Dreharbeiten für einen Fernsehfilm in Berlin (Symbolbild, Quelle: imago/Steffen Schellhorn)
Video: rbb Aktuell | 10.07.2018 | Bild: imago/Steffen Schellhorn

Studie über Bezahlung in Film- und Fernsehbranche - Männer verdienen beim Film fast 50 Prozent mehr als Frauen

Nur jeder Dritte aus der Film- und Fernsehbranche kann von seinen Einnahmen leben. Das ergibt eine Studie zu Beschäftigungssituation der Film- und Fernsehschaffenden in der Region. Auch die Gehaltsunterschiede bei Männern und Frauen sind auffällig.

Berlin und Potsdam-Babelsberg gehören zu den bekanntesten Filmstandorten Deutschlands. Dutzende Fernsehserien, TV- und Kinofilme wurden in den vergangenen Jahren hier produziert, darunter viele internationale Produktionen. Dennoch kann nur ein Drittel der Film- und Fernsehschaffenden in Berlin und Brandenburg von den Einnahmen aus seiner Kerntätigkeit leben. Zu diesem Schluss kommt eine Studie, die von Linksfraktionen im Brandenburger Landtag und dem Berliner Abgeordnetenhaus in Auftrag gegeben wurde. Am Dienstag wurde sie vorgestellt.

Angst vor Altersarmut

Fast 70 Prozent der Befragten sind demnach auf zusätzliche Einnahmen inner- oder außerhalb der Film- und Fernsehwirtschaft angewiesen. In der Branche würden Honorare und Gagen nur sehr selten auf Tarifniveau gezahlt, Überstunden- oder Arbeitszeitregelungen durch die Arbeitgeber häufig ignoriert. Bei Filmschaffenden sei der Lohn zudem deutlich niedriger als bei Fernsehschaffenden.

"Wenn nur 32 Prozent der Befragten von ihrem Beruf in der Film- und Fernsehbranche leben können, muss dem dringend entgegengesteuert werden", sagte Volkmar Schöneburg, Abgeordneter im Brandenburger Landtag, der Mitteilung zufolge.

Die Linke sieht sich durch die Ergebnisse der Studie in ihrer Forderung bestätigt, dass Fernsehsender und Filmproduktionsfirmen Tarifverträge oder vergleichbare Vergütungsmodelle einhalten sollten, um drohender Altersarmut entgegenzuwirken.

Krasse Gehaltsunterschiede bei den Geschlechtern

Das durchschnittliche Brutto-Jahreseinkommen der Befragten aus Berlin und Brandenburg war mit 38.996 Euro das zweithöchste im bundesweiten Vergleich. Allerdings verdienten knapp 60 Prozent der Befragten weniger als 30.000 Euro brutto im Jahr.

Aufgeschlüsselt nach Geschlecht oder Alter der Filmschaffenden werden weitere, teilweise extreme Unterschiede deutlich. Männer verdienen im Durchschnitt 50 Prozent mehr als Frauen (44.216 Euro gegenüber 30.663 Euro). Bei den Unter-30-Jährigen ergab sich ein durchschnittliches Brutto-Jahreseinkommen von 14.861 Euro - deutlich weniger als in älteren Altersgruppen. 40- bis 49-Jährige verdienten zum Beispiel 44.835 Euro im Mittel.

Die schlechte Situation vieler Filmschaffender hat Konsequenzen für die Altersvorsorge. Sieben Prozent der Befragten aus der Region hätten gar nicht vorgesorgt, besagt die Studie. 60 Prozent bezeichneten ihre Vorsorge als unzureichend.

Durchgeführt wurde die Studie vom Berliner Unternehmen Langer Media. Bundesweit nahmen an der Befragung 3.827 Personen teil, davon lebten 1.215 Befragte in Berlin und 99 in Brandenburg. Viele Filmschaffende würden jedoch zwischen beiden Ländern pendeln, was ein Grund dafür ist, weshalb sie in der Studie gemeinsam betrachtet werden.

Die gesamte Studie können Sie hier nachlesen [externer Link].

Kommentar

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3 Kommentare

  1. 2.

    Ohne genauere Kenntnisse über die Parameter der Statistik ist deren Aussagekraft nicht zu bewerten. Wurden zum Beispiel diejenigen herausgerechnet, die besonders viel oder besonders wenig verdienen? Wenn nicht, ist das Bild möglicherweise schon verfälscht. Wo liegt der Median? Wie liegt der Verteilung innerhalb der Vergleichsgruppen und sind diese überhaupt gleich groß?
    Gibt es nämlich beispielsweise sehr viele junge Frauen, aber wenige junge Männer, wird der Durchschnittswert bei den Frauen gedrückt, da junge Beschäftigte in der Regel weniger verdienen. Je größer die Gruppe der Jüngeren ist, um so stärker ist die Auswirkung auf den Durchschnitt.
    Wünschenswert ist eine gleiche Bezahlung immer, genau genommen sollte sie sogar selbstverständlich sein. Dies aber statistisch zu ermitteln ist nicht ganz so einfach wie es scheint.

  2. 1.

    All die Frauen leisten auch genau das gleiche und sind genauso qualifiziert und einsatzbereit wie all die Männer? Dann wäre es tatsächlich ein Skandal, wenn sie weniger Geld bekommen. Oder ist das nur ein weiterer Beitrag zur Dauerpropaganda "Frauen steht für geringere Leistung der gleiche Lohn zu wie Männern (und Frauen), die mehr erbringen oder besser ausgebildet sind oder mehr Verantwortung tragen"?

    Im übrigen verstehe ich die Aufregung nicht: Einer monatelangen Kampagne zufolge, die vor einigen Jahren geführt wurde, ist das allerdrängendste Problem sämtlicher Frauen in der BRD doch gelöst, nämlich die Einführung einer Frauenquote für Aufsichtsräte börsennotierter Unternehmen.

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