Archiv: Amazon-Gründer Jeffrey P. Bezos bei einer Präsentation am 15. Juni 2017 (Quelle: imago/ZUMA Press)
Audio: radioeins | 24.04.2018 | Steen Lorenzen | Bild: imago/ZUMA Press

Verleihung des Axel Springer Awards in Berlin - Mitarbeiter planen Protest gegen Auszeichnung für Amazon-Chef

Amazon-Gründer Jeff Bezos erhält am Dienstag den Axel Springer Award 2018 für "sein visionäres Unternehmertum". Amazon-Mitarbeiter planen derweil eine Protestkundgebung vor dem Axel-Springer-Haus in Kreuzberg – wegen der schlechten Arbeitsbedingungen.

Mehrere hundert Amazon-Beschäftigte wollen laut der Gewerkschaft Verdi am Dienstag gegen die Verleihung des Axel Springer Award an Konzernchef Jeff Bezos in Berlin-Kreuzberg protestieren.

Den undotierten Axel Springer Award erhalten nach Angaben des Medienunternehmens herausragende Persönlichkeiten, die in besonderer Weise innovativ sind, Märkte schaffen und verändern und sich ihrer gesellschaftlichen Verantwortung stellen. Die Kritik der Gewerkschaft: Die schlechten Arbeitsbedingungen in Amazons Logistik-Zentren seien nicht preiswürdig.

Auszeichnung für "visionäres Unternehmertum"

Der Amazon-Gründer und "Washington Post"-Eigentümer erhält am Dienstag den diesjährigen Axel Springer Award. Die Auszeichnung sei eine Würdigung für sein visionäres Unternehmertum in der Internetwirtschaft und die konsequente Digitalisierungsstrategie der 140 Jahre alten US-Traditionszeitung, teilte die Axel Springer SE mit.

Bezos habe bereits vor fast einem Vierteljahrhundert als Erster das Potenzial des Warenhandels im Internet erkannt und mit Amazon ein globales Unternehmen erfunden und zu einzigartigem wirtschaftlichen Erfolg geführt, sagte Springer-Vorstandschef Mathias Döpfner. Mit dem Kauf der "Washington Post" 2013 habe er die Voraussetzungen geschaffen, um die Innovationskraft und Experimentierlust einer angeschlagenen Traditionsmarke wiederzubeleben und einer verunsicherten Branche neuen Mut zu geben, so Döpfner.

Unter dem Motto "An Evening for Jeff Bezos" wird dem 54-Jährigen am Abend der Preis im Berliner Verlagshaus verliehen. 

"Make Amazon Pay" demonstriert am Oranienplatz

Gegen Bezos' Geschäftsmodell will die Kampagne "Make Amazon Pay" bereits am Nachmittag in Kreuzberg demonstieren. Denn dieses habe eine wesentliche Grundlage: "die Ausbeutung von Arbeitskräften mit System", so die Kampagnen-Macher. Sie kritisieren etwa, dass in den Amazon-Logistik-Zentren die Beschäftigten über Handscanner in ihren Arbeitsschritten kontrolliert werden, mit Feedback-Gesprächen durch Vorgesetzte eingeschüchtert und zu höherem Arbeitstempo getrieben werden würden.

Der Protestzug des Bündnisses "Make Amazon Pay" werde um 16 Uhr vom Oranienplatz in Kreuzberg zum Axel-Springer-Hochhaus ziehen – unterstützt von Amazon-Mitarbeitern, linken Gruppen wie Attac und der Partei Die Linke. 

Maria Raschke, Pressesprecherin der Kampagne, sagte im Vorfeld: "Vom Datenabschöpfen seiner Kunden, seiner Gewerkschaftsfeindlichkeit bis hin zu den Steuervermeidungsstrategien steht Amazon für ein dystopisches Zukunftsmodell. Umso erfreulicher ist, dass es uns gelingen wird, verschiedene Kritiker dieses Modells gemeinsam auf die Straße zu bringen, um den Kampf der Beschäftigten bei Amazon zu unterstützen."

