Ein frischer Apfel mit einem aufgedruckten Strichcode (Quelle: Imago, CARDOSO)
Video: Abendschau | 11.06.2018 | Heike Bettermann | Bild: BSIP

Bessere Behördenzusammenarbeit gefordert - Senat will Lebensmittelkriminalität stärker bekämpfen

Im Kampf gegen die kriminelle Manipulation von Lebensmitteln hat Berlins Verbraucherschutz-Senator Dirk Behrendt ein verstärktes Zusammenspiel der Behörden angemahnt. "Um Lebensmittelkriminalität wirksam zu bekämpfen, muss die strukturelle Zusammenarbeit aller Behörden auf Bundesebene verbessert werden", erklärte der Grünen-Politiker am Montag. Nötig sei ein Netzwerk aus Lebensmittelüberwachung, Polizei, Staatsanwaltschaft und Zoll.

Mit Manipulationen an Lebensmitteln erzielten Kriminelle nach Schätzungen Gewinne, die mit dem Drogengeschäft oder dem Menschenhandel vergleichbar sind, hieß es aus der Berliner Verbraucherschutzverwaltung. Millionen Verbraucher würden getäuscht, der Lebensmittelindustrie entstünden jährlich Milliardenverluste. Den Tätern ist bislang schwer beizukommen – zum Beispiel wegen langer Lieferketten im In- und Ausland.

Verbraucherschutzminister tagen ab Mittwoch

Um gegen die Täter effektiv vorgehen zu können, müsse dem Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) eine zentrale und koordinierende Rolle zukommen, so Behrendt weiter. Er stellte Eckpunkte aus einem Konzept gegen Lebensmittelkriminalität vor, das ab Mittwoch bei der Konferenz der Verbraucherschutzminister der Länder in Saarbrücken vorgelegt werden soll. 

In dem Papier schlagen Experten unter anderem vor, dass Erkenntnisse zu dem Thema in einer bundesweiten Datei gespeichert und Hinweisgeber durch gesetzliche Regelungen geschützt werden sollen. Das Dunkelfeld müsse mit einem Lagebild erhellt werden. Verfasst hat das Konzept eine Bund-Länder-Arbeitsgruppe unter Leitung Berlins.

Unter den entdeckten Fälschungen in den vergangenen Jahren waren etwa gefärbte Oliven in Italien, Zucker mit Kunstdünger im Sudan und gepanschter Alkohol in Griechenland und Großbritannien. Nach dem Skandal um nicht deklariertes Pferdefleisch in Produkten wie Lasagne 2013 hatte die EU-Kommission ein europäisches Netzwerk für Hinweise der Lebensmittelüberwachungsbehörden eingerichtet.

Auch in Berlin waren in der Vergangenheit von den Behörden mehrfach Lebensmittel entdeckt worden, die gepanscht, gestreckt oder mit falschen Etiketten versehen wurden. Meist seien die Produkte bereits in den Handel gelangt, sagte Thomas Biederbick vom Landeslabor Berlin-Brandenburg am Montag.

Dort war etwa das vermeintliche Olivenöl vor einigen Monaten nach einem Hinweis einer Behörde enttarnt worden. Veröffentlichte Fälle wie dieser werfen bislang nur ein Schlaglicht auf das Ausmaß der Lebensmittelfälschungen. Das Dunkelfeld gilt als groß.

Sendung: Radioeins, 11.06.2018, 15 Uhr

Kommentar

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5 Kommentare

  1. 5.

    Fangen wir mit den grundsätzlich kriminellen Preisen an... bzw. mit der Ursache.

    Ab zwecklos Ursachenforschung wird in der BRD nie betrieben, das merkt man überall: Man versucht zu ändern aber weiß nicht woran es liegt und verschlimmbessert alles.

  2. 4.

    Schnell einen Bundestrojaner in der Ananas installieren!!111111

  3. 3.

    Oliven sind ja nun nicht lebensnotwenig, könnte man eigentlich in exotischen Sonderläden verkaufen.
    Schlimmer wärs beim Eisbein, der Bockwurscht oder dem Schweinebraten.

  4. 2.

    Na endlich passiert da mal was. Warum so ziemlich jeder europaweit jahrelang ohne überprüfung mit Lebensmitteln handeln darf, leuchtet mir auch nicht wirklich ein.

  5. 1.

    Mit "will" wird das Dunkelfeld nicht durchleuchtet sondern mit konkreten Maßnahmen. Licht an!

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