Der Marktstand des Großhändlers "Früchte Franz" im Fruchthof des Berliner Großmarkts, am frühen Morgen des 16.03.18 (Quelle: rbb|24 / Churikov).
Bild: rbb|24 / Churikov

Entscheidung des Berliner Senats - Händler dürfen Großmarkt doch nicht übernehmen

Manche nennen ihn den Bauch Berlins: Der landeseigene Großmarkt an der Beusselstraße ist in die Jahre gekommen. Die Händler schlossen sich zusammen, um ihn zu übernehmen. Doch der Senat will den Großmarkt selbst modernisieren - und stoßen damit auf scharfe Kritik.

Der Berliner Großmarkt an der Beusselstraße in Berlin-Moabit soll nun doch nicht von den Händlern in Eigenregie übernommen werden. Die Wirtschaftsverwaltung des Senats habe einen entsprechenden Plan am Montag im Abgeordnetenhaus abgelehnt, teilte die Interessengemeinschaft (IG) Lebensmittel- und Frischecluster Berlin am Dienstag mit.

Die Händler zeigten sich überrascht und irritiert über das vorläufige Aus ihres Vorhabens. "Am 6. Februar haben wir unser Konzept eingereicht, abgesprochen mit dem Senat. Dann haben wir nichts mehr gehört, nicht einmal Nachfragen - bis wir dann am Montag aus der Zeitung von der Absage erfahren haben", sagte Dieter Krauß, Sprecher der IG, rbb|24. "Es ist bedauerlich, dass mit dieser Absage eine zügige Entwicklung des Großmarktareals nun erschwert wird." Er wolle weiter für den Plan werben.

Gelände soll in jedem Fall modernisiert werden

Mehr als 100 Anbieter und Lieferanten von Obst, Gemüse, Fleisch, Blumen, Fisch, Meeresfrüchten und Molkereiwaren hatten sich zusammengetan, um als Genossenschaft ein Erbbaurecht für das Areal zu erwerben - und dann neue Gebäude zu errichten und die Strukturen zu verbessern. 

"Wir haben das Konzept unabhängig voneinander von drei Banken prüfen lassen, alle haben uns bestätigt, dass es tragfähig ist - und wir hätten damit nicht die öffentliche Hand belastet", sagte Krauß rbb|24. Es enttäusche ihn, dass es nicht wenigstens Gespräche mit der Senatsverwaltung gegeben habe. "Wenn wir gleich vergangenen Herbst gesagt bekommen hätten, dass das Land das nicht aus der Hand geben will, hätten wir uns viel Arbeit und Geld gespart."

"Die Interessengemeinschaft hat mit ihrem Konzept eine wichtige Debatte angestoßen", teilte die Wirtschaftsverwaltung am Dienstag mit. "Der Berliner Großmarkt hat großen Modernisierungsbedarf und muss fit gemacht werden für die Zukunft." Sie wolle mit allen Beteiligten zusammenarbeiten, kündigte Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne) an. "Grundstücksfragen sollten jetzt nicht im Vordergrund stehen, sondern die Inhalte. Der Berliner Großmarkt hat wie viele Unternehmen in der Vergangenheit zu wenig investiert."

Großmarkt-GmbH wollte sich nicht zurückziehen

Der Betrieb des Großmarkts liegt bereits seit den 1960er Jahren in den Händen der landeseigenen Berliner Großmarkt-GmbH, die die Flächen an die Großhändler vermietet. Der Fruchthof, in dem Obst und Gemüse gehandelt werden, wird von einer Genossenschaft betrieben.

Im Gegensatz zur Politik, die die Pläne der Händler zunächst weitgehend unterstützte, war die Großmarkt-GmbH um Geschäftsführer Peter Stäblein nicht bereit, sich aus dem operativen Geschäft an der Beusselstraße zurückzuziehen. In seine Pläne, etwa den Fleischgroßmarkt zu sanieren, fühlten sich die Händler zu wenig eingebunden. Mehrere Unternehmer nannten rbb|24 deutlichen Modernisierungsbedarf, unter anderem bei Hygiene, Sicherheit auf dem Gelände und schnellem Internet. Sie kritisierten, dass es bei der Leitung des Großmarkts keine Gesprächsbereitschaft für Vorschläge gebe. Auch deshalb kam es zum eigenmächtigen Zusammenschluss.

Sendung: Abendschau, 20.03.2018, 19.30 Uhr

Kommentar

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4 Kommentare

  1. 4.

    Die Politik verhindert ein gutes Konzept, Eigeninititive und Investitionen seitens der Händler. Es wäre für viele Menschen in Berlin ein guter Schritt in die Zukunft gewesen.
    Wir dürfen eine nachhaltige und notwendige Stadtentwicklung nicht den politischen Kleingeistern überlassen.

  2. 3.

    Eine landeseigene GmbH tanzt der Landespolitik auf der Nase herum? Und in letzterer hängt man noch immer dem Glauben an, wenn der Staat Großprojekte (insbesondere große Bauprojekte) zu stemmen versuche, sei es das Allerbeste? Und um Längen besser, als wenn Menschen Eigenverantwortung übernehmen und sich in einer Genossenschaft zusammenschließen?

  3. 2.

    " Der Senat will den Großmarkt selbst modernisieren."

    WANN ?????????????????????

  4. 1.

    Das ist so typisch R2G: Selber kriegen sie nichts auf die Reihe, aber privatisiert werden darf natürlich auch nicht, weil alle drei Parteien trotz aller Gegenbeweise immer noch dem Wahn anhängen, dass der Staat für alles zuständig sei. Privates Unternehmertum ist bei dieser Landesregierung ungefähr so beliebt wie seinerzeit beim SED-Politbüro.

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