Das ICC in Berlin (Quelle: rbb/Abenschau/S.Wert)
Video: rbb|24 | 23.05.2018 | Sebastian Schöbel | Bild: rbb/S.WERT

rbb-exklusiv | Potenzieller Investor sagt ab - Kein Retter fürs ICC in Sicht

Das ICC soll wieder Kongresshalle werden. Das jedenfalls will der rot-rot-grüne Senat, er braucht dafür aber einen Investor. Die Suche soll bald beginnen - doch sie wird wohl schwierig. Ein prominenter Kandidat aus Berlin hat bereits abgesagt. Von Sebastian Schöbel

Die Suche nach einem Investor für das marode Kongresszentrum ICC könnte sich schwieriger gestalten als bisher angenommen. Ein prominenter Kandidat, Estrel-Chef Ekkehard Streletzki, will nicht am Verfahren teilnehmen.

Der Senat habe ihn in der Vergangenheit wegen des ICCs angesprochen, sagte Streletzki im rbb-Interview. Dann aber habe er lange Zeit gar nichts mehr von der Politik gehört - und nun sein Interesse verloren. "Das ist für uns nicht mehr so interessant. Da muss sich die Messe drum kümmern", so Streletzki.

Er konzentriert sich stattdessen auf den Bau des 175 Meter hohen Estrel-Towers in Neukölln. Der soll unter anderem noch mehr Platz für Kongresse bieten. Der Tower soll das Estrel-Hotel ergänzen, das mit über 1.000 Zimmern der größte Hotelkomplex Deutschlands ist. Dort findet auch eine Vielzahl von Konferenzen und Kongressen statt.

Landesregierung hofft auf Wiederbelebung

"Ich finde es schade", sagte der baupolitische Sprecher der CDU, Christian Gräff. "Der Umgang mit ihm ist nicht angemessen gewesen." Gräff forderte vom Senat, dass dieser ein Konzept für das ICC und seine Umgebung vorlegt.

Die Messe Berlin will das riesige ICC am liebsten loswerden. Es verfügt trotz seiner Größe über nicht genügend nutzbare Fläche und ist kaum rentabel zu betreiben, sagen Experten.

Die rot-rot-grüne Landesregierung wiederum will den 70er-Jahre-Bau, der seit 2014 leer steht, sanieren und wieder zum Kongresszentrum machen - mit Hilfe eines privaten Investors. Für die Schadstoffsanierung stellt das Land Berlin 200 Millionen Euro bereit. Der Investitionsbedarf beim ICC liegt laut der Senatsverwaltung für Wirtschaft allerdings bei mindestens 500 Millionen Euro.

Das Konzept für die zukünftige Nutzung und damit die Grundlage für die Investorensuche wird derzeit zwischen den Senatsverwaltungen abgestimmt. Auf Nachfrage des rbb erklärte Berlins Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne), man werde die landeseigene Messe GmbH nicht gegen ihren Willen als ICC-Investor ins Spiel bringen. Dazu habe der Senat kein Recht und das sei auch richtig so, sagte Pop. "Die Berliner Messe wird sicherlich auch künftig beim ICC eine große Rolle spielen", so Pop. "Welche Rolle das ist, werden wir in diesem Verfahren miteinander vereinbaren."

FDP und AfD wollen ICC ans U-Bahn-Netz anschließen

Noch bevor die Ausschreibung für die Sanierung offiziell geworden ist, reifen anderswo bereits viel größere Pläne. Der wirtschaftspolitische Sprecher der FDP, Florian Swyter, schlägt vor, den unter dem ICC gebauten U-Bahnhof ans bestehende BVG-Netz anzuschließen. "Gerade bei einem modernen Verkehrskonzept wäre ja ohnehin der Umbau des Dreiecks Funkturm geplant", sagte Swyter dem rbb. "Insofern fände ich einen U-Bahn-Anschluss folgerichtig."

Auch die AfD unterstützt die Idee und hatte kürzlich auch einen potentiellen Investor ins Abgeordnetenhaus eingeladen, der ähnliche Pläne für das ICC verfolgt. Neben einem Hubschrauberlandeplatz und einem Hotelneubau schlug er auch die Ertüchtigung des unterirdischen U-Bahnhofs vor. Allerdings wirkte sein Finanzierungskonzept in den Augen einiger Abgeordneter nicht glaubwürdig: Der Geschäftsmann aus dem Märkischen Viertel behauptet, über einen Partner im Besitz mexikanischer Goldbonds zu sein, die diese Investition absichern sollen. "Von den Zielen, die er verbindet, die Revitalisierung des ICCs als vernünftiges Kongresszentrum, ist das ganz vernünftig", rechtfertigte Frank-Christian Hansel, parlamentarischer Geschäftsführer der AfD, die Einladung des Mannes. "wie er unternehmerisch überzeugt, ist nicht unsere Sache. Uns ging es darum, zu zeigen, was man mit einem Investor vom Ergebnis her darstellen kann."

