Kurz vor dem Start der dritten Verhandlungsrunde im Tarifstreit für den öffentlichen Dienst unterhalten sich Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU, r) und der Verdi-Vorsitzende Frank Bsirske (l). (Quelle: dpa/Ralf Hirschberger)
Audio: Brandenburg aktuell | 15.04.2018 | Andreas B. Hewel | Bild: dpa/Ralf Hirschberger

Tarifverhandlungen im öffentlichen Dienst - Seehofer spricht von Annäherungen

In der dritten Runde der Tarifgespräche für den öffentlichen Dienst nähern sich beide Seiten einander an - zumindest in einigen Fragen. Am Montag sollen die Gespräche in Potsdam weitergehen, bis dahin haben die Expertengruppen noch einiges zu tun.

Die Tarifverhandlungen in Potsdam für die 2,3 Millionen Beschäftigten im Öffentlichen Dienst sind bis Montagmittag unterbrochen worden. Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) als Verhandlungsführer des Bundes sagte am Sonntagabend, es habe Annäherungen in Einzelfragen gegeben. Bei der Höhe und der Struktur des Abschlusses gebe es aber nach wie vor unterschiedliche Positionen. In einer Erklärung der Tarifpartner heißt es, bis Montag sollten Expertengruppen weitere Berechnungsmodelle erstellen und Möglichkeiten für eine Annäherung ausloten.

Beide Seiten zuversichtlich

Vor Beginn der dritten Verhandlungsrunde hatten sich beide Seiten optimistisch gezeigt, dass ein Durchbruch erzielt werden könnte. 

"Ich gehe fest davon aus, dass wir am späten morgigen Tag oder am frühen Dienstag auch eine Einigung haben", sagte etwa der Vorsitzende des Beamtenbundes dbb, Ulrich Silberbach, unmittelbar vor dem Start der Gespräche in Potsdam. Auch Verdi-Chef Frank Bsirske erklärte, sowohl bei der Höhe als auch bei der Struktur des Abschlusses hätten beide Seiten in den letzten beiden Runden noch sehr weit auseinander gelegen. "Aber bei den Signalen, die ich nun empfange, sollte es gelingen können, in der dritten Verhandlungsrunde zu einem tragfähigen Kompromiss zu kommen."

Innenminister Seehofer bekundete seinen Willen, zu einem Ergebnis zu kommen. "Wir werden uns bemühen", sagte der Verhandlungsführer des Bundes am Sonntag bei seiner Ankunft in Potsdam, wo ihn hunderte Demonstranten mit Sprechchören und Pfeifkonzerten erwarteten.

"Eine Zwei vor dem Komma wird definitiv nicht reichen"

Für die Tarifverhandlungen für die mehr als zwei Millionen Beschäftigten des öffentlichen Dienstes von Bund und Kommunen sind zunächst zwei Tage angesetzt. Möglich ist aber auch eine Verlängerung bis Dienstag. In den vergangenen Tagen hatten massive Warnstreiks unter anderem Teile des Nahverkehrs in Deutschland lahmgelegt und den Flugverkehr gestört.

Verdi und der Beamtenbund dbb fordern sechs Prozent mehr Lohn bei einer Laufzeit von zwölf Monaten, mindestens aber 200 Euro pro Monat zusätzlich. Der Abschluss müsse auf jeden Fall höher ausfallen als vor zwei Jahren, bekräftigte der Verdi-Chef. Damals gab es in einem ersten Schritt 2,4 Prozent und in einem weiteren Schritt 2,35 Prozent mehr bei einer Laufzeit von 24 Monaten. "Wir haben das letzte Mal jahresbezogen eine Zwei vor dem Komma gehabt", sagte Bsirske: "Das wird definitiv nicht reichen."


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12 Kommentare

  1. 12.

    Was für ein gequirlter Quark. Früher gabs die gleichen Ergebnisse mit anderen Standardsätzen: Das widerspricht Gottes Werk! Ein Anhebung vor allem der niedrigen Löhne ist nicht "DDR" Es wirkte der statistisch-wissenschaftlich-seriös und nicht bloss gefühlten Einkommensschere entgegen, die den sozialen und ökonomischen Frieden, letztlich unsere Gesellschaft gefährdet. Demokratie nützt ja auch nichts, wenn so viele 40 - 50 Prozent ihres Einkommens für ne Wohnung, Licht, Heizung, Wasser drin bezahlen. Kommt dann immer so ein Schwadronierer - wüsste mal gern, weiss es nicht, und denk doch hässlich - wahrscheinlich einer von denen, die jetzt Internet können, der Demografie wegen aber in 5 oder 10 Jahren gar nicht mehr unter uns weilen - und erklärt uns: Das es anders gehen muss heisst doch gleich und immer "DDR"
    Die ist sicher nicht an zu niedrigen Löhnen gemessen an den Lebenshaltungskosten und prekären Arbeitsverhältnissen eingegangen.

