Geplantes Hochhaus am Alexanderplatz (Quelle: rbb|24/dpa/Soeren Stache)
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Hochhäuser am Alexanderplatz - Das Park Inn bekommt einen neuen Nachbarn

Vor 25 Jahren wurde ein Masterplan für neue Hochhäuser am Alexanderplatz beschlossen. Passiert ist bisher noch nicht viel. Nun tut sich aber einiges. Der Architekturwettbewerb für einen Turm neben dem Park Inn geht in die letzte Runde. Von Oliver Noffke

Ein Berliner Architekturbüro könnte die Gestaltung von einem neuen 130 Meter hohen Hochhaus am Alexanderplatz übernehmen. Wie eine Sprecherin der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen am Freitag rbb|24 bestätigte, wurden bereits am Mittwoch zwei Entwürfe aus einer Reihe von Bewerbern ausgesucht. Diese sollen nun noch einmal bis September überarbeitet werden. Dann wird ein Sieger gewählt. Neben dem Berliner Büro Sauerbruch und Hutton steht auch das Schweizer Büro Diener & Diener in dieser Finalrunde.

Die Berliner Architekten haben in der Gegend bereits sichtbare Spuren hinterlassen. Sauerbruch und Hutton sind für die Gestaltung des in sich verdrehten Wohn- und Geschäftshaus Alea 101 neben dem Fernsehturm verantwortlich, in dem neben luxuriösen Wohnungen und Büros auch mehrere Geschäfte unter gebracht sind.

Investor will fast eine halbe Milliarde Euro ausgeben

Das neue Hochhaus direkt neben dem Hotels Park Inn entstehen, auf dem sogenannten Grundstück D3, auf dem sich momentan noch ein Biergarten befindet [Ausschreibung]. Gebaut wird es von der Eigentümerin des höchsten Hotels der Stadt, der Firma Covivio. Diese entstand erst vor Kurzem aus einem Zusammenschluss des französischen Konzerns Foncière des Régions und ihrer Tochterfirma Immeo.

Wie das neue Hochhaus aussehen wird, soll erst öffentlich gemacht werden, wenn endgültig ein Gewinner aus dem Wettbewerb hervorgegangen ist. "Bildmaterial dürfen wir leider nicht herausgeben, bis eine Entscheidung gefallen ist", teilte eine Sprecherin des Büros rbb|24 mit. Über den Zuschlag soll im Herbst entschieden werden. Covivios Vorgängerfirma Foncière des Régions will für das Bauvorhaben etwa 450 Millionen Euro investieren. 2022 sollen die Bauarbeiten abgeschlossen sein.

Zudem hat Covivio das Recht einen weiteres Hochhaus neben dem Park Inn zu bauen, das dann an der Karl-Liebknecht-Straße Ecke Alexanderstraße stehen soll.

Wunsch und Wirklichkeit: So soll der Hines-Turm am Alexanderplatz aussehen (Quelle: picture alliance/dpa)
Bild: picture alliance/dpa

Hochfliegende Pläne

Für Hochhäuser am Alexanderplatz gibt es bereits seit Anfang der Neunziger Jahre einen Masterplan, der von dem Berliner Architekten Hans Kollhoff entwickelt worden war [berlin.de]. Ursprünglich sollten bis zu elf Hochhäuser rund um den Alexanderplatz gebaut werden, die jeweils 150 Meter hoch sein dürfen. Gebaut wurde bisher keines.

Seit einiger Zeit gibt es jedoch konkrete Pläne für zwei weitere Projekte. Für den sogenannten Alexander Capital Tower, der direkt neben dem Einkaufszentrum Alexa entstehen soll, liegt seit März eine Baugenehmigung vor. Der Bau eines weiteren Hochhauses, das von Star-Architekt Frank Gehry entworfen wurde, stockt hingegen seit Jahren. Weil der US-Investor Hines den ursprünglich geplanten Standort um einige Meter zur Otto-Braun-Straße Ecke Alexanderstraße verlegte, befürchtet die BVG, der Bau könnte einen nahegelegenen U-Bahntunnel beschädigen.

Korrektur: In einer früheren Version des Artikels entstand fälschlicherweise der Eindruck, dass direkt zwei neue Hochhäuser gebaut werden sollen. Dem ist nicht so. Richtig ist: Der Eigentümer hat das Recht links und rechts neben dem Park Inn jeweils ein neues Hochhaus zu bauen, konkrete Pläne gibt es aber vorerst nur für eines. Wir bitten den Fehler zu entschuldigen.

