Eine Straßenbahn fährt durch Potsdam. (Quelle: dpa/Hirschberger)
Video: Brandenburg Aktuell | 21.06.2018 | Carsten Krippahl | Bild: dpa/Ralf Hirschberger

Engpass bei den Potsdamer Verkehrsbetrieben - Bus- und Tramfahrer dringend gesucht

Straßenbahnen stehen still, weil niemand hinterm Steuer sitzen will – das ist in Potsdam derzeit Realität. Aus akutem Fahrermangel haben die Verkehrsbetriebe zwei Tram-Linien vorerst gestrichen. Und Nachwuchs ist nicht in Sicht.

Seit dieser Woche brauchen die Potsdamer mit den Öffentlichen Verkehrsmitteln länger von A nach B. Der Grund: Die Tramlinien 98 und 99 fallen vorerst aus, andere Linien werden verkürzt oder der Takt vergrößert. Der Grund: Den Potsdamer Verkehrsbetrieben fehlen die Fahrer.

Verantworten müssen das die beiden Geschäftsführer, die sich am Donnerstag bei einer Pressekonferenz erklärten. Oliver Glaser und Martin Gießner entschuldigten sich bei den Fahrgästen und räumten Fehler ein. Man habe sich nicht früh genug um zusätzliche Fahrer gekümmert und zu wenig für den Beruf des Bus- oder Straßenbahnfahrers geworben.

Sicherer Arbeitsplatz, schlechte Bezahlung

Zwar betonen die Chefs, dass die Potsdamer Verkehrsbetriebe besonders sichere Jobs anbieten würden. Gleichzeitig ist die Bezahlung für einen Bus- oder Bahnfahrer mit 1.500 Euro netto im Monat nicht gerade üppig.

Weniger Probleme haben da die Verkehrsbetriebe in Cottbus oder Frankfurt (Oder). Dort verdienen Fahrer zwar auch nicht mehr. Dafür sind die Lebenshaltungskosten aber deutlich geringer. Der extreme Personalmangel in Potsdam kann also wahrscheinlich nur mit finanziellen Anreizen gelöst werden.

Sendung:  Brandenburg Aktuell, 21.06.2018, 19:30 Uhr

Kommentar

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10 Kommentare

  1. 10.

    Die Situation spiegelt die Misspolitik in Potsdam wieder... Einerseits soll man auf öffentliche Verkehrsmittel umsteigen, um den Verkehr in der Stadt zu entlasten, andererseits kann auf Grund von Personalmangel der Schienenverkehr nicht mehr ausreichend bedient werden... und das wird ja erst der Anfang sein!! Aber wie das nun mal so ist im öffentlichen Dienst (egal wo in Potsdam) wacht man erst auf, wenn das Schiff am sinken ist oder bereits gesunken ist! In Potsdam sind andere Dinge wichtiger z. B. wo man noch mehr Luxuswohnungen und Kirchen errichten und sich von alten Bauten durch Abriss verabschieden kann, da bleibt das "normale Leben für normale Bürger" auf der Strecke.

  2. 9.

    @Potsdamer: Der Anspruch in einem kleinen Loch zu wohnen und sich alles vom Munde absparen zu müssen kann aber nicht bei dieser Verantwortung und diesen Arbeitsbelastungen als Grundlage vor rausgesetzt werden. Das Geld ist doch da, wird nur nicht richtig verteilt. In unserer Gesellschaft sind in den letzten Jahren die Belastungen so stark gestiegen und das Lohnniveau wird von vornherein so niedrig angesetzt, dass wir es leider schon als normal erachten so wenig zu verdienen.

    Leistungen mit diesen Gefahren im Job und diesen Belastungen für Körper, Familienleben und psychisches Wohl sollten uns mehr wert sein.

  3. 8.

    Ich habe die Wandlungen in der Verkehrspolitik beschrieben, soweit die Akteure frei darin waren. Zu DDR-Zeiten gab es keine städtische Selbstverwaltung, insofern bezog sich das Geschriebene, auf Potsdam bezogen, ab 1990. Auch Potsdam hat diese Wandlung bis ca. 1995 - 2000 und dann ab 2000 mitgemacht.

  4. 6.

    ja,wenn die ausbilden und etwas mehr zahlen würden, hätte ich Lust den Beruf auszuüben.

  5. 5.

    Für eine Wohnung am Schlaatz, am Stern oder Drewitz reicht es aber alle mal völlig aus, Einkaufen bei Norma. Alles machbar, wenn man Arbeiten will, wollen nur nicht alle.

  6. 4.

    Wenn die VIP ihre Leitung nicht vernünftig erbringt, kann ich ja auch meine Zahlungen einschränken, oder?

  7. 3.

    Das ist doch bei der BVG genauso. Doch die finden ja noch Leute und die 1500€ bzw jetzt ca 1550€ netto nach dem neuen Tarifabschluss bekommt man dort auch und das für diese Verantwortung.
    Irgendwann ist alles abgegrast und dann wird in Berlin bei der BVG das selbe passieren, wenn sich an den Gehältern nichts ändert. Das will die Politik nicht verstehen bzw der Vorstand. Und das ist traurig für beide öffentliche Unternehmen. Da braucht man sich nicht wundern, wenn das Personal fehlt. Mit HatzIV hat man fast auch das selbe Geld...

  8. 2.

    Nach den sinnvollen Ansätze der 1980er, die oft genug Früchte trugen in Form von Fahrgastzuwächsen, kam es dann nach dem Wegbrechen der Fahrgastzahlen im Osten Deutschlands und rein rechnerisch den gesunkenen Fahrgastzahlen insgesamt zur Mär, dass die Anstregungen insgesamt nichts taugten. Die Folge war eine Kürzung der Zuschüsse und die Entdeckung des ÖPNV als Sparschwein der öffentlichen Haushalte.

    Inzwischen haben sich auch in Ostdeutschland die Fahrgastzahlen stabilisiert, zuweilen steigen sie sogar an wie in Potsdam, doch ein Wandel bei der Finanzierung zeichnet sich grundsätzlich nicht ab. Auslagerungen und die Gründung von Billigheimer-Tochterfirmen sind nicht unbedingt begehrenswert.

    Dazu kommt, dass das Straßenbahnfahren nicht angenehmer geworden ist: Nachdem es mit den Autofahrenden tendenziell etwas leichter geworden ist, sind es zunehmend einschlägige High-Speed-Radfahrende, die denen im Führerstand mitunter den nackten Schweiß auf die Stirn treiben lassen.

  9. 1.

    na gut, für das Geld lass ichs dann mal sein mit der Bewerbung. 3Schicht, Personalmangel=Vertretungsdienste, Wochenende, keine Muttischichten? Das wird dann wohl nix.

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