Baustelle auf der A15 mit Absperrung aber ohne Baustelle
Video: Brandenburg aktuell | 22.06.2018 | Sascha Erler | Bild: rbb

A15 zwischen Vetschau und Cottbus - Die Geisterbaustelle am Rand des Spreewalds

Autofahrer auf der A15 wundern sich: Seit knapp drei Wochen schleichen sie zwischen Vetschau und Cottbus an einer Baustelle vorbei - auf der nicht gebaut wird. Aus einem kuriosen Grund: Die zuständige Baufirma... kommt einfach nicht. Von Sascha Erler 

Baustille auf der Baustelle: Die A15 zwischen Vetschau und Cottbus bildet seit knapp drei Wochen ein Bild, das jeden Autofahrer zur Raserei treiben würde. Zehn Kilometer Asphalt sind mit rot-weißen Schildern abgesperrt – doch weit und breit nur ein einsamer Arbeiter. Der kommt zweimal am Tag vorbei und setzt die Baustelle mit blinkenden Warnlampen ins rechte Licht. Mehr nicht.

Die Absperrung wird von einem Subunternehmen betreut. Die Baustelle selbst aber fehlt.

Zuständige Firma rührt sich nicht

"So einen Fall hatten wir noch nicht, dass die Verantwortlichen sich nicht haben blicken lassen", sagt Thomas Mattuschka vom Landesbetrieb Straßenwesen. In Sachen Bauleitung ist hier seit Wochen nichts zu sehen. "Ich denke, die Firma ist absolut nicht leistungsfähig, irgendwas ist das passiert und wir wissen im Moment nicht so richtig weiter."

Viel Betrieb herrscht bei der zuständigen Firma in Welzow nicht. Sie hatte letztes Jahr die Ausschreibung gewonnen, wurde zum Jahreswechsel aber verkauft. Jetzt gibt es einen neuen Eigentümer und offenbar Personalmangel. Interviewpartner für den rbb gibt es auch nicht. Aber immerhin eine schriftliche Erklärung: "Da die mit der Leitung des Bauvorhabens eingesetzten verantworlichen Bauleiter und Polier leider nicht mehr zur Verfügung stehen, musste die Baustelle vorerst beräumt werden. Sobald fachlich geeignetes Personal in das Bauvorhaben eingearbeitet ist, ist die Weiterführung des Bauvorhabens geplant. Eine Gefährdung der termingerechten Endfertigsstellung ist momentan nicht abzusehen."

Thomas Mattuschka ist skeptisch. "Es sind noch drei Monate Zeit, um was zu schaffen. Wenn sie wirklich kommt und das Personal irgendwo herholt, dann ist es in Ordnung. Aber ich weiß, dass in der Lausitz kein Bauleiter ist."

Eine – im wahrsten Sinne des Wortes - verfahrene Situation ohne Ausweg also? Der Lausitzer CDU-Verkehrsexperte Rainer Genilke hat das Thema mit in den Verkehrsausschuss des Landtags gebracht. "Sofort kündigen", fordert er. "Die Baustelle ist erst einmal in einen Zustand zu versetzen, dass die Autos zügig durchfahren können - bis sie neu ausgeschrieben ist oder der Zweite im Ausschreibungsverfahren zum Zuge kommt."

"Jede Kündigung kostet mehr"

Verkehrsministerin Kathrin Schneider (SPD) will erstmal abwarten, ob die Firma nicht doch noch den Vertrag erfüllt. Am 2. Juli sollen die Arbeiten endlich beginnen, hat das Unternehmen dem Landesbetrieb versprochen. Dem bleibt eigentlich nicht viel anderes übrig, als zu hoffen. "Jede Kündigung kostet entweder mehr, weil wir neu ausschreiben müssen", sagt Thomas Mattuschka vom Landesbetrieb Straßenwesen, "oder wir beauftragen einen Anderen, der auf alle Fälle wesentlich teurer ist."

Solange die zuständige Firma den Auftrag noch hat, muss allerdings weiter abgesperrt bleiben. Falls doch noch ein paar Arbeiter mehr auftauchen.

Kommentar

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7 Kommentare

  1. 7.

    Schon mein Opa hat gesagt: „Wir brauchen die Sozis aber leider können sie nicht mit Geld umgehen”!
    Der gute Mann hatte Recht, nur mit dem Unterschied, dass sie heute überflüssig sind. Wundert sich noch jemand über den Berliner Flughafen? Ein Wirtschaftsunternehmen das so geführt wird ist in kürzester Zeit pleite aber hier wird ja nur das Geld des Steuerzahlers aus dem Fenster geworfen.

  2. 6.

    Eine unfähige SPD Verkehrsministerin spielt auf Zeit zu Ungunsten der Bürger. Das geht gar nicht und sofortiges Handeln ist gefragt. Der Bauauftrag muss dem wortbrüchigen Unternehmen entzogen und die Begrenzungsmarkierungen von Amts wegen entfernt werden. Anschließend neue Ausschreibung. So geht das.

  3. 5.

    sofort Baustelleneinrichtung abbauen und die Autobahn freigeben, das sollte keine 24 Stunden dauern. Danach kann diskutiert werden.

  4. 4.

    Das schönste an der Sache die Polizei blitz dort regelmäßig! Die Regeln einhalten ist natürlich wichtig keine Frage, aber es muss ja auch einen berechtigten Grund dafür geben dort teilweise 100/80/60 auf der Autobahn auszuschreiben oder?

  5. 3.

    wenn schon nichts passiert...aber die Blitzergang hat schon entdeckt das dort Geld zu holen ist. Vielleicht holt man von dem Geld einen neuen Bauleiter? Wird aber nur wieder eine neue Geldquelle sein ! Typisch für Brandenburg

  6. 2.

    Leider nicht selten. Da bin ich sicher.

    Was ich mich immer frage: wie sehen die Verträge aus? Das kann doch gar nicht sein.

    Private Firmen würden doch so nicht beauftragen.. klar ist grad Bauarbeiter-Mangel — aber das wusste man ja vorher.

    Hat jemand Infos zu vergaberecht bzw. Vertragsinhalt? Ist der auftragsgeber nur naiv?

    Rbb?

  7. 1.

    Ich sehe das als die Spitze des Eisbergs. Vorformen dazu finden sich überall - zu Lasten jeglichen Verkehrsmittels, was davon betroffen ist. Die Vorformen davon sind verursacht durch die Streckung der Zahlungsziele, wobei an dieser Streckung auch die öffentliche Hand beteiligt ist. Bauunternehmen sichern sich deshalb mit parallelen Aufträgen ab, um ihre Zahlungsfähigkeit zu gewährleisten, wenn wieder einmal das Geld ausbleibt.

    Im Grunde genommen fußt das Ganze auf dem Recht des Stärkeren. Bei einem Baukonzern ist es das Großunternehmen, bei kleinen Baubetrieben sind des die Auftraggeber. Deshalb ist auf vielen Baustellen oft niemand zu sehen - weil die parallel woanders beschäftigt sind.

    Ehrliches Geschäftsgebaren könnte eine Lösung sein. Was dagegen steht, ist eine Verwilderung geschäftlicher Sitten.

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