  2. 11.

    Man braucht nicht aus sozialer Ader Lohnerhöhungen verhandeln, wenn man die Schere auseinandertreibt zumal in den oberen Lohngruppen gar kein sozialer Bedarf besteht.
    In der DDR hat nicht jeder das gleiche verdient, es wurde nach Beruf und Qualifizierung genauso unterscheiden, es gab auch keine Jobber die die Arbeit wegnamen da auch (fast) jeder einen Beruf hatte. Die Miete für eine Altbauwohnung war ~30 Mark und Neubau-2 Raum 97,50 M. TV, Waschmaschine, Gebrauchtwagen konnte man natürlich nicht auf einen Schlag kaufen, aber der ÖPNV war prall mit Fahrzeiten.
    Jetzt rechnen Sie mal den Umrechnungskurs Ost-Mark nach DM nach Euro nach derzeitigen Mietspiegel.
    Vorschlag: Jeder bekommt den gleichen Betrag mehr anstatt Prozente. Weil die Butter oder Brot wird nicht nach Verdienst in Prozenten verkauft, sondern kosten für jeden gleich.

  3. 10.

    Lieber Schlaufux,
    wenn alle das gleiche verdienen(tritt ein wenn die unteren immer mehr bekommen als die oberen Gruppen) dann sind wir in der DDR und in der hat es aus irgendeinem Grund einen Aufstand gegeben ...

  4. 9.

    Die Prozenterei ist absoluter Schwachsinn und zeigt die Inkompetenz und Arbeitnehmernähe der Gewerkschaften.
    Deswegen treten auch immer mehr Berufstätige aus dem Gerwerkschafts-Sumpf aus.
    Es kriegt immer ein höher Bezahlter bei Prozenten am Ende mehr. Warum nicht Lohnerhöhungen in Bezug auf Lohngruppen, z.B.
    Lohngruppe 3 bekommt 10% mehr,
    Lohngruppe 6 bekommt 7% mehr,
    Lohngruppe 11 bekommt 1% mehr.
    Sachgebietsleiter oder Abteilungsleiter (nicht AT) brauchen diese "Geschenke" nicht, die nehmen das mit, obwohl kein sozialer Bedarf ist, die kaufen sich dann ein zweites Segelboot wenn die Knete zusammen ist

  5. 8.

    @Alfred Tetzlaff: Fern jeder Realität, vor Schreiben, Gehirn einschalten bitte. Wenn alle öffentlich geleisteten Dienste privatisiert werden würden, könnte sich das kein Mensch mehr leisten, einschließlich Tetzlaff

  6. 7.

    Wer weis was? Bvger tätig als Busfahrer, Strassenbahenfahrer o. U bahnfahrer im öffentlichendienst in Berlin zählen die auch zu den 2,3Millionen beschäftigten? Ich lese hier nur was von dbb mit verdi.

  7. 6.

    Und würden damit also alle öffentlichen Leistungen der Privatwirtschaft überlassen? Bin gespannt, welche Leistungen sie sich dann noch leisten können, oder ob Sie z.B. ihren Müll lieber selbst zur Deponie fahren, für Entgeltersatzleistungen lieber in einen Fond einzahlen und dann hoffen, davon mal was abzubekommen, und und und. Der öffentliche Dienst sorgt für eine funktionierende Gemeinschaft. Die Leistungen sind nun mal nicht auf Profit ausgerichtet, welcher beim MA zu einer Lohnsteigerung führen könnte. Aber trotzdem sollte jeder MA des öffentl. Dienstes am Wachstum unseres Landes profitieren und damit die Branche und deren Zukunft (personell) gestärkt werden.

  8. 3.

    Statt eines Diesel-Fahrverbotes sollte der öffentliche Dienst verboten werden!

  9. 2.

    10 % für die ersten 12 Monate und 15% für die zweiten 12 Monate , aber mindestens 200 € NETTO wären angebracht!

    Über solidarisches Grundeinkommen diskutieren, aber die eigenen Angestellten verdienen einen Hungerlohn!

    Schämt Euch Bund und Kommunen und die Länder gleich mit, auch wenn die noch nicht in den Verhandlungen sind.

  10. 1.

    Seehofer bleibt gar nichts anderes übrig, will er weiterhin motivierte Mitarbeiter*innen im öffentl. Dienst haben. Außerdem ist es dringend erforderlich die Löhne anzugleichen. 6% sind beiweitem nicht überzogen.

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