David Roth, Modeblogger des Männermodeblogs "Dandy Diary" in seiner Baumhaus-Wohnung. (Bild rbb/Julia Vismann)
Audio: Inforadio, 3.7.2018, 10.45 Uhr | Bild: rbb/Julia Vismann

Berliner Modeblog "Dandy Diary" zur Fashion Week - Wenn es gar nicht um Mode geht - ist es gut

Das Berliner Männermodeblog "Dandy Diary" ist bekannt für provokante Aktionen gegen die Modebranche. Blogger David Roth findet die Fashion Week trotzdem gar nicht schlecht und hat einen Tipp, wie man sich bei Modenschauen reinschmuggelt. Von Julia Vismann

"Ich trage Farbe, wenn ich dafür bezahlt werde. Sonst trage ich nur noch schwarze Hose und schwarzes T-Shirt", sagt der 34-jährige Modeblogger David Kurt Karl Roth. "Dandy Diary" ist das erfolgreichste deutsche Männermodeblog. Als David Roth 2009 anfing, über Männermode im Internet zu schreiben, war er ein Pionier. 2010 kam der Politikwissenschaftler Carl Jakob Haupt dazu.

Heute schicken große Modemarken den beiden Bloggern Hemden, Hosen und Turnschuhe zu, damit sie im Internet darüber schreiben. Mittlerweile zahlen Firmen für einen redaktionellen Werbe-Beitrag, ein sogenanntes "Advertorial", auf "Dandy Diary" vierstellige Beträge.

Die ersten drei Jahre haben die Blogger nichts bekommen. Nie hätten sie gedacht, dass jemand Geld dafür zahlt, dass sie etwas im Internet über Klamotten schreiben. "Erstmal war das ein merkwürdiges Gefühl", sagt David Roth. "Wir wussten gar nicht, was wir berechnen sollten."

"Dandy Diary" ist selbst zur Marke geworden

Der Blog "Dandy Diary" und seine Betreiber David Roth und Jakob Haupt sind längst selbst zu einer Marke im Modezirkus geworden. Mit ihrem Blog erreichen sie Tausende bis Zehntausende Leser. David Roth will den Männern klar machen, "was geht und was nicht geht". Auf "Dandy Diary" warnt er gerade vor der Rückkehr der schlimmsten Männerschuhe der Modegeschichte: "Eckige Lederschuhe aus Fake-Pythonleder, das ist ja eigentlich das Hässlichste, was wir uns vorstellen können."

An dem Punkt findet David Roth die Mode aber spannend. "Ein cooler Designer erschafft etwas, das extrem hässlich ist und spielt mit trashigen Elementen. Die Mode spielt in unser Ästhetikempfinden rein. In einem Jahr finden dann immer mehr Menschen Schuhe, die vorne eckig sind, extrem schön."

Neuer Trendlook: US-Daddy mit blitzblanken weißen Turnschuhen

Das Spiel mit dem Mainstream ist für den Modejournalisten besonders aufregend. "Also so auszusehen wie ein US-Daddy mit blitzblanken weißen Turnschuhen", beschreibt Roth den neuen Hipster-Trend.

Das sei viel reizvoller als der Indie-Kult, der vor drei bis vier Jahren den Höhepunkt hatte. "Plötzlich hatten alle Männer lange Bärte und haben versucht, damit besonders individuell auszusehen", meint der Modeblogger.

Das Geld, das die Blogger von "Dandy Diary" durch die Kooperation mit Marken verdienen, investieren sie in kritische Aktionen gegen die Modebranche.

"Alle hängen an der Titte von Zalando, aber Zalando wird nie cool sein"

Aufmerksamkeit ist alles. Dafür haben sie auch schon mal einen lebenden Elefanten auf einer der legendären Dandy Diary Parties zur Eröffnung der Fashionweek auftreten lassen. Ihr erster Hit war ein Mode-Pornofilm, bei dem der Höhepunkt das Anziehen der Klamotten war. "Die Mode zitiert ja immer wieder die Porn-Welt in sexy Kampagnen und wir wollten das konsequent zu Ende führen." Das Video wurde gleich nach Veröffentlichung zensiert. Und schon hatten die beiden Modeblogger ihren Skandal und maximale Aufmerksamkeit.

