Audio: Inforadio | 23.04.2018 | Sebastian Schöbel

Landeskonservator warnt vor Radikalumbau des ICC - "Eine Qualität, die man nicht preisgeben sollte"

Hat das ICC noch eine Zukunft? Um diese Frage wird seit Jahren gestritten. Dass das Gebäude umgebaut werden muss, um weiter nutzbar zu bleiben, ist klar. Doch Berlins oberster Denkmalschützer ist gegen radikale Eingriffe. Von Sebastian Schöbel

Dass das Internationale Congress Centrum ICC nicht Opfer der Abrissbirne wird (wie die Messe Berlin es gerne hätte), hat der Senat bereits beschlossen. Natürlich "müssen die Schadstoffe erst mal raus", sagte Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller und meinte damit das in den 1970er Jahren verbaute Asbest. Ende 2018 soll die Sanierung ausgeschrieben werden, so Müller im Januar, 200 Millionen Euro hat der Senat dafür bereitgestellt. Nach der Sanierung soll das ICC dann für eine weitere Nutzung fit gemacht werden. Müller kann sich "gemischtes Messe- und Kongressgeschäft, mit Hotellerie oder anderen Flächen" vorstellen.

Wirtschaftssenatorin Ramona Pop kann sich das ICC zudem als Kulturstandort vorstellen. Ihre Verwaltung erstellt aktuell ein Nutzungskonzept, das bald dem Abgeordnetenhaus vorgelegt werden soll. Eine Option wird darin definitiv fehlen: "Keine Shoppingmall", so Pop. Die CDU wiederum fordert, dass eine Betriebsgesellschaft für die Sanierung, Vermarktung und den Betrieb des ICCs gegründet wird - das dann auch gleich umbenannt werden soll, in "Innovations- und Congress Centrum", so die CDU in einem Antrag, der am Montag im Abgeordnetenhaus diskutiert wird. "Zur Verdeutlichung des ihm dann endlich neu eingehauchten Lebens."

"De jure ist das ICC ein Denkmal"

Dass das ICC weiter als Messe- und Kongressstandort genutzt werden soll, will auch Berlins oberster Denkmalschützer Jörg Haspel. Der Landeskonservator stellt im Gespräche mit dem rbb allerdings klar: "De jure ist das ICC ein Denkmal, es erfüllt die Kritierien des Denkmalschutzgesetzes." Und zwar nicht nur außen, entlang der futuristischen (recht verdreckten) Fassade, sondern auch im Innenbereich. Damit müsse, so Haspel, die künftige Nutzung des ICC auch "mit der Denkmalpflege ausgehandelt werden". Dass das ICC nicht in der Berliner Denkmalliste steht, spiele keine Rolle, sagt Haspel. In den einschlägigen Handbüchern sei es verzeichnet.

Gerade der Innenbereich aber gilt bei Experten der Messe- und Veranstaltungsbranche als Problem: Nicht nur die Haustechnik ist veraltet, auch die Raumaufteilung entspricht nicht den modernen Ansprüchen. Gegen maßvolle Veränderungen habe er auch nichts einzuwenden, sagt Haspel. Allerdings: Zu radikal dürften die Umbaumaßnahmen nicht werden. Der spezielle Charakter des ICC werde schließlich auch "über das Innere vollzogen".

Vom langgezogenen Tresenflur im Erdgeschoss bis zu den Fallblattanzeigern und den Neonschildern: All das mache das Wesen des Gebäudes als "niedergegangenens Raumschiff ebenso aus wie das Äußere, meint Haspel. "Auch unter Marketinggesichtspunkten ist das eine Qualität, die man nicht leichtfertig preisgeben sollte."

Charme der 70er als Alleinstellungsmerkmal

Vor zu radikalen Änderungen am Gebäude warnt Haspel daher mit Nachdruck: Das Nutzungskonzept müsse sich dem ICC anpassen, nicht umgekehrt. Er wolle kein "Museum für die Kongresstechnik der 1970er Jahre", so Haspel. "Es wird auch Veränderungen geben." Aber alles, was die Einzigartigkeit des Baus zerstört, werde bei ihm auf Ablehnung stoßen. Denn ohne seine Alleinstellungsmerkmale, so Berlins Landeskonservator, werde das ICC auch nur schwer vermarktbar und damit wirtschaftlich lebensfähig sein. "Tatsache ist, dass das ICC als Ort für Berlin und über die Grenzen Berlins hinaus unvergleichlich ist, auch verglichen mit anderen Kongressangeboten, die wir in der Stadt haben. Diese Zugkraft will auch die Denkmalpflege erhalten."

