ICC, Messedamm, Westend, Charlottenburg, Berlin (Quelle: Imago/ Schoening)
Bild: Imago/ Schoening

FAQ | Vor dem Start der Investorensuche - Was Sie über das ICC jetzt wissen müssen

Noch vor der parlamentarischen Sommerpause soll der Startschuss fallen für die Wiederbelebung des ICC - nach vier Jahren Stillstand. Was will der Senat? Wie sieht der Zeitplan aus? Was muss getan werden? Die wichtigsten Fragen - und Antworten.

Was hat der Senat mit dem ICC vor?

Das Ziel ist klar: Das ICC soll wieder Kongresszentrum werden. Und kein Einkaufszentrum, kein Bordell, keine Spielbank - was auch alles schon mal in der Diskussion war, bis hin zum Abriss.

Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne) plant, rund 19.000 Quadratmeter des ICC als flexibel nutzbare Kongressfläche für bis zu 8.000 Personen herzurichten, mit der Messe Berlin als Hauptnutzer. Zum Vergleich: Der City Cube, den die Messe GmbH als Ersatz für das ICC gebaut hat, bietet rund 12.000 Quadratmeter Kongressfläche für bis zu 3.000 Personen.

Der Rest des Gebäudes soll für andere Nutzungen umgewandelt werden. Das kann, mit Einschränkung, auch Einzelhandel sein. Shopping im ICC ist also nicht völlig vom Tisch.

Das ICC in Berlin (Quelle: rbb/Abenschau/S.Wert)
rbb/S.Wert

Was will die Opposition?

Die Oppositionsparteien CDU, FDP und AfD stimmen mit der rot-rot-grünen Koalition darin überein, dass das ICC wieder Kongresszentrum werden soll.

Die CDU fordert allerdings auch, dass das riesige Haus vom Messebetrieb abgekoppelt und durch eine eigene Betriebsgesellschaft geführt wird. Diese Gesellschaft soll erst die Sanierung durchführen und danach die Vermarktung des ICC übernehmen. Dadurch soll eine "ineffektive Zersplitterung von Zuständigkeiten" verhindert werden, so die CDU. Zudem sei damit die Kontrolle über die Ausgaben für das ICC besser kontrollierbar.

Die FDP und auch die AfD setzen sich zudem dafür ein, den unter dem ICC gebauten U-Bahnhof Messedamm zu modernisieren und an das BVG-Netz anzuschließen. Der U-Bahnhof war einst als Halt auf der heutigen U1 geplant, wurde aber nie in Betrieb genommen.

Wann soll die Investorensuche beginnen?

Noch vor der Sommerpause soll das Abgeordnetenhaus die Mittel für die Investorensuche freigeben. Fünf Millionen Euro sind eingeplant.

Die Sanierung soll 2019 beginnen. Dafür hat der Senat 200 Millionen Euro eingeplant. Es sollen u.a. eine Machbarkeitsstudie (260.000 Euro) und ein Bauteilerhaltungsplan (210.000 Euro) erstellt werden. Dazu kommen acht Millionen Euro für die Beauftragung eines Generalplaners.

Warum muss das ICC saniert werden?

Vor allem müssen Schadstoffe entfernt werden. Allerdings wohl kein krebserregender Asbest, wie der ehemalige Ingenieur Heinz Oeter der "Berliner Morgenpost" erklärte. "Wir haben beim Bau des ICC keinen Spritzasbest verwendet, sondern Kafko", so Oeter, der für die Stahlkonstruktion des ICC verantwortlich war. Kafko hat asbestähnliche Eigenschaften und ist ebenfalls feuerhemmend, allerdings ist es nicht gesundheitsgefährdend. Die ICC-Architektin Ursulina Schüler-Witte bestätigte 2015 in einem Buch, dass im ICC kein Asbest eingesetzt wurde - aus Kostengründen.

Inzwischen hofft man in der Berliner Politik, dass die Sanierung des Gebäudes deutlich günstiger werden könnte, falls gar kein Asbest vorhanden ist.

Sanierungsbedarf besteht allerdings trotzdem: Das Gebäude ist in weiten Teilen baulich auf dem Stand der frühen 80er Jahre, fast die gesamte Technik und große Teile der Infrastruktur müssen modernisiert werden.

Was will die Messe Berlin?

Geht es nach Aufsichtsratschef Wolf-Dieter- Wolf, kann das ICC weg. "Ich bin für den Abriss", hatte er 2017 der "Morgenpost" erklärt. "Wir müssen uns endlich mit wirtschaftlichen Lösungen beschäftigen."

