Jimmy Cliff, Geschäftsführer des Leihradanbieters Mobike Deutschland, steht mit einem Mobike in einem Büro (Quelle: Mobike)
Bild: Mobike

Interview | Mobike erobert Berlin - "Ein kleines Rad kann schwieriger kaputt gemacht werden"

Berlin ist gerade voll mit kleinen, bunten Leihrädern aus Asien. Allein Mobike will angeblich 10.000 Stück aufstellen. Der Geschäftsführer erklärt im Interview, warum die Räder nicht größer sind - und was das Unternehmen mit den Nutzerdaten vorhat.

rbb|24: Herr Cliff, in Berlin stehen gefühlt jeden Tag mehr Mobikes herum. Sind es inzwischen schon 10.000 Stück - diese Zahl peilen sie ja an?

Jimmy Cliff, Geschäftsführer von Mobike Deutschland: Wir können wegen unserer Mitbewerber keine genaue Zahl sagen, aber wir sind jetzt der größte Fahrradverleiher in Berlin - größer als Lidl Bike, die 3.500 Fahrräder in der Stadt aufgestellt haben.

Ich bin 1,90 Meter groß. Als ich ein Mobike ausprobierte, kam ich mir vor wie auf einem Kinderfahrrad. Warum haben Sie keine größeren Räder produziert, bevor Sie von China nach Europa expandierten?

Die kleineren Räder sind für den asiatischen Markt geeigneter. Aber die Idee ist, dass unsere Mobikes nur für kürzere Strecken von ein bis drei Kilometern benutzt werden. Der Vorteil eines kleineren Rades ist zudem, dass es nachhaltiger ist. Es hat weniger Sachen, die kaputt gemacht werden können. Wir werden im Frühling aber größere Fahrräder mit 26-Zoll-Rädern in Berlin auf die Straße bringen. Sie sind auch geeignet für Menschen, die bis zu zwei Meter groß sind.

Können Sie denn nachvollziehen, dass einige Berliner genervt sind, wenn Mobikes Hauseingänge oder Gehwege verstopfen?

Auf jeden Fall. Die Fahrräder sollen immer nur da stehen, wo sie nützlich sind und keine Behinderung für die Anwohner darstellen. Deswegen haben wir dafür gesorgt, dass wir ein starkes operatives Team haben, das rund um die Uhr Fahrräder umverteilt und dafür sorgt, dass die Fahrräder in Ordnung sind. Außerdem wirken wir in unserer App darauf hin, dass die Fahrräder nicht falsch geparkt werden. Jeder Nutzer bekommt einen Mobike-Score. Gutes Verhalten wird belohnt mit Freifahrten, und wenn jemand das zweite Mal falsch geparkt hat und wir telefonisch oder per E-Mail darauf hingewiesen werden, wird das Ausleihen beim nächsten Mal teurer.

Die Bezirke haben die Möglichkeit, Ansammlungen von fünf oder mehr Leihrädern an störenden Stellen abzuräumen. Mussten Sie schon Mobikes aus behördlichen Depots abholen?

Nein, aber wir haben manchmal mit der Wasserpolizei zusammengearbeitet, wenn jemand eines unserer Räder in den Kanal geworfen hat. Ansonsten versuchen wir, eine gute Beziehung mit den Behörden aufzubauen. Wenn Fahrräder falsch abgestellt sind, können sich die Behörden an uns wenden, und wir versuchen direkt, unser operatives Team loszuschicken, damit die Fahrräder wieder umverteilt werden. Bisher haben mit den Behörden keinen großen Stress bekommen, es funktioniert eigentlich ganz gut in Berlin.

Vier Mobike-Räder stehen auf einer Grünfläche an der Kolonnenstraße in Berlin-Tempelhof (Quelle: Robin Avram / rbb)
Auf dem Gehweg stehen diese Mobikes in der Schöneberger Kolonnenstraße zwar nicht. Aber Baumliebhabern dürfte der Anblick trotzdem missfallen.Bild: rbb

Der Senat denkt trotzdem darüber nach, das Parken von Leihrädern nur noch an speziell gekennzeichneten Zonen zu erlauben. Wie bewerten Sie das?

Wir arbeiten gerne mit den Städten zusammen und finden auch, dass es Sinn macht, besondere Parkzonen einzurichten. Das haben andere Städte auch schon gemacht. Es hängt allerdings davon ab, wie viele Zonen es werden. Der Vorteil unseres Systems ist, dass für die Nutzer überall ein Fahrrad in der Nähe ist. Wenn man so viele Parkzonen schafft, dass man alle 100, 200 Meter ein Rad findet, haben wir damit kein Problem. Wenn man nur jeden Kilometer eine Parkzone einrichtet, wird es schwierig.

