Test der Onlinehändler (Quelle: rbb AKTUELL)
Video: rbb AKTUELL | 12.02.2018 | Bild: rbb AKTUELL

Verbraucherzentrale testet Lieferdienste - Brandenburg ist da, wo das Essen drei Tage später kommt

Schnell und stressfrei lassen sich Lebensmittel online einkaufen - das zumindest versprechen Lieferdienste. Doch Testkäufe in Berlin und Brandenburg zeigen: Der Service hängt stark davon ab, wo man wohnt.

Lebensmittel bestellen im Internet - das kann je nach Wohnort ganz anders aussehen und ausgehen. Wie Testkäufe der Verbraucherzentralen Berlin und Brandenburg zeigen, gibt es große Unterschiede zwischen der Hauptstadt sowie Städten und ländlichen Regionen in Brandenburg. Die Bilanz des nicht-repräsentativen Checks: In der Großstadt sind die Dienste ausreichend verfügbar und auch alltagstauglich, auf dem Land kann es mühsam werden.

Über das Thema berichtet heute Abend ab 20.15 Uhr SUPER.MARKT im rbb-Fernsehen

Getestet wurden vier Onlinehändler: Allyouneedfresh, myTime, Edeka-Händler und Amazon fresh. Insgesamt elf Testhaushalte bestellten einen standardisierten Warenkorb aus 26 haltbaren, frischen und tiefgekühlten Produkten. Fünf Adressen befanden sich in Berlin, sechs in Brandenburg: in den Großstädten Potsdam und Cottbus, eine in Brandenburg an der Havel sowie drei in den kleineren, ländlich gelegenen Orten Doberlug-Kirchhain (Elbe-Elster), Könkendorf (Prignitz) und Rhinsmühlen (Havelland).

Kaum Unterschiede bei den Preisen

Das Ergebnis der Verbraucherzentralen: Bei den Preisen halten sich die Lieferdienste in Berlin und Brandenburg ungefähr die Waage, sowohl für die Lieferung wie für die der Waren. "Die Preise der Lebensmittel waren ungefähr vergleichbar, da gab es keine großen Unterschiede zwischen den Anbietern", bilanziert Jessica Fischer, Ernährungsexpertin der Verbraucherzentrale Berlin, in der rbb-Sendung SUPER.MARKT. Jürgen Klappert, der bei dem Check als Tester teilnahm, kritisiert im rbb allerdings eine fehlende Bandbreite beim Angebot: "Es wird durch die Bank weg nur teure Markenware angeboten. Wenn ich in den Supermarkt gehe, habe ich meine No-Name-Produkte."

Starke Unterschiede zeigen sich hingegen bei den Lieferkonditionen: ob überhaupt an den Wohnort geliefert wird, wie lange der Kunde sich für die Lieferung freihalten muss und in welcher Qualität die Ware dann eintrifft.

Weniger Anbieter in Brandenburg

Während den Berlinern nahezu alle Online-Lebensmittelhändler zur Verfügung stehen, gibt es den Verbraucherzentralen zufolge in Brandenburg eine deutlich geringere Auswahl. "Die Online-Verfügbarkeit der großen Supermarktketten endet oft am Rand des Berliner 'Speckgürtels'", heißt es in einer Test-Bilanz.

Annett Reinke von der Verbraucherzentrale Brandenburg erläutert: "Wir konnten in der Fläche Brandenburgs daher nur überregional agierende Online-Supermärkte in unseren Test einbeziehen." Zwar gebe es in Brandenburg vereinzelt Lebensmittelhändler, die einen Einkauf über das Internet anböten. In den für den Marktcheck ausgewählten Orten in Elbe-Elster und Prignitz sei das aber z.B. nicht der Fall gewesen.

Verbraucherzentrale (Quelle: rbb)

Lange Zeitfenster für die Lieferung

Auch bei den Lieferzeiten haben die Brandenburger dem Test zufolge das Nachsehen: Während bei einer Lieferung für Berlin beispielsweise ein Zeitfenster von einer Stunde gewählt werden konnte, galt bei einer Bestellung bei der gleichen Händlermarke von Tester Jürger Klappert in Doberlug-Kichhain ein Zeitfenster von zwei bis drei Werktagen.

