Hinweis auf eine Weichen- bzw. Signalstörung im Bereich Lichtenberg - Ostkreuz für Fahrgäste der S-Bahn (Bild: imago/Hohlfeld)
Audio: Inforadio | 09.03.2018 | Bettina Meier | Bild: imago/Hohlfeld

Mängel in der Infrastruktur - Warum es bei der S-Bahn so oft zu Signalstörungen kommt

Fahrgäste der S-Bahn konnten es in der letzten Zeit oft erleben: Zugausfälle, Verspätungen und in Folge überfüllte S-Bahnen. Die Erklärung lautet häufig: Signalstörung. Doch was bedeutet das eigentlich genau? Von Bettina Meier

Rund 340 Kilometer lang ist das Netz der Berliner S-Bahn. 16 Linien decken 166 Bahnhöfe ab, einen Teil davon in Brandenburg. Natürlich kommt es bei dieser Mammutaufgabe auch immer wieder mal zu Störungen. Aber in letzter Zeit häufen sich Signalstörungen, bemängelt auch der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg, der die S-Bahn kontrolliert.

Doch der Fahrgast werde daraus nicht schlau, bemängelt Jens Wieseke, stellvertretender Vorsitzender des Berliner Fahrgastverbandes IGEB. Eine Signalstörung sei nur ein Sammelbegriff für vielfältige Probleme: "Die letzten Wochen waren bei der Berliner S-Bahn nicht erfolgreich. Das wichtigste Problem seit vielen Jahren sind Mängel in der Infrastruktur, darüber hinaus hat DB Netze die Infrastruktur nicht so im Griff, wie es sein sollte."

Stellwerkstechnik mit "Tücken"

DB Netze, eine Tochter der Deutschen Bahn, verantwortet die Infrastruktur der Berliner S-Bahn: also Gleise, Kabel, Stellwerke, Leitungen – und damit eben auch Signalstörungen. Die S-Bahn Berlin GmbH wiederum kümmert sich um die Züge, Zugführer und Bahnhöfe. Kein Wunder, dass es zu Kommunikationsproblemen komme, sagt Wieseke. So müsse beispielsweise die S-Bahn-Leitstelle in Schöneweide bei Signalstörungen gemeinsam mit der Leitstelle der DB Netze in Halensee eine Lösung suchen.

Dazu kommt die Aufgabe, die Stellwerke, Gleise und Signalanlagen zu überwachen. Die Ältesten sind noch aus den 1920er-Jahren. Sie werden nach und nach elektronisch umgerüstet und mit einer neuen Zugsicherungstechnik bestückt. Doch habe diese neue Stellwerkstechnik "auch ihre Tücken", meint Jens Wieseke. Gerade in der Anlaufphase funktioniere einiges nicht richtig. Schwierig sei auch, "dass diese Stellwerkstechnik nicht auf Zuwachs ausgelegt ist. Wenn man also sagt, man will mehr Züge dorthin fahren lassen, dann reicht das nicht."

Einsatzmöglichkeiten für alte S-Bahnen werden weniger

Und es gibt noch mehr Probleme: Alte Züge müssen umgerüstet werden und stehen deshalb nicht für die Flotte zur Verfügung. Außerdem könnten ältere Züge nur mit alten Stellwerken kommunizieren, nicht mit den modernisierten, kritisiert der Berliner Fahrgastverband. Die Folge: Die Einsatzmöglichkeiten für alte S-Bahnen werden immer kleiner. Das sieht Jens Hebbe, Regionalbereichsleiter Ost der DB Netze, genauso: "Es ist richtig, dass ein Teil der S-Bahn-Fahrzeugflotte das neue Zugsicherungssystem nicht erhält. Dadurch entstehen Einschränkungen im Einsatz, die Züge sind nicht flexibel auf jeder Strecke einsetzbar."

Gedrängel in Berliner S-Bahn (Quelle: rbb/Bettina Meier)
Schulter an Schulter im Nahverkehr | Bild: rbb/Bettina Meier

Jetzt soll es mal rucken im System

Bislang sind zwei Drittel aller Stellwerke modernisiert, bis 2025 soll die Aufgabe abgeschlossen sein. Erst im Jahr 2023 soll ein Schwung neuer Züge ins System kommen. Bis dahin könnten die Signalstörungen zunehmen, warnt der Verkehrsverbund Berlin Brandenburg. Geschäftsführerin Susanne Henckel mahnt zur Eile: "Wir fänden es jetzt langsam an der Zeit, dass mit hohen Personalkapazitäten diese Umrüstung sehr schnell funktioniert und nicht über die nächsten Jahre gezogen wird, sondern es jetzt mal ruckt im System."

Allerdings könne man der S-Bahn und DB Netze auch nicht alles ankreiden, sagt Henckel. Zum Beispiel, wenn Kabel gestohlen oder bei Bauarbeiten beschädigt werden. Auch das kommt häufiger vor.

Beitrag von Bettina Meier

Kommentar

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9 Kommentare

  1. 9.

