Fahrgäste verlassen den Berliner U-Bahnhof Alexanderplatz. (Quelle: imago/Jochen Tack)
Video: Abendschau | 25.04.2018 | Florian Eckardt | Bild: imago/Jochen Tack

Aufsichtsratssitzung in Berlin - BVG weiter skeptisch beim Bau des Hines-Hochhaus

Mehrere positive Bescheide stellte der Aufsichtsrat der BVG am Mittwoch aus: Umsatzplus im vergangenen Jahr, 1.000 neue Busse können angeschafft werden. Für das geplante Hines-Hochhaus auf dem Alexanderplatz gab es hingegen kein Go.

Nach der Aufsichtsratssitzung der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) am Mittwoch ist weiter unklar, wie es mit dem geplanten Hochhaus des Investor Hines am Alexanderplatz weitergeht. Nach BVG-Angaben traf der Aufsichtsrat noch keine abschließende Entscheidung. Es sollten erst nochmal Baustatiker und andere Experten prüfen, "ob es bauliche Alternativen gibt, die das Risiko für die U-Bahn gegen Null minimieren", hieß es.

Das Bauprojekt liegt bislang auf Eis, weil die BVG befürchtet, bei den Bauarbeiten könnte Wasser in den benachbarten U-Bahnhof Alexanderplatz oder sogar weitere Bahnhöfe eindringen. Damit das Hochhaus gebaut und der Bebauungsplan beschlossen werden kann, muss der BVG-Vorstand allerdings eine nachbarschaftliche Vereinbarung mit dem Hochhaus-Investor Hines unterzeichnen. Und diese Unterschrift darf der Vorstand nur leisten, wenn der Aufsichtsrat zustimmt.

Der Wohnturm, den die Hines-Immobiliengruppe nach Plänen des US-amerikanischen Architekten Frank O. Gehry dort bauen will, soll 150 Meter groß sein. Unter dem Grundstück liegt der U-Bahnhof Alexanderplatz. Die BVG befürchtet, dass durch den Bau des Hochhauses der 100 Jahre alte U-Bahntunnel im Havariefall so beschädigt werden könnte, dass der U-Bahn-Verkehr am Alexanderplatz zusammenbricht.

Setzungen und massive Risse in den unterirdischen Anlagen seien bei einem Bauvorhaben dieser Größenordnung nicht zu verhindern, heißt es von dem Verkehrsunternehmen. Die BVG geht im schlimmsten Fall davon aus, dass diese Schäden so groß sein könnten, dass 17 U-Bahnhöfe geflutet werden. Das könnte jahrelange Beeinträchtigen des U-Bahn-Verkehrs nach sich ziehen.

Der US-Investor hatte in der vergangenen Woche die Bedenken der BVG als unbegründet zurückgewiesen. Von der Baustelle gehe keine Gefahr für die Berliner U-Bahn aus, sagte Hines-Geschäftsführer Christoph Reschke dem rbb. Hines habe unter anderem technische Schutzmaßnahmen zugesagt und auch ein Versicherungskonzept erstellt.

Aufsichtsrat macht Weg für 1.000 neue Busse frei

In seiner Sitzung am Mittwoch hatte der BVG-Aufsichtsrat zuvor den Weg für Hunderte neue BVG-Busse freigemacht: Die Aufsichtsratsmitglieder stimmten dem Abschluss von Rahmenverträgen zu, wonach die BVG bis zu 600 Gelenkbusse und 350 einstöckige Stadtbusse beschaffen kann. Das teilte das Verkehrsunternehmen mit. Die Fahrzeuge sollen demnach mit umweltfreundlichen Dieselmotoren ausgestattet werden.

Eine Abnahmeverpflichtung bestehe aber nicht, so die BVG. Die Beschaffung sei abhängig von der Marktentwicklung bei den E-Bussen. Es laufe bereits der Vergabeprozess für die ersten 30 elektrischen Busse in einstöckiger Bauart, hieß es. Der Aufsichtsrat der BVG hat zudem den Weg für die Beschaffung weiterer 30 E-Busse im kommenden Jahr frei gemacht. Damit könne ebenfalls das Vergabeverfahren eingeleitet werden.

