24.04.2018, Brandenburg, Schönefeld: Ein Propellerflugzeug vom Typ «Grob» (vorn) und ein moderner Airbus A350 treffen auf der ILA ein. (Quelle: dpa/Hirschberger)
Video: Abendschau | 25.04.2018 | Martin Küper | Bild: dpa/Hirschberger

ILA mit Ausstellung und Flugprogramm - Lärmender Luftkampf über dösendem BER

Lautes Knattern von Hubschraubern und infernalischer Lärm von Düsenflugzeugen - genau das, nämlich ein Aufsehen erregendes Flugprogramm, dürfte in der letzten Aprilwoche etwa 150.000 Besucher zur Luftfahrtmesse ILA locken. Von Johannes Frewel

Wenn die Internationale Luft- und Raumfahrtausstellung am Mittwoch beginnt, kommt wenigstens mal etwas Betrieb auf das Gelände des bisher gescheiterten Flughafens BER. Auf der Südbahn des Flughafens im Dornröschenschlaf starten und landen damit zumindest am letzten Aprilwochenende Flugzeuge - zu Vorführungen aus dem Flugprogramm.

Die ILA, die in diesem Jahr vom 25. bis zum 29. April in Selchow in unmittelbarer Nachbarschaft zum BER läuft, gilt als deutsches Schaufenster für die internationale Luft- und Raumfahrtbranche und zugleich als größte Industriemesse in Ost-Deutschland. Berlin und Brandenburg sind mit den großen deutschen Zentren der Luftfahrtindustrie in Hamburg und München zwar nicht vergleichbar, doch immerhin finden hier 17.500 Menschen Arbeit in dieser hochspezialisierten Industrienische.

Startschuss für Eurofighter-Nachfolger

Von Mittwoch bis Sonntag zeigen die Hersteller, von welchen Produkten sie sich Umsatz und Zukunft erhoffen. Dazu gehören etwa elektrisches Fliegen, klassische Düsentriebwerke mit 75 Prozent weniger Lärm oder auch weitgehend autonom fliegende Geräte für den zivilen wie für den militärischen Sektor. Insgesamt werden mehr als 200 Fluggeräte gezeigt.

ILA-Partnerland ist in diesem Jahr Frankreich. Erwartet wird der Startschuss für die Entwicklung eines modernen deutsch-französischen Kampfjets, der langfristig den Eurofighter ablösen soll. Das Kampfflugzeug wird bisher von Rüstungsunternehmen in Deutschland, Italien, Spanien und Großbritannien gebaut. Seinen Erstflug hatte es 1994 – nicht nur angesichts des technischen Fortschritts ist das lange her. Auch der Brexit dürfte die politischen Gewichte in Europa Richtung Berlin und Paris verschieben. Wer den Auftrag zum Bau des Milliardenprojekts bekommt, ist noch unklar. Spekuliert wird über ein mögliches Entwicklungskonsortium der Rüstungssparten von Airbus und Dassault.

Die Bundeswehr prägt das Erscheinungsbild der ILA

Die aktuellen milliardenschweren Beschaffungspläne des Bundesverteidigungsministeriums locken nicht nur die Defense-Abteilungen europäischer Luftfahrtfirmen zur ILA. Die US-Wettbewerber Boeing und Lockheed Martin werben für die Fähigkeiten ihrer Systeme. Da die Verteidigungsbudgets in den vergangenen Jahren eng waren, leidet die europäische Rüstungsindustrie unter Abwanderung. Ingenieure wechselten in die zivile Luftfahrt, die mit ihrem Wachstum bessere Karrierechancen verspricht. Wohl auch deshalb machen nicht nur der Militärtransporter Airbus A 400, sondern auch andere Rüstungsprojekte Probleme. Da die Eurodrohne einen sehr langen Anlauf braucht, soll vorerst bei einem israelischen Anbieter ein erprobtes und funktionierendes Konkurrenz-Modell geleast werden.

Zwar ist nur etwa ein Drittel der ILA-Aussteller militärisch, doch prägt die Bundeswehr als größter Aussteller mit Dutzenden ihrer Maschinen und Gerät das Erscheinungsbild der ILA. Allerdings – nicht alle grün-oliven Ausstellungsstücke, die mit dem Tieflader kamen, sind noch flug- und einsatzfähig.