Das ICC nahe des Funkturms wurde 1979 eröffnet und gehört zu den markantesten Gebäuden im ehemaligen Westteil Berlins. Seit Frühjahr 2014 ist es geschlossen, zwischenzeitlich waren dort Flüchtlinge untergebracht.

Kommentar

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Antwort auf [Lothar] vom 25.04.2018 um 11:26
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35 Kommentare

  1. 35.

    Ne, Erichs Lampenladen haben alle“Westberliner“ dazu gesagt. Wir neigen nun einmal dazu bes. Gebäuden Spitznamen zu geben. Wieso sollte ich je dortdrin gewesen sein? Ich fand den Bau potthäßlich. So wie viele Westberliner Probleme hatten/haben mit dem ICC. Meine nur zwei Besuche in Ostberlin fanden keine Begeisterung. Im Gegenteil. Mit mir müssen Sie nicht über Ihren geliebten Osten Debattieren, bin ein unverbesserlicher Wessi;-)

  2. 34.

    1. Asbest! 2. Ich bezweifele, dass eine Mehrheit für den Abriss gestimmt hätte. 3. Er hieß Palast der Republik. Ehrichs Lampenladen haben Besucher gesagt. Und das waren Sie ja scheinbar nicht.

  3. 32.

    So,so mein Kommentar ist unreflektiert? Zum einen habe habe ich ehrlicherweise im Beitrag ( 26) offen geschrieben welch technische Meisterleistung in Erichs Lampenladen steckte und sogar den Fersehturm im Ostteil Berlins gleich miterwähnt. Nicht fair?
    Und nein, zu meiner Zeit in Westberlin hätte ich niemals auch nur im entferntesten daran gedacht mal einen Blick ins Innere des Lampenladens zu werfen. Hätte es zur damaligen Zeit eine Umfrage in ganz Berlin für oder gegen den Palast der Republik gegeben, hätte die Mehrheit für den Abriss gestimmt. Das ICC ist nichtnichten voll mit Aspest. Sie irren sich. Außerdem wurde ein Alternativmaterial als der original Aspest dort verwendet. Name ist mir entfallen. Aber nachzulesen im Beitrag von ( @ Andreas Heinzgen 17).

  4. 31.

    Mal abgesehen davon, dass laut dem verlinkten Tagesspiegel-Artikel sehr wohl Asbest, wenn auch in geringerem Umfang eingesetzt wurde, ist auch Cafco nicht ganz unproblematisch: "Als Ersatzstoff sei Cafco verwendet worden. Dabei handele es sich um eine künstliche mineralische Faser in Bauteilen, die ebenfalls laut EU-Vorschrift bis spätestens 2023 entsorgt werden müssten." https://www.morgenpost.de/berlin-aktuell/article121241175/Neue-Chancen-fuer-das-ICC-Weniger-Asbest-als-befuerchtet.html

    Der Schlußsatz des Tagesspiegel-Artikels sollte einem aber zu denken geben: " Die Rechnung gehe bei solchen Bauten überall nur durch die Zusatzeinnahmen auf: von Hotels und Gastronomie und den Summen, die Messebesucher sonst in der Stadt ausgeben." Wenn der Landeskonservator sogar die Faltblattanzeigen erhalten will, wie sollen dann erhebliche Umbauten seine Zustimmung finden?

    Das ICC mag eine architektonische Ikone sein. Nur darf man die Funktionalität nicht so acht lassen.

  5. 30.

    Ziemlich falsch gelesen und interpretiert. Ich hänge mich sicherlich nicht an irgendeinen Duktus, ich habe schon noch eigene Meinungen.
    Ich sehe die Sache Palast vs. ICC leider so, dass, wie bereits in anderen Kommentaren gelesen, das Symbol des Sozialismus im Herzen der Stadt abgerissen wurde. Der Grund war Medienwirksam die Belastung durch Asbest. Das ICC, ebenso kontaminiert durch Asbest soll aber saniert werden und steht unter Denkmalschutz? Dazu kommt, das aus den Grund das ICC lange Zeit ungenutzt herumstand und Kosten verursachte. Das ICC war bereits in der Planung umstritten, der damalige Bausenator Harry Ristock, dem in der Folge auch noch in dem Zusammenhang der Vorwurf des SPD-Filz gemacht wurde, hat den Bau dann auch durchgesetzt. Ich war übrigens in den 80´ern auch zu vielen Veranstaltungen dort und die Akustik was prima und die Säle waren entsprechend eingerichtet - @ Kati falls Sie das ICC von innen kennen: bei den Tatsachen bleiben.