Wenn es nicht genug Parkzonen gibt - könnte das dann bedeuten, dass Sie sich wieder zurückziehen vom Berliner Markt?

Alles ist immer möglich. Wir würden aber gerne weiter mit den Städten zusammen arbeiten. Wir sehen in Berlin und vielen anderen deutschen Städten, dass es große Probleme mit Stickoxid-Emissionen gibt. Der Druck ist da, den Verkehr gesünder und besser zu machen. Gleichzeitig haben die Städte nicht so viel Geld. Wir bieten eine einzigartige Möglichkeit, die Städte sauberer zu machen, und es kostet die Stadt nichts.

So einzigartig ist Ihr Angebot aber nicht - mehrere asiatische Leihrad-Anbieter drängen gerade in den Berliner Markt. Das verwundert deshalb, weil die Leihräder bislang in Berlin noch gar nicht viel genutzt werden. Ihr Konkurrent Nextbike sagt ganz offen: Ohne Subventionen wären wir gar nicht überlebensfähig. Wie wollen Sie das schaffen, in diesem sehr harten Markt Geld zu verdienen?

Wir haben in Städten auf der ganzen Welt Erfahrung gesammelt und können diese Erfahrungen nutzen, um das Modell profitabel zu machen. Ich glaube, das Problem der traditionellen stationsbasierten Anbieter ist, dass man bei ihnen nicht immer ein Fahrrad finden kann und man nicht parken kann, wo man will. Deshalb ist die Nutzungsrate nicht sehr hoch. Wir sehen in anderen Ländern, dass die Fahrräder dort zehn bis 20 Mal am Tag genutzt werden - und wir glauben, das können wir auch hier in Berlin erreichen.

Kritiker argwöhnen, profitabel könne Ihr System nur werden, wenn Sie die Daten ihrer Nutzer vermarkten. Dieser Verdacht speist sich auch daraus, dass die chinesische Tencent-Gruppe im vorigen Sommer 600 Millionen Dollar in Mobike investierte. Tencent betreibt die chinesische Variante von WhatsApp. Können Sie nachvollziehen, dass da der Eindruck entsteht, es gehe in erster Linie um die Daten?

Unsere Datenschutzbestimmungen stimmen mit den deutschen und europäischen Vorgaben überein. Für uns ist das Vertrauen unserer Nutzer ganz wichtig. Wir interessieren uns für Daten, aber nur die Bewegungsprofile. Wir wollen wissen, wo die Fahrräder sich befinden und wie sie benutzt werden. Dadurch können wir unser Produkt verbessern, und wir können auch den Städten mit unseren Verkehrsdaten helfen, Infrastruktur dort auszubauen, wo viele Menschen Rad fahren. Aber die personenbezogenen Daten interessieren uns nicht. Wir sind nicht Google, wir sind keine Werbeunternehmen und wir verkaufen keine Profile oder Daten.

Wer die Mobike-App nutzt, muss trotzdem zunächst zustimmen, dass personenbezogene Daten gespeichert und Mobike und andere Unternehmen personalisierte Werbung zuschicken dürfen. Bedeutet das zum Beispiel: Ich fahre mit dem Mobike bei einem Drogeriemarkt vorbei, und dann bekomme ich eine Nachricht "Wenn du in den Drogeriemarkt hinein gehst, bekommst du zwei Flaschen Shampoo zum Preis von einer"?

Natürlich ist es so etwas möglich und auch ein Thema. Aber auch in diesem Rahmen wird es uns nicht interessieren, ein tiefes Profil von jemandem zu erstellen. Es wäre nur eine Möglichkeit zu sagen: Hey, wenn du vor diesem Laden parkst, bekommst du einen kostenlosen Kaffee oder ähnliches. In China und in anderen Ländern gibt es das bereits, aber für uns ist das derzeit noch nicht im Fokus. Im ersten Jahr ist unser Ziel, viele Fahrräder auf die Straße zu bekommen.

Das Interview führte Robin Avram.

Kommentar

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20 Kommentare

  1. 20.

    Hallo Mobike bei uns in der Strasse Alt -Britz stehen mittlerweile 3 Fahhräder von Ihnen . Fehlen die bei Ihnen nicht ?

  2. 19.

    Ich finde es nur doof das die Ausleih-Seite nur in Japanischenken Hyroglyphen gibt.Wollte mir mal ein Rad ausleihen, da ging gleich der Virus Alarm los...!Hm weiß nicht was ich davon halten soll

  3. 18.

