Symbolfoto: Die Brandmeisterin Anne Hackel (25) von der Berufsfeuerwehr Cottbus, die Steinmetzmeisterin Heike Ferch-Struck (50) aus Braunsdorf und die Schornsteinfegermeisterin Stephanie Frenk (35) aus Königs Wusterhausen, fotografiert am 02.03.2016 (Quelle: dpa/ Patrick Pleul)
Bild: dpa/Patrick Pleul

Neue Studie zum Arbeitsmarkt - Warum Frauen in Cottbus mehr verdienen als Männer

21 Prozent: So viel verdienen deutsche Frauen weniger als deutsche Männer, sagt das Statistische Bundesamt. Eine neue Studie zeigt: Stimmt nicht, jedenfalls nicht in Ostdeutschland. Vor allem in Cottbus sieht es anders aus. Doch der Grund ist eher traurig.

Cottbus ist die Hochburg weiblicher Emanzipation - könnte man meinen beim schnellen Blick auf die neue Gehälterstudie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). Die "Welt" hatte darüber in ihrer Montagsausgabe exklusiv berichtet. Demnach ist die vielfach kritisierte Gehaltslücke zwischen Männern und Frauen nur ein regionales Phänomen. Und nirgendwo zeigt sich das so sehr wie in Cottbus.

Denn hier verdienen laut IAB Frauen 17 Prozent mehr als Männer. Ganz anders als zum Beispiel im bayerischen Dingolfing-Landau. Hier verdienen Männer fast 40 Prozent mehr als Frauen, Rekord in Deutschland.

Frauen verdienen mehr - wenn Männer weniger verdienen

Die Sache hat allerdings einen Haken: In Cottbus und Dingolfing-Landau verdienen Frauen im Schnitt fast genau das gleiche, 2.814 beziehungsweise 2.791 Euro, ein Unterschied von nicht einmal 30 Euro. Was sich deutlich unterscheidet, ist das durchschnittliche Einkommen der Männer: 2.398 Euro in Cottbus, 4.531 Euro in Dingolfing-Landau. Die Cottbuserin verdient nicht besser als Frauen anderswo, es sind die Cottbuser Männer, die deutlich weniger bekommen.

"Es scheint so zu sein, dass die Verfügbarkeit bestimmter Jobs für Männer in einer Region entscheidend ist dafür, wie der Gender Pay Gap dort ausfällt", sagt Michaela Fuchs vom IAB der "Welt". "Wo die Männer weniger verdienen, besteht tendenziell ein Pay Gap zugunsten der Frauen. Wo Männer mehr verdienen, sehen wir eher einen Pay Gap zugunsten der Männer."

Die besten Jobs gehen eher an Männer

Ein  wichtiger Faktor sind die Unternehmen, die sich in einer Region angesiedelt haben. Denn vor allem in Industriestandorten verdienen Männer in der Regel deutlich mehr als Frauen. In Bayern und Baden-Württemberg zum Beispiel in Kommunen, die eng mit der Autoindustrie verbunden sind, wie Ingolstadt, Böblingen und eben Dingolfing-Landau. Hier sind hochbezahlte Jobs geschaffen worden - und davon profitieren Männer mehr als Frauen, so die IAB-Studie. "Bricht man das herunter, könnte das heißen, dass Männer unterschiedliche Chancen haben, je nachdem wo sie wohnen", so Expertin Fuchs. "Und dass Frauen diese Chancenbreite gar nicht haben."

Diesen Punkt hat 2017 auch die EU-Kommission bemängelt. Demnach liegt der Gehaltsunterschied zwischen Männern und Frauen in Deutschland deutlich höher als in den meisten anderen EU-Ländern. Zudem kommt nicht jede Studie zu dem Ergebnis, dass Frauen in Ostdeutschland einen Lohnvorteil genießen. Das Amt für Statistik Berlin-Brandenburg zum Beispiel kam 2017 zu ganz anderen Ergebnissen: Berliner Frauen haben demnach im Jahr 2016 mit 17 Euro rund 14 Prozent weniger pro Stunde verdient als Berliner Männer. In Brandenburg lag der durchschnittliche Bruttostundenverdienst von Frauen mit 15 Euro nur rund vier Prozent unter dem der Männer.

