Symbolfoto: Pakete liegen in einer Halle eines Postzustellers Deutsche Post (Quelle: dpa/Bodo Marks)
Video: Abendschau | 16.04.2018 | Bild: dpa/Bodo Marks

rbb-exklusiv | Bestell-Betrug im Internet - Berliner werden tausendfach Opfer moderner Posträuber

Die Täter bestellen im Internet Waren unter fremdem Namen und fangen dann die Pakete ab. Diese Art von Betrug ist keinesfalls selten - allein in Berlin gab es im vergangenen Jahr Tausende Fälle. Neue Serviceangebote der Paketzulieferer machen es den Tätern leicht.

In Berlin hat es im vergangenen Jahr mehr als 15.000 Fälle von Bestellbetrug im Internet gegeben. Das berichtet die rbb-Sendung Super.Markt. Der Schaden für die Opfer liegt oft bei mehreren tausend Euro.

Sendungsverfolgung macht es den Tätern leicht

Bei Fällen dieser Art erkunden die Täter oft zunächst, ob ein Bewohner über längere Zeit abwesend ist. Dann bestellen sie auf dessen Namen teure Markenartikel. Landet die bestellte Ware beim Nachbarn, weil der Empfänger nicht da ist, geben sich die Täter als Verwandter oder Lebenspartner aus, um so an die Ware zu kommen.

Die Möglichkeit, den Weg der Pakete online zu verfolgen, trägt dazu bei, dass die Täter sogar den Paketboten bereits an der Tür abfangen können. Erleichtert wird der sogenannte Warenkreditbetrug dadurch, dass oft Nachbarn Pakete und Päckchen für abwesende Mieter entgegennehmen. Was nett gemeint ist, kann für den freundlichen Nachbarn unangenehme Konsequenzen haben.

Nur ein Drittel der Fälle wird aufgeklärt

"Lässt sich der Nachbar die Identität desjenigen, der das Paket abholt, nicht nachweisen, handelt er grob fahrlässig und muss Schadensersatz zahlen", warnt Sabine Fischer-Volk von der Verbraucherzentrale Brandenburg.

Sind die Pakete in die Hände der Täter gelangt, haben es die Betroffenen oft schwer, nachzuweisen, dass sie nicht der Besteller der Ware waren. Nur ein Drittel der Fälle wird aufgeklärt. Trotzdem sollte man auf keinen Fall für die nicht bestellte Ware zahlen, raten Verbraucherschützer. Betroffene sollten bei der Polizei Anzeige erstatten. Nur so lässt sich nachweisen, dass man nicht selbst bestellt hat.

Firmen zeigen den Diebstahl inzwischen oft nicht mehr an. Dem Landeskriminalamt Berlin zufolge haben viele Anbieter den Verlust von Waren durch den sogenannten Bestellbetrug bereits mit einkalkuliert - zu Lasten aller anderen Kunden.

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11 Kommentare

  1. 11.

    Wer händigt denn einer fremden Person, die er nicht kennt, eine Warensendung aus?

  2. 10.

    Wir haben nach einer Anzeige bei der Polizei versucht bei DHL einen Vermerk eintragen zu lassen, dass Pakete nur noch persönlich zu übergeben sind. Der Hinweis, dass Paketbertrug vorliegt hat die überhaupt nicht interessiert. Eintragung ginge nicht! Komisch kann ich doch alles sonst im Vorfeld bestimmen (Ablageort, Wunschnachbar...)
    Auch Flaconi, Douglas, Lidl.de hat der Betrug nicht interessiert, obwohl die direkt betroffen waren.
    Das scheint schon kalkuliert! Armes Deutschland!

  3. 9.

    Es geht in diesem Artikel ja nicht um Ware die ich tatsächlich bestellt habe. Es geht um Warensendungen, mit denen ich absolut nichts zu tun habe. In meinem direkten Umfeld hatte ich erst vor einigen Wochen genau dieses Problem.
    Die Rechnung kam an, die Ware landete aber komplett woanders. Glücklicherweise war der Betrüger dermaßen dumm, das es mit ein wenig Investigation möglich war ihn ausfindig zu machen.

    Im übrigen kann es u.U. wenig Sinn haben mit den Nachbarn zu sprechen. In meinem Fall ist nämlich niemand im Haus der das Paket entgegennehmen könnte; wir sind hier im Haus alle Arbeitnehmer.

  4. 8.

    Ihr kommentar ist gelinde gesagt falsch. Der Zusteller hat die Pflicht bei fast allen Zustellfirmen das Paket bei nichtantreffen des Empfängers, dieses drei mal zuzustellen. Für solch eine Zustellung erhält er aber nur ein mal Geld und das liegt im Centbereich. Würden Sie diese Arbeit machen?
    Im Übrigen kann ich Ihnen aus meiner beruflichen Laufbahn mitteilen, daß auch Firmen Tricks machen um die Ware nicht bezahlen zu brauchen. Der Fehler bei der ganzen Logistik ist, daß alle Schäden sofort dem Auslieferer berechnet werden.
    Eine Klärung wer der Täter ist, ist meistens sehr schwer, jedoch sehr zeitintensiv.
    Das Problem kann nur durch eine Gesetzesänderung und klare Vorschriften geregelt werden.