Bis zum Himmel und noch viel weiter

Es präsentieren sich 58 Anbieter aus der Region

In Brandenburg sind Rolls Royce und Boeing Leuchttürme der Luftfahrtindustrie. Sebastian Scheiding, Geschäftsführer der Astro- und Feinwerkstechnik Adlershof, lobt vor allem den britischen Konzern, der in der Region zunehmend hochspezialisierte Zulieferer und Forschung um sich schart. Scheidings Unternehmen baut in Berlin Steuerungskomponenten für Kleinsatelliten. Die Region Berlin-Brandenburg hat sich zur Fertigungsnische für solche Satelliten entwickelt, etwa zur Beobachtung von Umweltverschmutzung und Klimawandel.

Auf der ILA präsentieren sich 58 Firmen und Forschungsinstitute aus Berlin und Brandenburg. Darunter der Flugzeugbauer Stemme, der ein Segelflugzeug präsentiert, das eine Stunde elektrisch fliegt oder sich mit Elektromotor zum Segelflug mehrfach selbst in die Höhe schrauben kann.

Um die Kosten der Schau gibt es immer wieder Streit

Die ILA ist zwar ausgebucht, doch zu den lukrativen Highlights der Messe Berlin gehört die Veranstaltung dennoch nicht. "Das liegt im Wesentlichen daran, dass die Durchführung einer Luftfahrtmesse aus unternehmerischer Sicht nicht wahnsinnig befriedigend ist", verrät Messechef Christian Göke. Wer die sehr hohen Kosten der ILA zahlen soll, ist immer wieder Streitpunkt zwischen Bund, Berlin, Brandenburg, Luft- und Raumfahrtverband BDLI, Flughafengesellschaft mit drei unterschiedlichen Gesellschaftern, Messegesellschaft sowie dem Bundesverkehrs- und dem Verteidigungsministerium.

Sendung: RadioBerlin, 25.04.2018, 10:00 Uhr

Beitrag von Johannes Frewel

Kommentar

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15 Kommentare

  1. 15.

    Schön, wenn sie am Flughafen Frankfurt arbeiten und abends in ihrem beschaulichen Thüringen Ruhe finden.
    Diese sollten sie aber auch den Anwohnern in der Nähe des BER gönnen und ihnen nicht den Mund verbieten!

  2. 14.

    Ich komme aus Thüringen und arbeite am Flughafen Frankfurt(Lärm).Fahre seit vielen Jahren zur ILA und freue mich über das (kleine)militärische Flugprogramm.Alle zwei Jahre ein bisschen Lärm.Haltet einfach mal die Klappe!

  3. 13.

    Sehe ich genauso!
    Wir schicken die Eurofighter nächstes Mal über Stahnsdorf, dann kann Rene Arlt bei sich zu Hause vom Liegestuhl aus "ganz in Ruhe" fotografieren und sich den Wahnsinn aus nächster Nähe ansehen!

  4. 11.

    Überflugverbot über „Zuschauer“ ist nach Rammstein wichtig!
    Aber was ist bitte mit uns Anwohnern? Sind wir gezwungenermaßen nicht auch „Zuschauer“?

    Diesmal geht es aber fast zivilisiert zu. Ein Lob an die spanische Patrulla Aguila, die die vorgeschriebene Flughöhe einhält und lärmmäßig erträglich bleibt.

    Die deutschen Eurofighter, die im Tiefflug über Rotberg donnern/röhren, brauchen die Vorschriften wohl nicht einzuhalten?

    Sie versetzen nicht nur unsere Pferde in Angst und Schrecken!!!

    Also Sensationsgeilheit gefördert mit Steuergeldern – übrigens auch die der Anwohner!
    Geschützt werden aber nur zahlende „Zuschauer“?
    Geht doch gar nicht!

    Vielleicht sollten die „Überflieger“ (Überschall-Loopings können übrigens Gehirn schädigen!) doch besser wieder über die Tribünen fliegen – das wäre doch noch sensationsgeiler! Die Eintrittspreise könnten wegen dem „Kick“ weiter erhöht werden!

    … und wir Anwohner hätten endlich Ruhe!!!

  5. 10.

    Mittlerweile wird nur noch gekozt. Das ist typisch Deusch. Man kann sich ja über das "für" und "wider" solcher Veranstaltungen streiten. Allerdings scheint es heutzutag opportun zu sein, alles in den Dreck zu ziehen. Ich bin u.a. Fotograf und sehr dankbar über die zweijährliche Gelegenheit, diesen Maschinen so nahe zu kommen. Auch sehe ich diese Veranstaltung als Bereicherung des öffentlichen Lebens. Heute habe ich z.B. die ANTONOV 225 erstmals gesehen. Das war schon spektakulär. Wer also Dummschwätzt, hat von nix ´ne Ahnung! Also für mich PRO ILA! Hoffe, in zwei Jahren geht es weiter.