Am Ende hilft wohl nur der Blick auf den eigenen Lohnzettel.

Sendung:  Inforadio, 12.02.2018, 5:00 Uhr

Hinweis: In einer früheren Version dieses Artikels haben wir Böblingen fälschlicherweise Bayern zugeordnet, die Stadt liegt aber in Baden-Württemberg. Wir bitten den Fehler zu entschuldigen.

Kommentar

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25 Kommentare

  1. 25.

    Hochachtung aus Böblingen für Ihre Korrektur. Diese Berichtigung zeigt, dass in Ostdeutschland langsam der Kommunismus, oder wie das heißt, der Vergangenheit angehört. Wer darauf besteht, dass Böblingen in Bayern liegt, hat aus der Geschichte nichts gelernt. Übrigens wird ihre Leserschaft sicher interessieren, dass Stalins Tochter offenbar Vorfahren in Wolfsölden hatte und das liegt gleich neben Affalterbach, in der Nähe von Bottwar, was auch nur 80 Kilometer entfernt von Böblingen ist und auch zu Baden-Württemberg gehört, glaube ich. Stalin ist überall, äh, war fast überall, aber zum Glück nicht mehr auf ihren Seiten (und in Böblingen schon gar nicht).

  2. 24.

    Ja, natürlich - im wahrsten Wortsinne - gibt es diese tendenziellen Unterschiede zwischen Männern und Frauen, die nicht nur kulturell bedingt sind und es wäre m. E. glatt überzogen, sie nur für kulturell zu halten.

    Auch dass 99,9 % der Gerüstbauer Männer sind und 99,9 % der Hebammen Frauen, lässt sich nicht gerade als Musterbeispiel für Diskriminierung benutzen.

  3. 23.

    " muss die Bezahlungsbereitschaft von Einstellenden über alle Zeiten gleich sein. "

    das ist keine Schönfärberei für Lohnsenkungen, vielmehr das, was ich in Gänze so geschrieben habe:

    "Ebensowenig wie die Zahlungsbereitschaft für Konsumgüter einfach statisch und über alle Zeitperioden gleich wäre, muss die Bezahlungsbereitschaft von Einstellenden über alle Zeiten gleich sein."

    lDas ist die simple Aussage, dass nichts so bleiben muss, wie es ist. Wenn die gesellschaftliche Wertschätzung für diejenigen Berufe, in denen Frauen arbeiten, endlich auf das sinnvolle Maß steigt, wird sich dies auch beim Entgelt niederschlagen. Weit mehr mithin eine kulturelle Angelegenheit als jene der bloßen Zahl.

    Für´s Fahrrad haben Menschen in den 1960er und 1970er Jahren nicht einmal einen Bruchteil desjenigen ausgegeben, was ein Großteil heutzutage auszugeben bereit ist. Für mich sind wiederum viele Übertreibungen drin, das zeigt aber, dass die Wertschätzung nicht statisch ist.

  4. 22.

    Man muss halt einfach zugeben, dass es Unterschiede zwischen Frauen und Männern gibt und die muss man auch benennen z.B. im Handwerk z.B. habe ich noch nie eine Maurerin oder Tischlerin gesehen. Oder Dachdeckerin, wohingegen Gärtnerinnen oder Köchinnen ja nicht ungewöhnlich sind. Ich halte das für genetisch bestimmt.
    In Redaktionen werden Se auch mkndestens 50 Prozent Frauen finden. Aber das ist ja auch kein Handwerk.

  5. 21.