  6. 29.

    Ich finde Ihren Beitrag dieses Mal reichlich unreflektiert. Wie oft waren Sie im Palast der Republik? Wie viele Veranstaltungen haben Sie dort besucht? Wie oft waren Sie dort im Restaurant? Wie oft waren Sie dort tanzen? Die Presse schreibt, er wäre asbestverseucht gewesen. Also weg damit. Sanierung unmöglich. Das ICC ist ebenfalls voller Asbest. Macht nichts. Wird unter Denkmalschutz gestellt, Sanierung ist sinnvoll. Hier wurde definitiv mit zweierlei Maß gemessen. Der Palast der Republik muss als Symbol der DDR weg. Dafür stellen wir das Schloss der Vorgängergesellschaft wieder auf. Und diese Gesellschaft war besser als die DDR? Fällt mir schwer zu glauben. Lässt aber tief blicken auf den Geist der heutigen.

  7. 28.

    Hat der Landeskonservator auch vor dem Abriss des Palastes der Republik gewarnt??? Sicher nicht, denn der Abriss war eine politische Entscheidung!!! Wegen der SED- Konterminierung des Gebäudes! Übrigens: in diesem Gebäude wurde im Rahmen der friedlichen Wende 1990 demokratisch die einzige, nicht von Alliierten beeinflusste Verfassung verabschiedet! Aber das war und ist ja nicht so wichtig!!! Lieber bauen wir ein lustiges Einheitsdenkmal! :-)

  8. 27.

    Volle Zustimmung! Der Palast der Republik war schau.
    Dat olle Ding an der Autobahn aber jetzt ein Kronjuwel?

  9. 26.

    Hätte,hätte Zigarette. Das ICC steht aber nicht im Osten und was Konzerte dort anbelangt, ich sah und hörte dort die Gruppe“Yes“ in den 90 er Jahren und war sowohl von der Akustik wie auch meinem hinteren Sitzplatz begeistert. Einziger Nachteil waren die Ordner im Saal. Diese ließen es nicht zu im Gang zu Tanzen. Im übrigen leugnet auch sicherlich niemand die technische Meisterleistung in Erichs Lampenladen( siehe auch den Ostberliner Fernsehturm).

  10. 25.

    Hätte das ICC im Ostteil Berlins gestanden, wäre es schon längst Geschichte. Das Gebäude ist hässlich und unfunktional. Vor Jahren wollte ich einmal Karten für ein Konzert kaufen, das dort stattfinden sollte. Selbst die Dame in der Theaterkasse riet mir davon ab. Das Gebäude hat keine Akustik und in dem Saal, in dem das Konzert stattfinden sollte, seien die hinteren Sitzreihen nicht einmal erhöht, so dass man dort nicht mal mehr etwas sehen kann.
    Und zu irgendwelcher Hydraulik: im Palast der Republik ließen sich ganze Sitzbereiche hinein- und herausfahren. Da war die tolle Technik auch kein Grund, das Objekt zu erhalten. Hier wird sich mal wieder alles so zurecht gebogen, wie man es gerade braucht.

  11. 24.

    Das ICC ist nun wie ich finde, zu recht denkmalgeschützt. Was zukünftig damit geschieht bleibt weiterhin offen. Der Palast der Republik war dermaßen mit Aspest verseucht, das am Ende nur ein Stahlgerüst blieb. Der Abriss somit unvermeidbar gewesen. Im übrigen ist das ehem.(neue) Stadtschloß zu einem Großteil aus privater Hand finanziert worden. Leider nicht zur gänze, was ich schade finde. Die zukünftige Nutzung durch das Humboldt-Forum ist eine große kulturelle Bereicherung für uns alle. Ich freue mich schon auf die Eröffnung.

  12. 23.

    @ 21: Tentrum, Architektur ist also nur dann erhaltenswert, wenn man postive historische Bezüge dazu basteln kann?
    Und das ICC ist trotz seiner Parallelen zum Palast der Republik, dessen Abriss ich übrigens auch falsch fand, 'architektonischer Irrsinn'? Haben Sie auch einen Grund für diese Einschätzung, oder ist das nur der hier verbreitete Duktus, alles runterzumachen?
    Jedenfalls sollten wir endlich wegkommen von der Idee, Abriss und Neubau sei eine schlanke und elegante Methode, so lange man nur eine günstige Kostenrechnung dazu aufmachen kann. Abriss und Neubau verursachen enormen Bedarf an neuen, nicht nachhaltigen Materialien, mit der anderswo kostengünstig Natur zerstört wird. Betonproduktion verursacht 9% des weltweiten CO2-Ausstoßes, und Sand wird ein knapper Rohstoff. Mal ganz abgesehen von allem anderen, was in so einem Gebäude steckt.