Die Messe GmbH, ein landeseigenes Unternehmen, hat das ICC jahrelang für Messen und Kongresse genutzt. Allerdings ist das Gebäude aufgrund seiner Größe, dem Mangel an nutzbaren Flächen und seines Zustands ein Zuschussgeschäft, deswegen möchte die Messe das ICC am liebsten loswerden. Allein der Leerstand kostet das Unternehmen derzeit rund zwei Millionen Euro im Jahr.

Ein saniertes ICC würde die Messe gerne nutzen, allerdings wohl nicht als Betreiber, sondern eher als ein Mieter von vielen. Der Berliner Senat aber sieht das etwas anders: "Die Berliner Messe wird sicherlich auch künftig beim ICC eine große Rolle spielen", so Wirtschaftssenatorin Ramona Pop. "Welche Rolle das ist, werden wir in diesem Investorensuchverfahren miteinander vereinbaren."

Ist das ICC rentabel?

Ein klares: Jein.

Fakt ist, dass das ICC allein keinen Profit abwirft, sondern Verluste einfährt. Denn das Gebäude ist zwar riesig, mit über 200.000 Quadratmeter Bruttogeschossfläche. Doch nur rund 20 Prozent dieser Fläche sind für Kongresse und Konferenzen nutzbar, der Rest sind Flure, Treppen oder Technikräume.

Dann aber gibt es noch die "Stadtrendite": Ein wirtschaftspolitisches Konzept, wonach der Nutzen eines Objekts für die gesamte Wirtschaft einer Stadt bewertet wird. Und da hat das ICC viele Vorteile. Es zieht vor allem "Premium-Touristen" an, also Geschäftsreisende, die deutlich mehr Geld ausgeben als normale Touristen. Experten rechnen mit gut 200 Euro und mehr am Tag. Dazu kommen etliche Firmen, die am Betrieb des ICC mitverdienen, vom Messebauer bis zur IT-Firma. Die Stadtrendite des ICC ist damit wieder positiv.

Welche Frage zum ICC wird viel zu selten gestellt?

Sie lautet: Hat die ICC-Architektin Ursulina Schüler Witte noch Rechte an dem Gebäude?

Die Antwort lautet: Höchstwahrscheinlich. Das sagt auch die Senatsverwaltung für Wirtschaft. Welche Auswirkungen das auf die Sanierung und eventuelle Umbauarbeiten hat, lässt sich derzeit allerdings nicht sagen. Möglich wäre, dass Schüler-Witte, die das ICC zusammen mit ihrem Mann Ende der 70er Jahre errichtet hat, bei zu radikalen Eingriffen in das Gebäude juristische Schritte einleitet.

Auch der Denkmalschutz könnte noch ein Wörtchen mitreden wollen. Die FDP meint zum Beispiel, einem möglichen ICC-Investor müsse das Land hier weit entgegenkommen. Landeskonservator Jörg Haspel stellte im rbb allerdings schon mal klar: "De jure ist das ICC ein Denkmal, es erfüllt die Kritierien des Denkmalschutzgesetzes." Und zwar innen und außen, so Haspel. Damit könnte es auch bei dieser Frage noch Diskussionen geben.

Sendung: Inforadio, 11.06.2018, 17:00 Uhr

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um einen Kommentar zu verfassen.

Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Bitte beachten Sie unsereNetiquette zum Kommentieren von Beiträgen sowie unsere Richtlinien zum Datenschutz.

20 Kommentare

  1. 20.

    Ihre Meinung. Ich schließe mich den Worten von Landeskonservator Herrn Haspel an: De jure ist das ICC ein Denkmal,es erfüllt die Kriterien des Denkmalschutzgesetzes. Und zwar innen und außen.

  2. 19.

    Wir hatten dies Thema hier schon mal und deshalb ist es im Grunde genommen eine Wiederholung: Das ICC passt wie die Faust auf´s Auge in eine überbordende, stadtzerschneidende Verkehrsinfrastruktur der 1960er und 1970er Jahre und ist damit exemplarisch geradezu ein Gegenpol, eine Missachtung jeglicher Urbanität. Das ist sinnfälliger Ausdruck des Gebäudes und so war es überhaupt kein Zufall, dass zu Erbauungszeiten keinerlei Radfahrinstruktur vorhanden und mitgeplant war. Weil die, die Radfahrer, als Utopie schlichtweg nicht existierten.

    Vielleicht wäre es ja eine Lösung, den später angelegten Radfahrstreifen wieder zurückzubauen, um das Original wieder vollkommen zur Geltung kommen zu lassen. Dann würde aus Sicht der Autoverkehrsfreaks die Leistungsfähigkeit der Kreuzung Otto-Suhr-Allee, Messedamm, Neue Kantstraße wesentlich erhöht, als dass die Radfahrer dazwischenfunkten.

    Pardon, jetzt werde ich ein bisschen ironisch.
    ;-

  3. 18.