Der Bahnhof unter dem ICC wurde einst als mögliche Station der Linie U1 errichtet, die allerdings nie über den Bahnhof Uhlandstraße hinaus verlängert wurde. Heute dient der ICC-Bahnhof als Lagerraum. Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne) zeigte sich auf Nachfrage des rbb skeptisch: Das ICC sei bereits mit der S-Bahn gut zu erreichen. Alles weitere sei Thema für die neue Nahverkehrsplanung, die im Sommer vorgelegt werden soll.

Sendung: Inforadio, 23.05.2018, 6:00 Uhr

Kommentar

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18 Kommentare

  1. 18.

    verstehe die diskussionen gar nicht.
    beim palast der republik ging es doch auch nicht um asbestsanierung, obwohl die moeglich gewesen waere, weil sie die gleiche britische firma anbot, die sowohl im palast als auch im icc den asbest bei baum auftrug.
    und so wie beim palast der republik sollte es auch beim icc darum gehen, wie eberhard diepgen es einst so schoen formulierte, wir entscheiden nicht, dass wir abreissen, sondern wir entscheiden, ob wir wieder aufbauen, nachdem wir abgerissen haben.
    jeder ostberliner und ehemalige ddr-buerger haette sich eine so intensive und vorsichtige und zoegernde befassung mit dem asbestproblem des palastes gewuenscht, wie das nun schon seit jahren mit dem icc zelebriert wird.
    aber ich bin sicher, da werde ich hier umgehend belehrt, dass ich aepfel mit birnen vergleiche oder?

  2. 17.

    Natürlich ist das Gebäude nicht schuld an der seinerzeitigen und teilweise ja auch heute noch betreffenden Misere. Es ist nur der gebaute Höhepunkt davon.

    Es symbolisiert sozusagen die "Krönung" dieses ganzen Denk- und Handlungsansatzes und für mich ist das dem Gebäude anzusehen. Aber mit unterschiedlichen Empfindungen dazu kann ich gut leben.

  3. 16.

    Der regierende Bürgermeister vorab Bausenator hat bereits so viel guten Umsatz durch die ausgefallenen Kongresse unter seiner Verantwortung vergeigt das die Steuern darauf gereicht hätten das Gebäude anständig weiter zu betreiben. Ein Umbau als Erstaufnahme war ja auch möglich.
    Doch der Billig und Rucksacktourismus boomt und kostet den letzten Berlinern die noch Steuern zahlen ihre eigene Infrastruktur.
    "Müller go home !"

  4. 14.

    Ganz klar. Da möchte ich Ihnen nicht widersprechen. Das ICC bezieht sich auf das Messegelände, auf die AVUS, d. h. auf reine Autoverkehrsstraßen vorn und hinten bei Aussparung eines menschenfreundlicheren Verkehrs. Radfahrende haben ja seinerzeit noch ihr Rad schultern müssen, um in Richtung Witzleben durch den Tunnel zu kommen, zu Fuß Gehende fühlen sich regelrecht eingequetscht. Der Bezug ist schon da, nur eben allein auf eine technische Utopie hin, die sich an jedem Autobahnkreuz, eben auch in besagter Wüste ausbreiten könnte. Zur bewohnten "Stadtkante" hin gibt es immer einen klaren Bruch.

    Jemand aus dem weitläufigen Bekanntenkreis wohnte mal am Spiegelweg. Das nackte Grauen.

  5. 13.

    Um Ihre Frage zu beantworten: ja es ist Kunst. Befassen Sie sich alleine mal mit dem Aufbau( auf Säulen errichtet).Das alleine ist schon eine Meisterleistung. Hätte Honni sich bei der Außengestaltung beim Palast d.Republik mehr Mühe gegeben,würde dieser vermutlich noch stehen und es gäbe jetzt nicht dieses Stadtschloß an seiner Stelle.

  6. 12.

    Ihr letzter Satz hinkt. Das ICC wurde damals errichtet in Zusammenhang mit dem Messegelände und nicht der Wohngegend wegen gebaut. Deshalb steht es ja auch abseitig und extra versetzt dort. Im übrigen hatte der Palast der Republik eines gemeinsam mit dem ICC, beide hatten,haben ein beachtliches Innenleben. Technische Meisterleistung eben.

  7. 10.

    Ich würde es mal so formulieren: Es ist Kunst und sollte weg. Nicht unbedingt zerstört und unwiderbringlich verloren, sondern wenn irgendwie das Geld dafür reicht, weg und versetzt an einen anderen passenderen, mehr von Technik bestimmten Ort. Die Wüste - ernsthaft ! - nannte ich, ein Autobahnkreuz fernab aller urbanen Umgebung und anders als in Berlin, käme auch in Frage.

