Ein Elektrobus wird auf dem Betriebshof in Peking aufgeladen (Quelle: ARD-Studio Peking/Benjamin Eyssel)
Audio: ARD-Studio Peking | 30.07.2018 | Benjamin Eyssel | Bild: ARD-Studio Peking/Benjamin Eyssel

Besuch in Peking - Was Berlin bei E-Bussen von China lernen kann

Von rund 22.000 Stadtbussen werden in Peking bereits mehr als die Hälfte elektrisch betrieben. In Berlin sind nur fünf Elektrobusse im Einsatz. Wie die Chinesen den Umstieg geschafft haben, schaut sich Verkehrssenatorin Günther nun mit einer Delegation vor Ort an. Von Benjamin Eyssel

Eine Testfahrt beim Fahrzeughersteller Foton in Peking: Der Stadtbus wird mithilfe von Wasserstoff elektrisch angetrieben - eine von mehreren Möglichkeiten, Busse emissionsfrei zu bewegen. Den Technikern der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) gefällt, wie sanft der Bus anfährt. Berlins Verkehrssenatorin Regine Günther (parteilos, für Grüne) ist vor allem beindruckt, wie schnell in Peking auf Elektromobilität umgestellt wird.

"Man möchte in sehr kurzer Zeit die Anzahl an E-Bussen signifikant erhöhen. Bis 2020 soll alles umgestellt sein. Das sind schon große Zahlen", sagt Günther. "Wir haben uns vorgenommen, bis 2030 die vollständige Umstellung auf Elektrobusse zu schaffen. Das wird hier als nicht sehr ambitioniert gesehen. Wir denken, es ist schon ambitioniert."

Verkehrssenatorin Regine Günther (li.) und BVG-Chefin Sigrid Nikutta stehen in einem Elektrobus auf dem Betriebshof in Peking (Quelle: ARD-Studio Peking/Benjamin Eyssel)
Senatorin Günther und BVG-Chefin Nikutta im chinesischen Elektrobus | Bild: ARD-Studio Peking/Benjamin Eyssel

Gravierende Unterschiede zwischen Deutschland und China

In der chinesischen Hauptstadt werden von rund 22.000 Stadtbussen bereits etwa 60 Prozent elektrisch angetrieben. In spätestens zwei Jahren soll es keine Dieselbusse mehr geben. In Berlins deutlich kleinerer Busflotte von 1.500 Fahrzeugen gibt es gerade mal fünf E-Busse. Die Berliner Verkehrssenatorin erkennt gravierende Unterschiede zwischen China und Deutschland: "Hier sieht man, dass Geld scheinbar keine Rolle spielt. Es wird sehr viel in die Infrastruktur investiert, sehr viel in Innovation investiert", so die Senatorin. Die Schnelligkeit ergebe sich auch daraus, dass die Planungsprozesse deutlich kürzer sind.

Große Herausforderungen für die BVG

Elektrobusse, die EU-Normen erfüllen, sind teurer als vergleichbare Dieselbusse und nicht in großer Stückzahl verfügbar. Außerdem sind sie noch nicht so zuverlässig und haben eine geringere Reichweite. Um wie ein Dieselbus mehrere hundert Kilometer am Tag zurücklegen zu können, muss ein batteriebetriebener Bus mehrmals an die Steckdose. Und während der Ladezeit kann er nicht genutzt werden.

Nächste Station der Berliner Delegation in Peking ist ein Betriebshof an dem nur Akku-Busse gewartet und geladen werden. Für BVG-Chefin Sigrid Nikutta ist genau das die größte Herausforderung. "Um die gesamte Lade-Infrastruktur aufzubauen, brauchen wir wahrscheinlich mindestens noch einen weiteren neuen Betriebshof", sagt Nikutta. Außerdem müssten die Ladestationen und Ladepunkte im Innenstadtgebiet aufgebaut und betrieben werden. Man bräuchte auch die entsprechenden Stromleitungen, die die gesamte Last bewältigen könnten, zählt die BVG-Chefin als weitere Herausforderungen auf.

Betriebshof für Elektrobusse in Peking (Quelle: ARD-Studio Peking/Benjamin Eyssel)
Die Elektrobusse aus China wären in Berlin nicht einsetzbar. | Bild: ARD-Studio Peking/Benjamin Eyssel

Renaissance der O-Busse in Berlin?

