Berlins Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne) besucht am 08.08.2017 im Rahmen ihrer Sommertour den Schienenfahrzeughersteller Stadler in Berlin und besichtigt Züge für die Berliner U-Bahn (Quelle: dpa/ Wolfgang Kumm)
Audio: radioBerlin 88,8 | 05.02.2018 | Holger Hansen | Bild: dpa/ Wolfgang Kumm

BVG hatte bei Stadler geordert - Siemens scheitert mit Beschwerde gegen U-Bahn-Bestellung

"Es sind einfach Risse": In Berlin droht ab 2019 ein Mangel an U-Bahnen, weil die alten Züge der Reihe F79 kaputt sind. Die BVG wollte ohne Ausschreibung neue Züge bestellen. Konkurrent Siemens klagte gegen die Vergabe - und scheiterte vorerst.

Im Streit um eine Auftragsvergabe für neue U-Bahnen in Berlin hat eine Beschwerde des Elektrokonzerns Siemens zunächst keinen Erfolg gehabt. Die Vergabekammer des Landes wies das Begehren zurück, sagte eine Sprecherin der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) und bestätigte damit Angaben des Siemens-Konkurrenten Stadler. Bei dem Schweizer Unternehmen hatte die BVG ohne Ausschreibung 80 neue Wagen bestellt.

BVG beruft sich auf Notlage

Dagegen legte Siemens Ende November 2017 Beschwerde bei der Vergabekammer ein. Das Unternehmen pocht auf eine europaweite Ausschreibung. Siemens prüfe jetzt innerhalb der Frist von 14 Tagen, ob es vor Gericht gegen die Entscheidung vorgehen werde, sagte eine Sprecherin am Montag in Berlin.

Die BVG hatte den 115 bis 120 Millionen Euro umfassenden Auftrag nicht ausgeschrieben, um zu verhindern, dass 2019 die Wagen knapp werden. Sie beruft sich dabei auf eine Notlage. Dann müssen Züge der Baureihe F79 aus dem Verkehr gezogen werden, die ab 1979 auf die Schienen gekommen waren. Sie halten nach Worten einer BVG-Sprecherin nicht mehr so lange wie gedacht. Nur Stadler könne die Wagen schnell genug liefern.

Sprecherin Petra Reetz zeigte sich Ende letzten Jahres alarmiert: "Es sind Risse in den Böden, Risse in den Wänden, Risse an den Türen, es sind einfach: Risse." Die Folge seien Ausfälle von Wagen, die zu einer Einschränkung des U-Bahn-Verkehrs um zehn Prozent führen könnten. "Sehr viele Kurzzüge, Fahrplanänderungen und keine Reserven. Der U-Bahn-Verkehr in Berlin wäre schmerzlich getroffen."

Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne) sieht hier Versäumnisse bei Vorgänger-Regierungen bei der Beschaffung neuer Wagen. Frühere Senate und Finanzsenatoren hätten "vielleicht der BVG grünes Licht geben" müssen, sagte sie dem rbb. Die Versäumnisse könne Rot-Rot-Grün nicht so schnell nachholen. Das räche sich jetzt.

Kommentar

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10 Kommentare

  1. 10.

    Wenn die Klage Erfolg hätte und Siemens zwar nicht die Ausschreibung gewonnen hätte, aber zumindest Schadenersatz zuungunsten des Steuerzahlers, wäre die Marke ruiniert. Wer global agiert, muss auch vom Staatslieferantentum Abschied nehmen.

  2. 9.

    Das ist aber nicht wie beim Chinesen mal eben Chinesisches Essen bestellen. Zu viel Take Out Essen bestellt? Also echt diese Fast Food Mentalität.

  3. 8.

    Sollen was in China bestellen, da gibt's doch auch gute Qualität zur Hälfte vom Geld!

  4. 7.

    Danke für Ihren Hinweis und den, der beiden anderen Kommentatoren, die mein Wissen über die U-bahn erweitern. Als regelmäßiger S-Bahnfahrer hatte ich mir das einfacher vorgestellt, bzw. des öfteren schon ausgemusterte Wagen aus München andernorts gesehen. Naja, das wichtigste ist wohl, dass sie überhaupt fährt. :-)

  5. 6.

    Passen würde (ohne zusätzliche Umbauten) nur der DT5 der Hamburger Hochbahn, der mit 2,60m nur 5cm schmaler ist als der Berliner F/H-Zug mit 2,65m. Allerdings ist dann ein 6-Wagenzug mit 80m-Länge etwas zu kurz, 6-Wagen H sind fast 99m lang.

  6. 5.

    Sie können ja mal versuchen, einen U-Bahnzug aus München oder Nürnberg in das Berliner Großprofil zu quetschen, da ist es mit Schrammen alleine nicht getan... :-)

    Hamburg würde passen, wenn auch mit Umbauten, aber die haben da auch keine Züge über. Unter dem Strich sind die zusätzlich bestellten Stadler-Züge schon die beste Lösung, die sind gerade so schön in Fluss.

  7. 4.

    Antwort für Rudi 13.33

    Kauf oder Ausleihung von Wagen anderer Unternehmen kommt nicht in Betracht, da die technische Ausstattung immer variiert, z.B. Aufnahme des Stroms von der Ober-oder Unterseite der Stromschiene, Gleich- oder Wechselstrom usw.usw.
    Einzige Gemeinsamkeit ist in derRegel die Spurweite von 1435mm. Da hat es die "große Eisenbahn" einfacher....

  8. 3.

    Gute Idee... Herr Rudi... wenn solch ein Nahverkehrssystem wie auf der Modellbahn funktionieren würde. Einfach andere Züge rauf und lossausen... Geht aber nicht. Jedes U- und S-Bahnsystem hat seine eigenen Standards, z.B. Lichtraumprofil, Wagenlängen, Stromsystem, Sicherheitstechnik usw. Wenn ich mich über die Jahre auch recht erinnere, mahnte die BVG schon öfter neue Wagen an. Hier darf der Berliner Politik ruhig die Schuld zugeschoben werden. Allein die Einsicht kommt wohl doch ein bissl spät.

  9. 2.

    Sollte Siemens diesen Rechtsstreit letztendlich gewinnen, wissen die Berliner in einigen Jahren wenigstens, wen sie für das Verkehrschaos verantwortlich machen und hassen können. Das heisst wenn Siemens bis dahin nicht komplett nach Osteuropa oder China abgewandert ist. Bye bye.

  10. 1.

    Nicht nachvollziehbar. Bei ordentlicher Wartung sind die Risse sicher schon vor einiger Zeit zutage getreten. Wie sieht es denn mit Alternativen aus? Kauf/Leih von Wagen aus anderen Verkehrsverbünden? Damit könnte man sicherlich die für eine Ausschreibung nötige Zeit gewinnen.

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