  6. 9.

    Die gezeigten kriegspiele on der Luft über bewohnten Gebiet ist mehr als überflüssig
    Der berichterstatter hat sicherlich noch keinen echten Bombenangriff miterlebt?!

  7. 7.

    @wolfgang.

    Das was in Ramstein passiert ist kann nicht mehr passieren da es ein überflugverbot gibt sprich es darf kein Flugzeug oder Hubschrauber über die Zuschauer fliegen wie damals und mir ist nicht bekannt das es sich wiederholt hat.

  8. 6.

    warum stellt die bundeswehr hier überhaupt aus? m.e. gibt es wenig was dort funktioniert. interessant sich er auch mal zu wissen, wer das bezahlt? ich denke der steuerzahler, wozu????

  9. 5.

    Nebenbei bemerkt und ggf. ein sinnbildliches Zeichen in diesem Zusammenhang:
    Auf der abgebildeten Karte ist ein S-Bahnhof abgebildet. Dabei handelt es sich um den S-Bhf. Waßmannsdorf, ebenso fertig gebaut wie derjenige unterhalb des B E R -Abfertigungs- und Empfangsgebäudes. Allerdings wird er selbst nach einer B E R- Eröffnung für die genannte I L A nicht nutzbar sein. Der Grund: Für Großveranstaltungen derlei Art sind bei Bahnhöfen Zu- und Abgänge an beiden Seiten vorgeschrieben, dies wegen der Fluchtwege. Waßmannsdorf hat bei seinen Seitenbahnsteigen allerdings nur einen Zu- bzw. Abgang. Der zweite lässt sich offenbar nicht herstellen.

  10. 4.

    Ist eine Ablehnung gegenüber UNNÖTIGEM lauten Knattern und gegenüber einem UNNÖTIGEN Einsatz von derlei ein "gestörtes" Verhältnis? Das setzt voraus, dass es ein "richtiges" und ein "falsches" Verhältnis dazu gäbe. Das aber ist, mit Verlaub, eher die Sprachterminologie totalitärer Staaten. Ohne mich als Unke zu betätigen, sehe ich eine Tendenz dahin, auch wenn ich nicht einer Hysterie erliegen will.

    Meine persöliche Auffassung mithin:
    Dass ein Bundeswehr-Einsatz sein KANN, kann der bittersten Not entspringen, sich nicht mehr anders helfen zu können. An diesen Geräten auch noch Gefallen zu finden und sich an derlei ungeachtet von Notlagen zu berauschen, das ist mir wesensfremd, da gehe ich persönlich nicht mit.



  11. 3.

    muss nun unbedingt die Bundeswehr dort Vorführungen veranstalten ?
    ich erinnere an Ramstein vor 30 Jahren----
    https://www.google.de/url?sa=t&rct=j&q=&esrc=s&source=web&cd=1&cad=rja&uact=8&ved=0ahUKEwj89fyS_NTaAhXKjqQKHckSAAAQ3ywIKTAA&url=https%3A%2F%2Fwww.youtube.com%2Fwatch%3Fv%3DzL4Fz57Wg1o&usg=AOvVaw1cv2cOmUQDnFr4Qq2yXC76

  12. 2.

    Ich habe nichts gegen lautes Knattern von Hubschraubern und infernalischer Lärm von Düsenflugzeugen ... Ich habe jedoch auch kein gestörtes Verhältnis zu unserer Luftwaffe und zu unseren Soldaten ...

  13. 1.

    Die Berlin Air Show war für mich in den letzten Jahrzehnten immer wieder ein Grund für eine Fahrt nach Schönefeld. Mittlerweile ist aber das Flugprogramm so BW-lastig, dass sich das nicht lohnt. Falls irgendwann der BER öffnet, dürfte auch dieses Restprogramm Geschichte sein.

    Auch hier ist es unverständlich, warum bei dem Andrang die Messe Verluste erwirtschaftet. Genau wie beim ICC sollten sich die Gewinner stärker an den Kosten beteiligen. Warum müssen Verluste immer wieder sozialisiert werden?

    Insgesamt ist deshalb trotz Brexit die Zukunft der ILA kritisch zu hinterfragen. Auch der Zeitgeist, der hiet in D. eine Militärshow für nicht mehr opportun hält, wird die Zukunft der ILA beeinflussen.

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