Studentische Hilfkräfte demonstrieren in Berlin für eine Lohnerhöhung. (Quelle: dpa/snapshot-photography/K. M. Krause) und einen angemessenen Tarifvertrag
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Warnstreik an der Humboldt-Uni - Studentische Beschäftigte drohen mit weiteren Aktionen

Seit 17 Jahren derselbe Stundenlohn - das wollen die studentischen Beschäftigten der Berliner Hochschulen nicht länger hinnehmen. Mit einem Warnstreik an der Humboldt-Uni haben sie am Freitag noch einmal ihre Forderungen unterstrichen.

Die studentischen Beschäftigten an der Humboldt-Uni sind am Freitag noch einmal in einen Warnstreik getreten. Wie die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi mitteilte, nutzten die Streikenden den letzten Tag der Vorlesungszeit, um auf ihre Forderungen aufmerksam zu machen.

Tarifkomission warnt vor neuen Streiks im Sommersemster

Zunächst versammelten sich die studentischen Hilfskräfte auf dem Hegelplatz. Danach führten sie ein Sit-In im Foyer des HU-Hauptgebäudes durch. Dies sei "ein Vorgeschmack auf das kommende Semester" gewesen, sagte Franziska Hamann-Wachtel, Mitglied der studentischen Tarifkommission.

Sollten die Hochschulen davon ausgehen, dass der Arbeitskampf mit dem Wintersemester zu Ende gehe, sei das ein Irrtum. "Kurzfristige Aktionen wie heute, können im Sommersemester zum Dauerzustand werden, wenn es die Hochschulen darauf anlegen", sagte Hamann-Wachtel. An den beiden vorangegangenen Tagen hatten die Freie Universität in Dahlem und der Campus Adlershof der Humboldt Universität im Fokus des Warnstreiks gestanden.

Die Hilfskräfte klagen darüber, dass der Stundenlohn seit 17 Jahren nicht mehr erhöht wurde. Daher hat sich auch Lisa Westphal am Warnstreik beteiligt: "Weil ich das eine Frechheit finde, dass es seit 17 Jahren keine Lohnerhöhung gab", sagte sie am Freitag dem rbb.

Das Geld reicht vorne und hinten nicht

Die 27-Jährige arbeitet an der Hochschule für Wirtschaft und Recht und organisiert als Bürokraft etwa Konferenzen oder Workshops. Doch weil das Geld nicht reicht, braucht die junge Mutter neben dem Studium sogar noch einen zweiten Job. Das könne nicht sein, noch zumal "wir die einzige Beschäftigtengruppe sind, die keine Lohnerhöhung bekommen hat so lange", sagte Westphal der rbb-Abendschau.

Der kommunale Arbeitgeberverband hat vorgeschlagen, den Stundenlohn für studentisch Beschäftigte bis Anfang 2022 von jetzt rund elf schrittweise auf 12,50 Euro zu erhöhen. Doch die Gewerkschaft fordert 14 Euro und dass dieser Stundenlohn künftig an die Entwicklung im öffentlichen Dienst angepasst werden soll.

Hauptamtliche Kräfte müssten deutlich höher entlohnt werden

Selbst damit wären die studentischen Mitarbeiter im Vergleich günstig für die Hochschulen, sagt Masterstudentin Sophie, die in der Bezahlung vor allem ökonomisches Kalkül sieht: "Leute, die zum Beispiel in der Verwaltung arbeiten, fühlen sich wahrscheinlich auch zum Teil davon betroffen, dass die Hochschulen uns als billige Arbeitskraft-Alternativen in der Verwaltung einsetzen – und damit hauptamtliche Stelle einsparen, die sie deutlich höher entlohnen müssten."

