Teilnehmer der Kundgebung des Vereins «Aktion gegen Arbeitsunrecht» gegen schlechte Arbeitsbedingungen beim Essenslieferdienst «Deliveroo» stehen am 13.04.2018 auf dem Oranienplatz in Berlin Kreuzberg. (Quelle: dpa/Jörg Carstensen)
Video: Abendschau | 13.04.2018 | Marcel Trocoli Castro | Bild: dpa/Jörg Carstensen

Protestaktion in Berlin-Kreuzberg - Deliveroo-Kuriere fordern bessere Arbeitsbedingungen

Sich das Wunsch-Essen per Fahrradkurier liefern lassen ist wunderbar bequem für die Kunden. Für die Kuriere sieht das allerdings ganz anders aus: Schlechte Arbeitsbedingungen und miese Bezahlung sind eher die Regel als die Ausnahme. Deswegen regt sich Protest.

Bei einer bundesweiten Protestaktion haben am Freitag auch in Berlin Fahrradkuriere des Lieferdienstes Deliveroo gegen schlechte Arbeitsbedingungen protestiert. Die Demonstranten fuhren am Nachmittag vom Oranienplatz zur Berliner Firmenzentrale in der Schlesischen Straße. Aufgerufen zu dem Protest hat die Initiative Arbeitsunrecht.

Die Initiatoren werfen dem Bringdienst unter anderem vor, die Gründung von Betriebsräten zu behindern und Fahrradkuriere in die Scheinselbstständigkeit zu drängen. Als solche müssen sich die Fahrer selbst versichern, was ihre Bezahlung der Initiative Arbeitsunrecht zufolge unter den gesetzlichen Mindestlohn drückt.

Gewerkschaft: 50 Prozent der Kuriere freiberuflich tätig

Viele Fahrer beklagen sich zudem über zu wenige Schichten, um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Weitere Kritikpunkte: Die Wartezeiten zwischen den Aufträgen bekommen Fahrer, die nicht festangestellt sind, nicht bezahlt. Und auch ihre Ausrüstung – Fahrrad, Rucksack, Handy - müssen sie selber finanzieren.

Nach Schätzungen der Gewerkschaft FAU in Berlin sind inzwischen 50 Prozent der Kuriere bei Deliveroo freiberuflich beschäftigt. Der britische Essens-Kurier ist bislang in 15 deutschen Städten aktiv. Protestaktionen waren am Freitag neben Berlin auch in Hamburg, München, Köln und Frankfurt am Main geplant.

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9 Kommentare

  1. 9.

    Wieso ist eigentlich die Welt früher ohne diese Kurier-"Jobs" klargekommen.
    Irgendwie ist das nichts Halbes und nichts Ganzes, Lebensunterhalt bei der Tagelöhner-Einstellung? Ich weiß nicht was sie wollen. Erst rennen sie zu den Firmen und sind dann enttäuscht. Also doch was Handfestes erlernen.

  2. 8.

    Wenn einem bestimmte Informationen nicht passen, diffamiert man sie als Propaganda - Supersache, das muss ein sehr überschaubares Weltbild sein, passt aber zum "March for Science" und Wissenschaftsfeindlichkeit. Dass Sie mit ca. 22,73€ Stundenlohn nicht repräsentativ sein und weder Median noch Durchschnittswert des Stundenlohns der Fahradkuriere entsprechen dürften, ist vermutlich dann einfach Ihr ganz persönliches Verständnis von "Information", auch in Bezug darauf, in welcher Position Sie für Deliveroo gearbeitet haben. "Details", nicht wahr?

  3. 6.

    Und das ist erst der Anfang. Besonders im Dienstleistungssektor wird es immer mehr Schwarze Schafe geben, die ihre Mitarbeiter*innen schamlos ausbeuten, nur um Reibach zu machen. Am Ende heißt es nur ganz lapidar: immer weniger Arbeitslose in Deutschland.

  4. 5.

    Ich hab gestern für Deliveroo gearbeitet und ungefähr 250 € (Netto)über 11 Stunden erwirtschaftet. Information ist eine Sache, Propaganda eine andere.

  5. 4.

    Ich kann nicht verstehen, warum man so einen solchen Job macht, annimmt. Dabei unterstützen die Fahrer noch so ein 'schweine' Unternehmen. Den Menschen essen zu liefern, die zu faul sind, sich was zukochen, auch hier Unterstützung zur Unfähigkeit. von den Nahrungmitteln und der Qualität ganz zu schweigen, oder wo kommt das Essen her? Billigpizzeria? Wo auch Leute mit Hungerlohn bezahlt werden? Auch hier geben die Fahrer Unterstützung, dass das funktioniert. Und wie gefährlich der Job ist habe wir ja gehört, Stress im Straßenverkehr und gegen die Verkehrsregel verstoßen. Also wirklich, braucht die Menschheit einen solchen Lieferservice? Ich finde, nein und sage, selbst entschieden zu dem Wahnsinn und kein guter Beitrag zur Gesellschaft. Macht was anderes oder Hartz IV, auch wenig, aber nicht gefährlich und frei den ganzen Tag,.Den Rest von der Tafel .die Zeit lieber nutzen, um was Sinnvolles zumachen oder zu überlegen, wie es auch anders geht. sorry, null Verständnis.

  6. 3.

    15 Kuriere vielleicht von einer Flotte von über 700 Fahrer. Sehr representativ!

  7. 2.

    Es ist schon ein paar Tage her, aber auf (einem) öffentlich-rechtlichen Sender(n) lief die NDR-Doku "Kuriere am Limit? - Heiße Ware per Fahrrad". Sie schildert kurz (30 min.) den Alltag und die Herausforderungen, vor allem aber die "modernen" Arbeitsbedingungen, die die absolute (technologische) Kontrolle und maximale Prekarisierung und Ausbeutung der Beschäftigten beinhalten gegenüber zynisch-süßholzraspelnden Arbeitgebern des Neoliberalismus. Diejenigen, die die eigentliche Arbeit erledigen, stehen ganz unten, währenddessen diejenigen, die die Organisationsstruktur und Logistik vom Schreibtisch aus bereitstellen, Profite zählen und investoreninteressen bedienen. Es geht sowohl um Foodora als auch um Deliveroo.

    Hier der Link:
    http://www.ardmediathek.de/tv/DIE-REPORTAGE/Kuriere-am-Limit-Hei%C3%9Fe-Ware-per-Fahrr/NDR-Fernsehen/Video?bcastId=3856484&documentId=51042302

  8. 1.

    Bevor ich solch einen Job annehme erkundige ich mich doch über alle Einzelheiten, ob festangestellt oder freiberuflich,
    ob ich davon Leben kann. Sicherlich mußten die Leute einen Vertrag unterschreiben.
    Nun ist das Geschrei groß.

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