    " muss die Bezahlungsbereitschaft von Einstellenden über alle Zeiten gleich sein. "

    Ist das ein Euphemismus für "Lohnsenkungen sind OK wenn der Kapitalist das so will"?

  6. 20.

    Was sich vermutlich auch niemand auszusprechen traut: Frauen sind noch wesentlich mehr in ihrer traditionellen Rolle gefangen bzw. flüchten dich auch ganz gerne dahin. Dann werden die schwanger, Mutterschutz, wollen nicht mehr Vollzeit arbeiten (d.h. Fortbildungen fallen bei zwei Teilzeiarb. doppelt an, Arbeitsbesprechungenvwerden problematischer usw.), haben auch auf dem Job Familie im Kopf. Sagt kein AG, hat er trotzdem im Kopf. Herzlichen Glückwunsch zu unser aller Schere im Kopf.

  7. 19.

    Hallo Herr Krüger, die "gläserne Decke" ist aus meiner eigenen Erfahrung genau so ein Mythos wie der Gender-Gap. Sie existiert so nicht. Das Problem der gläsernen Decke besteht darin, dass man bestimmte Eigenschaften haben muss, um diese zu durchbrechen. Zumeist haben (bzw. hatten) Männer diese Eigenschaften, sie sind heute immer noch selbstbewusster, selbstdarstellerischer, oft zielorientierter (nicht böse gemeint) und bereiter, ihr gesamtes Privatleben aufzuopfern oder unterzuordnen, als die meisten Frauen. Gerade in den Altersgruppen, die üblicherweise Führungspositionen einnehmen, ändert sich das aber gerade. Hierdurch wächst der Anteil weiblicher Führungskräfte auch ohne staatliche Vorgaben langsam aber stetig an.
    Und zum Gender-Gap: Gäbe es den wirklich, würden Arbeitgeber nur noch Frauen einstellen; wäre ja billiger.
    Beste Grüße nach Potsdam

  8. 18.

    Allerdings bin ich manchmal nicht sicher, ob die Leute, die die Statistiken falsch bzw. falsch- oder unzureichend einsetzen, dies aus Unwissenheit tun oder mit Vorsatz.

  9. 16.

    In Böblingen gibt es zwar eine Produktionsstätte der BMW, Böblingen ist allerdings keine bayrische Kommune, sondern eine Baden-Württembergische.

  10. 14.

    Das BMW-Werk in Dingolfingen wird die Statistik sicherlich ganz schön verfälschen - oder hat Cottbus auch ein BMW Werk, wo horrende Summen bezahlt werden, die an Techniker und Ingenieure gehen, die zumeist männlich sind?

    Richtig vergleichen kann man die Gehälter nur dann zwischen den Regionen, wenn man die gleichen Jobs und Bedingungen vergleicht: Verdient die Aldi-Verkäuferin genauso viel? Verdient denn ein Bäcker genauso viel?

    Verdient denn ein Ihr Fließbandarbeiter von BMW in Dingolfingen genauso viel, wie der Fließbandarbeiter von BMW in Cottbus? Was kein Werk? Hm... blöd - also kein Wunder...

  11. 13.

    ... vielleicht können die ja einen nicht existenten Tausend-Euro-Schein aus der Tasche ziehen, gleich dazu, wie sie die Zeit nicht abwarten konnten, bis ihnen die Haare tatsächlich ausfallen.

    ;-

  12. 12.

    Ich sprach ja von einer "gläsernen Decke" und das hat nichts mit Pauschalitäten zu tun, sondern eher mit Tendenzen. D. h. nicht in jedem Fall ist das so, vielmehr gibt es eine höhere Häufigkeit.

    Auch hat es mit Arbeitsplatzzuschnitten zu tun, die eher auf das Umfeld von Männern als von Frauen ausgerichtet sind. Denn der Arbeitsplatzzuschnitt fällt ja nicht einfach vom Himmel, sondern ist das Ergebnis einer für sinnvoll gehaltenen Organisation. Dieser "Sinn" kann sich aber ändern und hat sich in Hunderten von Fällen auch schon geändert.

