Fachschullehrerin Ulrike Piwanka reiht Blutwürste auf (Quelle: dpa / Zinken)
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Video: rbb|24 | 25.07.2018 | Bild: dpa / P. Zinken

Lehrlinge müssen nach Leipzig - Berlins einzige Fleischerfachschule macht dicht

Seit Jahren haben Fleischereibetriebe Probleme Lehrlinge zu finden. Die zuständige Berliner Innung zieht nun Konsequenzen und schließt ihre Fachschule. Die Auszubildenden müssen nun lange Wege zurücklegen. Wo zukünftig Berufsprüfungen abgehalten werden, ist offen.

Berlins Fleischerfachschule muss Ende Juli nach 23 Jahren schließen. Für die Kurse fahren Lehrlinge aus Berlin und Brandenburg künftig nach Leipzig, wie Klaus Gerlach, der Obermeister der Fleischer-Innung, der Nachrichtenagentur dpa sagte. "Eine Millionenstadt wie Berlin ist dann nicht mehr in der Lage, eine überbetriebliche Lehrunterweisung zu bieten", so Gerlach. Der Grund seien zurückgehende Lehrlingszahlen. Es gibt demnach aber auch hausgemachte Probleme.

In der Fachschule in der Moabiter Großmarkthalle üben Fleischer-Azubis, was sie in dem Handwerk können müssen: Vom Zerlegen über Wurstmachen bis zum Wurstplatten-Legen. Es ist der überbetriebliche Teil der Ausbildung, die ansonsten direkt beim Fleischer läuft. Die Innung trägt die Schule.

Lehrer stehen vor dem beruflichen Aus

Kamen in den 1990er Jahren pro Jahr noch bis zu 1.200 Lehrlinge aus Berlin und Brandenburg, seien es zuletzt noch 190 gewesen, sagte Gerlach. Die handwerkliche Ausbildung habe bei Jugendlichen an Stellenwert verloren. "Die wollen alle Doktor oder Professor werden", meint Gerlach. Zuletzt verdiente die Schule durch "Wurstkurse" für Privatleute hinzu.

Die Innung könne nicht darauf warten, dass sich Berlins steigende Geburtenzahlen bemerkbar machten, sagte Gerlach: "Es ist so, dass uns die Kosten weglaufen." Fünf Fachlehrer verlieren laut Gerlach ihren Job.  

Wo künftig geprüft werden kann, ist nun offen

Gerlach sagte, die Innung habe in der Vergangenheit nicht alle möglichen Fördermittel abgerufen. "Unser Vermögen ist dadurch abgeschmolzen." Er sieht die Handwerkskammer in der Pflicht einzuspringen, entsprechende Zusagen seien vor Jahren gegeben worden.

Die Kammer widerspricht. Nur bei einer Auflösung der Innung müsse man die Fleischerfachschule befristet weiterführen. "Hiervon kann jedoch keine Rede sein", so Gerlach. Die Kammer habe mit der Innung dafür gesorgt, dass die Berliner in die Fachschule der Handwerkskammer Leipzig gehen können, wo es auch ein Internat gibt. Das betreffe eine Woche im Jahr.

"Die übrige duale Ausbildung findet weiterhin im Betrieb sowie in der Berufsschule in Berlin statt", betonte die Kammer. Offen ist noch, wo die Gesellen- und Abschlussprüfungen ab 2019 abgenommen werden. Dazu liefen noch Gespräche mit dem Senat.

Kommentar

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8 Kommentare

  1. 8.

    Der Appetit regelt das beim gesunden Menschen.
    Hat der Mensch keinen Appetit ab- und zu auf Fleisch bzw. tierische Eiweiß/Fette stimmt was nicht.
    Würde der Mensch ausschließlich nur für Pflanzen konzipiert sein, hätte er keine Fermente um tierische Eiweiß/Fette zu verdauen. Eine von Ihnen avisierte Umstellung würde in der Zukunft gerade bei Kindern geistige und körperliche Behinderungen erzielen oder waren Sie schon als Veganer auf die Welt gekommen?

  2. 7.

    Ich kann Ihren Wunsch nachempfinden. Auch ich stehe der industriellen Fleischverarbeitung sehr skeptisch gegenüber. Aber vollständig einstellen wird man es nicht können. Allen Menschen vorzuhalten sich nur noch vegan zu Ernähren ist vollkommen daneben gegriffen. Beides ist eine gesunde Mischung. Fleisch darf grundsätzlich nicht mehr“ nur billig“ bleiben, den umkehrschluß sehe ich bei vegane Produkte. Momentan ist es nämlich so, das daraus auch ein Industriezweig entsteht, der auch seine neuen Produkte recht teuer auf den Markt bringt, für eine bestimmte Klientel. Da liegt das Problem.

  3. 6.

    Die Zukunft ist vegan. Darauf sollte sich die Industrie entsprechend einstellen. Ich begrüße diese Entwicklung sehr. Mit dem Tod und Leid von Lebewesen sollte niemand mehr sein Geld verdienen.

  4. 5.

    Da kann ich Ihnen nur Zustimmen. Hier läuft was gewaltig schief. Fachkräfte werden in vielen Berufszweigen dringend benötigt und es wird zuwenig unternommen. Das rächt sich eines Tages.

  5. 4.

    Warum wird denn mit der Schließung nicht gewartet, bis der letzte Jahrgang an aktuellen Azubis ausgelernt hat? Erst wird jungen Leuten eine Ausbildung zugesichert, und dann mittendrin sowas? Das ist übel.

  6. 3.

    Das verstehe ich zeitlich und inhaltlich nicht: Eine Woche Internatsausbildung pro Jahr in Leipzig, soll die gesamte Berufsschulzeit in Berlin pro Jahr abdecken? https://www.aubi-plus.de/berufe/fleischer-65/

  7. 2.

    Unglaublich ist das und wir sind die Hauptstadt. Hauptsache das Fleisch ist schön billig im Supermarkt zu kaufen und kaum einen interessiert es woher Fleisch kommt. Den wenigen Leuten kann man nur empfehlen ein anderen Beruf zu lernen statt zur Fleischereifachschule nach Leipzig zu pendeln.

  8. 1.

    Die Fleischereibetriebe haben Probleme Lehrlinge zu finden, und als kleine Belohnung schickt man die, die man noch findet, nach Leipzig in die Schule? Ernsthaft? 190 Schüler müssen sich jetzt also Gedanken machen, wie sie das "gebacken" kriegen. Gemeinsam mit der IHK und der Senatsverwaltung für Wirtschaft sollte da ja wohl eine Lösung hinzukriegen sein. Am Geld darf das bitteschön nicht scheitern, denn das ist in diesem Land, für ganz andere Dinge, scheinbar im Überfluss vorhanden.

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