ARCHIV - Flugzeuge der Lufthansa stehen an einem Flughafen (Foto: dpa/Christophe Gateau)
Audio: Radioeins | 08.01.2018 | Nico Schmolke | Bild: dpa/Christophe Gateau

Teure Tickets nach Air-Berlin-Pleite - Lufthansa räumt Einfluss auf höhere Flugpreise ein

Neue Munition für den Vorwurf, die Lufthansa habe die Monopolsituation nach der Air-Berlin-Pleite ausgenutzt: Das Unternehmen gibt zu, dass ihr Preis-Algorithmus nicht nur auf die gestiegene Nachfrage reagiert. Von Nico Schmolke

Nach der Pleite von Air Berlin flog die Lufthansa wochenlang zwischen Berlin und München, mit mehreren Maschinen, ohne Konkurrenz - und schon waren die Flugtickets spürbar teurer geworden. Mehrere hundert Euro musste berappen, wer sich für eine Stunde in den Flieger setzen wollte.

Die Party ist vorbei. Easyjet stößt in die Lücke, die Air Berlin hinterlassen hat - von Berlin nach München kostet Fliegen jetzt wieder um die 70 Euro.

Und doch werden die vergangenen Wochen ein Thema bleiben, vor allem im Bundeskartellamt. Es steht die Frage im Raum: Hat die Lufthansa das Monopol nach dem Aus von Air Berlin ausgenutzt und die Preise für Flugtickets in ungebührlichem Maße erhöht?

Bundeskartellamt: Airlines bestimmen Algorithmen

Bislang hat Lufthansa-Chef Carsten Spohr das abgestritten. Ein Computer-Algorithmus habe lediglich auf die höhere Nachfrage reagiert. Im Grunde hat Spohr recht, alle Airlines nutzen Algorithmen. Die zeigen den Kunden je nach Buchungszeitraum, Nachfrage und Strecke verschiedene Preise an.

Das Bundeskartellamt aber will diese Ausrede nicht gelten lassen. Dessen Präsident Andreas Mundt sagte der "Süddeutschen Zeitung": "Solche Algorithmen werden ja nicht im Himmel vom lieben Gott geschrieben." Unternehmen könnten sich "nicht hinter Algorithmen verstecken". Denn wie die Algorithmen auf das Aus eines Mitbewerbers reagieren, könne eine Airline selbst bestimmen.

Preisstruktur von Menschen festgelegt

Aussagen von Lufthansa befeuern nun allerdings den Vorwurf der Monopol-Ausnutzung. Auf Anfrage der rbb-Welle Radioeins sprach Lufthansa-Sprecherin Lara Matuschek davon, dass der Algorithmus "den Markt beobachtet". Am Telefon wollte sie darauf nicht weiter eingehen, konkretisierte jedoch später per E-Mail: "Die Preisstruktur eines Fluges wird von unseren Experten nach bestimmten Kriterien festgelegt: Produkt und Zeitfenster der Flüge, Wettbewerbersituation und Positionierung gegenüber dem Wettbewerber etc.. Dadurch bieten wir verschiedene Preispunkte für unterschiedliche Kundengruppen an. Der Algorithmus arbeitet dann mit der ihm vorgegebenen Preisstruktur."

Höhere Preise durch fehlende Konkurrenz

Diese Offenheit bei Lufthansa ist neu. Denn die Aussage bedeutet: Der Algorithmus selbst wird vielleicht nicht verändert, doch zumindest arbeitet er mit einer von Menschenhand gemachten Preisstruktur. Und diese definiert sich unter anderem aus der Wettbewerbersituation.

Damit gibt die Lufthansa erstmals offen zu, direkt auf die Konkurrenz zu reagieren. Wenn es auf einer Strecke keine anderen Anbieter gibt, wird die Preisstruktur angepasst. Also sorgt nicht nur die höhere Nachfrage bei einem Lufthansa-Flug für höhere Preise - sondern bereits das Fehlen von Konkurrenz.

Lufthansa rechnet mit Rekordgewinn

Das wäre wie auf dem Gemüsemarkt: Wenn an keinem anderen Stand Zitronen verkauft werden, schlägt der einzige Zitronen-Händler pauschal 30 Prozent drauf. Ähnlich ist es beim Fliegen: Für den Kunden gibt es keine Alternative. Geschäftsreisende müssen von A nach B, und neue Mitbewerber können die Lücke so schnell nicht füllen. Ob dieses Verhalten rechtens ist, muss im Fall von Lufthansa nun das Bundeskartellamt beurteilen.

