Privatclub-Betreiber Norbert Jackschenties (Quelle: rbb / T. Blecha)
Video: Abendschau | 22.01.2018 | Jörn Kersten | Bild: rbb / T. Blecha

Drohende Verdrängung - Berliner Senat setzt sich für Kreuzberger Privatclub ein

Hunderte Konzerte haben die Betreiber des Privatclubs in Berlin-Kreuzberg bereits veranstaltet - darunter Bands wie Wir sind Helden und Kakkmaddafakka. Doch der neue Eigentümer hat die Miete verdoppelt und droht mit Schadensersatzansprüchen. Von Thomas Blecha

Die Betreiber des Privatclubs in Berlin-Kreuzberg kämpfen nach eigenen Angaben gegen die Verdrängung aus ihrem angestammten Standort, dem alten Postamt in der Skalitzer Straße. Dort veranstalten sie seit rund fünf Jahren regelmäßig Konzerte vor allem mit lokalen und aufstrebenden Bands.

Privatclub-Gründer Norbert Jackschenties sieht sich nun jedoch in seiner Arbeit vom neuen Gebäudeeigentümer bedroht. Vor knapp anderthalb Jahren hat eine in Luxemburg ansässige Firma von Investor Marc Samwer, Mitgründer von Rocket Internet, das Gebäude gekauft. Diese fordere nun über ihren Anwalt die doppelte Miete für den Club - 22 statt bisher elf Euro pro Quadratmeter.

Kein Schallschutz eingebaut

Seit dem Eigentümerwechsel seien zudem mehrere Start-ups in das ehemalige Postgebäude eingezogen, deren Mitarbeiter sich nun über den Lärm beschwerten. Deshalb habe der neue Vermieter im vergangenen Dezember den Privatclub abgemahnt, mit Kündigung und mit Schadensersatzansprüchen gedroht. Außerdem soll sich der Club demnach neben den Wochenendveranstaltungen auf nur noch maximal zwei Konzerte in der Woche beschränken.

Laut Mietvertrag seien eine höhere Miete und ein eingeschränkter Konzertbetrieb zulässig, heißt es von Seiten des Eigentümers. Bei der Renovierung des Gebäudes sei kein Schallschutz eingebaut worden, denn das sei bautechnisch nicht möglich gewesen, so die PR-Agentur des Eigentümers.

Senatsbrief an die Samwer-Brüder

Spätestens seit der Abmahnung fürchtet Jackschenties um seinen Club und sucht Unterstützung bei der Politik und in der Öffentlichkeit. "Nach meinen Erfahrungen wird es schwierig, mit dem Eigentümer eine Lösung zu finden", sagte Jackschenties rbb|24 am Rande eines von ihm organisierten Pressegesprächs am Montag: "Aber dadurch, dass die Leute mitkriegen, dass ein weiterer Clubstandort in Berlin vielleicht seine Türen schließen muss, hoffe ich, dass wir eine Lösung finden werden."

Pressegespräch im Privatclub (Quelle: rbb)
Pressegespräch im Privatclub mit Lutz Leichsenring von der Clubcommission Berlin, Musicboard-Geschäftsführerin Katja Lucker und Privatclub-Gründer Norbert Jackschenties (v.l.n.r.) | Bild: rbb

Unterstützung bekommt der Privatclub vom Musicboard und der Clubcommision, die sich für Musik- und Kulturschaffende in Berlin einsetzen. Auf deren Initiative haben sich Berlins Kultursenator Klaus Lederer (Linke) und Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne) vor einer Woche schriftlich an die Samwer-Brüder gewandt, wie Musicboard-Geschäftsführerin Katja Lucker auf dem Podium berichtete. "Der Brief ist nett fordernd und enthält die Bitte, das Gespräch mit dem Privatclub zu suchen", so Lucker. Sie räumt aber auch ein, dass der Erhalt des Clubs vom Willen der Eigentümer abhängt. "Da es keine landeseigene, sondern eine private Immobilie ist, sind der Politik die Hände gebunden. Wir können alle nur appellieren, dass langjährige Szeneeinrichtungen in Berlin wie der Privatclub nicht von Start-ups verdrängt werden sollten."