Weil in Brandenburg oft nur Zustellung per Paketservice ausgewählt werden konnte, mussten die Tester länger zu Haus sein, um die Lieferung entgegennehmen zu können. Teilweise sollte der Lieferzeitraum den ganzen Tag betragen. "Da gefrorene, gekühlte und nicht gekühlte Produkte im Test in bis zu zwei einzelnen Lieferungen verschickt wurden, mussten die Testverbraucher für die Annahme einer Lebensmittelbestellung sogar an mehreren Tagen zu Hause sein", bemängelt die Verbraucherzentrale die Praxis. "Für Berufstätige ist dieser Service praktisch nicht nutzbar", meint Annett Reinke von der Verbraucherzentrale Brandenburg.

Viel Müll bei Paket-Lieferung

War dann das Paket endlich angekommen, mussten sich die Brandenburger dazu nach Angaben der Verbraucherzentralen mit teils "sehr große Mengen an Verpackungsmüll" rumplagen: darunter Kartons, Styroporboxen, Kühlakkus oder Luftpolsterfolie. "Der Anbieter gibt einem vielleicht Hinweise, wo man das entsorgen kann", erklärt Verbraucherschützerin Fischer im rbb. "Man kann es auch zurückschicken - allerdings meistens auf eigene Portokosten. Das heißt ich sitze zu Hause, ich hab die Lebensmittel - aber ungefähr drei Mal so viel Verpackung und muss mich drum kümmern. Das ist natürlich aufwendig."

Als weiteres Problem nennen die Verbraucherzentralen, dass die langen Wege der Ware zusetzen können, wenn der Lieferant beispielsweise nicht ausreichend kühlt. Das kann mitunter sogar gefährlich werden: "Der in einem Fall mit fünf Tagen Verspätung angelieferte 'frische' Fisch war nicht mehr zum Verzehr geeignet, sein Mindesthaltbarkeitsdatum bereits überschritten", berichten die Verbraucherzentralen über einen Fall. Bei einer anderen Lieferung von Tiefkühlkost, die mit minus 18 Grad hätte ankommen müssen, seien zwei Grad plus gemessen worden. "Das ist tatsächlich ein großes Problem, was auch alle Anbieter haben: die Sicherheit der Lebensmittel zu gewähren, nämlich indem sie auf die Kühlkette achten", so Fischer in SUPER.MARKT. "Da hatten alle Anbieter ihre Probleme. Die Größeren etwas weniger, die kleineren Anbieter, die das neben ihrem stationären Supermarkt anbieten, hatten da sehr große Schwächen."

Tester Jürgen Klappert bedauert die Schwierigkeiten gerade für die Bewohner der ländlichen Gebiete. "Im Grunde ist es schade, dass es auf dem Land eingeschränkt ist, den Lieferservice zu nutzen - gerade auf der Fläche, wo es ganze Dörfer gibt, die überhaupt keinen Laden mehr haben", so Klappert. Dabei ist er überzeugt: "Da wäre so ein Lieferservice eine riesentolle Idee."

Sendung: SUPER.MARKT, 12.02.2018, 20.15 Uhr

Kommentar

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4 Kommentare

  1. 4.

    Für uns ist die Lieferung von Lebensmitteln überaus wichtig. Wir bestellen jetzt regelmäßig bei Allyouneedfresh um überhaupt die Menge der Produkte erhalten zu können. Durch die meine Behinderung und die Tatsache, dass nun auch nicht immer jemand zur Hilfe eilt ist die Lieferung von Lebensmitteln und vor allem Getränken ein absoluter Segen. Und ein Hofladen ist absolut keine alternative. die Lieferung wird mir bis an die Tür gebracht. Naja tatsächlich ist der Postbote auch so freundlich und bringt es sogar kurz rein. Was will man mehr?! Ich finds super :)

  2. 3.

    Nun die kleinen Läden vor Ort sind an den Supermärkten auf den grünen Wiesen uns der "Geiz ist Geil"-Mentalität kaputt gegangen, Jetzt bekommen diese Supermärkte die nachfolgende Marktbereinigung zu spüren, denn die Lieferdienste, die jetzt noch in den Kinderschuhen stecken, machen sich in die Spur. Interessant ist diese Entwicklung von Amazon (Drohenlieferung via fliegendes Warenlager: https://www.heise.de/newsticker/meldung/Amazon-Zur-Drohnenlieferung-ein-fliegendes-Warenhaus-3583342.html). Wer weiß, vielleicht auch bald in der Uckermark oder Prignitz?
    Wenn sich nicht die Bewohner der kleinen Orte doch noch eines Besseren besinnen und sich für die lokale Wirtschaft stark machen: http://dorfladen-netzwerk.de.

  3. 2.

    Also mal die Hofläden testen, Frau Falkenstein!

  4. 1.

    Man könnte auch sagen "Brandenburg" isst, wo essen schon ist.
    Guckt Euch mal die Hofläden an!

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