    Klar würde das ICC in einem Bürogebiet mehr hermachen, eingezwängt zw. anderen Betonklötzen. Ironie Ende. Bestes Beispiel hierfür ist das IHK Rundgebäude in der Fasanenstraße, welches meines Erachtens überhaupt nicht richtig zur Geltung kommt, wegen seiner Schönheit aus Stahl,Glas u.Beton.
    Doch erstens ist dem nicht so und zweitens war und ist es damals wegen dem Messegelände dort wo es nun steht errichtet worden. Ich bedaure sogar sehr, das man die herausragende Kunst-Skulptur vom Eingang entfernt hat. Sie passte sehr gut dahin.

  4. 17.

    Einzigartig auf jeden Fall. Jedoch am völlig falschen Platz.

    Wenn sich ein finanziell potenter Sponsor fände, ich wäre glatt dafür, es 1 : 1 abzubauen und in einer Wüste oder in einem Bürogebiet wieder 1 : 1 aufzubauen. Durchaus kein Scherz.

    Als architektonischer Solitär, was der Bau in seiner "Aussage" zweifellos ist, käme er in derart geprägten Gebieten weitaus besser zur Geltung und der Aspekt der verheerenden Beeinträchtigung des Stadtraumes wäre zugleich nicht gegeben.

  5. 16.

    Der eben nicht kommen wird. Schon deshalb, da es mehr Gründe für den Erhalt des ICC gibt. Ich wette zwar nie, doch hier würde ich es darauf ankommen lassen.

  6. 15.

    Hässlich.

  7. 14.

    Eigentlich interessiert mich nur der Termin für den Abriss dieses Millionengrabes und Symbols Berliner Steuerverschwendung.

  8. 12.

    Es ist ein Gebäude, in dem sich in vollem Zustand 20.000 Leute bewegen. Genau dafür sind die angeblich so nutzlosen Flächen gemacht. Die müssen alle aneinander vorbeikommen. Allein der Saal 1 schafft über 5000 Personen. So nun weiter nachdenken. Die Sanierung der Staatsoper liegt mittlerweile bei 450 Mio Tendenz steigend. Das ist ein Gebäude für maximal 2000 Leute. Der Saal schafft ca. 1200. Und da diskutieren wir ernsthaft über 500 Mio für eine Gebäude für 20.000 Leute, das der Stadt Geld bringt?!? Ganz frevelhaft gesagt, paßt jede Inszenierung der Staatsoper dreimal in den Saal 1 des ICC. Und der Saal 1 hat eine phantastische Akustik. Wer noch mehr wissen möchte, hier die Fakten derjenigen, die das Gebäude kennen: http://rettetdasicc.blogspot.com/

  9. 11.

    Ein Multifunktionsgebäude mit der zweitgrößten Bühne Europas(!). Die Sanierungskosten hinsichtzlich der Schadstoffe sind minimal, zumal der größte Teil eventueller angeblicher Schadtsoffe im Gebäude verbleiben dürfte, wie das hier schon erwähnte Cafco. Ja, es gibt Asbsest im ICC, aber nur in festgebundener Form als Asbestzement. Wenn das keiner berührt oder mutwillig beschädigt, ist das auch unkristisch. Zumal es nicht im Publikumsbereich existiert. Aber auch das wäre schnell entfernt. Was hinüber ist nach 40 Jahren ohne Sanierung ist schlich tund ergreifend die TGA (technische Gebäude Ausrüstung), also Klima, Wärmetauscher, Elektro, etc. pp. Obwohl auch da immer viel im laufenden Betrieb getauscht wurde. Wenn sich der Senat endlich mit den wirlichen Fakten beschäftige würden, würde er feststellen, daß sich die Sanierung in der vorhanden Form des ICC locker rechnet und kein Investor benötigt wird. Nur zum Vergleich. Worst Case, die Sanierung liegt über 500 Mio. Es ist ein Gebäude,

  10. 10.

    Unabhängig davon, daß das ICC eine architektonische Ikone ist und sich jedwede Diskusion über einen Abriß verbietet. Das ICC gehört Berlin und muß von Berlin saniert werden. Es ist ganz offensichtlich auch durch dieses Land oder die 100%-ige Tocher Messe Berlin vernachlässigt worden. Seit 1998 ist die Aluminiumfassade nicht mehr gereinigt worden. Nun zu den Betreibskosten des ICC. Kein vergleichbares Kongreßzentrum weltweit (!) rechnet sich betriebswirtschaftlich. Es rechnet sich immer über die Umwegefinanzierung volkswirtschaftlich. Dafür ist das ICC gebaut worden und der Betriebskostenzuschuß war garantiert. Nach 1998 sollte sich das ICC auf einmal direkt rechnen. Es kann nicht funktionieren. Die Stadt Berlin hat immer mehr Geld eingenommen, als es an Kosten für das ICC an zu bezahlen hatte.Die Situation heute ist die selbe. Berlin braucht das ICC. Die Großkongresse gehen alle weg. Was man nicht vergessen darf, das ICC ist kein reines Kongreßgebäude, es ist ein Multifunktionsgebäude

  11. 9.

