Legehennen in einem Biohof. (Quelle: dpa/ Schutt)
Brandenburg Aktuell | 11.04.2018 | Ute Barthel | Bild: dpa/ Schutt

rbb exklusiv | Aktuelle Zahlen für Brandenburg - Landwirtschaftsminister bestätigt Massenställe für Bio-Eier

Aktuelle Zahlen belegen: Bio ist nicht gleich Bauernhof-Idylle. In den drei größten Anlagen mit Bio-Legehennen in Brandenburg werden jeweils bis zu 39.000 Tiere gehalten, wie der rbb exklusiv erfuhr. Das widerspreche dem EU-Recht, kritisieren die Grünen. Von Ute Barthel

In den drei größten Hühnerställen mit Ökosiegel in Brandenburg werden jeweils bis zu 39.000 Tiere gehalten. Das geht aus einer Antwort des brandenburgischen Landwirtschaftsministers, Jörg Vogelsänger (SPD), auf eine kleine Anfrage der Grünen im Landtag hervor, die dem rbb exklusiv vorliegt.

Insgesamt gibt es 28 Großställe, in denen die Tiere in mehreren Abteilen gehalten werden. Damit bestätigt der Minister im Wesentlichen die Recherchen des rbb vom Januar dieses Jahres, wonach Brandenburger Bio-Eier überwiegend aus Massenproduktion stammen.

Auch die Zahlen des Landesamtes für Ländliche Entwicklung, Landwirtschaft und Flurneuordnung zeigen: Fast die Hälfte aller Bio-Eier-Produzenten hält die Hennen in Großställen mit mehr als 3.000 Tieren. In diesen Anlagen leben insgesamt circa 90 Prozent aller Bio-Legehennen in Brandenburg.

Landesregierung: Kein Verstoß gegen EU-Recht

Nach dem Bericht des rbb im Januar hatten die Grünen von der Landesregierung eine Klarstellung verlangt, wie diese überdimensionierten Ställe mit der EU-Bio-Verordnung vereinbar seien. Denn dort steht in Artikel 12: "Jeder Geflügelstall beherbergt maximal 3.000 Legehennen."

In der Praxis werden die großen Stallanlagen aber in mehrere kleine Abteile mit jeweils 3.000 Hennen unterteilt. Aus Sicht der Landesregierung verstößt das nicht gegen EU-Recht. Sie zitiert ein Schreiben der EU-Kommission aus dem Jahr 2014 an eine Privatperson, laut dem diese Praxis nicht verboten sei.

EU-Kommission: Begrenzung gilt für Gebäude, nicht Abteile

Doch nun hat die EU-Kommission Mitte März 2018 noch einmal klargestellt: Die Maximalzahl von 3.000 Legehennen bezieht sich auf ein Gebäude und nicht auf ein Stallabteil.

Dem Brandenburger Landwirtschaftsministerium war diese Präzisierung bislang offenbar noch gar nicht bekannt. Auf Anfrage des rbb sagte Irene Kirchner, Referatsleiterin im Brandenburger Landwirtschaftsministerium, man werde sich die neue Regelung angucken und nochmal prüfen: "Und wir werden auch nochmal im Länder-Arbeitskreis 'Ökologischer Landbau' diskutieren, ob diese Regelung jetzt weitergehender ist als die, die bisher gegolten hat."

Der grüne Landtagsabgeordnete Benjamin Raschke erklärte am Mittwoch: "Wir fordern die Landesregierung auf, in Zusammenarbeit mit den Ökokontrollstellen umgehend für eine Durchsetzung der Größenbegrenzung bei der Öko-Legenhennenhaltung in Brandenburg zu sorgen. Hierzu muss die letzte Klarstellung der EU-Kommission die Grundlage sein.