    Die Umwertung von Werten wie ich das vielleicht etwas hochtrabend nennen will, ist ein allmählicher Prozess. Ebensowenig wie die Zahlungsbereitschaft für Konsumgüter einfach statisch und über alle Zeitperioden gleich wäre, muss die Bezahlungsbereitschaft von Einstellenden über alle Zeiten gleich sein.

  13. 11.

    Also, wenn ich eine Glatzköpfige in Cottbus treffe, spreche ich die mal an...

  14. 10.

    Wenn Arbeitgeber beim Bewerbungsverfahren ein Geschlecht vor dem anderen bevorzugen, muss das abgestellt werden. Das muss aber im Einzelfall nachgewiesen werden, statt es pauschal zu unterstellen. Eine mögliche Lösung könnten anonymisierte Bewerbungsverfahren sein, bei denen bis zuletzt Geschlecht, Hautfarbe, Alter, Behinderung, ethnische Herkunft, Religion den Entscheidern nicht bekanntgegeben werden. Sollte sich dann ein ungleiches Zahlenverhältnis einstellen, ist dieses mit Sicherheit nicht durch Diskriminierung entstanden.

    Ehrlich gesagt sehe ich aber im heutigen Berufsleben andere Probleme als viel größer an, z.B. prekäre Arbeitsverhältnisse oder niedrige Bezahlung. Das betrifft beide Geschlechter. Irgendwie scheint mir das Geschlechter-Gedöns eine Ablenkdiskussion zu sein. Der Feminismus steckt mit den Neoliberalen wohl unter einer Decke.


  15. 8.

    Ein Medizinstatistiker hat es in einer humorvollen und zugleich doch zutreffenden Art mal recht salopp formuliert: 90 % der Statistiken werden falsch oder unzureichend verstanden. Das liegt nicht an einer bewussten Fälschung, sondern daran, dass Ursache und Wirkung zu wenig beachtet werden.

    Dann sein Bonmot: Statistisch lässt sich eindeutig nachweisen, dass ein überproportionaler Anteil von Millionären glatzköpfig sind. Trotz würde er niemand raten, sich die Haare zu scheren, um finanziell reich zu werden.

    Um es nüchterner zu formulieren:
    Solange im Laufe eines Lebens mehr Finanzen angehäuft werden, als dass sie verloren gehen, ist der höhere Anteil von Glatzköpfigen bei Millionären und Begüterten völlig nachvollziehbar. Nur hat das eben nichts mit der Glatze, sondern mit dem Lebensalter zu tun.

  16. 7.

    Ich stimme Ihnen in allen Sätzen zu. Vgl. auch meinen benachbarten Beitrag. Nur den letzten Satz will ich in offener Weise infrage stellen. Formal ist das so, praktisch gibt es da spezifische Hürden. Beispielsweise wird da von "gläserner Decke" gesprochen und wie ich finde, nicht umsonst.

  17. 6.

    Ja ja, die Statistiken...
    In Cottbus pendeln sich die Löhne also ein, auf recht niedrigem Niveaus natürlich.
    Ich persönlich liebe ja Statistiken, denn die haben so etwas mystisches, so wie Glaskugel gucken und Karten lesen. Und sie können ausgelegt werden - je nach dem, wer sie in Auftrag gibt und wem sie nützen. Dennoch interessant, der Cottbuser "Durchschnittsverdiener" verdient nach fast 30 Jahren Einheit kaum mehr als die Hälfte seines westdeutschen Kollegen aus Dingolfing-Landau - bei annähernd gleichen Lebenshaltungskosten, nicht zu vergessen. Das ist schon eine Aussage. Aber so ist das eben mit Statistiken, sagen viel, aber eigentlich nichts. Übrigens, bei den angegebenen Stundenlöhnen werden sich nicht wenige die Frage stellen, wer die wohl bekommen mag...

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