Fashionweek - Innovative Sneaker aus Kaffeesatz (Foto: rbb/Julia Vismann)
Audio: Inforadio | 05.07.2018 | Julia Vismann | Bild: rbb/Julia Vismann

Nachhaltige Sneakers auf der Fashion Week - Ein Schuh, der gut riecht - weil er aus Kaffee ist

Innovativ und nachhaltig zugleich sollen sie sein: Bei der Konferenz "FashionSustain" auf der Berliner Fashion Week stellen Schuhproduzenten Turnschuhe vor, die ökologisch sind und fair produziert werden - und zwar mit ungewohnten Materialien. Von Julia Vismann

Der Turnschuh der Zukunft ist aus Stein, Baumpilz oder Kaffeesatz. Sebastian Thiess experimentiert mit seiner Turnschuhmarke "nat-2" mit Materialien, die Leder ersetzen können. "Kaffeesatz ist eigentlich ein Rohstoff, der sonst weggeschmissen wird", sagt er. "Man kann eine ganz neue Haptik erzeugen, eine neue Optik - und es riecht gut." Darüber hinaus nimmt es die Gerüche aus dem Schuh und hat einen natürlichen UV-Schutz.

Die coolen Sneakers aus Kaffeesatz sehen aus, als wären sie aus edlem Nubukleder mit weißer Kautschuksohle. An der Ferse werden die Schuhe mit Kunstleder verstärkt, das aus recycelten PET-Flaschen hergestellt wird.

Der erste kompostierbare Schuh

Sebastian Thies ist in der sechsten Generation Schuhmacher aus Garching bei München. Seit 1856 stellt seine Familie Hausschuhe her. Sein Vater Matthias hat in den 1990er Jahren den ersten kompostierbaren Schuh entwickelt. Damit war Matthias Thies zu früh dran. Den Ökoschuh wollte niemand kaufen, weil alle dachten, dass ein kompostierbarer Schuh nicht so haltbar ist.

Jetzt unterstützt er seinen Sohn dabei, nachhaltige Rohstoffe für die Schuhproduktion auszuprobieren. "Das Beste sind unsere Baumpilzschuhe, die ist am aufwändigsten", sagt Matthias Thies, "und die mit Kaffeesatz und Almwiese - das sind richtig coole Schuhe."

Antiseptische Baumpilz-Schuhe gegen Fußpilz

 Zunderschwamm ist ein Baumpilz, der auf Birken oder Buchen wächst und zum Feuermachen verwendet wurde. Zunderfasern wurden sogar schon bei "Ötzi" gefunden. Der Pilz wird in Transsylvanien in Rumänien von Familienbetrieben geerntet. Im Anschluss muss er ein Jahr getrocknet und dann geschält werden. In aufwändiger Handarbeit wird der Pilz weiterverarbeitet auf Biotextilien aufgebracht und beschichtet, damit er wie feinstes Velourleder aussieht. Die Berliner Designerin Nina Fabert von "Zunder" hat das Pilz-Leder entwickelt.

Baumpilz sei bereits vor ein paar hundert Jahren in Osteuropa als Lederersatz verwendet worden, sagt Sebastian Thiess von "nat-2". "Wirklich neu ist, dass der Pilz für Schuhe verwendet werden kann. Das liegt auch daran, dass die technischen Möglichkeiten heute andere sind. Vor Hunderten Jahren wurde er generell für Accessoires und Funktionstextilien benutzt - das haben wir einfach wiederbelebt und diese Idee aufgegriffen. Warum neue synthetische Sachen entwickeln, wenn es natürliche Materialien gibt?" Dazu ist Zunderschwamm antiseptisch und antibakteriell, also auch gut gegen Fußpilz.

Kein Schuh zum Fußballspielen

Der Haken ist: Es sind keine Turnschuhe für den Alltag, sondern Schmuckstücke - weil sie in Italien in einem kleinen Familienbetrieb handgefertigt werden und auch die Herstellung des Pilz-Leders so kostspielig ist. "Die liegen bei 600 bis 900 Euro", sagt Sebastian Thies. "Man sollte sie schon pfleglich behandeln. Wir schreiben dann auch dazu, welche Features sie haben. Die Schuhe müssen tragbar sein. Aber Fußball spielen oder Moped fahren muss man damit nicht unbedingt."

Da eignen sich die Turnschuhe aus biegsamen Stein eher zum Rumrocken - oder die Sneaker mit einer geriffelten Holzoberfläche. Ganz robust sind die gelben Gummistiefel aus Mais. Die riechen dann auch noch nach Popcorn.

Sneakers aus Biobaumwolle und Kautschuk

Fair produzierte vegane Sneakers zum Fußballspielen gibt es von Ethletics für weniger als 100 Euro. Die Modelle erinnern an Basketballschuhe oder einfache hohe Stoffturnschuhe in Knallrot, Grün oder Schwarz. Ganz neu im Sortiment ist ein gepunktetes, kaleidoskopartiges buntes Muster, entworfen von einer Designstudentin aus Pakistan.

Die Sneakers sind aus zertifizierter Bio-Baumwolle, der Naturkautschuk stammt aus nachhaltiger Produktion in Sri Lanka. Hergestellt werden die Schuhe in Pakistan zu fairen Bedingungen: Ein Euro jedes verkauften Turnschuhs geht in eine soziale Stiftung für die Arbeiterinnen. Wer also keine Lust mehr auf Turnschuhe hat, die ökologisch bedenklich sind und bei deren Herstellung Menschen ausgebeutet werden: Es gibt da jede Menge Alternativen.

Beitrag von Julia Vismann

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