Ein Schild der Generali (Quelle: Christoph Hardt/Geisler-Fotopres)
Bild: Geisler-Fotopress

Millionen Versicherte betroffen - Abwicklung der Generali-Lebensversicherungen sorgt für Kritik

Die anhaltend niedrigen Zinsen setzen Anbieter von Lebensversicherungen unter Druck, Gewinne zu erwirtschaften wird immer schwerer. Nun will die Generali Millionen Verträge an einen Abwickler verkaufen. Verbraucherschützer befürchten Nachteile für Verbraucher.

Die Ankündigung des Versicherungskonzerns Generali, sich von vier Millionen Lebensversicherungsverträgen in Deutschland weitgehend zu trennen, stößt auf Kritik. Die Kunden müssten dafür bluten, dass sich das Unternehmen verrechnet habe, sagte Axel Kleinlein, Vorstandsvorsitzender vom Bund der Versicherten, am Freitag dem rbb. "Das ist natürlich eine Sauerei."

Generali hatte am Donnerstag mitgeteilt, dass der Abwickler Viridium aus Neu-Isenburg (Hessen) 89,9 Prozent an der Generali Leben erhalten soll. Generali selbst behält die restlichen Anteile und sichert sich außerdem die Option, sich mit bis zu zehn Prozent an Viridium zu beteiligen.

Der italienische Generali-Konzern und seine deutsche Tochter erwarten durch den Verkauf Gesamteinnahmen von bis zu 1,9 Milliarden Euro. Der Vertrag werde voraussichtlich in Kürze unterzeichnet, hieß es. Es ist bislang der mit Abstand größte Verkauf eines Lebensversicherungs-Portfolios an einen Abwickler.

Generali trifft keine Aussage zu Betroffenen in Berlin und Brandenburg

"Generali steht wohl einigermaßen mit dem Rücken zur Wand", so Axel Kleinlein vom Bund der Versicherten im Gespräch mit dem rbb. Der Hintergrund des Verkaufs seien viele Verträge mit hohem Garantiezins. "Jetzt zeigt sich, dass sich die Versicherungsmathematiker verkalkuliert haben."

Wie viele Versicherte berziehungsweise Verträge in Berlin und Brandenburg von dem Geschäft betroffen sind, konnte ein Generali-Sprecher auf mehrfache Anfrage von rbb|24 nicht sagen. Demnach sei es aus technischen Gründen nicht möglich, eine Aussage darüber zu treffen, wie viele Kunden in welchen Regionen wohnhaft seien. Der Gesamtverband der Deutschen Versicherer (GDV) schätzte diese Aussage gegenüber rbb|24 als unglaubhaft ein.

Kritik an Abwicklungsplattformen

Der Verkauf von hochverzinsten bestehenden Verträgen an spezialisierte Abwickler sorgte zuletzt für Kritik von Politikern und Verbraucherschützern. So befürchtet der Bund der Versicherten, dass die Kunden schlechter gestellt werden könnten. Branchenbeobachter argumentieren dagegen, dass Abwicklungsplattformen im Gegensatz zu klassischen Versicherungsunternehmen keinen Vertrieb brauchen. Ihre Kosten seien geringer, davon könnten Kunden möglicherweise profitieren.

Grünen-Finanzexperte Gerhard Schick sieht dagegen Nachbesserungsbedarf beim Schutz der Versicherten. Die langfristige Beteiligung an den Überschüssen könne sinken und die Qualität des Services leiden. In der Vergangenheit seien die Beschwerdezahlen "gerade bei vielen Run-off-Beständen vergleichsweise hoch" gewesen, sagte Schick. Nun sei die Bafin gefordert, von ihren Befugnissen Gebrauch zu machen und ganz genau hinzusehen.

Finanzaufsicht muss dem Deal noch zustimmen

Generali dagegen betonte, durch den Verkauf solle sich für die Kunden nichts ändern. "Die vertraglichen Verpflichtungen gegenüber den Kunden bleiben unverändert." Viridium wirbt mit Kostenvorteilen, die "n der Folge angeblich sogar zu einer höheren Überschussbeteiligung für die Kunden führen sollen.

Die Finanzaufsicht Bafin muss dem Deal noch zustimmen. "Durch einen Unternehmensverkauf darf kein Versicherungsnehmer schlechter gestellt werden", sagt der Chef der Versicherungsaufsicht der Bafin, Frank Grund. "Dies stellen wir bei Bedarf durch geeignete Maßnahmen sicher." Dazu zähle möglicherweise, dass der Käufer - in diesem Fall Viridium - eine bestimmte Kapitalausstattung garantiere.

Bund der Versicherten stellt Klage in Aussicht

Lebensversicherern fällt es in der Zinsflaute zunehmend schwer, an den Kapitalmärkten die hohen Garantieversprechen der Vergangenheit von bis zu vier Prozent zu erwirtschaften. Manche Unternehmen haben das Neugeschäft mit kapitalbildenden Lebensversicherungen inzwischen eingestellt, einige wollen die teuren Altpolicen loswerden. Die Erwerber - sogenannte Run-off-Firmen - müssen die bestehenden Verträge bis zum Ablauf weiterführen.

Kleinlein kündigte an, dass der Bund der Versicherten genau prüfen werde, was man im Fall der Generali tun könne. "Ab November gibt es ein neues Gesetz, das es uns ermöglicht, für viele – auch für tausend Kunden gleichzeitig – zu klagen. Das werden wir prüfen, ob das das richtige Instrument ist, um gegenzuhalten."

Sendung: Antenne Brandenburg, 06.07.2018, 17 Uhr

Kommentar

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3 Kommentare

  1. 3.

    Es geht nicht um die Anschriften einzelner Personen sondern um die Anzahl der in einer Region bestehenden Verträge.
    Genau lesen anstatt dumme Kommentare abzugeben

  2. 2.

    Ob die Versicherung den Wohnort der Kunden auch nicht wußte, wenn mal die Beiträge ausblieben und Mahnungen verschickt wurden?

  3. 1.

    Die Versicherung weiß nicht, wo ihre Kunden wohnen... hahahahahahaha... was für eine lächerliche Aussage...

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