Bauarbeiter stehen auf einem Gerüst (Quelle: dpa/Paul Zinken)
Audio: Inforadio, 29.06.2018, Thomas Weber | Bild: dpa

Berlin und Brandenburg - Arbeitslosenquote sinkt auf niedrigsten Stand seit 1991

Fast 70.000 sozialversicherungspflichtige Beschäftigungen sind im vergangenen Jahr in Berlin und Brandenburg entstanden - weitaus mehr als Frankfurt (Oder) Einwohner hat. Von dem Boom auf dem Arbeitsmarkt profitieren besonders Langzeitarbeitslose.

Der Beschäftigungsboom in Berlin und Brandenburg setzt sich fort. Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit am Freitag verlief der Rückgang bei den Arbeitslosenzahlen im Juni stärker als für die Jahreszeit üblich. In Berlin waren demnach 153.469 Menschen arbeitslos gemeldet, etwa 12.000 weniger als noch vor einem Jahr. Entsprechend sank die Arbeitslosenquote auf 7,9 Prozent, was einem Rückgang von 0,9 Prozentpunkten im Vergleich zum Juni 2017 entspricht. Laut dem Berliner Senat liegt die Arbeitslosenquote damit zum ersten Mal seit der Wiedervereinigung unter 8,0 Prozent.

Ähnlich ist die Entwicklung in Brandenburg: Hier waren im Juni 80.126 Menschen arbeitslos gemeldet. Die Arbeitslosenquote sank innerhalb eines Jahres um 0,7 Prozentpunkte und liegt jetzt bei exakt 6,0 Prozent. In beiden Bundesländern sei das die niedrigste Quote seit Beginn der Statistik 1991, hieß es.

Als besonders erfreulich bezeichnet die Bundesagentur für Arbeit, dass der Aufschwung nun auch Langzeitarbeitslose erfasst habe. In Berlin sei die Zahl der Langzeitarbeitslosen im Jahresvergleich um gut 12 Prozent gesunken, in Brandenburg um knapp 14 Prozent.

Offene Lehrstellen, fehlende Fachkräfte

Als Job-Motor hebt die Behörde insbesondere Berlin hervor: Pro Arbeitstag würden hier derzeit mehr als 200 neue Stellen entstehen. Im Vergleich zum Vorjahr sind in Berlin 54.000 neue sozialversicherungspflichtige Stellen entstanden, in Brandenburg fast 15.000. Insgesamt gibt es in Berlin nun 1,468 Millionen entsprechende Arbeitsverhältnisse, in Brandenburg sind es 844.000. Damit sind innerhalb eines Jahr weitaus mehr Stellen entstanden als Frankfurt (Oder) Einwohner hat.

Hoch bleibe die Nachfrage nach Fachkräften. "In zahlreichen Berufsgruppen brauchen die Unternehmen deutlich länger als früher, um freie Stellen zu besetzen", teilte Bernd Becking mit, Vorsitzender der Regionaldirektion Berlin-Brandenburg. Betroffen seien zum Beispiel Berufsfelder wie Klempnerei, Sanitär- und Heizungsbau, Klima- und Energietechnik sowie die Altenpflege. Zudem seien Tausende Lehrstellen noch unbesetzt.

Breitenbach spricht von zu vielen prekären Arbeitsverhältnissen in Berlin

Berlins Senatorin für Integration, Arbeit und Soziales, Elke Breitenbach (Die Linke), nannte die Zahlen erfreulich, dennoch sei die Qualität vieler neuer Arbeitsplätze mangelhaft. "Mehr als ein Drittel der Beschäftigungsverhältnisse in Berlin ist atypisch. Die Menschen arbeiten Teilzeit, befristet, in einem Minijob oder in Leiharbeit. Viele dieser Jobs sind prekär, werden schlecht bezahlt und bieten keine berufliche Perspektive. Das muss sich ändern", so Breitenbach. "Wer motivierte und qualifizierte Beschäftigte will, muss gute und faire Arbeitsbedingungen bieten. Die Wirtschaft steht in der Verantwortung für die Ausbildung des Nachwuchses, die Weiterbildung der Beschäftigten und für Gute Arbeit."