    Die kritiklose Erhaltung des ICC auch seitens der grünen Wirtschaftssenatorin Ramona Pop und dass dies keinerlei Widerspruch erntet, zeigt für mich zugleich, wie sehr sich die grüne Partei von ihrem Ursprungsgedanke entfernt hat. Ging es seinerzeit ja nicht nur um die Ablehnung der Atomkraft als Ausdruck einer nichthandhabbaren Mega-Technologie, sondern auch in gleichem Atemzug um die Förderung lebenswerter Städte, so haben die Neugrünen davon Abschied genommen. Anschauung ist jene aus einem 40 km/h-Tempo des Bikes heraus und da kommt selbst das ICC dabei nicht schlecht weg. Architektur aus Fußgängerperspektive zu erleben, ist eben unbeholfen langweilig.

  12. 8.

    Das sehe ich auch so.

    Nicht jede architektonische und städtebauliche Verirrung sollte 1 : 1 der Nachwelt erhalten bleiben. Selbst das autovernarrte Boston/USA hat seine oberirdische Stelzenstraße im Stadtzentrum abreißen lassen, um den Autoverkehr im Tunnel stattfinden zu lassen. Damit die Stadt zu ebener Erde seitens von Menschen lebt.

    Das steht dem Platz des ICC noch bevor. Wenn es denn weg ist.

    Jörg Haspel dagegen würde auch noch ein 10spuriges Straßengewirr ob der Einzigartigkeit einer spezifischen Zeitepoche unter Denkmalschutz stellen lassen.

  13. 7.

    Nur zwei Minuten Recherche. Laut Artikel von Morgenpost 19.01.14 wurde beim Bau des ICC ein Aspestersatzstoff mit dem Namen „ Cafco „ verwendet, zur Brandschutzdämmung im Dach und der Heizungsanlagen ( Rohre ). Zwei Experten haben dieses Gutachten erstellt. Also nicht das herkömmliche Krebserregende Aspest. Sind Sie nun zufrieden und merken Sie auch jetzt den Unterschied zu meinen Vergleich mit den Palast der Republik? Bei dessen Abriss hat die Aspestentsorgung länger gedauert als der Abriss der Hülle ansich.
    Somit dürfte die Renovierung des ICC längst nicht so kompliziert ausfallen, wie immer vermutet wird.

  14. 4.

    Nicht schon wieder diese alte Leier. Denn es wird mehr Platz für die Messeteilnehmer benötigt und zwar dringend. Zweitens handelt es sich um ein architektonisch einzigartiges Gebäude. Auch wenn das hier viele anders sehen.

  15. 3.

    es ist immer wieder schlimm,wenn die linke Hand nicht weiß, was die rechte tut
    Jahrelang geht es nun hin und her--da müssen doch Unterlagen da sein--
    oder, wie so oft auf den Ämtern . irgendwo verschlampt---

  16. 2.

    "Was Sie über das ICC jetzt wissen müssen"??
    Das ist doch eigentlich nur der Abrisstermin!

  17. 1.

    Zuerst einmal, gab es nicht schon eine spezielle Untersuchung zum Thema Aspest im ICC? Wurde dabei nicht festgestellt, das es sich nicht um den gewöhnlichen Krebserregenden Aspest handelt? Und zu guter letzt, war nicht auch festgestellt worden, das nur in den Heizungsanlagen mit eben diesen neuartigem Aspeststoff ( Name ist mir entfallen ) gearbeitet wurde?
    Ich hoffe doch sehr, das unser Senat die dafür vorgesehene geeignete Person findet, die das Ganze beaufsichtigt. Nicht das im Nachhinein auf wieder einmal die Kosten bis ins unerläßlich gehen. Denn das wäre sehr,sehr blamabel und enttäuschend. Auch bin ich dafür den U-Bahnhof Messedamm gleich mitzurenovieren.

Das könnte Sie auch interessieren

Fahrgäste auf dem Bahnhof im brandenburgischen Briesen (Bild: dpa/Patrick Pleul)
dpa/Patrick Pleul

Probleme beim Netzausbau - Die Schiene bleibt die Achillesferse

300.000 Brandenburger pendeln jeden Tag nach Berlin, 180.000 Berliner in Gegenrichtung. Die Züge sind oft rappelvoll. Doch ein Ausbau ist nicht in Sicht: Berlin, Brandenburg, Bahn und Verkehrsverbund sind sich uneins. Von Johannes Frewel