Landesbauernverband: "Bio-Ställe müssen auch wirtschaftlich sein"

Hendrik Wendorff, Präsident des Landesbauernverbandes, sagte dem rbb am Mittwoch, Bio-Ställe müssten am Ende des Tages auch wirtschaftlich sein. Es wäre zu einfach, "nur eine Diskussion zwischen groß und klein zu führen". Die Nachfrage nach Bio-Produkten forciere auch den Bau von großen Anlagen. "Der Erzeuger steht auch im Wettbewerb mit anderen Anbietern, die nicht alle aus Deutschland kommen."

Die Grünen und auch Öko-Verbände fordern von der Landesregierung, künftig nur noch kleinere Bio-Hühnerställe mit öffentlichen Mitteln zu fördern und die bürokratischen Hürden für mobile Hühnerställe zu senken. Diese Förderrichtlinien würden in Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen bereits gelten.

Sendung: Brandenburg aktuell, 11.04.2018, 19.30 Uhr

Beitrag von Ute Barthel

Kommentar

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14 Kommentare

  1. 14.

    Nur für Weltfremde ist die Biolüge etwas neues. Wenn du Bioeier möchtest, zieh aufs Land, such dir alte Leuten der Nachbarschaft und kaufe dort deine Eier, vorausgesetzt die Tiere haben dort genügend Auslauf oder sperr dir selbst Hühner ein.

  2. 13.

    Ja, ich habe auch schon lange vermutet: Es werden inzwischen so viele Bio-Produkte verkauft, das kann man gar nicht erreichen wenn man sich tatsächlich an die Bio-Richtlinien hält. Oder wenn doch, dann sind offenbar die Richtlinien wertlos und es gibt nur minimale Unterschiede zur konventionellen Agrarproduktion. Spätestens als auch Discounter wie Aldi mit dem Verkauf von Bio-Produkten angefangen haben, hätte man stutzig werden müssen.

  3. 12.

    Eier sind überbewertet und die damit herzustellenden Lebensmittel auch.
    Die Biolüge ist alt und bekannt, auch bei Getreide, da wird ein Streifen gezogen über das Feld und rechts ist Bio und links konventionell, allerdings bei leichtem Wind ändert sich das ständig ohne Berücksichtigung beim Bioprädikat usw.

  4. 11.

    Das ist nun wirklich nicht unbekannt.
    Diese Art von "Bio"-Haltung ist ein Kompromiss, aber eben so ein typischer, der vom Ansatz nicht weit genug geht.
    So wie die Busspur, die dann zugeparkt wird, Umweltzonen in Städten und es fahren doch alle rein, Nachrüstung beim Diesel, aber bitte nur die Software, wir bauen einen Flughafen, nur die Feuerschutztechnik läuft leider nicht etc., etc...

  5. 9.

    Hier in Berlin/Brandenburg gibt es z.B. die Möglichkeit, anlässlich des Hoffestes vom Ökodorf Brodowin die Tierhaltung zu begutachten. Oder einfach mal Brodowin und Hühner googeln. Das ist auch nur ein Beispiel von vielen, die aufzeigen, dass es zwischen schwarz und weiß noch sehr viel mehr gibt.

    Natürlich ist Ware mit dem EU-Bio-Siegel nicht tierfreundlich, das ist eigentlich gemeinhin bekannt. In konventionellen Supermärkten wird fast ausschließlich EU-Bio angeboten.
    Am besten auf Verbandsware wie Bioland, Naturland oder im Idealfall Demeter zurückgreifen. Diese Waren sind sehr viel hochwertiger, dafür bezahlt man halt auch etwas mehr.

    Ich kaufe nur noch sehr selten Eier, aber wenn, dann nur noch Demeter-Eier. Und wenn die gerade mal nicht verfügbar sind, dann gibt´s halt mal keine Eier.

  6. 8.