Die gerade von der Mindestlohnkommission vorgeschlagene Erhöhung des gesetzlichen Mindestlohns auf 9,35 bis 2020 bezeichnete Breitenbach als enttäuschend. "Auf diesem Niveau wird Armut trotz Arbeit nicht verhindert, sondern festgeschrieben."

Was bedeutet was?

  • Arbeitslosengeld I - ALG I

  • Arbeitslosengeld II - ALG II

  • Beschäftigungsstatistik vs. Arbeitslosenstatistik

  • Erwerbslosenquote nach ILO-Standard

  • Offene Stellen

  • Saisonbereinigte Zahlen

  • Stille Reserve vs. Verdeckte Arbeitslosigkeit

  • Vermittelbarkeit

Sendung: Inforadio, 29.06.2018, 10 Uhr

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um einen Kommentar zu verfassen.

Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Bitte beachten Sie unsereNetiquette zum Kommentieren von Beiträgen sowie unsere Richtlinien zum Datenschutz.

9 Kommentare

  1. 9.

    Was soll das ? Man sollte lieber unsere Flüchtlinge schneller in Arbeit bringen die werden mit Hartz IV allimentiert ! Und nicht über die deutschen Hartz IV Empfänger herziehen ! Das ist unhöflich und diskriminierend gegenüber dem Hartz IV Empfänger ! So ein Spruch kann ja nur wieder von einem Arbeitnehmer kommen der keine Ahnung von der Materie Langzeitarbeitslosigkeit hat !

  2. 8.

    Wenn es so viele offene Stellen und Ausbildungsplätze gibt, frage ich mich doch, warum wir noch so viele Hartz-IV-Empfänger alimentieren.

  3. 7.

    Hallo Marion,

    Ihr bisher einziger vorheriger Kommentar unter diesem Beitrag ist uns tatsächlich einfach durchgerutscht, ohne irgendwelche Absichten - sprach ja nichts dagegen, ihn freizuschalten, das haben wir jetzt nachgeholt. Sorry für das Übersehen und ein schönes Wochenende.

  4. 6.

    Tatsache ist: hier werden ungerechtfertigt Beiträge zensiert.
    Es ist nunmal eine Tatsache, dass diese Statistik nicht die Realität wiederspiegeln kann, wenn ein ein 3 monatiges Praktikum als Berufstätigkeit gewertet wird.

  5. 5.

    5% Arbeitslose, ~7% Unterbeschäftigte = jeder 8. keimt ab

  6. 4.

    Wieder eine aufgehübschte Statistik.
    Bitte rausrechnen: Alle, die "nur" an einer Maßnahme teilnehmen, alle die im Niedriglohnsektor nur stundenweise tätig sind. Weiterhin berücksichtigen, wer verstorben oder umgezogen ist und die jenigen, die in Rente, bzw. Frührente gegangen sind. Was bleibt danach bleibt, ist der realistische Anteil.

  7. 3.

    Wurde 1991 auch schon alles bei der Berechnung der Arbeitslosenzahlen herausgerechnet? Ich glaube eher nicht!
    Und bei Statistiken bin ich sehr vorsichtig, bevor ich überhaupt eine glaube!

  8. 2.

    Das hört sich doch prima an, aber die Löhne sind immer noch zu niedrig und die Steuern zu hoch. Von der Rente später kann auch kaum einer in den untersten Gehaltsgruppen Leben.

  9. 1.

    Also den Vergleich mit 1991 halte ich für unzulässig, da doch seitdem einige "Anpassungen" an der Statistik vorgenommen wurden.

Das könnte Sie auch interessieren