Flugzeuge der Fluggesellschaft Ryanair stehen am Flughafen Berlin-Schönefeld auf dem Rollfeld (Archivbild vom 11.04.2018, Quelle: imago/Andreas Gora)
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Audio: Inforadio, 17.07.2018, Johannes Frewel | Bild: imago/Andreas Gora

Probleme bei Ryanair - Passagierrechte nach Gutsherrenart

Pilotenstreiks, Verspätungen und Abstimmungsprobleme mit dem Partner Laudamotion: Europas zweitgrößte Airline Ryanair plagen derzeit gravierende Probleme. Darunter leiden vor allem Kunden. Sogenannte Legal-Tech-Webseiten versprechen Abhilfe. Von Johannes Frewel

Gewerkschaften und Tarifverträge - das hat Ryanairchef Michael O'Leary gern seinen Wettbewerbern überlassen. Jetzt steigen ihm Gewerkschaften jedoch europaweit auf die Zehen. O'Leary habe das Thema komplett unterschätzt und beschäftige nicht einmal Tarifexperten für den Arbeitskampf, fasst Luftfahrtexperte Carlo Sporkmann von Airliners.de das Debakel zusammen, das die Urlaubs-Hauptsaison durchziehen dürfte: "Dem ist, wie es aussieht, einfach alles entglitten. Und das bewirkt, dass es einfach ruckelt."

Bei Pannen zeigt eine Airline auf die andere

Ruckeln bedeutet, es wird oft verspätet oder gar nicht geflogen. Für Passagiere besonders nervig: Die irische Ryanair und der österreichische Partner Laudamotion verkaufen gemeinsam Tickets, vermieten sich je nach Bedarf Flugzeuge und Besatzungen gegenseitig. Passagiere haben keinen Einfluss darauf, in wessen Maschine sie letztlich sitzen. Wenn es Pannen gibt, zeigt eine Airline auf die andere und der Fluggast geht leer aus.

Oscar de Felice vom Flugrechts-Onlineportal Flightright kennt die Klagen von Passagieren: "Wenn ein Flug bei Laudamotion gebucht wird, ist Laudamotion auch verantwortlich. Das hat auch vor Kurzem der EuGH, das höchste europäische Gericht in einem von Flightright initiierten Verfahren so entschieden. Dort meinten die Richter: Wer einen Vertrag eingeht, muss dafür auch geradestehen, folglich muss Laudamotion sich verantwortlich zeigen für die Verspätung."

Passagiere müssen zwei ganz einfache Regeln kennen

Allerdings klemmt es nicht nur bei diesen Airlines, sondern auch bei anderen Anbietern derzeit recht heftig. Oscar de Felice erklärt die grundlegenden Passagierrechte für alle: "Da gibt es eigentlich zwei ganz einfache Regeln: Ab zwei Stunden Verspätung hat der Fluggast ein Recht auf Betreuungsleistung, und ab drei Stunden gibt es auch eine Entschädigung in Geld, und zwar 250, 400 oder 600 Euro, je nach Entfernung. Wichtig dabei ist, schon am Flughafen auf diesen Leistungen zu bestehen. Wenn die dann nicht durchzusetzen sind, unterstützt Flightright jederzeit."

Daneben gibt es weitere sogenannte Legal Techs, also Online-Portale, die sich auf die Durchsetzung von Fluggastrechten spezialisiert haben. Bei Problemen lohnt es sich für Passagiere oftmals, genauer auf Bordansagen zu achten. Auf seiner Internetseite leitet Laudamotion Kunden bei Service-Problemen an Ryanair weiter. Zuständig ist aber Laudamotion. Passagiere berichten, die Kontaktdaten von Laudamotion werden allenfalls mündlich im Flugzeug rausgerückt.

Beitrag von Johannes Frewel

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Antwort auf [Thomas] vom 17.07.2018 um 13:51
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10 Kommentare

  1. 10.

