Plattenbauten im Berliner Kosmosviertel (Quelle: rbb/zibb)
Video: zibb | 02.03.2018 | Jana Göbel | Bild: rbb/zibb

Sanierungen im Berliner Kosmosviertel geplant - 5.000 Anwohnern drohen Mietsteigerungen

Im Kosmosviertel, am südlichen Rand von Berlin, sollen knapp 2.000 Wohnungen energetisch saniert werden. Doch viele Mieter fürchten sich - vor deutlich höheren Mieten. Die Armutsquote im Viertel ist hoch. Können die Anwohner sich wehren? Von Jana Göbel

Am äußersten Stadtrand nahe dem Flughafen Schönefeld liegt das Kosmosviertel. Hier sollen 1.900 Wohnungen energetisch saniert werden. Tausende Mieter sind von möglichen Mietsteigerungen betroffen - in einem der ärmsten Berliner Stadtrand-Viertel.

Einer, der sich für die Anwohner einsetzt, ist Peter Schmidt. Er ist ein stiller Kämpfer. Seine Waffen sind sein Gerechtigkeitssinn und seine Beharrlichkeit. Aber er braucht Mitstreiter.

Wie Sieglinde Flakowski, ebenfalls Mieterin im Kosmosviertel. Sie musste schon einmal umziehen, weil sie ihre Miete nicht mehr zahlen konnte. Jetzt droht ihr erneut die Verdrängung. "Unsere Kaltmiete ist zur Zeit 343,30 Euro. Und wenn dit jetzt kommt, denn hab ich 124 Euro mehr", erzählt sie Peter Schmidt. Der staunt. Das seien fast 30 Prozent Mieterhöhung. "Ich kann mir nicht vorstellen, wie es weiter gehen soll, wie ich das bezahlen soll - keine Ahnung." Alleine ist Sieglinde Flakowski wehrlos. Peter Schmidt will für die Bezirksverordnetenversammlung mobilisieren. Dorthin kommt sie mit.

Peter Schmidt vor Häusern im Kosmosviertel (Bild: rbb/Göbel)
Peter Schmidt engagiert sich für die Mieter im Berliner Kosmosviertel | Bild: rbb/Jana Göbel

Tausende Menschen betroffen

So wie Sieglinde Flakowski sind hier im Kosmosviertel 5.000 Menschen von bevorstehenden Sanierungen betroffen. Viele können die höhere Miete nicht aufbringen. Die Kinderarmut beträgt 50 Prozent.

Der Eigentümer, ein älterer Herr in München, gibt dazu kein Interview. Auch die Anwohner kommen nicht an ihn ran. Deshalb hofft Peter Schmidt auf die Kommunalpolitiker: "Wir versuchen, die Leute zu mobilisieren, und wir versuchen, Druck auf die Politik auszuüben, damit die Veränderungen hier sozialverträglich erfolgen."

Die Kosten für Wärmedämmung dürfen komplett auf die Mieter abgewälzt werden. Immer mehr Politiker sagen, das sei ungerecht. Trotzdem hat die Bundesregierung bisher nichts geändert.

Bezirk will mit Eigentümer über Sozialplan verhandeln

Das Wohnhaus, in dem Yvonne Mandel wohnt, wurde bereits gedämmt. Doch die Fenster sind die alten. Hier dringt die Kälte weiter ein. Die Miete stieg, doch die Heizkosten-Einsparung ist gering. Peter Schmidt rechnet vor: "Sie zahlen 81 Euro mehr Kaltmiete. Und haben vielleicht eine Energiekosten-Einsparung von drei Euro. Was ist das für ein Verhältnis?" - "Keines", entgegnet Yvonne Mandel, doch noch gehe es gut, "weil mein Sohn noch hier wohnt und er auch ein Einkommen hat. Aber Kinder ziehen aus. Ich wäre dann gezwungen auch auszuziehen, weil ich es mir allein nicht leisten könnte."

Bei der Bezirksverordnetenversammlung im Rathaus Treptow zeigt das Bündnis Mieterprotest Kosmosviertel Flagge. Peter Schmidt fragt, ob der Bezirk den Anwohnern helfen könne, die nach der energetischen Sanierung ihre Miete nicht mehr bezahlen können. Der Bezirksbürgermeister Oliver Igel (SPD) kann zunächst nur eine Mieterberatung anbieten - Enttäuschung bei den Anwohnern aus dem Kosmosviertel.

Doch es gibt noch einen anderen Vorschlag aus dem Bauausschuss. Uwe Döring (Linke), der Vorsitzende für den Ausschuss Stadtentwicklung und Bauen wll einen Sozialplan. "Damit im Gespräch mit dem Vermieter festgelegt werden kann, dass die Mieten gedeckelt werden für die, die die hohen Mieterhöhungen nicht bezahlen können." Stunden später, es ist schon nach neun, wird dieser Vorschlag einstimmig angenommen. Der Bezirk will mit dem Eigentümer über einen Sozialplan für die Härtefälle verhandeln. Ausgang offen.

Korrektur vom 11.04.2018: In einer früheren Version des Artikels hieß es fälschlicherweise, dass Mietaktivist Peter Schmidt auch Mieter im Kosmosviertel sei. Wir bitten den Fehler zu entschuldigen.

Sendung: Zibb, 02.03.2018, 18.40 Uhr

Kommentar

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4 Kommentare

  1. 4.

    5000 Mieter können an nur einzelne Person sich wehren
    Da haz er keime Chance.

  2. 3.

    Ihre Argumentation ist leider falsch. Der Herr mag unsozial sein, seinen Verpflichtungen kommt er mit Steuerzahlungen aber bereits nach. Beschweren Sie sich bei den Politikern, die solchen Leuten die Werkzeuge (Gesetze) zur Gewinnmaximierung an die Hand geben. Mit unserer neuen Groko wird sich daran wohl auch nichts ändern.

  3. 2.

    Der Eigentümer ist also ein älterer Herr aus München, der sich für eine Stellungnahme zu schade ist..... so so. Ein reicher Stammtischbayer ist also Herr über die Armen in Berlin, wer findet den Fehler im System ? Überall das Gleiche, der gleiche Mist, der wie ein Geschwür wuchert: Entarteter Kapitalismus in seiner absurdesten Form. Kein reicher Schnösel ist auch nur bereit dazu, auf ein wenig Kapital zu verzichten. Die Reichen sind verdammt nochmal dazu verpflichtet (!), einen Teil ihres Geldes wieder zurück zu geben. Das Geld gehört euch nicht und ihr wisst das !!! Eigentum verpflichtet !! und ihr kommt euren Verpflichtungen nicht nach !

  4. 1.

    Kurze Frage - zum besseren Vergleich wäre es schön alte und neue WARMMIETE auszuweisen, gerne auch prozentual. Schön wäre auch die Wohnungsgröße anzugeben, dann kann man sich auch ein eigenes Bild machen. So sind Zahlen ausschließlich Schall und Rauch. Danke lieber RBB.

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