Chinesische Radfahrer fahren in Peking mit Leihrädern der Anbieter Ofo und Mobike (Quelle: Chen Xiaogen /Imaginechina)
Bild: Imaginechina

Interview | Asiatische Leihräder in Berlin - "Hinter den Leihrädern stecken global agierende Konzerne"

Obike ist insolvent. Und auch andere asiatische Leihrad-Anbieter geraten unter Druck. Trotzdem werden die bunten Räder nicht so schnell wieder aus Berlins Stadtbild verschwinden, meint Branchen-Experte Tilman Bracher.

rbb|24: Herr Bracher, Obike hat Insolvenz angemeldet, nachdem die Verkehrsbehörde in Singapur Gebühren eingeführt hat. Kommt das überraschend?

Tilman Bracher: Nicht wirklich. Weltweit ist ein Konzentrationsprozess bei den Leihrädern im Gange. Wir haben in Asien eine riesige Anzahl von Leihradanbietern. In Peking waren 77 auf dem Markt - das konzentriert sich im Moment sehr stark. Der Konzentrationsprozess wird weitergehen, da sich mit dem Leihradgeschäft selbst noch nicht viel verdienen lässt.

Der Dienstleister Umzug24 bietet nun bereits Obike-Räder zum Kauf an. Haben Sie eine Ahnung, was die Räder in der Herstellung kosten?

Laut Medienberichten kosten sie in der Herstellung deutlich unter 50 Euro.

In Berlin gibt es sieben Leihradanbieter, die größten sind Mobike und Ofo aus China. Muss man denn befürchten, das von denen bald welche pleite gehen?

Mobike und Ofo sind die beiden weltweit größten Anbieter. Ich denke, es wird eher die kleineren erwischen als die ganz großen. Die Nummer 1, Mobike ist gerade für 2,3 Milliarden Dollar an einen neuen Besitzer gegangen. Das ist eine sehr wertvolle Firma, und sie haben einen finanzkräftigen Kapitalgeber im Hintergrund.

Mobike will auf Anfrage nicht verraten, ob es schon kostendeckend arbeitet, man verweist stattdessen auf ein stetiges Wachstum.

Es geht denen um ein anderes Geschäft. Ich glaube, es geht denen darum, die Kunden zu bekommen. Und den Kunden kann man dann nächstes oder übernächstes Jahr über die App viele, viele andere Dinge verkaufen. Hinter diesen Firmen stecken global agierende Internet-Anbieter. Es ist nicht allein das Leihradgeschäft, das da eine Rolle spielt, sondern es ist ein großer Markt, der sich gerade in Entwicklung befindet. Dafür möchte man Kunden generieren, deren Nutzerverhalten man genauer kennt.

Was genau könnten Mobike und Ofo denn den Berliner Kunden verkaufen wollen?

Was genau, weiß man nicht. Aber es könnte sein, dass neben dem Bikesharing irgendwann mal auch das Autosharing kommt, mit anderen Modellen als denen, die wir heute in den Innenstädten haben. Aber ich kann mir auch vorstellen, dass da alles Mögliche vertrieben werden soll.

Das Interview führte rbb|24-Redakteur Robin Avram

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1 Kommentar

  1. 1.

    Man kann nur hoffen, daß die öffentlichen Stellen endlich was gelernt haben, und der nächste epochale Start Up Einfall in diesem Bereich erstmal ein Konzept vorzulegen hat, wie Standorte und Rückholung gewährleistet werden. Sollten Interessenverbände das als Hemmnis verteufeln, da das Ihrer Meinung mal wieder der große Wurf ist, und die Stadt in den Ruin treibt, wenn wir nicht alles einfach laufen lassen, dürfte es ja kein Problem sein, sollte auch die nächste Idee über die Wupper gehen, die kosten für die Entsorgung zu übernehmen. Weil ist ja ein Selbstläufer.:-)

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