  5. 7.

    "Die Täter bestellen im Internet Waren unter fremdem Namen und fangen dann die Pakete ab. "
    Können sie ja machen, bezahlt hab ich die Ware trotzdem nicht. Ich bezahle nichts was ich nicht bestellt habe.
    Also irgendwie haut die Logik nicht hin, wer soll denn auf meinen Namen etwas bestellen, abfangen.. und wer hat den Schaden? Ich bezahle nichts. Die Opfer sind meiner Meinung nur die Versender bzw. Online-Shops, die sich dann einen Kopf machen müssen, wer bestellt hat. Und dank Vorratsdatenspeicherung sind IP-Daten der Provider nachvollziehbar.
    Ich denke das Problem sind wohl eher gehäckte Online-Accounts, womit dann bestellt wird, und der Händler sagen kann - da wurde per Account bestellt. Könnten sie aber auch so oder so behaupten. Aber dann würde ich eine Bestellbestätigung bekommen, ändert man die Email würde ich auch in Kenntnis gesetzt werden. So - also die Verbraucherzentrale sollte das mal nicht so oberflächlich darstellen. Ist nicht sooo einfach.

  6. 6.

    @Horst: Im ersten Moment klingt Ihr Kommentar etwas paranoid. Aber leider kenne ich Geschichten aus meinem persönlichen Umfeld, die genau solche Fälle beschreiben. Wer nett sein will, ist am Ende der Zahlende.

  7. 5.

    Gut gesagt, aber da man im Betrugsfalle gar nicht der Besteller ist wird man kaum vorher mit der "netten Nachbarin" darüber reden können, geschweige denn, bestimmen zu können, über wem geliefert wird.

  8. 4.

    Dieses Problem ist Haus gemacht. Wer sich sein Paket mit Fedex oder UPS liefern lässt, kann dieses Problem nie bekommen. Beide Paketdienste liefern nur an den Empfänger. Beide Paketdienste bieten diverse Varianten für den Fall, dass man nicht zu Hause ist. Die einfachste besteht darin, vorher mit der netten Dame von nebenan zu sprechen und gleich deren Adresse als Lieferadresse anzugeben. Geht aber eben nur, wenn man mit den Nachbarn redet und nicht nur immer auf sich selbst fixiert ist.

  9. 3.

    Dies ist teilweise richtig. Paketzusteller sind heutzutage dazu angehalten, Pakete möglichst zuzustellen. Ältere Menschen haben es noch gelernt so hilfsbereit zu sein und Sendungen vom Nachbarn entgegenzunehmen. Auch wenn dieser schon mal unbekannt ist. Vielleicht würde man seinen Nachbarn ja so kennenlernen.
    Auch ich durfte mir bereits mein Paket beim Nachbarn aus dem Nebenhaus abholen, der mich nicht kannte. Auf die Frage warum, meinte die freundliche Nachbarin, sie dachte sie macht es einfach. Na ja . . .
    Schlimm finde ich, wenn Sendungen irgendwo in einem Geschäft abgegeben werden. Muss man da per Legitimationen den Ausweis zeigen gegenüber einer Privatperson, wozu eigentlich nur Behörden berechtigt sind ?
    Auf meine Sendungen die alle samt per DHL kommen, lasse ich bei der Online-Bestellung immer vorher schreiben:
    "Keine Ersatzzustellung gewünscht".
    Hat bisher bei DHL immer funktioniert. Und mal nen Eurofuffzig Trinkgeld geben hat auch noch keinen geschadet.

  10. 2.

    Wenn ich ein Paket für den Nachbarn annehme, dann weiß ich nicht, ob man es nicht auf mich abgesehen hat.
    Schließlich könnte man mich durch das Paket auch abhören, wenn da so etwas wie ein Smartphone drin in, das aus der Ferne gesteuert wird.

    Schwierig wird es auch, wenn Herr Nachbar das Paket heute bei mir abholt , ohne Benachrichtigungskarte bzw. nur mit PaketverfolgungsEmail und morgen versucht Frau Nachbarin mit der Benachrichtigungskarte dasselbe Paket nochmals abzuholen.
    Also die Benachrichtigungskarte kassieren, aber nur vom Nachbarn unterschrieben. Sonst kommt der freundliche Nachbar mit Polizei und Durchsuchungsbefehl und findet die "offensichtlich aus dem Briefkasten des Nachbarn geklaute Benachrichtigungskarte". Das "vermisste" Paket findet sie nicht. Die Indizien sprechen dann eher gegen mich.

  11. 1.

    Wenn die Paketzusteller ihren Job machen würden, müssten sie grundsätzlich den Ausweis vorzeigen lassen. Da rächt sich auch die miserable Bezahlung; wenn man nur Kohle sieht wenn das Paket abgegeben wird, hat man für eine Kontrolle keine Zeit.

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