Plus von 12,9 Millionen Euro im Jahresergebnis

Das Unternehmen präsentierte am Mittwoch zudem positive Zahlen - das Geschäftsjahr schloss es mit einem Plus von 12,9 Millionen Euro im Jahresergebnis ab. Grund seien "stetig steigende Fahrgastzahlen sowie erneut gesteigerte Abonnementverkäufe", teilte die BVG am Mittwoch mit. Demnach konnte das Verkehrsunternehmen sein Ergebnis um 1,2 Millionen Euro gegenüber dem Vorjahr steigern.

Damit schließt die BVG zum vierten Mal in Folge das Geschäftsjahr mit einem positiven Jahresergebnis ab. Die BVG könne nun "gleichzeitig Schulden abbauen sowie wichtige Investitionen tätigen", sagte die Aufsichtsratsvorsitzende Ramona Pop (Grüne). Im vergangenen Jahr sind die Schulden der BVG um 10 Millionen Euro auf 679 Millionen Euro gesunken.

Knapp die Hälfte der Investitionen von insgesamt 380 Millionen Euro entfielen auf neue Fahrzeuge. Außerdem wurde in "leistungsfähige Gleisanlagen, Werkstätten und Betriebshöfe sowie barrierefreie und moderne Bahnhöfe" investiert, sagte BVG-Vorstandsvorsitzende Sigrid Nikutta. Die Ausgaben für die Verkehrsinfrastruktur erhöhte die BVG laut Nikutta von knapp 106 Millionen Euro im Vorjahr auf mehr als 127 Millionen Euro.

BVG feiert Jahresrekord bei Fahrgastzahlen

Bei den Fahrgästen feierte die BVG im vergangenen Jahr einen Rekord: Laut dem Geschäftsbericht [geschaeftsbericht.bvg.de] haben die BVG-Fahrgäste 1,064 Milliarden Fahrten unternommen – 19 Millionen mehr als ein Jahr zuvor und 127 Millionen mehr als vor fünf Jahren.

Auch die Zahl der Stammkunden steige stetig, so die BVG. Im vergangen Jahr gab es mehr als 484.000 Kunden mit Abonnements. Das waren rund 27.000 Stammkunden mehr als im Vorjahr und 139.000 mehr als vor fünf Jahren.

Sendung:  Abendschau, 25.04.2018, 19.30 Uhr

Kommentar

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26 Kommentare

  1. 26.

    Es wurde ja mal von "Fehlerfreundlichkeit" gesprochen, auch wenn das ggf. ein etwas irritierender Begriff ist. Doch das Dahinterliegender ist zweifellos zutreffend. Es gibt keine einzige Technik, die der Mensch 100%ig beherrscht hätte, also müssen mithin Fehler attestiert und in Rechnung gestellt werden. Dies nicht in abgebrühter, sondern vorsorglicher Weise.

    Mit dem Auto ist zugleich die Karamboulage erfunden worden. Deshalb gibt es Geschwindigkeitsbeschränkungen wie auch Appelle, vom Gas zu gehen. Mit der Eisenbahn ist zugleich die Entgleisung erfunden worden. Deshalb gibt es überhaupt ein Eisenbahn-Bundesamt, das die Bahn überprüft. Mit dem Schiff ist zugleich der Schiffsuntergang erfunden worden. Deshalb gibt es Vorschriften für Rettungsboote und eine Logistik, wie zu retten ist. Mit dem Flugzeug ist zugleich der Absturz erfunden worden. Deshalb bekommt zwar dummerweise eine Ryan-Air, nicht aber eine Rudi´s Airline eine Lizenz.

    Mit dem Hochhausbau ...

  2. 25.

    Selbstverständlich gibt es qualitative Unterschiede in der Architektur, und die liegen quer zu Alt oder Neu. Empfindsames Kritierium dabei ist die Einfügung eines Gebäudes in die Stadtstruktur oder aber seine Ausstrahlung als Solitär, als einzigartiger, einprägsamer, unverwechselbarer Bau.

    Der Fernsehturm bspw. fügt sich nicht ein, doch er hebt sich in seiner unverkennbaren Gestalt heraus und ist ein Symbol Berlins in nahezu sämtlichen Zeitschriften schlechthin geworden. Das wird bspw. den Gebäuden entlang der überbreiten Fahrbahn namens Alexanderplatz niemals zuteil werden. Auch nicht den Gebäuden am Potsdamer Platz, die in drei Jahrzehnten eine neue Einkleidung und in sechs Jahrzehnten nach ihrem Abriss eine bloße Fußnote in der Geschichte Berlins sein werden.