Wie Peking strebt auch Berlin einen Mischbetrieb mit verschiedenen Systemen an. In der chinesischen Hauptstadt sind neben reinen Akkufahrzeugen auch viele Busse mit Oberleitung unterwegs. In Berlin sind die letzten O-Busse Anfang der 70er Jahre im Ostteil der Stadt ausgemustert worden. Nun könnten sie eine Renaissance erleben, sagt BVG-Chefin Sigrid Nikutta, allerdings mit Akku an Bord.

"Oberleitungen könnten tatsächlich ein Modell sein für längere Strecken. Denn mittlerweile ist es so, dass auch diese Oberleitungsbusse fast die Hälfte der Zeit ohne Oberleitung fahren können. Und das ist natürlich eine sehr elegante Form der Ladung, weil sie quasi nebenher geschieht."

Verkehrssenatorin Regine Günther übergibt in Peking Geschenke (Quelle: ARD-Studio Peking/Benjamin Eyssel)(Quelle: ARD-Studio Peking/Benjamin Eyssel)
Elektrobus im Miniformat: Für die Berliner Delegation gibt es Geschenke. | Bild: ARD-Studio Peking/Benjamin Eyssel

Für Berlin geeignete Elektro-Doppeldecker fehlen

Fachsimpeln auf dem Betriebshof im Pekinger Norden: Die chinesischen Busse haben eine Reichweite von etwa 60 Kilometern. Sie pendeln zwischen zwei Betriebshöfen mit Ladestationen. Besondere Aufmerksamkeit bei der Berliner Delegation erwecken die batteriebetriebenen Doppelstock-Busse. In Berlin wären die chinesischen Busse aber nicht ohne weiteres einsetzbar, weil sie beispielsweise nicht behindertengerecht und nicht hoch genug sind. Auch eine zweite Treppe fehlt.

Es sei nicht leicht einen geeigneten Elektro-Doppeldecker zu finden. Dennoch versichert BVG-Chefin Sigrid Nikutta, die Berliner Wahrzeichen werde es auch in Zukunft geben. "Nach dem heutigen Stand gibt es in Europa noch keinen Doppeldecker in den geforderten Maßen für Berlin, der elektrisch betrieben wird. Da werden wir wahrscheinlich die längste Übergangszeit haben - und auch nochmal einige neue Diesel-Busse in Betrieb nehmen", sagt sie. "Aber das finale Ziel ist natürlich, auch die Doppeldecker-Flotte auf elektrischen Betrieb umzustellen."

Beitrag von Benjamin Eyssel

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14 Kommentare

  1. 14.

    Woher nehmen Sie Ihr Wissen, dass die Busse nur in den Randgebieten fahren? Die Innenstadt innerhalb des zweiten und dritten Ringes ist voll von E-Bussen. Ich fahre selbst ständig damit. Deutschland tut sich bei der E-Mobilität wirklich schwer. Während wir noch Jahre zubringen, um zu testen ist in China dies einfach schon Alltag, vom weit verbreiteten E-Roller bis zum E-Bus. Selbst Paketzustelldienste funktionieren in China fast nur mit E-Fahrzeugen und dies schon seit Jahren.

  2. 13.

    Na wenn China als Vorbild so toll ist, wieso hat Fr. Dr. Nikutta nicht gleich 3000 Busse mitgebracht?
    Heute habe ich über eine Schlagzeile erfahren, dass evtl. nahe zu alle VW E-Autos wegen illegaler Cadmium-Verwendung durch das Kraftfahrtbundesamt zurückgerufen werden.
    https://www.heise.de/newsticker/meldung/Cadmium-verbaut-VW-droht-Rueckruf-von-124-000-E-Autos-4124938.html
    Das kann ja was werden wenn Deutschland versucht E-Busse zu bauen.
    Ebenso betreibt China ein anderes E-Bus Konzept: Die Busse bringen die Fahrgäste von den Außengebieten nur an den Rand der Stadt. In der Stadt reicht die km-Leistung von E-Bussen nicht aus.
    Wie hier S Südkreuz <> Zoo (Hertzalle), das E-Ding ist fast (aus)gestorben...

  3. 12.

