzielen. Falsch.

  5. 4.

    ,,Jede Arbeitszeitverkürzung schafft Arbeitsplätze," sagte Stefanie Jahn, die Gewerkschaftssekretärin der IG Metall in Oranienburg, dem rbb".
    Aber nicht eine Arbeiszeitverkürzung zu vollem Lohnausgleich, dies stärkt den Wettbewerbsdruck der Brance zu anderen Industriestandorten, da somit der Stundenlohn des Mitarbeiters noch höher wird!

  6. 3.

    Wie wäre es mit einer " 5 Stunden Woche" mit dreifachem Lohn/Gehalt, 120 Tage Urlaub ????
    Ironie Ende.
    Was nützt mir eine 28 Stundenwoche wenn meine Firma schließt bzw abwandert.
    So langsam glaube ich dass die Gewerkschaften die Firmen in andere Länder treiben wollen.
    Dort wird länger gearbeitet und die Löhne sind weit aus niedriger.
    Dann ist das Geschrei wieder groß.

  7. 2.

    Ich will euch ja nicht in sie Suppe spucken, aber wenn solche Forderungen wie die 28 Stunden Woche durchgesetzt werden, besteht dann nicht die Gefahr der Auslagerung der Arbeitsplätze nach zB China? Dank der EU/WTO haben wir ja jetzt Freihandel, dh der Staat beschützt uns nicht mehr.

  8. 1.

    Es wird Zeit,dass die Gewerkschaften wieder das Thema Arbeitszeiten auf den Tisch bringen. Seit mehr als 20 Jahren ist da nichts passiert.
    Auch die Gesamtarbeitszeit in Deutschland muss mal öffentlich betrachtet werden,denn die stagniert seit langer Zeit weitestgehend. Das würde aber nicht zur Lobhudelei bei Erwerbstätigenzahlen und Arbeitslosenquote passen.

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