Mietvertrag noch bis 2022

Der Gewerbemietvertrag läuft noch bis 2022. Aber Jackschenties fühlt sich schon jetzt unter Druck. Nach eigenen Angaben hat er dem Vermieter zwischenzeitlich angeboten, statt bisher elf Euro pro Quadratmeter einen höheren Mietzins von 15 Euro zu zahlen. Dies sei aber vom Eigentümer nicht akzeptiert worden. Stattdessen habe ihm der Vermögensverwalter mündlich mitgeteilt, dass ein Mietverhältnis mit ihm über das Jahr 2022 hinaus nicht gewollt sei, so Jackschenties, der sich nun auch schon nach anderen Locations für seinen Privatclub umschaue - wieder einmal. Denn der Privatclub ist erst vor wenigen Jahren von der Markthalle an den aktuellen Standort in der Skalitzer Straße gezogen.

Neben der angedrohten Kündigung empfindet Club-Betreiber Jackschenties auch die in der Abmahnung geforderten Einschränkungen als Schikane: "Bis die Samwers das Haus gekauft haben, gab es nie Beschwerden wegen Lärms. Außerdem wurde der Schallschutz damals mit dem Umweltamt und dem alten Eigentümer abgestimmt." Zudem gelte laut Mietvertrag eine Betriebsbeschreibung, die Soundchecks am Nachmittag zuließen und keine Vorgaben über die Anzahl der Konzerte in der Woche machten.

Schon seit längerer Zeit kämpfen verschiedene Clubs und Konzertveranstalter in Berlin um ihre Locations. Während Clubs wie das Knaack oder der Kingkong Club schon längst Geschichte sind, hat jüngst der Bassy Club in Prenzlauer Berg angekündigt, im März schließen zu müssen. Auch der Erhalt der Bar Babette in Friedrichshain ist bedroht, weil ihr Mietvertrag ausläuft und nicht verlängert werden soll.

Beitrag von Thomas Blecha

Kommentar

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6 Kommentare

  1. 6.

    Ich kann solche Meldungen über Firmen aus Luxembourg, die sich am heimischen Immobilienmarkt tummeln einfach nicht mehr hören. Da passt eine 100% ige Mieterhöhung samt Neuvermietung an hippe start-ups wie die Faust aufs Auge. Ich begrüsse es, dass der Senat aufwacht: Wenn erstmal alles Leben verdrängt worden ist von Investoren, die gleich mal die Miete verdoppeln wollen, dann wird Berlin die ödeste Großstadt der Welt sein. Das will keiner wollen.

  2. 5.

    ...stimme zu..., wird immer schäbiger hier, von wegen "seriöses" Unternehmen, wenn ich schon "Luxemburg ansässiges Unternehmen" lese, dann kommt mir schon das Frühstück hoch, das ich nicht lache! Ist doch auch kein Einzelfall, gestern noch mich mit Leuten unterhalten über das Thema ( ...auch Bassy usw...) Unglaublich. Aber Hauptsache, es gibt genug schicke Restaurants und an jeder Ecke n KaffeeLatte Laden, super!

  3. 4.

    In dieser Lage auf die die ganze Welt schaut wenn es Drogen und Mordnachrichten von dort gibt? Ey, was hast du geraucht? Es geht um einen alteingesessenen Club, der gute Bands ranschafft. Und du kommst mit Kriminalität. Wird jeden Abend am Schlesi rumgemordet. Was für ein zusammenhangsloses Gebrabbel.

    Übrigens, ich habe tolle Konzerte im Privatclub gesehen, allerdings noch im alten. Ich wünsche dem Betreiber viel Erfolg!

  4. 2.

    Bei „Schadensersatzansprüchen“ flippen sogar die ü-Pünktchen im Text kompett aus.

    Was für ein Wort. Macht nichts RBB, kann so bleiben. Ich habe volles Verständnis dafür– in Kreuzberg wird es tatsächlich immer verrückter ;-)

  5. 1.

    Zum einen ein wirklich sehr seriöses Unternehmen das die Liegenschaft eignet, noch, wenn das unter geht geht auch der Bürgermeister und einige andere Politiker mit die das decken was da passiert-und dazu ein Mieter der wirklich daran glaubt das seine Forderungen in 2018 so wie bisher erfüllbar sind und vergisst das 22Euro auch noch günstig sind in dieser Lage auf die die ganze Welt schaut wenn es Drogen und Mordnachrichten von dort gibt.

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