    Das geplante Hochhaus könnte überall stehen und somit nirgends: In Nairobi, Dallas oder Stockholm, in Buenos Aires, Addis Abbeba oder Sydney. Oder in Berlin fällt ein Spaten um.

  3. 24.

    Suchen Sie in der Suchmaschine Ihres Vertrauens mal Friedrichwerdersche Kirche. Und jetzt stellen wir und mal vor es gibt im Berliner Sandboden eine Setzung beim Bau des Hauses. Das der Mensch die Technik beherscht glaubt nach Köln und Fukushima niemand mehr. Was machen dann die vielen Fahrgäste?

  4. 23.

    Es stellt sich mir die Frage, warum in so vielen Antworten Partei für den Investor ergriffen wird. Er hat seinen Reichtum sicher nicht 'verdient', wie wir mit täglicher ehrlicher Arbeit. Und genauso wenig wird er seinen Reichtum mit uns teilen, von diesem Haus werden wir nichts positives haben. Sicherlich, womöglich -- aber das möchte ich stark anzweifeln -- einige zusätzliche Steuereinnahmen. Aber sobald es Probleme geben wird -- wie beispielsweise die von der BVG befürchteten Zerstörung der U-Bahn -- werden wieder wir Steuerzahler die Misere ausbaden und bezahlen dürfen.
    Die Kritik an dem derzeitigen Senat kann ich ebenfalls nicht nachvollziehen: Probleme wie die Wohnungsnot, Personalmangel in den Behörden (wie z.B. bei der Feuerwehr, Luftverschutzung Kriminalitätsschwerpunkte, Flughafen u.v.m. sind alle von den vorangehenden Regierungen verursacht. Insofern erscheint es mir als Grund zur Freude, dass CDU und besonders die SPD nicht mehr im Alleingang ihr Unwesen treiben können.

  5. 22.

    Seit wann lässt man sich die Butter vom Brot nehmen und Riesen Investitionen von einer Verkehrsgesellschaft in Frage stelle, wenn nicht gar verhindern? Gibt es keine hoch bezahlten Beamten in den Baubehörden oder zählt hier was anderes?

  6. 21.

    Warum bietet der Investor Schutzmaßnahmen und Sicherungskonzepte, an wenn doch angeblich keine Gefahren bestehen sollen?!

  7. 20.

    Nicht, dass mir besonders viel daran liegt, dass auf dem Alex ein einsamer 150 Meter-Edel-Koloss entsteht, der im Endeffekt die Gentrifizierung vorantreibt - es ist aber dennoch bemerkenswert, dass offensichtlich Senat und BVG die Verhandlungen für den Bau überhaupt so weit haben kommen lassen. Die Idee zum Bau dieses Turmes entstand ja nicht erst gestern, also muss doch gefragt werden: mit welcher Absicht haben einige Schlafmützen vom Senat überhaupt diese Idee des Investors "am Kochen gehalten". Aber eínen Lichtblick gibt es: zumindest hat der Senat nicht von vornherin blauäugug das Baurecht vergeben, sonst wären wohl -wie beim Spreedreieck (ich erinnere an die Schadensersatzzahlung an das Hotel Melia)- Schadensersatzforderungen wahrscheinlich in us-amerikanischen Höhen fällig.

  8. 19.

    Hoffentlich setzen sich die Gegner durch - egal, ob BVG oder Senat oder Anwohner. Wer glaubt, dass man auf unterirdischen Tunneln noch ein Hochhaus draufsetzen kann, glaubt auch, dass man von der Natur ungestraft einen Fluss begradigen kann.
    Man muss den worst case am Alex nicht herausfordern. Hundert Jahre hat es gehalten. Dann kommen ein paar Größenwahnsinnige. Der Statiker und der Architekt haben bestimmt auch eine Versicherung...

  9. 18.

    ...das hoffe ich auch sehr und drücke fest die Daumen, dass es eine endgültige Absage an das Projekt gibt. Ich habe keine Lust, dass das Haus irgendwann alles unter sich begräbt...

  10. 17.

    Wäre es nicht besser, das Hochhaus wird gebaut und man zieht hierzu endlich mal Könner der Statik, des Tiefbaus , etc. zur Seite, anstatt diese LINKE Verweigerungsstrategie einer Frau Lompscher (die nun augenscheinlich über die BVG als Schattenspiel ausgeführt wird) am Alex weiter zu betreiben? Ich denke ja. Denn gerade dort könnte man zeigen, dass deutsche Ingenieurskunst noch existiert und etwas wert ist. Aber Berlin ist irgendwie politisch nur noch peinlich, rückstänidig und politsch sich selbst im Weg stehend. In Berlin geht alles rückwärts - aber nichts mehr vorwärts. Es wäre an der Zeit dies zu ändern. Das Hines wäre ein guter Anfang.