    Nein, es bedeutet, daß unsere Politiker schlicht zu einfältig sind und Innovationen einfach eine Absage erteilen und diese dann ins Ausland gehen, siehe u. A. Transrapid, Solarpaneelhersteller die dank unserer Politik pleite gehen, von asiatischen Großmogulen gekauft und abgebaut werden um dann dort zu produzieren und den Krempel dann zum Dumpingpreis wieder hier verkaufen und den hier verbliebenen Rest der Produzenten kaputt machen.
    Innovation bedeutet auch Verantwortung, insbesondere von Politikern, die der Wirtschaft auch mal auf die Finger hauen sollte, wenn es um die Standorte und Menschen geht

  4. 11.

    In Deutschland mag es an manchem mangeln, aber ganz gewiss nicht an Investitionsmitteln. Firmen und Privatpersonen sitzen auf Rekord-Geldbeständen. Wo publizieren Sie Ihre Weisheiten denn, außer in Online-Foren? ;-)

  5. 10.

    Die Dame sollte mal in der Nähe schauen: Eberswalde und andere hiesige Städte in unserem Land nutzen seit langem E-Busse. Da muss man keine Steuergelder für solche unnützen Reisen verprassen, zumal in ein Land, das Menschenrechte nicht kennt und die Infrastruktur zu Lasten von Menschen, die zwangsumgesiedelt werden und ohne Rücksicht auf Fauna und Flora einfach mal durchpeitscht.

  6. 9.

    Die Grünen mal wieder mit ihren falschen Prioritäten. Wichtig ist dass der Bus seinen Fahrplan einhält, und dass er überhaupt kommt (und nicht ausfällt, wie regelmäßig zu erleben). Ob er elektrisch ist oder nicht ist sowas von Banane ..

  7. 7.

    Hinter die Überschrift gehört ein "[sic]", weil es "Hier spielt Geld anscheinend keine Rolle" heißen müsste.

  8. 6.

    Zunehmend chinesische Investoren in Deutschland bedeutet den Deutschen fehlen Investitionsmittel.
    Niemand lässt sich die Reproduktion von Investitions-Geldern entgehen es denn er muss mangels Masse.

  9. 5.

    Hier spielt Geld scheinbar keine Rolle.
    Netter Spruch einer Volksvertreterin die ja den BER vor der Nase hat.
    Die Chinesen scheinen zu wissen wo es sich lohnt zu investieren.

  10. 4.

    Es müssen Doppeldecker sein! Als die BVG um die Jahrtausendwende über deren Abschaffung nachdachte, war der Aufschrei unter der damaligen Bevölkern gross.

    Auf dem Markt ist jetzt einfach noch nichts verfügbar.

  11. 3.

    Die nächste Delegation besucht China. Vor ein paar Wochen war Frau Pop zusammen mit Frau Nikuta schon dort. Vertraut Frau Günther denen nicjt oder wollte die einfach mal Peking besuchen?


  12. 2.

    "... weil sie beispielsweise nicht behindertengerecht und nicht hoch genug sind. Auch eine zweite Treppe fehlt."

    Das, was hier eher recht nebenbei erwähnt wird, halte ich für zentral für das Menschenbild in China und dafür, warum es so schnell und mit so einem großem Volumen geschieht. Motto: "Schwund ist dabei und auf Minderheiten und besondere Gemengelagen können wir keine Rücksicht nehmen." Da bricht dann mal eben ein Bergwerk zusammen oder ein Stadtquartier wird gemäß "technischer Erfordernisse" mal eben umgekrempelt, ohne mit Menschen vor Ort zu sprechen, um sich mit ihnen ins Benehmen zu setzen.

    Selbstverständlich ist ein Besuch anderswo immer lohnend. Schon alleine der Eindrücke wegen und um die eigenen Gedanken frei walten zu lassen. Dass sich einige aber daran berauschen oder gar ein Vorbild sehen, halte ich für völlig fehl am Platze.

  13. 1.

    Warum müssen es ausgerechnet Doppeldecker sein. Es könnten auch normale Busse also nochmals nach denken, was gibt auf den Markt. Nicht wie in der Vergangenheit regelmäßig des Jahr die Fahrpreise zu erhöhen.
    Diese Jahr gibt es einmalig keine Fahrpreis Erhöhung.

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