    Da muss ich wiedersprechen. Ich wohne in einem reinen Wohngebiet und habe einige Nachbarn die es nutze. Ich nutze im Sommer selbst das Angebot mehrmals in der Woche. Genauso wie meine Partnerin. Von daher nutzen einheimische das Angebot sehr oft. Gerade in der Stadt, wo Fahrräder öfter gestohlen werden, macht es Sinn. Genau deswegen nutze ich das auch.

  4. 17.

    Ich finde es super! Nachdem man mir das zweite Rad in einem Jahr gestohlen hat werde ich mir vorerst kein eigenes mehr kaufen sondern auch als ansässiger Berliner Leihräder nutzen. Ich fand Drive now schon gut und nutze nun als umweltfreundliche Alternative Mobike. Außerdem Respekt an die Chinesen! Hier hat man Fahrräder perfekt für das Leihgeschäft designed. Keine dünnen Speichen die verbiegen oder Räder die Luft verlieren, das sie aus Vollgummi sind. Da können sich Lidl bike etc. Einiges abschauen. Dadurch hält sich der Fahrkompfort natürlich im Grenzen...aber diese Räder sind eben für kurze spontane Stecken gedacht und nicht für stundenlange Touren! Diese ganzen Nörgler die jetzt auf die bösen asiatischen Leihradanbieter schimpfen sind einfach nur lächerlich!

  5. 16.

    Sie haben wohl den ganzen Artikel nicht aufmerksam gelesen...die Fahrräder sind für kurze Strecken gedacht und nicht für lange Touren! Es geht darum überall in der Stadt sich flexibel und umweltfreundlich innerhalb kurzer Bereiche bewegen zu können. Es geht hier nicht darum dass Räder für ganztägigen Wochenedtouren oder für den täglichen Ritt ins Büro bereitgestellt werden...darum muss man sich schon selbst ein Rad besorgen!

  6. 15.

    ...nachdem man mir mein zweites Rad in einem Jahr gestohlen hat werde ich mir vorerst kein eigenes mehr kaufen sondern auch als ansässiger Berliner Leihräder nutzen. Für gelegentliche kurze Strecken völlig ausreichend!

  7. 14.

    Sehr bedenklich auch die Datenschmutzerklärung.
    Schreibt doch gleich: Biste erst mal in der EDV, kennt Deine Daten jede Sau!

  8. 13.

    "Nextbike sagt ganz offen: Ohne Subventionen wären wir gar nicht überlebensfähig."

    Von wem gibt es denn die Subventionen? Von der Konzernmutter oder vom Land Berlin? Und wenn letzteres, wie hoch sind diese? Gibt es hierzu Zahlen? Grundsätzlich stehe ich dem Fahrradverkehr und auch dem Verleihsystem sehr positiv gegenüber. Ich finde es allerdings verdächtig, wie viele Anbieter sich in diesen Markt stürzen, der doch offenbar nicht rentabel ist.

  9. 12.

    .......Auch so mancher Fahrradshop scheint die Gehwege als Dauerparkfläche für unverkaufte Bastelräder zu verstehen.....
    Ja, sehe ich mit einer Dreistigkeit schon seit Jahren beim „Faltradpapst“ in der Goethestraße Charlottenburg. Allerdings muß zu seinen Gunsten angeführt werden, dass der Gehweg breit ist und er dadurch niemandem stört.

  10. 11.

    Diese Leihräder sind ja in erster Linie für Touristen interessant. Ich kenne jedenfalls keinen Einheimischen, der diese Angebote nutzt. Wozu auch? Die allermeisten Leute haben doch selbst (mindestens) ein eigenes Fahrrad, welches sie nutzen können.

    Man sollte daher von Seiten der Stadt mal ein Konzept ausarbeiten, welches nicht auf dem Rücken der einheimischen Bevölkerung ausgetragen wird.

    Vielleicht wäre da eine Zusammenarbeit mit den vielen Hostels möglich - dadurch hätte man in den neuralgischen Gebieten dann auch alle paar Meter eine feste Leihrad-Station.

  11. 10.

    Reggae Cliff trifft es. Cool :-)Besonders Ihr letzter Satz stimmt voll und ganz. Erst werden kl. Räder angeboten( für kleinwüchsige Asiaten und andere Personen ja geeignet), dann sagt dieser Mann auch noch, 26 Zoll Fahrräder anzuschaffen, damit auch Leute bis zu 2 Meter Größe sie nutzen können. Schwachsinn sondergleichen. Eine Erwachsene Person mit 1,80 bis mehr als 2 Meter Körperlänge sollte unbedingt auch 28 Zoll Räder verwenden. Sonst gibt es arge Probleme mit dem Rücken u.s.w. Was mich jetzt schon wütend macht ist das Abstellen von diesen Rädern an Bäume. Davon rate ich dringend ab. Diese Nerd-Typen haben null Praxiserfahrung Zweirad, aber ein dubioses Geschäftsmodell aufziehen zu wollen, auf Biegen und Brechen. Echt,ganz schön dreist.

