Der Präsident des Landesbauernverbandes Brandenburg, Henrik Wendorff, zeigt eine viel zu kleine Ähre vom Weizen im Vergleich zu einer normal entwickelten Ähre. (Quelle: dpa/Patrick Pleul)
Video: rbb Aktuell | 05.07.2018 | Bild: dpa/Patrick Pleul

Bauernverband verlangt Hilfen für Landwirte - Ernteausfälle beim Getreide existenzbedrohend

Zu viel Hitze, zu wenig Regen: Die Brandenburger Landwirte rechnen damit, 30 Prozent weniger Getreide zu ernten als im langjährigen Durchschnitt. Die Trockenheit bedrohe Existenzen, warnt der Deutsche Bauenverband - und fordert deshalb Hilfen.

Der Deutsche Bauernverband erwartet wegen der anhaltenden Trockenheit in weiten Teilen Deutschlands erhebliche Ernteausfälle. Existenzen seien bedroht, vor allem wegen der schlechten Getreideernte, warnte Joachim Rukwied, Präsident des Deutschen Bauernverbandes, am Donnerstag in Trebbin (Teltow-Fläming).

Das Ernteergebnis von Getreide wird laut Bauernverband mit 41 Millionen Tonnen unter dem Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre von knapp 48 Millionen Tonnen liegen. Wegen des schwierigen Wetters vor allem im Norden und Osten Deutschlands gab es einen außergewöhnlich frühen Erntebeginn. Schon vor zwei Wochen haben viele Brandenburger Landwirte bereits mit der sogenannten Not-Ernte begonnen.

Kleine Körner, geringer Wert

In Brandenburg sei das Getreide häufig auf dem Halm vertrocknet. Teilweise sei die Ernte deshalb gar nicht eingeholt, sondern gleich gehäckselt worden, hieß es. Der Chef des Brandenburgs Landesbauernverbandes, Henrik Wendorff, ergänzte, in der Mark sei mit Ausfällen von rund 30 Prozent zu rechnen. Weil die Körner oft klein sind, werde für das Getreide weniger gezahlt. Joachim Rukwied, Präsident des Deutschen Bauernverbandes, fordert deshalb Dürre-Hilfen für die Landwirte. Brandenburgs Bauernbund lehnt die Hilfsgelder dagegen ab: Sie seien nur vorteilhaft für Großbetriebe.

Obstanlagen ohne Bewässerung machen Sorgen

Wegen der anhaltenden Trockenheit rechnen auch die Obstbauern in der Region mit Einbußen. Die Kirschenernte verlaufe zwar bislang gut, sagte Thomas Bröcker vom Gartenbauverband Berlin/Brandenburg am Donnerstag im rbb. Sorgen machten aber Obstsorten wie Äpfel und Pflaumen in Anlagen, die nicht bewässert werden.

Bröcker erklärte, zwar sei im vergangenen Jahr die Ernte unter anderem wegen zu wenig Sonne schlecht gewesen. Die Obstpreise seien aber hoch gewesen. Das habe die Einbußen zum Teil ausgeglichen. In diesem Jahr sei die Ernte wahrscheinlich schlecht und die Preise niedrig. Das könne für viele Betriebe kritisch sein.

Eine der schlimmsten Trockenperioden überhaupt

In weiten Gebieten Ostdeutschlands ist es so trocken wie seit vielen Jahren nicht. Nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes haben die Pflanzen nur noch ein Drittel der normalen Wassermenge zur Verfügung. Es sei eine der schlimmsten Trockenperioden seit Beginn der Wetter-Aufzeichnungen im Jahr 1961, so die Meteorologen.

Kommentar

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6 Kommentare

  1. 6.

    Interessant sind für mich gerade eine Frage besonders: was passiert, wenn Bauern besonders gute Ernten haben? Zahlen sie die Mehreinnahmen in einen Sicherungsfond für solche Jahre wie dieses? Oder gar in Klimaschutzmaßnahmen (auch die Landwirschaft ist Verursacher von Emissionen)? Wahrscheinlich nicht.
    Damit gleichen Sie den Banken, weil sie Risiken eingehen und ordentliche Gewinne machen, wenn es gut geht, während die Ausfälle, wenn es schlecht läuft, sozialisiert werden. Mein Tipp: Subventionen für Bauern nur bei strikten Klima- und Bodenschutzmaßnahmen.

  2. 5.

    Bewässerung gehört zur Landwirtschaft, nicht nur Glück.

  3. 4.

    Stimme Ihnen absolut zu! Es gibt nicht nur 1 Kultur, die man anbauen kann. Ich sah neulich eine Doku über einen brandenburger Bio-Bauern. Der hat experimentiert mit diversen Kulturen, die auch Trockenheit besser aushalten.
    Diese Dürre ist tatsächlich schrecklich. Aber die Landwirtschaft muss sich anpassen (z.B. Mulchen). Es kann nicht sein, dass der Staat eine falsche Anbaukultur quasi subventioniert, indem er ständig Hilfen leistet. Damit wird langfristig nicht gehofen, sondern geschadet, weil kein Umdenken in der Anbaukultur erfolgt!

  4. 3.

    Eine Bitte an alle rbb Radio- und Fernsehmoderatoren. Sonne und trocken für Sie schön und gut. Schönes Wetter in diesem Sommer wird mit dem ersten Regen beginnen.

  5. 2.

    Die Beendigung der Sanktionen gegen Russland und finanzielle Hilfe durch unseren im Moment finanziell gut aufgestellten Staat können hilfreich sein.

  6. 1.

    Dürrehilfen?
    Ist der Anbau von Getreide nicht eine Gewerbetätigkeit, die man frei und selbt wählen kann und damit auch reines unternehmerisches Risiko?
    Müsste man für solche nivht unbekannten Wetterphänomene Rücklagen bilden?

    Ich würde mich selbst und mein Unternehmen arg hinterfragen, wenn wir als Baumpfleger Zuschüsse bekämen - bspw. wenn eine Herbstperiode lang Stürme und somit Astausbrüche etc. ausblieben.

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