Verdi erwartet hunderte Amazon-Mitarbeiter aus Deutschland und Polen

Auch Verdi rief zu Kundgebungen gegen die Preisverleihung auf. Die Gewerkschaft kämpft seit Jahren dafür, dass die Beschäftigten einen Tarifvertrag erhalten und nach Tarif im Einzel- und Versandhandel bezahlt werden. 

Um die Forderung nach einem Traifvertrag zu unterstreichen, werden nach Angaben von Verdi hunderte Amazon Beschäftigte aus Deutschland und Polen nach Berlin kommen. "Wir geben Jeff Bezos ein Feedback der Beschäftigten", erklärte Verdi-Vorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger am Montag. Die Beschäftigten von sechs deutschen Amazon-Standorten wollen demnach am Abend vor dem Axel-Springer-Haus protestieren.

Bezos ist laut "Forbes" reichster Mensch der Welt

Der Amazon-Gründer gilt laut der Liste des US-Wirtschaftsmagazins "Forbes" als reichster Mensch der Welt. Bezos liegt mit einem geschätzten Gesamtvermögen von 112 Milliarden US-Dollar an der Spitze, wie das Magazin im März mitteilte. Im Vergleich zum Vorjahr steigerte er demnach sein Vermögen um mehr als 39 Milliarden Dollar.

 

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19 Kommentare

  1. 19.

    Schämt Euch!
    "Der Axel Springer Award zeichnet herausragende Persönlichkeiten aus, ..., die Kultur prägen und sich gleichzeitig ihrer gesellschaftlichen Verantwortung stellen."
    Jeff Bezos verdient bestenfalls eine Urkunde für "Spitzenplatz in Steuervermeidung und skrupelloser Arbeitgeber".
    Das soll unsere neue Kultur sein?
    Das ist die neue gesellschaftliche Verantwortung?
    Dafür, daß er in Deutschland lediglich Gewinne macht und keine Steuern dafür zahlt, wird er jetzt hofiert?
    Bekommen wir alle eine Auszeichnung, wenn wir alle uns weigern, Steuern zu zahlen?
    Grüße eines empörten Bürgers.

  2. 17.

    Wo es nichts zu meckern gibt kann man auch nichts Falsches sagen, deswegen ist man noch lange kein Weichei. Warum glaubt man eigentlich immer nur den negativen Aussagen? Wenn man das Positive hervorhebt wird man einfach abgekanzelt. In meinem Bekanntenkreis gibt es etliche die schlechtere Bedingungen haben als die Mitarbeiter bei Amazon. Sie müssen für weniger Geld mehr leisten. Es wird keiner gezwungen bei Amazon zu arbeiten. Wer nicht zufrieden ist, kann sich gerne einen anderen Arbeitsplatz suchen (allerdings müssten sie dort wahrscheinlich für weniger Geld mehr leisten)

  3. 16.

    Keine Grundsatzdiskusion. Also auch einer der Angst hat was falsches zu sagen und nicht um bzw. für sein Recht kämpft. Armselig

  4. 15.

    Die Mitarbeiter die nicht Streiken sind mit Sicherheit nicht zu frieden mit dem was sie haben. Es sind eifach nur weicheier die angst davor haben was passieren könnte wenn sie mit Streiken.

  5. 14.

    Ja ich bin vom Fach, weiss sehr gut Bescheid und werde hier im Netz keine Grundsatzdiskussion führen

  6. 12.

    Ich gönne Jeff Bezos den Preis. Die Presse sollte sich mal bei den Mitarbeitern kundig machen, die nicht streiken. Sie würden erfahren, dass vieles nicht so ist wie es unter Anderem von Verdi vermittelt wird. Es gibt natürlich Stosszeiten, wie das Weihnachtsgeschäft, in denen es besonders stressig ist. Auch die Bezahlung ist nicht schlecht. Natürlich möchte jeder mehr verdienen und hat das Recht dieses zu fordern. Man sollte aber mit den Füssen auf der Erde bleiben. Es gibt viele Firmen in denen es nur den Mindestlohn gibt und man muss dafür schwerer arbeiten. Überwachung bei Amazon? Was ist z. B. mit vielen LKW-Fahrern? Die werden per GPS überwacht. Schreit da jemand nach? Also nicht alles nachbabbeln, sondern erstmal kundig machen. Schönen Abend noch.