    Es ist einfach nur eine Katastrophe. Das alles musd man doch berücksichtigen und weiss man doch.... alte Züge neue Technik. Meine Mutter kann mit ihrem ALTEN Handy auch nicht internet und brsucht also auch nicht in eine allnet flat investieren.
    Die S-Bahn kostet mich sehr viel meiner Lebenszeit, das ist unglaublich. Das einzige was funktioniert sind die Fahrkartenautomaten.
    In der DDR haben wir über die berühmte EINE SCHNEEFLOCKE gemeckert. Aber gegen heute waren das goldene Zeiten. Die Bahn hat sich kaputt gespart.
    Peinlich gegenüber Bürgern und Touristen.

  2. 8.

    Ein erfolgreicher Weg zur Veränderung des tatsächlich ungemein störenden Zustandes im Berliner S-Bahnverkehr könnte auch sein, die Mitglieder des Senats incl. Regierenden Bürgermeister regelmäßig mit diesem auch durch ihre Politik ruinierten ehemals zuverlässigen Verkejrsmittel fahren zu lassen - regelmäßig heißt wenigstens zweimal am Tag an fünf Tagen in der Woche. Wetten dass sich dann etwas ändert !? Übrigens gibt es neben den unregelmäßig verkehrenden Zügen ja auch noch das Problem der zu bestimmten Zeiten hoffnungslos überfüllten Züge, was übrigens auch auf die U-Bahn zutrifft. Zugausfälle wegen irgendwelcher Störungen verstärken dieses Problem dann ja noch.

  3. 7.

    Sicher kann man die rot-roten Sparpolitik viel kritisieren. Sie hat viele Dinge schwieriger gemacht.
    Die Probleme bei der S-Bahn allerdings können keine Folge sein. Sowohl S-Bahnnetz als auch S-Bahn-Betreiber gehören dem Bund. Eine Sparpolitik gab es allerdings auch hier auf Druck der Konzernleitung der Deutschen Bahn.

  4. 6.

    Dank der rot-roten Sparpolitik ist heute in Berlin so ziemlich alles kaputt, was nur kaputt sein kann. Von S-Bahn, BVG, dem Wohnungsmarkt, Sicherheit, was klappt eigentlich noch in Berlin?

  5. 5.

    Vor allem gab es von den Wagen auch dank des immer stärker ausgedünnten Fahrplans einen solchen Überbestand, dass man damals, als alles noch besser, die sogar zu U-Bahnen "umbauen" konnte.

    Der BVG wurde auch schnell bewusst, welche Ostereier die sich mit den Übernahme der alten S-Bahnen hatte ins Nest legen lassen. Es war im real existierenden Sozialismus einfach auf noch zur Vorkriegszeiten angeordneten Ertüchtigungen verzichtet worden.

  6. 4.

    @Enrico Pelocke: Mit "alten S-Bahnen" ist hier die BR485 gemeint. Sie wurde Anfang der 90er Jahre in Betrieb genommen und ist hauptsächlich auf der S46 (Mo-Fr), sowie auf der S47, S8 und S85 anzutreffen. Auf Strecken mit dem neuen Zugsicherungssytem (ZBS) können und dürfen sie nicht eingesetzt werden. Einzig auf dem Ring mussten diese Züge auch schon die S41/S42 "ersetzen", wenn die ausgefallenen Ringzüge ausfielen. Auf dem Abschnitt Jungfernheide <> Gesundbrunnen gibt es einen Abschnitt, der sowohl mit dem ZBS, als auch mit dem System "Fahrsperre" ausgerüstet ist.

  7. 3.

    Die alten S-Bahn-Wagen wurden schon zur Jahrtausend-Wende ausgemustert. Davon gibt es nur noch Museumszüge. Leider. Denn mit den Vorkriegsfahrzeugen hätte es das S-Bahn-Chaos nicht in dieser Dimension gegeben. Sie wurden in der Mauer-Ära als Ulbrichts Klapperkisten beschimpft. Aber sie fuhren tadellos, keine wiederholten Massenausfälle von 75 bis 80 % wie mit den neuen Zügen BR 481/482. Hoffentlich wird es mit den ganz neuen Zügen besser.

  8. 2.

    Die S-Bahn würde ziemlich dumm aus der Wäsche schauen, wenn die DB Netz mit einem Ruck die Stellwerkstechnik modernisieren würde. Mit einem Schlag wärde sich der seit langem absehbare Fahrzeugmangel potenzieren. Die alten Züge lassen sich wirtschaftlich nicht für absehbar kurzen Zeitraum so ertüchtigen. Der Steuerzahler müsste die Umbaumaßnahmen - soweit technisch überhaupt möglich und genehmigungsfähig - bezahlen.

    Sinnvoller wäre eine Pönalisierung bei von der DB Netz zu vertretenden Störungen.

  9. 1.

    Mir erscheint das Verhältnis zwischen neuester Signaltechnik und den immer da sein werdenden älteren Züge, die es ja auch noch gibt, wie ein "Wettlauf" zwischen Hase und Igel.

    Das Problem ist die Inkompatibilität und jeder, der mit simplen Haushaltsgeräten zu tun hat, weiß, was das bei Ersatzteilen bedeutet, soll das gute Teil nicht nur 10 J. laufen. Schade nur, dass sich die Deutsche Bahn AG und auch ihre Tochter S-Bahn Berlin GmbH dieser Logik verschreibt.

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