Zug der Heidekrautbahn der NEB in Schmachtenhagen (Bild: imago/Steinach)
Audio: Antenne Brandenburg | 19.06.2018 | Verkehrsministerin Kathrin Schneider | Bild: imago/Steinach

Länder und Bahn einigen sich - Alte Heidekraut-Strecke wird in drei Jahren wieder bedient

Die Heidekrautbahn führte bis zum Mauerbau von Wilhelmsruh hoch in Richtung Barnim durch Schildow und Mühlenbeck. Auf dieser Strecke soll es in drei Jahren wieder rollen, beschlossen nun die Gremien. Und für zwei weitere Strecken gibt es Ausbaupläne.

Die Reaktivierung der sogenannten Heidekrautbahn vom Bahnhof Gesundbrunnen hoch in den Nordosten ist eines von drei neuen Ausbauprojekten des Berliner Umlandverkehrs. Vertreter von Bund, Berlin und Brandenburg sowie der Bahn und des Regionalen Verkehrsverbundes einigten sich am Montag auf die Wiederaufnahme des Verkehrs auf der Strecke über den S-Bahnhof Wilhelmsruh, Schildow (Oberhavel) nach Basdorf (Barnim). Zwei weitere Projekte betreffen den Ausbau des Prignitz-Expresses für eine höhe Zugfolge dort und der Regionalexpress-Linie auf der Spreewaldbahn.

Möglicher Zeitrahmen für die Heidekrautbahn: drei Jahre

Die Heidekrautbahn fuhr bis zum Mauerbau vom S-Bahnhof Berlin-Wilhelmsruh aus, wurde nach dem Mauerbau an der Stadtgrenze zum Bezirk Reinickendorf gekappt und befuhr dann lediglich die Rumpfstrecke nördlich der Berliner Mauer ab Schildow (Oberhavel).

Berlins Verkehrssenatorin Regine Günther (parteilos) sagte nun, zunächst gehe es um die Teilstrecke von Wilhelmsruh bis Basdorf, perspektivisch aber dann auch um eine Erweiterung von Wilhelmsruh entlang der S-Bahn-Strecke bis tiefer hinein in das Berliner Stadtgebiet zum Bahnhof Gesundbrunnen. Wann die Züge fahren könnten, ließ Günther offen. Laut Niederbarnimer Eisenbahngesellschaft könnte der Betrieb in zweieinhalb bis drei Jahren aufgenommen werden, weil die Gleise weitgehend erhalten sind.

Aktuell betreibt die NEB (Niederbarnimer Eisenbahn) ebenfalls unter dem Namen Heidekrautbahn eine weiter östlich startende Strecke von Karow (Barnim) hoch nach Basdorf und nutzt dabei ab Schönwalde die alte Heidekrautbahntrasse. Mit dem nun geplanten Ausbau bekämen die am nördlichen Berliner Stadtrand gelegenen Orte Blankenfelde (Bezirk Pankow) und Schildow (Oberhavel) einen Bahnanschluss und auch das Märkische Viertel (Reinickendorf) würde eingebunden.

Nach einem Bericht der Berliner Zeitung gibt es bereits seit Jahren einen Planfeststellungsbeschluss für den Ausbau des S-Bahnhofs Wilhelmsruh zum Regionalbahnhof, der bis 2021 gilt.

Oberhavel-Landrat ist begeistert

Der Landrat von Oberhavel, Ludger Weskamp (SPD), begrüßte den nun beschlossenen Heidekrautbahn-Ausbau. Damit hätten die Bewohner der Region dann auch weitere Pendler-Alternativen für ihre Arbeitswege nach Berlin, sagte er im rbb. Brandenburgs Infrastrukturministerin Kathrin Schneider allerdings zeigte sich skeptisch hinsichtlich der schnellen Umsetzung der beschlossenen Pläne: "Planungen dauern eben eine Zeit lang und dann gibt es auch noch die Plangenehmigung oder die Planfeststellung. Das müssen wir jetzt hintereinander schaffen."

Prignitz-Express soll öfter fahren und die Spreewaldbahn bekommt den Halbstundentakt

Bei den weiteren Beratungen wurde beschlossen, den Regionalexpress 6, also den sogenannten "Prignitz-Express" zwischen Neuruppin (Ostprignitz-Ruppin) und Kremmen (Oberhavel) tagsüber zweimal pro Stunde statt bisher einmal stündlich fahren zu lassen. Dafür werde nur die Strecke dorthin ausgebaut. Die Strecke war in den 1990er-Jahren saniert worden, allerdings waren damals wohl aus Kostengründen viele Weichen entfernt worden, von denen es nun so einige wieder braucht. Die Bahnhöfe Kremmen und Wustrau-Radensleben sollen nun wieder zu Kreuzungsbahnhöfen werden, wo sich Züge begegnen können.