  11. 16.

    Und in 30 Jahren sind die Gebäude von heute auch nicht mehr zeitgemäß. ;) Und heutige Gebäude sind nicht viel hübscher als die DDR-Blöcke, siehe Potsdamer Platz. Die Rückkehr des "Stadtschloßes" finden Sie bestimmt auch ganz dufte, doch ist das zeitgemäß oder eine Rolle rückwärts?

  12. 15.

    Das geplante Hochhaus auf dem Alex die Zustimmung zu verweigern ist das gescheiteste was die BVG tun konnte. Peinliche Baustellen geleitet von unfähigen Ingenieuren haben wir genug in der Stadt. Hoffentlich bleibt es auch dabei und zwar endgültig.

  13. 14.

    Dem Chaos-Senat war das Hochhaus am Alexanderplatz, von Anfang an ein Dorn im Auge. Um da das nicht vorhandene Gesicht zu verlieren, schiebt man jetzt die BVG vor. Starke Leistung!

  14. 13.

    Na, damit hat die BVG doch den Plan von Lompscher (der Ewig-Verweigerin im Hochhausbau >150m am Alex) einen Bärendienst geleistet. Berlin wird weiter nach wünchen der LINKEN schön hässlich "ostmodern" am Alex aussehen. Nur nicht mit der Zeit gehen. Dafür hat man ja auch für einen riesigen Millionenbetrag aus Steuermitteln das ehem. "Haus der Statistik" gekauft, in das man nun weitere Steuer-Millionen werfen will, damit auch dieser DDR-Block erhalten bleibt. Anstatt dort endlich einen zeitgemäßen Bau durch private Hand zu schaffen. Aber die Wiederauferstehung der Ruine der Statistik wird sicherlich unter Lompscher ebenso unter Denkmalschutz gestellt werden. Davon darf man wohl bei dieser schlechtesten Bausenatorin ausgehen. Grausam. Berlin unter RRG ist einfach ein Desaster!

  15. 12.

    Vorher konnte man nicht wissen, das der Bau möglicherweise den U-Bahntunnel gefährden könnte? Wie vergrault man Investoren? Berlin weiß wie. Wir können es uns ja leisten,

  16. 11.

    Umweltfreundliche Dieselmotoren? Schon klar...

  17. 10.

    Also die Schließung Tempelhofs hat die CDU zu verantworten (Diepgen und Wiesmann). Und die letzte Entscheidung zu Tempelhof hat das Volk getroffen - gegen den SPD geführten Senat.

  18. 9.

    Die BVG ist doch nur vorgeschoben um den Willen des Senates umzusetzen so ein Gebäude mit so einem Investor nicht zu bauen weil das nicht zu rot und grün passt ;-)
    Berlin steht sich wie immer, ob ICC oder Tegel, AIR BERLIN oder Tempelhof immer selbst im Weg.
    Und wer ist verantwortlich gewesen und es immer noch, der Regierende Bürgermeister und ehemalige Bausenator.
    Abwählen, sofort damit die Stadt nicht im sozialen Sumpf erstickt den keiner mehr bezahlen möchte.
    Wären die Zinsen auf Kredite realistisch hoch wären wir schon in Gefahr den Haushalt nicht mehr tragen zu können.

  19. 8.

    Mit dem Argument, es könnte ja etwas passieren, dürfte man eigentlich gar nichts mehr bauen. Wenn der designierte Bauherr bereit ist, entsprechende Schutzmaßnahmen durchzuführen, sollte sich die BVG nicht querstellen dürfen

  20. 7.

    Nanu … Warum denn (gar) keine ERDGAS-Busse als Brücken-Antrieb-Technik. ERDGAS verbrennt doch angeblich sauberer als Kraftstoffe aus Erdöl, kommt ohne allzu große Umwelt-Sauereien durch Pipelines direkt vor/in jeden BVG-Betriebshof, man würde das Power-To-Gas-Verfahren unterstützen können, es ist noch einige Zeit energie-steuer-befreit und die BSR fährt doch im wahrsten Sinne des Wortes auch gut damit, oder?

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