Die Airline rechnet unterdessen vor dem Jahresabschluss 2017 mit einem Rekordgewinn. Der Aktienkurs steigt. Und nun kündigte der Konzern an, in diesem Jahr mehr als 8.000 neue Mitarbeiter einstellen zu wollen.

Vielleicht ist die Party für die Lufthansa angesichts der neuen Konkurrenz ja doch noch nicht vorbei, sondern hat gerade erst begonnen.

Beitrag von Nico Schmolke

Kommentar

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7 Kommentare

  1. 7.

    Ich sehe keinen Widerspruch zwischen der Aussage, dass die Preise auf den Algorithmus reagieren, und dem "Eingeständnis", dass die Preise wegen der Air Berlin Pleite gestiegen seien und LH davon profitiere. Das ist exakt 2x die gleiche Beschreibung desselben marktwirtschaftlichen Phänomens. Und: richtig, auch auf dem Gemüsemarkt wäre das so .... und in jedem anderen Markt der freien Marktwirtschaft übrigens ebenso.

  2. 6.

    Über 60 Flugzeuge der insolventen Air Berlin fliegen keine Passagiere durch die Welt sondern stehen auf verschiedenen Flughäfen geparkt. Endsprechend fehlen die Transportkapazitäten im Markt.
    Das sorgt dafür das die vorhandenen Flügen schneller gebucht werden, was der Algorismus merkt und die Preise hochschraubt. Wenn in Florida die Orangen erfrieren, werden sie auf dem Markt in Mainz teurer...
    Wenn EasyJet neue Kapazitäten einsetzt, werden die Flieger nicht mehr so schnell voll und die billigeren Tickets sind wieder länger buchbar. Das ist nun mal Marktwirtschaft.

  3. 5.

    Was soll diese Aufregung? Ist doch ganz einfach: Einfach mal den Flieger stehen lassen.

  4. 4.

    Man vergleiche nur mal die Preise von Frankfurt nach Brüssel: Bevor Lufthansa die Brussels Airlines übernommen und seitdem das Monopol auf der Strecke hat gab es Round-trips für unter 200€. Mittlerweile gibt es keine mehr unter 380€, eher 450€ aufwärts. Dabei scheint es fast egal wann man bucht. Vom Kartellamt hört man da leider nicht sehr viel...
    Und ja, es gibt eine Zugverbindung, aber mit der sind Termine um 10:00 nicht zuverlässig machbar.

  5. 3.

    Das ist doch das Wesen der Marktwirtschaft, Angebot und Nachfrage.
    Der Preis bestimmt sich aus Angebot und Nachfrage.
    Niemand ist gezwungen mit der LH zu fliegen.
    Man kann auch mit Bus und Bahn fahren.
    Das Kartellamt will Wettbewerb, darauf achtet das Kartellamt.
    Das Wesen des Wettbewerbs ist, dass auch mal jemand in die Insolvenz geht.
    Das Kartellamt führt mit seinem ausschließlichen Blick auf den Wettbewerb die insolvenzen
    geradezu selbst herbei.
    Auch das Kartellamt ist also schuld an der Insolvenz von Air Berlin und damit am fehlenden Angebot und letztlich höheren Preisen.
    Ich hoffe LH und Easyjet verständigen sich durch Augenzwinkern oder stillem gegenseitigem Verständnis über die Preise, so dass beide gut von den Erlösen leben können.
    Direkte Absprachen nützen keinem, die spülen nur das Geld der Passagiere in die Kassen der Kartellämter bei Bund und EU.

  6. 2.

    Selbstverständlich hat Lufthansa sein Monopol ausgenutzt. Das ist doch der Sinn der ständigen Fusionen und Zukäufe überall in der Wirtschaft. Je größer ein Unternehmen, desto brutaler kann es seine Macht gegenüber den Kunden und Regierungen durchsetzen. Anti-Trust-Gesetze wie unter Roosevelt sind schon seit Jahren überfällig. Aber in Lobbyistenstaaten wie dem unseren wohl nicht mehr durchzusetzen.

  7. 1.

    War uns das nicht klar???
    Ich meine... für wie dumm halten die uns eigentlich?

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