Das dritte nun beschlossene Projekt, der Ausbau des Bahnhofs Königs Wusterhausen für eine höhere Zugfolge auf der Spreewaldbahn, ist nach Angaben des Verkehrsverbundes bereits weit gediehen. Der Bau eines zusätzlichen  Gleises sei hier nun vorgesehen, um bisherige Engpässe zu beseitigen. Der Zugverkehr zwischen Berlin und Lübbenau könne dann halbstündlich rollen. Laut den Beratungen ist hier der Abschluss der Arbeiten für das Jahresende 2022 vorgesehen.

Sendung: rbb aktuell, 18.06.2018, 21.45 Uhr

In einer früheren Version dieses Artikels verorteten wir den Bahnhof Gesundbrunnen in den Berliner Ortsteil Wedding. Der Bahnhof liegt im Ortsteil Gesundbrunnen, der wie der Wedding zum Bezirk Berlin-Mitte gehört.

Kommentar

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14 Kommentare

  1. 14.

    Kein riesengroßer Unsinn! Endlich mal eine sinnvolle Alternative zum Auto. Um z.B. von Schildow in Richtung Wilhelmsruh und Gesundbrunnen zu kommen ist es eine sinnvolle Verbindung. Wieder eine Möglichkeit mehr, um vom Auto auf den ÖPNV umzusteigen. Dann gibt's auch keine Staus an den Bahnübergängen. Das Auto wird zwar noch lange eines unserer wichtigstens Verkehrsmittel sein, aber nicht mehr das Bevorrechtigte. Und deswegen ist dieser Ausbau der Bahn ein wichtiger Schritt in die Zukunft.

  2. 13.

    Ein riesengroßer Unsinn der da mal wieder von der Politik verabschiedet wird. Man sollte schon bei den Tatsachen bleiben. Die Gleise mögen zwar liegen, sind aber für den angestrebten Verkehr vollkommen unzureichend. Der gesamte Oberbau, die gesamte und bisher nicht vorhandene Sicherungstechnik sind neu zu errichten. Das wird deutlich mehr kosten als bisher veranschlagt. Hier werden die Bürger mal wieder für dumm verkauft. Projekt erstmal anfangen und dann wird es doch teuerer. Naja einmal angefangen wird es doch zu Ende gebaut, koste es was es wolle.
    Die Heidekrautbahn mag früher mal in die vorhandene Infrastruktur gepasst haben. Jetzt passt sie in keinster Weise mehr rein und würde vor allem in Schildow unheimliche Staus und zusätzliche Belastunegn der Anwohner bedeuten. Ebenso hat hier auch die Gemeinde Mühlenbecker Land mal wieder unheimlich gepennt. Mit der Strecke ist es nämlich nicht getan. Es gehört z.B. auch noch P+R dazu und dafür ist kein Platz.

  3. 12.

    Zu begrüßen ist jede neue Verbindung auf der Schiene. Nun stellt sich aber für mich die Frage mit welchen Zugführer? Schon jetzt fallen massenhaft Züge auf der RB-27 wegen fehlendes Personal aus bzw. wegen schadhafter Züge. Man kann nicht eine neue Bahnstrecke reaktivieren wenn man die jetzige Verbindung nicht schafft dauerhaft stabil zu betreiben.

  4. 11.

    Der Bahnhof Gesundbrunnen befindet sich im gleichnamigen Ortsteil Gesundbrunnen und NICHT im Wedding. Bitte korrigieren.

  5. 10.

    @9: Sie sollten die Kommentare richtig lesen. Wenn die Bahn, wie in Kommentar #5 vorgeschlagen, nur bis Mühlenbeck geführt wird, bedient sie keine weiteren Potentiale. Bei der geplanten Führung bis Wilhelmsruh tut sie das durchaus, und zwar tausende Arbeitsplätze an der Quickborner Straße, im Pankow Park und in Wilhelmsruh. Da hilft die S8 mit ihrer Fahrt über Paris, Rom, Erkner nichts. Ich habe den leisen Verdacht, dass Sie sich eher daran stören, vorm Bahnübergang warten zu müssen.