  7. 11.

    Innovativ ist er, der Jeff, da gibt es keine Frage. Aber der gesellschaftlichen Verantwortung stellt er sich mitnichten!

  8. 10.

    Wer sich heute noch mit einem Preis auszeichnen lässt, dem ist nicht mehr zu helfen. (siehe Echo-Verleihung)
    Es sind immer sofort Krakeler und Meinungsdiktatoren am Werk, die einfach gegen alles sind. Erbärmlich.

  9. 9.

    Wo liegt das Problem? Kauft einfach im Laden und nicht bei solchen Ausbeutern! Die Probleme mit DHL u. ä. hat sich dann auch gleich miterledigt.

  10. 8.

    Ein würdiger Preisträger. Herzlichen Glückwunsch.

  11. 6.

    Als langjähriger und sehr reger Kunde warne ich davor, sich bei einer kritischen Betrachtung dieses Unternehmens ausschließlich auf die Logistik und Mitarbeiter zu konzentrieren:
    In fast allen Bereichen hat diese Firma in den letzten Jahren sehr nachgelassen.
    Sicher: Das Angebot wird immer umfangreicher. Doch die Kunden erhalten keine Gutscheine mehr, der Support reagiert (wenn überhaupt) oft träge, wird offenbar hauptsächlich von Osteuropäern abgewickelt (welche die Kunden gern unverlangt anrufen), der Cloudspeicher wurde verringert (das Hochladen eigener MP3-Dateien gar eingestellt) und Feedback führt zu nichts.
    Ist das preiswürdig?

  12. 5.

    Wenn ich bei amazon kaufe, sind Informationsmöglichkeiten und Vergleichsangebot dutzende Male größer als in irgendwelchen Einzelhandelsläden auf 100 oder 100.000 qm mit schlecht informierten, schlecht ausgebildeten, schlecht gelaunten Verkäufern. Und auch auf Geschäftehopping zum Sammeln von Informationen vor dem Erwerb hochwertiger, langlebiger Produkte hab ich überhaupt keine Lust. Würde ich das mit dem Auto machen, wäre es zudem ökologisch hoch bedenklich. Da fällt die oftmals sehr kleine Versandverpackung bei amazon kaum ins Gewicht; zumal die Artikel vielfach keine Innenverpackung haben.
    Der Einzelhandel vor Ort hat vielfach schlicht ausgedient. Das hat er teils sich selbst und teils einfach dem Lauf der Zeit zuzuschreiben. Aber es gibt ja noch genügend Kleingewerbe, das die Straßen beleben kann; z.B. Reparaturgeschäfte, die man nutzen kann, statt, wo auch immer, dauernd Neues zu kaufen.
    Dass auch amazon-Arbeiter faire und gute Bedingungen brauchen, ist selbstverständlich.

  13. 4.

    Diese systematische elektronische Kontrolle der Mitarbeiter und das computergesteuerte Antreiben zu mehr Leistung ist menschenverachtend, hat aber Zukunft. Amazon hat das Potential so ziemlich den gesamten Einzelhandel in Form einer Monopolstellung zu ersetzen. Wehret den Anfängen. Kauft nicht bei Amazon oder anderen Online Plattformen!

  14. 3.

    Man kann schon fast von einem Naturgesetz sprechen:

    Der Reichtum einiger Menschen beruht auf den Kosten Anderer.

    So funktioniert die gesamte Welt. Wir hätten niemals den Standard, wenn Andere dafür nicht ausgebeutet werden

  15. 2.

    Niemand wird gezwungen bei Amazon zu arbeiten und niemand wird gezwungen bei Amazon ein zu kaufen.

  16. 1.

    Gute Aktion. Ist ja interessant, dass Springer einen Oberblutsauger (Ausbeuter) extra noch auszeichnen möchte.
    Der schafft übrigens keine Märkte, sondern gräbt in einem begrenzten Markt anderen unternehmen das Wasser ab, geht noch bis zum ökologisch gesehen völlig wiedersinnigen Versand von zusätzlich mit Plastik verpackten Lebensmitteln nach Hause. Was er bestens kann, ist die körperliche Faulheit von Menschen einzukalkulieren.

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