    Haben bei Laudamotion gebucht und müssen uns wegen dem Ausfall mit Ryanair rumstreiten. Der Laudamotion Mitarbeiter gab an das der Flug wegen eines technischen Problems ausfällt. Ryanair wiederum meint das der Flug wegen eines Streiks in Frankreich ausgefallen ist. Warum EU261 Entschädigungen zahlen wenn man sich gegenseitig schön die Schuld zuschieben kann. Es ging um den Flug OE20 am 10.06. Wir werden klagen. Gegen wen auch immer.... Suchen noch nach Leuten denen es genau so ging!

  2. 9.

    Also , lasst doch Mal Ryanair in Ruhe. Das gleicht einer regelrechten Hetzjagd auf sie.
    Mein Flug 3 Stunden mit Ryanair Verspätung, dann per Einschreiben nach Irland Geld gefordert und binnen 10 Tagen war das Geld da. Basta.
    Kaffe ja kostet Geld 3€ , aber der schmeckt wenigstens - ist von Lavazza. Basta
    Jeder weiß das vorher, also fliegt alle Eurowings und ihr werdet enttäuscht sein .

  3. 7.

    Nein, mein Herr - keine LH-Kunde: ich fliege Jahrzehnte überhaupt nicht mehr mit den Dosen, bewege mich eher bodennah, um es neudeutsch zu sagen: los and slow.
    Macht viel mehr Spaß, man sieht mehr von der Umgebung und kommt auch nich entspannt an.....klasse.....
    Der Weg ist das Ziel, Zeit nehmen - das zählt.....

  4. 6.

    Scheinbar alles Kunden von Lufthansa &Co. am Kommentieren, die aus Political Correctness auch mal einen Flug und damit den Urlaub sausen lassen....;-)
    Es gibt nun mal Ziele, wo fast ausschließlich Billigheimer hinfliegen, wenn man ein extrem enges Zeitfenster hat.... Freundlichkeit, den dort prekär beschäftigen gegenüber bewirkt schon etwas - Boykott gefährdet wahrscheinlich deren Arbeitsplätze!! Sie werden es sich nicht extra ausgesucht haben, für den Assiairliner Ryanair tätig zu sein!
    Achso: ich trenne vorbildlich meinen Müll, kaufe regelmäßig Bioprodukte, fahre oft Fahrrad statt Auto.....und weiß, dass ich die Welt trotzdem nicht besser mache....

  5. 5.

    Die "Geiz ist geil" Mentalität macht sich nicht bezahlt. Lieber etwas mehr, aber dafür eine bessere Qualität. Aber wie bringt man das den Menschen bei? Scheinbar nur wenn sie Pannen am eigenen Leib und Portemannaie erfahren haben.

  6. 4.

    Ryanair boykottiere ich bereits seit einigen Jahren. Man darf das Geschäftsmodell dieser Fluggesellschaft nicht unterstützen. Wenns dann doch günstig sein sollte, dann eben für 40€ mehr mit Easyjet. Die bieten ihren Mitarbeitern eigene Verträge und gute Arbeitsbedingungen. Das merkt man dann auch sichtlich im Flieger...

  7. 3.

    Genau so ist es. Lieber weniger fliegen und dafür dann einen Preis bezahlen, der gerechtfertigt ist. Die Mitarbeiter möchten auch gern nur einen vernünftig bezahlten Job machen und nicht zwei oder drei, damit man über die Runden kommt.
    Seit ich weiß, dass Laudamotion mit Ryanair zusammenarbeitet, kommt ein Ticket für mich nicht in Frage.
    Ja, ich habe daher auch Reisen nicht gebucht, weil ich mit denen nicht fliege. Ja "Pech" für mich, aber ein gutes Gewissen, dass ich das nicht unterstütze.

  8. 2.

    Die einfachste Lösung für den Kunden ist doch der Verzicht auf bestimmte Anbieter.

    Lässt da die Nachfrage nach, setzt bei denen vielleicht mal das Denken ein.

  9. 1.

    Des Billligheimer Leiden sind so egal. Selbst eingebrockt, wenn die sich von prekär Beschäftigten zu Dumpingpreisen durch die Luft gondeln lassen. Geiz ist ja so ungeil, aber begreifen die Billigflugpassagiere das überhaupt ansatzweise.
    Abgesehen von der Belastung der Umwelt...... Aber dafür müssen schon andere sorgen, stimmt's?

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