Sendung: Abendschau, 13.07.2018, 19.30 Uhr

Beitrag von Oliver Noffke

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9 Kommentare

  1. 9.

    Viele Dinge, die in der Vergangenheit als "Größenwahn" bezeichnet wurden, sind heute Selbstverständlichkeiten oder Wahrzeichen einer ganzen Nation. Sei es der Traum der Fliegerei, sei es der Eifelturm in Paris. Es ist eher das kleinliche Denken, das stets Stillstand bei der Entwicklung ausübt. Ohne Frage steht in Berlin hierfür politisch RRG, denn sonst wäre der Turm auch nicht auf Wunsch einer einzelenen Politikern (die Ihres Amtes als Bausenatorin nicht würdig ist) auf 130m gestutzt worden. Es wäre der der 2016 beschlossene Masterplan, der unter Bürgerbeteiligung entstand, auch 1:1 umgesetzt worden. 150m sind international lächerlich. Selbst im halb so großen Warschau ist man gerade dabei 310m zu realisieren. Wolkenkratzer gelten international nunmal als wirtschaftliches Statussymbol. Einer Symbolik, der sich auch Deutschland nicht entziehen kann. Und in Berlin herrscht zudem massiv Nachfrage an Büro und hochwertiger Wohnfläche. Somit sind die 9x 150m Wolkenkratzer ein Muss!

  2. 8.

    Die Höhe der Gebäude kontrastiert immer eklatanter mit dem, was tatsächlich gebraucht wird. Wohl kein einziges Hochhaus beherbergt nur denjenigen, der sich mit Großbuchstaben dort oben verewigt hat, vielmehr geht der Anteil so bezeichneter "Fremdnutzung" hin zu schwindelerregenden Anteilen.

    Im Grunde genommen handelt es sich um Phantastereien. Doch im Vergleich zu den anschaulichen Phantastereien historischer Art, die aus Fußgängerperspektive ohne Halsverrenkungen anschaulich erfahrbar sind, bekommt ein Mensch bei den 150-Meter-Bauwerken direkt davorstehend eine Genickstarre.

    Nur aus gehöriger Distanz - das meine ich doppeldeutig - und aus abgehobener Vogelperspektive sind die geplanten Bauten erträglich.

  3. 7.

    Auf dem Alex wäre aber auch noch Platz gewesen...

  4. 4.

    Der Alexanderplatz ist wahrlich keine Augenweide. Dort wird seit Jahrzehnten planlos drauflos gebaut ohne schlüssiges Gesamtkonzept mit abenteuerlichem Stilmix (20er Jahre Riegel, DDR-Kästen, groteskes Alexa). Hoffentlich erinnert sich jemand in der Verwaltung an das mächtige Werkzeug der Gestaltungssatzung.

  5. 2.

    Einerseits ist es ja wirklich zu begrüßen, dass die vielen Brachflächen an einem der zentralsten Orte der Stadt endlich belebt werden. Andererseits kann ich die ästhetischen Vorgaben durch die zuständige Senatsverwaltung nicht nachvollziehen. Dort drei Türme zu bauen, di nahezu gleich hoch sein werden und zudem noch in einer Reihe hintereinander stehen, wirkt ziemlich gewollt statt organisch gewachsen. Dass die recht sympathische Idee von dem Architekten Christian Speelmann nie ernsthaft diskutiert wurde, am Alex die neue Landesbibliothek zu bauen und dadurch etwas Kultur an diesen Ort zu bringen, ist schade. Dafür könnten einzelne Hochhäuser am Alex meinetwegen auch etwas höher sein. Den ollen DDR-Betonschniedel mit seiner Glitzerkugel kann man eh nicht verdecken.

  6. 1.

    Na, hoffentlich finden sie nicht einen schützenswerten Lurch oder Käfer oder die Grundmauern einer jahrtausendalten Toilette.
    Oder, stoßen auf organisierte Wutbürger, die bestimmt einen Grund finden, das Bauvorhaben zu torpedieren.
    Bürgerrechtler, die einen Platz der Erinnerung an den 04.November 1989 errichten wollen.
    Wir werden also sehen, was "in die letzte Runde" gehen heißt.

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