  13. 22.

    Mal eine Gegenfrage: ist die Errichtung eines Gebäudes, welches an Krieg und Zerstörung durch deren damalige Bewohner erinnert (aber Humboldt-Forum genannt wird um zu kaschieren) auch Stadtschloss genannt, denn besser als der damalige P(B)alast der Republik?
    Der Palast hätte an ein Regime erinnern können, dass durch die Menschen, die darin lebten, zum Fall gebracht wurde. Wäre das nicht auch ein Ansatz gewesen um eine entsprechende Nutzung zum Anlass zu nehmen?
    Im Vergleich dazu ist der Panzerkreuzer Ristock doch auch nichts anderes als architektonischer Irrsinn der späten 70´er, der auch gerne abgerissen werden kann um dort Wohnraum zu schaffen - wie es weit vor der Errichtung dessen so bebaut war.
    Das ICC war zum Zeitpunkt des Abrisses des Palastes auch nicht Denkmalgeschützt. Das hat der Senat lediglich angeschoben, um hier etwas zu zementieren, was jedoch nicht hinreichend begründet ist.

  14. 21.

    Vielen Dank für Ihren fundierten Kommentar. Auf gleicher Grundlage wurde übrigens vor sechzig Jahren der Anhalter Bahnhof nahezu restlos abgerissen (wozu bei der "einsturzgefährdeten" Ruine zahlreiche Sprengversuche notwendig waren): Geschmackloser, austauschbarer Mist aus einer negativ zu betrachtenden Zeit, ohne jeden künstlerischen Wert. Viele danach gebaute Bahnhöfe sahen doch besser aus und waren funktionaler. Also: Abreißen und fertig ist.

    Diese Meinung (seinerzeit allgemeiner Konsens) vertrat übrigens auch der damalige Landeskonservator. Ihm und Leuten wie Ihnen sei gedankt, dass der potthässliche Anhalter Bahnhof nicht wiederaufgebaut wurde, sondern sich dort jetzt ein schmucker Sportplatz erstreckt.

  15. 20.

    Schauen wir einfach mal auf die architektonischen Leistungen. Das ICC ist genial. Aber auch der PdR war genial. Wenn etwas genial ist, braucht es keine Ideologie – oder? Es wurde etwas genial, weil Ideologie im Hintergrund war - in West und Ost.

  16. 19.

    @ 17: Sicherlich bietet der Denkmalschutz einen breiten Interpretationsspielraum zu der Frage, was denn nun zum Erhalt der Gesamtwirkung eines Bauwerks erforderlich ist und was nicht. Ich kenne diese Diskussion z.B. aus der Fenstersanierung bei Altbauten: Hier finde ich es einen guten Kompromiss, die damals übliche Unterteilung von Fenstern in mehrere Segmente einfach durch Zierleisten vorzutäuschen, aber eigentlich moderne Fenster von der Stange einzusetzen. Ganz verzichten möchte ich auf diese Segmentierung aber nicht, weil sie den Charakter eines Gebäudes entscheidend beeinflusst.
    Das tun m.E. auch Fallblattanzeiger (wusste bisher gar nicht, wie die heissen): Sie wirkten auf mich damals supermodern und gehören daher m.E. wesentlich zum Gesamteindruck. Und wenn das ICC wieder für alle nutzbar wird, zahle ich für diese Nostalgie und lebendige Technikgeschichte gern meine Steuern. Und auch den Lohn für die, die sich darum kümmern, dass Gebäude unverwechselbar bleiben.

  17. 18.

    Mir ging es um den teilweise übertriebenen Denkmalschutz, der auch aus der Bemerkung Herrn Haspels wieder deutlich wird - kein Technikmuseum, aber eigentlich doch (z.B. Fallblattanzeigern)

  18. 17.

    Im ICC wurde, entgegen der immer wieder hervorgeholten gegenteiligen Behauptung, kein Asbest verwendet. Siehe dazu hier: https://www.tagesspiegel.de/berlin/messegebaeude-in-charlottenburg-icc-berlin-ex-manager-fordern-sanierung/20261806.html

  19. 16.

    Ihr Vergleich hinkt. Erichs Lampenpalast war niemals Denkmalgeschützt und es gab auch viele Tränen, doch mehr von Seiten der Ostberliner. Das nun das Stadtschloß dort steht ist die bessere Option. Im übrigen ist das ICC weit weniger Aspest belastet als angenommen.

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