Verdi-Verhandlungsführer Matthias Neis sagte am Freitag, man erwarte ein neues Angebot. Wenn die Verantwortlichen an der FU sagten, man habe sich bereits geeinigt, sei das nur ein taktisches Manöver. Außer Ankündigungen hätten die Streikenden "noch nichts gesehen". Wenn die Universitäten etwas Substanzielles anzubieten hätten, sollten sie das auch sagen, betonte Neis. "Dieser Arbeitskampf ist kein Spiel, weder für die Beschäftigten, noch für die Studierenden, die von den Streiks betroffen sind."

Sendung: Abendschau, 16.02.2018, 19.30 Uhr

Kommentar

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4 Kommentare

  1. 4.

    > Die Studentenschaft vergisst hier, dass sie als UNGELERNTE Arbeitskräfte beschäftigt werden und mit 11EUR/h
    > immer noch weit mehr verdienen als ein Großteil der Bevölkerung in der freien Wirtschaft bei 40h/Woche.

    Das stimmt so nicht. Voraussetzung für die meisten SHK-Stellen ist ein Grundstudium (ca. 5 Semester, früher Vordiplom). Von "ungelernten" Arbeitskräften kann also nicht die Rede sein.

    > Es wird auf Staatskosten, auf Kosten der Allgemeinheit Dauerstudiert und dann soll die Allgemeinheit
    > auch noch diese Bummelei mit einem gut bezahltem Job bezahlen?

    Im Beitrag werden Menschen interviewt, die ohne die Jobs nicht genug Geld zum Leben hätten. Und wenn neben dem Studium noch in 2 Jobs gearbeitet werden muss, dann ist es wohl verständlich, dass das Studium länger dauert. Das ist der Hauptgrund, warum Regelstudienzeiten nicht eingehalten werden können.

  2. 3.

    Selbst wenn wir mal Ihre Vorurteile aus dem letzten Jahrhundert ernst nehmen (Befragen Sie das Internet mal nach der "Bologna-Reform" und schauen wie viel "Bummelei" so ein Studium seitdem noch zulässt), wäre das doch ein Argument für bessere Löhne, denn je mehr die Leute arbeiten müssen, um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten, umso weniger Zeit bleibt zum Studieren. Wenn Sie also wollen, dass die Studis schneller fertig werden, dann wäre eine Lohnerhöhung ein guter Beitrag dazu.
    Mit einem haben Sie allerdings recht: Die Leute werden "als ungelernte beschäftigt". Eingesetzt werden sie allerdings regelmäßig für Tätigkeiten (IT-Service, Verwaltung, Lehre, etc.) die im öffentlichen Dienst ab der Entgeltgruppe 5 aufwärts entlohnt werden müssten, teils deutlich darüber. Bezahlt werden sie aber unterhalb der Entgeltgruppe 1, die für einfachste Tätigkeiten vorgesehen ist. Also, erstmal über die Verhältnisse informieren, bevor man so viel Meinung auf so schmaler Faktenbasis rumbalanciert.

  3. 2.

    Ich verstehe das nicht. Es wird doch nun wirklich niemand gezwungen zu diesen Konditionen zu arbeiten.

  4. 1.

    Für diese Forderung habe ich NULL Verständnis! Die Studentenschaft vergisst hier, dass sie als UNGELERNTE Arbeitskräfte beschäftigt werden und mit 11EUR/h immer noch weit mehr verdienen als ein Großteil der Bevölkerung in der freien Wirtschaft bei 40h/Woche.
    Es wird auf Staatskosten, auf Kosten der Allgemeinheit Dauerstudiert und dann soll die Allgemeinheit auch noch diese Bummelei mit einem gut bezahltem Job bezahlen?

    Wenn die Studenten demonstieren wollen, dann bitte gegen die Studienbedingungen, dass Regelstudienzeiten auf Grund mangelhafter Strukturen der Uni's nicht mehr eingehalten werden können.

    Ansonsten, setzt Euch auf Eure vier Buchstaben und büffelt, dass ihr endlich fertig werdet mit Eurem Bummelstudium. Angeblich fehlen der Wirtschaft ja "Fachkräfte" der Generation "Projekt".

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