  6. 9.

    Was soll das denn? Eine eingleisige Strecke zu reaktivieren, die dann parallel zur S8 bis Mühlenbeck und zur S2 und RB27 bis Basdorf via Karow fährt??? Und dann noch im Stundentakt? In Schildow sollen dann wie viele beschrankte Übergänge entstehen mind. 3 oder 4 hatte ich gezählt. Warum nicht Bestehendes verbessern? S8 ausbauen und qualitativ hochfahren, mehr Zubringerbusse einsetzen etc. Warum sollten mit bestehender Heidekrautbahn dann mehr Leute mit den Öffentlichen fahren? Es gibt wie bereits in den Kommentaren festgestellt, nichts Zusätzliches. Aber es gibt nicht wenige Menschen, die das Auto vergöttern und Ihre Bequemlichkeit über Staus und Umwelt setzen - da hilft auch keine Heidekrautbahn - das ist alles Augenwischerei. Da will sich wohl einer profilieren und lang Diskutiertes und teuer Geprüftes mal eben umsetzen, ohne nach Sinnhaftigkeit zu fragen. Diese Projekte kennt man doch zu gut.

  7. 8.

    Stadtgrenze Reinickendorf gab es nicht, sondern Pankow. Zum Bezirk Reinickendorf gab es die Sektorengrenze.

  8. 7.

    @5: Und worin bestünde dann der Vorteil gegenüber dem derzetigen Umstieg in Karow - bahnsteiggleich und mit S2 direkt ins Zentrum? Dann kann man sich die Heidekrautbahn auf der alten Trasse auch ganz sparen, zumal sie ja auch nichts zusätzliches erschlösse.

    Die alte Heidekrautbahn bedient in Berlin tausende Arbeitsplätze (Wilhelmsruh, Pankow Park, Quickborner Straße), und bindet diese direkt ans nördliche Umland an. Nur ein 60-min-Takt ist wahrscheinlich wirklich zu wenig, ein 30-min-Takt sollte es mindestens sein.

  9. 6.

    Endlich mal vernünftige Nachrichten. Aber bitte den Zeitplan einhalten und zu eurem Wort stehen.

  10. 5.

    Der Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs ist verkehrspolitisch gesehen durchaus sinnvoll. Allerdings wird kaum ein Autopendler in einen Zug steigen, der einmal pro Stunde fahren soll. Vernünftiger wäre ein Heidekrautbahnanschluss mit ansprechendem Takt an die S-Bahn in Mönchmühle und Ausbau der S8 - längere Züge, Pünktlichkeit, häufigerer Takt gerade auch in den Stoßzeiten / abends. Von Schildow kommt man doch heute schon schnell mit der S8 nach Gesundbrunnen - warum also ab Schildow in der Heidekrautbahn stadteinwärts sitzen? Ab Wilhelmsruh / Märkisches Viertel die S-Bahn/ Bus ebenfalls ausbauen...

  11. 4.

    Das ist alles: eine Bahn fährt wieder auf vorhandenen Gleisen, bei der anderen wird der Takt erhöht?
    Ein grosser Wurf!

  12. 3.

    Bitte beeilt euch, alle Leute die im PankowPark arbeiten, wollen einen vernünftigen Bahnschluss. S-Bahn hält da nicht und man muss ewig zum Bahnhof laufen, obwohl das Gelände in alle Richtungen Gleise um sich hat

  13. 2.

    'Heidekrautbahn soll reaktiviert werden' - lese ich schon seit etwa 20 Jahren. Potsdamer Bahn/Stammbahn auch seit was für Jahren. Dresdner Bahn ... Nichts - ich glaube kein Wort! Radfahren ist angesagt, sowie wie einst auch aus Jwd. Stunden vorher aufstehen, die Frankfurter Allee wird vorbereitet für euch die keinen Anschluss zu Berlin (östlich) haben. Gut radeln! So kann der VBB sparen und lässt weiter alte Bahnanschlüsse verrotten. Berlin war einmal eine Weltstadt und ihr Verkehrsystem.

  14. 1.

    Die Prignitzbahn RE6 müsste auch bis Gesundbrunnen verlängert werden!
    Von Basdorf könnte die NEB abwechselnd bis Gesundbrunnen und Lichtenberg fahren.
    Das ist beides wichtig, um die S-Bahnen zu entlasten und zu viel Umsteigen zu vermeiden.

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