  12. 9.

    Passend dazu gestern der Nextbike-Transporter, der in der Maßenstraße auf dem Radstreifen parkte, während die Radfahrer wie selbstverständlich in beide Richtungen über die Fußwege fuhren.

    Richtig übel finde ich allerdings Vermieter wie Rent a Bike, die noch fragwürdigere Räder im Winter auf öffentlichen Plätzen einlagern. Auch so manchen Fahrradshop scheint die Gehwege als Dauerparkfläche für unverkaufte Bastelräder zu verstehen.

  13. 8.

    Alle 100-200 m eine Parkzone für die Leihräder? Das reicht nicht! Berliner Radfahrer sind noch gehfauler als die Autofahrer. Nicht umsonst findet man an einigen Geschäften mittlerweile den Hinweis, dass Fahrräder draußen bleiben müssen.

  14. 7.

    Selten so gelacht. Kann mir Jimmy Cliff (ist es DER Jimmy Cliff- I can see clearly now oder ein Fake? Laut Internet heisst der Geschäftsführer anders) mal bitte erklären, wieso kleinere Räder schlechter zu demolieren sind? So ein Quatsch! Habe mir die Räder auch mal angesehen. Von Strassenverkehrszulassungsordnung schon mal was gehört? Diese sind jedenfalls nicht verkehrstüchtig und damit nicht erlaubt. Und bei dem Hinweis auf die Datennutzung ist die Aussage auch widersprüchlich. Hausaufgaben machen oder lieber Reggae hören, meine Empfehlung. Von Fahrrädern versteht Mobike jedenfalls nix

  15. 6.

    oh

  16. 5.

    wie recht Sie haben mit Ihrem Kommentar-------
    wenn ich schon das Bild mit dem verstellten Baum sehe ---statt Hundekot Fahrrad----
    das "operative Team" wird doch bei der "Umverteilung" wenigstens auch mit Rad unterwegs sein
    auf ALLE Fälle hoffentlich mit E-Cars--------
    Haben denn die Leihradfirmen entsprechende Genehmigungen eigentlich ??

  17. 4.

    Wie kommt dwer "Herr Geschäftsfüherer" denn zu der Vermutung, das kleine Räder schwerer kaputt zu machen sind. Im Gegenteil, da kann der Bolzenschneider ja viel kleiner sein.Dieser ganzen Leihräder sollte man nach dem Motto behandeln:" Ist das Kunst oder kann das weg? ".
    Aber auf jeden Fall nicht einen Steuergroschen für diesen Unfug hergeben.

  18. 3.

    Ein Gastwirt der nen Tisch auf den Bürgersteig stellt, wird zur Kasse gebeten. Und die Fahrradverleiher stellen ihre Fahrräder da ab wo es ihnen grade recht ist. WStörenden Fahrradschrott sollte man sang und klanglos "entsorgen".

  19. 2.

    In SO36 werden immer wieder Gehwege blockiert, besonders an Kreuzungen im Ampelbereich. Letzte Woche wurden z.B. von einem Verteiler mehrere Fahrräder in der Grünanlage des Oranienplatzes auf einem Gehweg so abgestellt, dass sie auch den Zugang zum Mülleimer blockierten. "Die Fahrräder sollen immer nur da stehen, wo sie nützlich sind und keine Behinderung für die Anwohner darstellen." Da können die Mitarbeiter noch was lernen, und das Unternehmen. Offenbar ist es nicht so leicht in dicht besiedelten Gebieten mit starkem Fußgängerverkehr Produkte gut sichtbar zu platzieren ohne den Verkehr auf den Gehwegen zu behindern. Das genauer zu untersuchen und sich strategisch dafür zu entscheiden den Verkehr nicht zu blockieren, kann sicherlich Vandalismus vorbeugen. Mehr Fahrradbügel auf der Straße könnten besonders da helfen, wo es nur enge Bürgersteige gibt. Baumscheiben sind sicherlich auch gut geeignet.

  20. 1.

    Es wird Zeit, dieser wachsenden Zahl von Metallschrott mit zwei Rädern Einhalt zu gebieten - hoffentlich werden die Behörden mal wach.
    Eine gewisse Anzahl dieser Leihräder ist ja prima, aber dieses Ausufern darf nicht hingenommen werden.

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