    @Horst: Mit "Engeltrick" und "Butterfahrten" liegen Sie aber sowas von falsch. Ich misstraue JEDEM, der zu mir kommt und mein "Bestes" will. Danke - abgelehnt. Das einzige Vertrauen habe ich zu meinen Freunden. Noch heute muss ich den Kopf schütteln, wenn heuztzutage die "Trottel-Touris" immer noch auf Hütchenspieler reinfallen. Oder Spenden für wohltätige Zwecke? Ha - wo das Geld am ENDE landet, erfährt der Gutgläubige dann meist zu spät. Das Geld ist futsch!
    Natürlich helfe ich Notleidenden auch schon mal. Dann aber persönlich und so, dass ich das Ergebnis am Ende auch sehe. Wie schnell tun sich bei Katastrophen plötzlich irgendwelche Organisationen mit ihren Spendenkonten auf. Wer weiß denn wirklich, wo das Geld landet?
    Oft steckt nur ein Profitgedanke dahinter. Die wirkliche Hilfe kommt bei den Opfern meist nur spärlich oder gar nicht an.
    Um zum eigentlichen Thema zurückzukommen: An in Plastik verpackten Lebensmitteln bin ich noch nicht gestorben oder erkrankt.

  7. 7.

    Selber Hühnerhalten - mitten in der Stadt. Ja vielleicht auf dem Balkon .... . Einen Bauernhof, auf dem ich n´mir die Hühnerhaltung anschauen kann, kenne ich leider auch nichtIch habe meine BIO-Eier seit einigen Jahren nur noch direkt im Bio-Handel - hier in Darmstadt bei Alnatura, nachdem ich in einem Jahr um Ostern herum entdeckt habe, dass es bei Alnatura so gut wie keine Eier mehr gab, während es in den Supermärkten noch jede Menge "BIO"-Eier gab.

  8. 6.

    Mit der "zunehmenden Weisheit" sind Sie dann ein Kandidat für den Enkeltrick. Oder den Heizdeckenverkauf auf Butterfahrten. Oder anders formuliert: Alter vor Torheit nicht.

    Nix für ungut. Das dürfte keine Altersfrage sein. Und der "Öko-Freak" dürfte seine Produkte nicht im Supermarkt kaufen. Ehern bei Kleinhändlern o.ä. Ist wohl ehern der Otto-Normal-Bürger, der zumindest ein Bewusstsein für das Tierwohl in den letzten Jahren entwickelt hat.

    Aber ist natürlich eine Abzocke mit den Bio-Siegeln. Eier/Fleisch aus Massentierhaltung, Früchte aus Übersee usw. - absurd. Das Siegel (es sollte nur eins geben) sollten nur für Kleinproduzenten gelten. Aber da spielt natürlich die von der Agralobby gesteuerte Politik nicht mit.

  9. 5.

    So viel BIO wie in Deutschland angeboten gibt, kann auf den mageren BIO-Flächen gar nicht angebaut werden. Von daher muss es um Verbraucherverarsche und um Gewinnoptimierung gehen..

  10. 3.

    Für mich ist dieser Artikel eine Genugtuung. Ich hatte noch nie etwas von diesem "BIO-Wahn" gehalten und mache so etwas auch nicht mit. Allein diese 3 Buchstaben berechtigen schon zu höheren Preisen und sollen dem gutgläubigen "Öko-Freak" das Gefühl geben, er würde damit die Umwelt und die Tiere schützen. In Wirklichkeit ist das alles nur Geldschneiderei.
    Wer von den "Städtern" kann denn im Supermarkt-Regal wirklich beurteilen, was echt und was Betrug ist? So gut wie keiner. Aber macht ruhig, schmeißt euer Geld weiter zum Fenster raus ...
    Das Schöne am Älterwerden ist die zunehmende Weisheit. Und von daher weiß ich schon lange: "Man" wird sein ganzes Leben lang nur verar...t. Jedenfalls wenn es darum geht, aus Gutgläubigkeit Geld zu machen.

  11. 2.

    Nachdem ich den Fleischkonsum schon vor vielen Jahren eingestellt habe, werde ich Eier (bisher hatte ich immer BIO gekauft) nun auch nicht mehr essen.

  12. 1.

    Wer hätte das gedacht, ich finde es immer wieder lustig das Sachen die längst allen bekannt sind, als die totale Neuigkeit hingestellt werden.

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