  8. 9.

    Ist das Kunst oder kann das weg...

  9. 8.

    Lothar, ich hasse garnichts. Ich gebe nur meiner Empfindung kund, dass sich dieser Bau auf nichts und rein garnichts bezieht. Mit Wüste meine ich das tatsächlich so.

    Es geht mithin um den Bezug von Gebäuden zum Stadtraum, was ja soviel heißt, dass nicht jedes Gebäude an jedem x-beliebigen Ort stehen kann. Das wäre ja auch die eigentiche Schwierigkeit des Palastes der Republik: Ein richtiges Gebäude am völlig unpassenden Ort, wo gerade dieser Platz Ausgangspunkt für die Straße Unter den Linden ist. Der Ausgangspunkt kann architektonisch nicht geringer geachtet werden als der Schlusspunkt, das Brandenburger Tor. Das aber hat vom Palast der Republik nun wirklich niemand behauptet, dass er gleichauf mit dem Brandenburger Tor steht.

    So steht auch das ICC für alles Mögliche, nur nicht für eine urbane Umgebung.

  10. 7.

    Beide sind/waren meiner bescheidenen Meinung nach - architektonisch erhaltenswert, der Palast außerdem auch als DenkMal der deutschen Geschichte: nicht der unsäglichen SED-Parteitage wegen, sondern weil hier ein demokratisch legitimiertes deutsches Parlament - unabhängig vom direkten Einfluss von Alliierten - eine Verfassung verabschieden konnten!!! Aber der Erhalt war ja politisch nicht gewollt, für das ICC gibt's bestimmt einen "Rettungsschirm"....

  11. 6.

    Mit Verlaub, Sie müssen ja dieses architektonisch einmalige Gebäude schon sehr hassen, um sich zu solch minimalistischen Kommentar heranzulassen. Ging mir bei Erichs Lampenladen übrigens auch so, obwohl kein Vergleich.

  12. 5.

    Mit Verlaub und um es ohne Umschweife zu sagen:
    In einer Wüste wäre dieser Bau sogar noch architektonisch erhebend, eingebettet in einen vielfältigen Stadtraum schlägt er allem, was ist, wüst entgegen. Dagegen ist das gleichfalls während dieser Zeit gebaute "Centre Pompidou" in Paris noch glatter Humanismus.

  13. 4.

    Kein Retter in Sicht, Berlin hat kein Geld.
    Was soll's? Dann muss der Kasten weg.
    Letztlich ist der, wörtlich und sichtbar, architektonische in den 70'Jahre gebaute, der damaligen Moderne verschrieben, Klotz nur ein Euro-Grab, dessen Tage schon seit Jahren abgelaufen ist.
    Mag sein, der West-Berliner identifiziert sich damit, wie mit dem abgeranzten Bhf. Zoo oder der Billigmarktmeile K'Damm, aber ein modernes Parkhaus hat da auch seinen Reiz.

  14. 3.

    Abreissen und den Panzerkreuzer "Ristock" abwracken - ganz einfach.

  15. 2.

    Warum braucht man einen privaten Investor? Die Messe Berlin GmbH gehört dem Land Berlin. Wenn der Senat also möchte, dass das ICC artgerecht als Kongresszentrum betrieben wird, was ich ausdrücklich begrüßen würde, dann muss der Senat das über den Aufsichtsrat der Geschäftsführung befehlen. Und wenn die Geschäftsführung da nicht mitzieht, muss sie eben ausgetauscht werden. Ich verstehe nicht, warum der Senat sich von einer landeseigenen Gesellschaft so dermaßen auf der Nase herumtanzen lässt.

  16. 1.

    Jetzt einmal jenseits davon, diesen Aspekt überzustrapazieren, so drückt doch nahezu jedes markante Bauwerk immer etwas aus. Der zeichnende, gestaltende Mensch namens S. Wert hat dies oben m. E. treffend ins Bild gebracht: Für mich ist dies ausschließlich eine technische Utopie. Selbst die unendliche Serie der Fahnen sind dem exakt gleichen Wind unterworfen. Das habe ich im Laufe meines Lebens nicht einmal zwischen zwei oder drei Fahnen tatsächlich gesehen, dass die exakt in Reihe wehen. Vielleicht sind´s ja auch - vorgeschlagen - Metallfahnen, damit der Wind nicht so weht, dass er alles in Unordnung bringt ...

    Die Bildgestaltung, die das "Wesen" des ICC eben treffend abbildet, verkörpert mehr die Gestaltung eines Mahnmals menschen"feindlicher" Gestaltung der Mittsiebziger. Die Antwort darauf war dann eine kleinteiligere, menschen- und stadtnähere Bebauung ab Anfang der 1980er.

    AfD und FDP schwelgen im Rausch von Größe.

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