Der Sitz der Autovermietung Robben & Wientjes in der Prinzenstrasse in Berlin-Kreuzberg (Quelle: imago/Schöning)
Audio: RadioBerlin 88,8 | 15.02.2018 | Peter Klinke | Bild: imago stock&people

Berliner Autoverleih - Robben und Wientjes verlässt seinen Kreuzberger Stammsitz

Der Autoverleih Robben und Wientjes, eine Berliner Institution, schließt seinen bekannten Standort in Kreuzberg, wo das Unternehmen vor 40 Jahren gegründet wurde. Nachdem der Verleih im vergangenen Jahr verkauft wurde, folgte nun gesondert das Grundstück.

Die Firma ist legendär, der Standort auch: Robben & Wientjes in Kreuzberg, Ritter- Ecke Prinzenstraße. Hier wurde die Firma 1978 gegründet, seit 1984 fahren die Pritschenwagen und LKW von hier auch mit der berühmten blauen Robbe auf weißem Grund vom Hof. Nun aber wird der Berliner Autoverleih seine bekannteste Filiale aufgeben. Das berichtet das Online-Portal "immobilienmanager". Noch bis Ende Mai wird man hier Autos mieten können, dann ist Schluss.

Im vergangenen Jahr hatten die Eigentümer Dietmar Robben und Ulrich Wientjes das Unternehmen an den Konkurrenten Buchbinder verkauft. Die Grundstücke in Kreuzberg waren gesondert angeboten worden. Käufer ist dem Artikel zufolge das Immobillienunternehmen Pandion aus Köln, das dort Gebäude mit ausschließlich gewerblicher Nutzung plant. Pandion hat in Berlin zuletzt bereits weitere Grundstücke erworben, unter anderem das in der Nürnberger Straße in Schöneberg, wo im vergangenen Jahr das Kunstprojekt "The Haus" zahlreiche Besucher anlockte.

Weitere Standorte bleiben erhalten - ein neuer kommt

Die übrigen Standorte von Robben und Wientjes in Neukölln (Lahnstraße), Prenzlauer Berg (Prenzlauer Allee) und Reinickendorf (Scharnweberstraße) sollen erhalten bleiben. Außerdem soll in Lichtenberg bereits im April eine neue Filiale öffnen.

"Ich hol mal 'ne Robbe...": Die besten R&W-Geschichten unserer Leser

"Robben" als Gentrifizierungsbeschleuniger?

Die Filiale in Kreuzberg ist die mit Abstand bekannteste von Robben & Wientjes: Hier stehen die Kunden seit Jahrzehnten vor allem an Wochenenden Schlange. Zehntausende Alt- und Neuberliner sind mit dem Unternehmen in Eigenregie umgezogen, "'ne Robbe mieten" ist für viele Zugezogene die erste typisch Berlinerische Phrase, die sie lernen." Grund dürften wohl vor allem die seit Jahren niedrigen Preise sein - gepaart mit rustikalem Service und nicht immer taufrischen Fahrzeugen - nicht selten ramponiert durch junge, relativ unerfahrene Fahrer.

Allerdings zog Robben & Wientjes auch immer wieder den Zorn der Gentrifizierungsgegner auf sich. 2008 brannten 17 R&W-Transporter auf dem Hof der Neuköllner Filiale, angezündet von linken Autonomen. Der Grund: Die Traditionsfirma sei "Teil der Verdrängung alternativer Lebensformen durch Stadtteilveredelung", weil sie von Umzügen vor allem einkommensschwacher Bevölkerungsschichten profitiere. Menschen also, die sich weder die steigenden Mieten, noch teure Umzugsunternehmen leisten können.

2014 traf es dann auch die "Mutterfiliale" in Kreuzberg: Drei Transporter mit der blauen Robbe gingen in Flammen auf. Der Verdacht liegt nahe, dass es sich auch hier um eine politisch motivierte Tat handelt.

Sendung: Inforadio, 15.02.2018, 07.30 Uhr

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um einen Kommentar zu verfassen.

Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Bitte beachten Sie unsereNetiquette zum Kommentieren von Beiträgen sowie unsere Richtlinien zum Datenschutz.

3 Kommentare

  1. 2.

    Sie schreiben, dass die 17 Transporter von Links-Autonomen angezündet wurden. Warum diese Verklärung? Das sind Links-Extremisten und Linksterroristen, nichts weiter. Wenn diese Taten von rechter Seite aus erfolgt wären, hätten Sie das auch so verniedlicht?

  2. 1.

    Hurra! - Endlich wird wieder ein Teil Kreuzberger Kiez-Identität von eingewanderten Heuschrecken platt gemacht! Als allererstes die Keimzelle eines derartig mit Kreuzbergs Kiezgeschichte, mit Wende, Wiedevereinigung und mit fast jederman in Berlin durch persönliche Erinnerung verbundenen Unternehmens zu schließen und zunächst einmal das wertvolle Grundstück möglichst teuer zu verscherbeln, zeigt einmal mehr, wes Geistes Kinder die neuen Besitzer und leider offenbar auch die Herren Robben und Wientjes inzwischen sind. Abgesehen davon ist es auch ein wirtschaftlich falscher Schritt, da mit dem Verkauf des Grundstückes vielleicht kurzfristig Gewinn gemacht, langfristig aber mit der Aufgabe des Innenstadt-Standortes und der Verlagerung in Peripherienähe dem Unternehmen das Rückgrat gebrochen wird. Die günstige Lage mitten in der Stadt und die wirklich fairen Preise sind konkurrenzlos. Der Imageschaden und die Rachsucht der verprellten Kreuzberger Revoluzzer-Bohème sind vorhersehbar.

Das könnte Sie auch interessieren