Gerade haben sie es auf den Online-Modehändler Zalando abgesehen. "Alle hängen an der Titte von Zalando, aber Zalando wird nie cool sein", sagt David Roth. Es sei ein Unternehmen, das von irgendwelchen BWL-Start-up-Leuten hochgezüchtet worden sei. Zalando habe Millionen in das Marketing gesteckt, um als cool zu gelten. Wenn "Dandy Diary" dann behauptet, Zalando sei uncool, tue das dem Unternehmen extrem weh, sagt der Modeblogger.

"Ein starkes, überdrehtes, größenwahnsinniges Event"

"Was könnte es schon Schlimmeres geben, als schwitzend auf einer schmalen Bank neben irgendeiner Arschgeige zu sitzen und sich Mode anzuschauen?", schreiben sie über die Fashion Week auf "Dandy Diary". Es komme auch auf die Show an, sagt David Roth. Wenn die toll konzipiert sei, könne das berauschend und auch eine Kunstform sein. Aber das sei in Berlin nicht sehr oft der Fall, sagt der Modeblogger.

Er freut sich trotzdem auf tolle Events bei der Fashionweek. Zum Beispiel auf Michael Michalsky Stylenight am Freitag im Tempodrom. "Da geht es noch nicht mal um die Mode, sondern es ist einfach ein starkes, überdrehtes, größenwahnsinniges Event. Und das macht so eine Fashionweek aus", sagt David Roth.

Zum zweiten Mal richtet der Fashion Council Germany, ein Zusammenschluss von Branchenvertretern und Fachpresse die Modewoche aus. Es sei gut, dass man sich vom Organisator IMG getrennt habe, sagt David Roth. "Das war ein guter und wichtiger Schritt. Das lässt sich jetzt schon erkennen, dass man auf die Stärken von Berlin eingeht. Allein, dass man das E-Werk oder das Berghain nutzt. Das sind Locations, die stehen viel mehr für Berlin als ein weißes Zelt am Brandenburger Tor."

Car-Wash-Striptease auf der Fashionweek - und ein Geheimtipp

Mit einer gruseligen Mainstreamparty im Berlin Dungeon hat "Dandy Diary" die Fashion Week am Montag eröffnet. Und bei der Offiziellen Abschlussparty am Freitag wollen sie mit einer "Dandy Diary" Performance glänzen. "Die Idee ist da, die tolle Kultur des Car-Wash-Striptease auf ein neues Niveau zu bringen." Sie strippen nicht selbst, sondern haben dafür zwei professionelle Stripperinnen gecastet.

Für alle modeinteressierten Berliner werden die Schauen auf großen Leinwänden draußen am E-Werk übertragen. Eigentlich kommt man nur mit Einladung der jeweiligen Designer in den Genuss einer Modenschau. David Roth kennt aber einen guten Trick, wie man auch ohne Einladung Zugang bekommt. Man brauche nur Mut und Elan und müsse cool aussehen. "Viele Shows sind überbucht - viele Leute kommen dann auch nicht. Dann gibt es die Chance am Ende noch reinzurutschen. Man braucht keine Einladung und muss nicht zum Inner Circle gehören, um zu 80 Prozent der Shows zu kommen.“"

Kommentar

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3 Kommentare

  1. 3.

    Äußerlichkeiten - laaaangweiliig.

  2. 2.

    Moment. Ein Männer-Blog-Label benötigt Stripperinnen??? Der Herr in Schwarz ist wenig vorteilhaft angezogen - wenn ich das als nicht Modeeprofi sagen darf - kaum vorstellbar, daß so einer es schafft das sich Männlichkeiten endlich hübscher(jawollo) und vorteilhafter kleiden.

  3. 1.

    "Also so auszusehen wie ein US-Daddy mit blitzblanken weißen Turnschuhen", beschreibt Roth den neuen Hipster-Trend.
    Aha. Anders gesagt: wenn alte Männer anfangen sich zum Horst zumachen.
    Genauso wenn die Branche Männern einreden will, Bärte zu tragen damit sie aussehen wie der Weihnachtsmann ohne Kostüm. Wenn man Männer im Winter überall mit der gleichen Label Kutte sehen kann.
    Anstatt sich in der heutigen Welt individuell abzusetzen suchen Männer verzweifelt nach ihrer Individualität in der Hipster-Welt. Wie traurig.

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