Verdi-Vorsitzender Frank Bsirske im Interview (Quelle: dpa/Ralf Hirschberger)
Bild: dpa/Ralf Hirschberger

Zweite Tarifrunde ohne Ergebnis - Verdi kündigt Warnstreiks im öffentlichen Dienst an

Auch in der zweiten Tarifrunde des öffentlichen Dienstes sind Gewerkschaften und Arbeitgeber nicht weitergekommen. Daher drohen nun Warnstreiks, zum Beispiel an Kitas, aber auch an Flughäfen. Und das schon recht bald, sagt Verdi-Chef Frank Bsirske.

Die Menschen in Deutschland müssen sich noch vor Ostern auf massive Warnstreiks im öffentlichen Dienst einstellen. Im Tarifstreit für die Beschäftigten bei Bund und Kommunen ist auch die zweite Verhandlungsrunde am Dienstag in Potsdam ohne Annäherung zu Ende gegangen.

"Ich gehe davon aus, dass in der gesamten Breite des Tarifbereichs Kolleginnen und Kollegen in Warnstreiks einbezogen werden", sagte Verdi-Chef Frank Bsirske. Auch Flughäfen dürften betroffen sein.

Es geht um die Löhne von 2,3 Millionen Menschen

"Ich glaube nicht, dass die Osterferien jetzt der geeignete Zeitpunkt sind, aber dass es zu Aktivitäten auch an den Flughäfen kommen wird, davon ist auszugehen", sagte Bsirske. Bereits bei entsprechenden Ausständen vor zwei Jahren waren viele Flugreisende betroffen gewesen - Bodenverkehrsdienste bei den Flughäfen gehören den Kommunen an.

Verhandelt wird für 2,3 Millionen Beschäftigte bei Bund und Kommunen, unter anderem für Erzieher, Mitarbeiter von Müllabfuhr, Straßenreinigung, Kliniken, Sparkassen und für Bundespolizisten. Die Gewerkschaft fordert unter anderem sechs Prozent mehr Geld, mindestens aber 200 Euro mehr für die Beschäftigten. Die Arbeitgeber lehnen das bislang ab. Besonders hob Verdi-Chef Bsirske die Sparkassen hervor. Bei der Bezahlung von deren Mitarbeitern hätten sich die Arbeitgeber besonders hart gezeigt.

Auch Beamtenbund will Druck auf Arbeitgeber erhöhen

Die Ausstände würden wohl bis zur abschließenden Verhandlungsrunde am 15. und 16. April andauern, so Bsirske. Der Chef des Beamtenbundes, Ulrich Silberbach, sagte: "Wir drehen Schleifen ohne Ende. Wir sind enttäuscht. Deswegen werden wir in den nächsten Tagen in vielen Bereichen in diesem Land den Druck erhöhen." Der dbb vertritt auch Angestellte.

Auch die unteren und mittleren Lohngruppen sollten an der guten Konjunkturentwicklung teilhaben können, begründete Bsirkse die 200-Euro-Forderung. Aber: "Dieser Mindestbetrag stößt auf kategorische Ablehnung der Arbeitgeber, und an diesem Punkt sind wir fundamental auseinander."

"In wichtigen Punkten ganz schön auseinander"

Die Spitzenvertreter der Arbeitgeber zeigten sich dagegen zuversichtlich, in der Aprilrunde zum Abschluss zu kommen. Der Präsident der kommunalen Arbeitgebervereinigung, Thomas Böhle, sagte: "Dass Verdi mit Warnstreiks gedroht hat, ist erstens nichts Neues und lässt zweitens keinen Rückschluss auf den Verhandlungsstand zu." Verdi arbeite eben mit Warnstreiks, so lange kein Ergebnis vorliege. "Wir haben in wichtigen Punkten Annäherungen erzielt, wir sind in anderen noch weit auseinander." Viele Städte steckten in finanziellen Problemen, Krankenhäuser hätten mit einem Kostendeckel umzugehen. "Das gilt es alles unter einen Hut zu bringen", sagte Böhle.

Der Verhandlungsführer des Bundes, Innenstaatssekretär Hans-Georg Engelke, sagte: "Wir hoffen, dass es nicht zu massiven Streiks kommt, denn ich bin zuversichtlich, dass es gelingt, in der Gesamtkonstellation zu einer für alle vertretbaren Lösung zu kommen." Er räumte aber ein: "In wichtigen Punkten sind wir ganz schön auseinander." Den geforderten Mindestbetrag lehnten die Arbeitgeber ab, weil genug Geld für Verbesserungen bei Fachkräften bleiben solle.

Sendung: Inforadio, 13.03.2018, 19.00 Uhr

Kommentar

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2 Kommentare

  1. 1.

    Wann wird endlich der Öffentliche Dienst abgeschafft ?

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