Ein Arbeiter hängt einen Holzbalken an einen Kran auf einer Baustelle der Wohnungsbaugesellschaft Howoge (Quelle: dpa/Britta Pedersen)
Video: Abendschau | 09.07.2018 | Tom Garus | Bild: dpa

Geringes Interesse an öffentlichen Aufträgen - Berliner Bürokratie schreckt Bauunternehmer ab

Nicht einmal zwei Drittel der Bauunternehmer in der Region hat Lust, sich auf öffentliche Bauaufträge der Berliner Verwaltung zu bewerben. Die Zuständigkeiten seien oft unklar und die Preise zu niedrig. Zudem haben die Unternehmen die Aufträge oft gar nicht nötig.

Sich um öffentliche Aufträge in Berlin zu bewerben, ruft bei vielen Bauunternehmern in der Region keine Jubelstürme hervor. Laut der Fachgemeinschaft Bau (FG Bau) bemühen sich derzeit nur 63 Prozent der Brandenburger und lediglich 57 Prozent der Berliner Bauunternehmer um öffentliche Aufträge vom Senat. Das habe eine Umfrage unter den rund 900 mittelständischen Unternehmen ergeben, die Mitglied des Verbands sind.

In Berlin und Brandenburg warten nicht nur Privatleute mitunter wochenlang auf einen Handwerker. Auch die öffentliche Hand muss sich bemühen, um genug Bauunternehmen zu finden, in Berlin zum Beispiel für die geplante Sanierung maroder Schulen.

Oft sei nicht klar, welche Behörde zuständig sei

"Es geht darum, dass es sehr, sehr viele Regelungen gibt, die zu erfüllen sind. Und diese Regelungen überschreiten sehr häufig den Anteil der eigentlichen Arbeit", sagte der Präsident der FG Bau, Klaus-Dieter Müller, dem rbb.

Die Firmen seien demnach insbesondere unzufrieden mit dem hohen bürokratischen Aufwand in Berlin sowie mit den komplizierten Genehmigungsverfahren. Zudem sei oftmals die Frage der Zuständigkeit unter den Behörden unklar, und die Verwaltung habe kein Bewusstsein für angemessene Preise. In einer Mitteilung des Verbands heißt es: "Das Bereitstellen guter Arbeits- und Ausbildungsplätze, die Fortbildung der Mitarbeiter, das gesetzestreue Abführen von Sozialleistungen und viele Qualitätsmaßnahmen wirken sich auf den Preis aus. Die privaten Auftraggeber haben das längst erkannt."

Fachkräftemangel bereiten Baubranche Sorgen

Aufgrund der guten wirtschaftlichen Lage seien die Betriebe derzeit nicht auf die öffentlichen Aufträge angewiesen. "Der Branche geht's gut. Wir können nicht klagen", sagte Müller dem rbb-Inforadio. Viele Unternehmen seien derzeit durch private Auftraggeber gut versorgt. "Die Auslastung ist sehr hoch. Das sieht man überall, die Baukräne drehen sich", sagte er.

Allerdings plagten die Branche Nachwuchssorgen. 600 Berufseinsteiger bräuchten die Berliner Bauunternehmer jedes Jahr. Tatsächlich seien es derzeit allerdings nur etwa 150.

Die FG Bau vertritt nach eigenen Angaben etwa 900 mittelständische Bauunternehmen und ist der größte Bauwirtschaftsverband in der Region.

Sendung: Inforadio, 09.07.2018, 15.35 Uhr

Kommentar

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2 Kommentare

  1. 2.

    Warum sollte ein Unternehmer sich mit Aufträgen belasten, wo er von vornherein davon ausgehen kann, dass es Ärger geben wird, dass das Geld nicht pünktlich auf dem Konto sein wird, dass mit Verzögerungen bei der Abnahme zu rechnen ist, dass ständig Planungsänderungen erfolgen können und dass dafür ein Preis gezahlt wird, der schon lange nicht mehr Marktgerecht und eigentlich mit ordentlicher Entlohnung der eigenen Belegschaft nicht zu erwirtschaften ist? Diese Probleme sind hausgemacht. Soll die Stadt doch eine eigene Baufirma betreiben, wenn sie keine Marktpreise zahlen will.

  2. 1.

    Wenn es den Eseln zu gut geht, werden sie hochmütig und wählerisch. Wenn es ihnen schlecht geht, schreien sie nach Staatshilfen. Aber was Wunder. MIt so einer verschnarchten Verwaltung und so einen Regierenden kann man es ja machen.

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